Der Weg nach Floridsdorf

Am besten (für mich) erreiche ich das SMZ Floridsdorf mit der U-Bahn, nämlich derzeit die U4 und die U6. Die Strecke der U4 ist mir wohlvertraut – da hab‘ ich noch eine Observierung und damit einen Nachtrag zum „Donaukanal“.  Ja, auch heute lagern Leute am Ufer, nicht mehr im Gras, sondern auf Liegestühlen und nicht mehr in der Kombinage.

Wenn ich nun in der Station Spittelau in die U6 umsteige wird die Welt plötzlich bunter und jünger – viele fahren auf die Donauinsel zu Sport und Spiel. Und zum Glück geht da die Strecke nicht nur unterirdisch: Und wenn ich da so in die Gegend schaue: Häuser und Villen im Grünen, eine nicht all zu große Moschee mit Minarett (die erste in Wien erbaute – damals ohne Widerstand) und im Hintergrund die Hochhäuser am nördlichen Donauufer. Es schaut für nicht so aus, als ob es in Wien wäre.

Der Blick in die Alte Donau: lustiges Strandtreiben –  naja, wäre schon fein, jetzt dort zu sein. Und schon ist Endstation: Floridsdorf – und oben kommt man auf dem Franz-Jonas-Platz heraus. Er ist benannt nach dem Bürgermeister von Wien und Abgeordneten zum Nationalrat (1951-1965) beziehungsweise österreichischen Bundespräsidenten (1965-1974) Franz Jonas, der 1946-1948 Bezirksvorsteher von Floridsdorf gewesen war. Jonas wurde unmittelbar nach Kriegsende in die provisorische Gemeindeverwaltung in seinem zur sowjetischen Zone gehörenden Heimatbezirk Floridsdorf berufen, wo er sich als Bezirksvorsteher Verdienste um die notleidende Bevölkerung erwarb und sich vehement für den Wiederaufbau seiner zerstörten Heimat einsetzte.  Dass dieser Bahnhof ein „sozialer Brennpunkt“ sein soll, habe ich noch nicht feststellen können.  In den letzten Jahren ist der fünftgrößte Wiener Bahnhof sicherheitstechnisch aufgerüstet worden. Klassische Straftaten gibt es am Franz-Jonas-Platz nur sehr wenige.

Dies ist der Bezirksteil Donaufeld.  Das spätere Donaufeld gehörte ursprünglich zur Gemeinde Leopoldau. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier zahlreiche Fabriken und Wohnhäuser errichtet. Daraus entstanden zwei neue Ortschaften: Neu-Leopoldau und Mühlschüttel. 1881 wurden diese beiden Orte von der Gemeinde Leopoldau getrennt und bildeten eine eigene Gemeinde Neu-Leopoldau mit Mühlschüttel, die 1886 aufgrund der Verwechslungsgefahr mit der Gemeinde Leopoldau in Donaufeld umbenannt wurde.

1894 wurde Donaufeld mit den Gemeinden Jedlesee, Floridsdorf und Neu-Jedlersdorf zur Großgemeinde Floridsdorf zusammengeschlossen. Am 28. Dezember 1904 erfolgte schließlich gemeinsam mit weiteren Ortschaften die Eingemeindung in Wien zum 21. Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf. In Donaufeld befinden sich Industrie und Landwirtschaft nebeneinander – und zusätzlich ist es ein Naherholungsgebiet aller Wiener. Durch die Donauinsel und die Alte Donau verfügt der Bezirksteil über ein großes Freizeit- und Badeareal. An der Alten Donau befinden sich noch einige Strandbäder.

Aber so viel von dem Bahnhof und dem Platz muss ich gar nicht wahrnehmen, denn kaum bin ich draußen, bin ich schon in der Franklinstraße.  Jetzt spaziere ich durch die schattige Franklinstraße – eine Fußgängerzone. Früher hieß sie Rudolfstraße. Jetzt ist sie benannt nach dem amerikanischen Politiker, Schriftsteller und Naturwissenschaftler Benjamin Franklin (* 17. Jänner 1706 Boston, † 17. April 1790 Philadelphia), Sekretär des Kolonialparlaments von Pennsylvanien, Oberpostmeister von Philadelphia, Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung von 1776, Gesandter in Paris (1776-1785) und Gouverneur von Pennsylvanien. 1746-1752 beschäftigte er sich mit Naturwissenschaften (Entwicklung des Blitzableiters, Untersuchung der Wärmestrahlung und des Magnetismus). Und trefflicherweise befinden sich gleich drei Schulen in dieser Straße und ein Hallenbad. Hier ist gut sein! Die Straße wird beidseitig von großen schönen unterschiedlichen Bäumen gesäumt, dazwischen finden sich Bänke, Trinkwasserbrunnen. Am Rade sind außer dem Schulen modern Wohnhäuser – ebenfalls in Gärten, in denen  sich sogar meine geliebten Platanen finden. Dadurch, dass es nach „nahem Wasser“ riecht, könnte man sich vorstellen in irgendeinem Ferienort an der oberen Adria und nicht in Wien spazieren zu gehen. Dann werden die Bäume weniger und es stehen und fahren auch Autos herum.

Und schon habe ich einen Kirchturm im Auge: Die Donaufelder Pfarrkirche ist ein neugotischer Backsteinbau und mit ihrem 96 Meter hohen Turm die dritthöchste Kirche Wiens. Die Donaufelder Pfarrkirche war ursprünglich als Bischofskirche einer neuen niederösterreichischen Diözese geplant. Diese neue Diözese wurde nie gegründet und die Pfarre, die dem Heiligen Leopold geweiht ist, der Erzdiözese Klosterneuburg unterstellt. Bei der Grundsteinlegung dieser Kirche 1905 waren sowohl der Kaiser Franz Joseph I. mit dem damaligen Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger, sowie zwei Erzherzöge anwesend. Der Sakramentsaltar der Kirche stammt aus dem Akademischen Gymnasium (die Schule, die man Mann besucht hat) und wurde erst 1940 aufgestellt. Da man aber der Meinung war, er störe das Jugendstil-Gesamtbild der Kirche, wollte man ihn wieder abtragen lassen. Nach Bekanntwerden der Kosten von damals 30.000 Schilling nahm man von einer Abtragung wieder Abstand. Der Sakramentsaltar befindet sich noch heute in der Kirche.

Und schon bin ich beim SMZ Floridsdorf angelangt, das auch einen schönen schattigen Garten hat.

Übrigens diese Fahrt dauert – je nach Frequenz der U-Bahnen ca. 50 Minuten. Soweit habe ich jetzt Floridsdorf/Donaufeld erkundet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Weg nach Floridsdorf

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