Ich lerne einen neuen Bezirk kennen,

einen so genannten Flächenbezirk dazu. Wieso? Mein Mann liegt im SMZ Floridsdorf und ich besuche ihn dort.

Als Wienerin habe ich bisher nur im 9., 13., 17. und Ersten Bezirk gewohnt und gearbeitet.  Daher hat mit wenigen Ausnahmen für mich der alte römische Limes – nämlich die Donau – als Grenze gegolten.

In sehr guter Erinnerung sind mir z.B. die Heurigen in Stammersdorf. Erst seit dem Jahr 1938 gehört Stammersdorf zu Wien, doch bis heute ist der Ort ein echtes Weindorf geblieben. Nirgendwo sonst findet man so viele Weinbau- und Heurigenbetriebe und die Stammerdorfer Kellergasse gilt als die schönste der Stadt. Während sich der Gipfel des Bisambergs (358 m) bereits in Niederösterreich befindet, stellt dessen Seitengipfel Falkenberg (320 m) den höchsten Punkt Floridsdorfs dar. Stammersdorf ist eine der ältesten Ansiedlungen im Wiener Raum auf der „anderen Seite“ der Donau und geht in seiner heutigen Form vermutlich auf eine Gründung um das Jahr 1.000 zurück, als sich Franken und Bajuwaren hier ansiedelten. Freilich waren diese bei weitem nicht die ersten Menschen, die ihren Fuß auf dieses Gebiet setzten, das beweisen Funde wie die sogenannte „Venus vom Bisamberg“, eine kleine Statue aus der Zeit um 4.000 vor Christus, die 1955 auf dem Gebiet von Langenzersdorf ausgegraben wurde.

Zu Strebersdorf habe ich auch einen Bezug: dort – in den Gebäuden der Schulbrüder durften die Mitarbeiter der Creditanstalt (in der ich ja gearbeitet habe) schwimmen und sonstigen Sport betreiben. Strebersdorf war bis 1910 eine eigenständige Gemeinde und wurde am 1. Jänner 1911 in Floridsdorf eingemeindet. Urkundliche Erwähnung fand Strebersdorf erstmals 1078. Erste Besiedelungsspuren in Strebersdorf stammen aber schon aus der Steinzeit. Die Römer hinterließen keine Spuren, im Mittelalter gab’s wechselnde Besitzer des Dorfes. 1440 wie die benachbarten Siedlungen Stallern und Krottendorf von einer Hochwasserflut völlig zerstört. Die Bewohner von Strebersdorf siedelten sich daraufhin am Bisamberg an und gründeten den Ort neu. 1428 brannten die Hussiten den Ort nieder, später trieben Raubritter ihr Unwesen. 1477 eroberte Matthias Corvinus das Land und verwüstete auf seinem Heerzug auch Strebersdorf. Als 1529 die Türken vor Wien standen, blieb auch Strebersdorf nicht verschont. Auch der Dreißigjährige Krieg hatte Einfluss auf die Geschichte Strebersdorfs. Nachdem bereits 1679 mehr als ein Drittel der Bevölkerung der Pest zum Opfer gefallen war, bezog am 16. Juli 1683 Herzog Karl von Lothringen mit Reitern und Geschützen Stellung südlich des Bisambergs, um die Türken an der Überfuhr über die Donau zu hindern. Die Türken brannten Strebersdorf und die Nachbardörfer nieder. Daraufhin kehrte Karl von Lothringen zurück und besiegte bei Stammersdorf mit rund 12.000 Soldaten den Pascha von Varaždin. 1703 brandschatzten Kuruzen in der Region und 1713 litt Strebersdorf unter der Pest. Wirtschaftlich profitierte Strebersdorf ab 1753 vom Recht, halbjährig eine Schenke zu betreiben. Die Anwesenheit der Franzosen 1809 überstanden die Strebersdorfer wegen guter Kontakte ihres Herrschaftsbesitzers relativ schadlos. Am 4. Juli 1822 zerstörte dafür ein Brand große Teile der Gemeinde.  Danach raffte die Cholera große Teile der Bevölkerung nieder. In den folgenden beiden Weltkriegen spielte vor allem die Lage am Bisamberg für Strebersdorf eine entscheidende Rolle. Im Ersten Weltkrieg wurden Geschütze sowie Beleuchtungs- und Fernsprecheinrichtungen auf ihm errichtet. Zudem wurden im Ort Eisenbahn-Werkstätten, ein Munitions- und Futtermagazin sowie ein Autokader errichtet, wo Kraftfahrzeuge instandgesetzt wurden. Auch nach 1918 ließen sich immer mehr Firmen in Strebersdorf nieder. Im Zweiten Weltkrieg lag Strebersdorf in einer Haupteinflugsschneise der alliierten Bomber und die Flak-Batterien auf der Elisabethhöhe und im Gebiet von Stammersdorf sorgten oftmals für einen Splitterhagel explodierender Flak-Granaten. Vernebelungsanlagen im südlichen Strebersdorf wurden spätestens nach der Erfindung von Bodensichtungsgeräten auf Radarbasis obsolet. Im April 1945 lag Stammersdorf weiters in der Reichweite alliierter Geschütze, die die zurückweichende deutsche Armee unter Feuer nahmen.

Ein Teil der Neuen Donau und ein Abschnitt der Donauinsel liegen in Floridsdorf, und Limes hin der her, gibt es jede Menge Brücken, die nach Floridsdorf führen.  Dieser Bezirk besteht aus sieben auf ehemals eigenständige Gemeinden zurückgehenden Bezirksteilen. Der namensgebende Bezirksteil Floridsdorf ist der flächenmäßig kleinste. Den größten Bezirksteil bildet Stammersdorf im Norden des Bezirks. An Stammersdorf grenzen Strebersdorf sowie Großjedlersdorf, das aus den beiden Katastralgemeinden Großjedlersdorf I und Großjedlersdorf II besteht. Östlich davon, an der Grenze zum 22. Gemeindebezirk, liegen die Leopoldau und Donaufeld. Jedlesee im Westen setzt sich aus der Schwarze Lackenau zusammen. Zusätzlich befinden sich in Floridsdorf kleine Teile von Kagran und Kaisermühlen, die zum Großteil, im Gemeindebezirk Donaustadt liegen.

Die erste Führung „Floridsdorf by night“ hat ein Taxler gemacht, stolz hat er mich auf die Highlights des Bezirks aufmerksam gemacht, sogar sein Wohnhaus hat er mir gezeigt. Er hatte eindeutig Migrationshintergrund, aber auf sein Floridsdorf ist er mächtig stolz. Und so etwas freut mich sehr!

Näheres zu der Umgebung, die ich gerade kennenlerne: demnächst!

 

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