Status der Ungläubigen im frühen Islam

Dimmitude und Dschizya

Als sich der Islam anfing, sich auszubreiten, lebten Menschen unterschiedlicher Religionen n den eroberten Gebieten. Primär gegen Westen waren es Christen und Juden, gegen Osten Zoroastrier.  Aus Sicht der Muslime waren sie zwar keine Ungläubigen, sondern Menschen der Bücher (Bibel).  Aber diese Menschen wurden zu Dhimmis („Schutzbefohlenen“) und mussten dafür auch Steuer zahlen, die so genannte Dschizya.

Dhimma ist eine Institution des islamischen Rechts, die den juristischen Status nichtmuslimischer „Schutzbefohlener“ unter islamischer Herrschaft festlegt. Die Definition der „Dhimma“ und der juristische Umgang mit Schutzbefohlenen sind im islamischen Kriegs- und Fremdenrecht im zweiten muslimischen Jahrhundert (8. Jahrhundert n. Chr.) entstanden. Ein solches Schutzbündnis war ursprünglich nur Juden, Christen und Sabiern vorbehalten (im 12./13. Jahrhundert untergegangene Religionsgemeinschaft, die vor allem im Südosten der heutigen Türkei und in den benachbarten Gebieten des heutigen Syriens und des Libanons verbreitet war. Der Kult beruhte offenbar auf der Verehrung der Gestirne. Wichtigster Gott war wahrscheinlich der babylonische Mondgott Sin). Im Laufe der islamischen Expansion hat man indes das Angebot der Dhimma auch auf andere Religionsgemeinschaften, wie beispielsweise die Zoroastrier oder die Hindus, ausgeweitet, so dass letzten Endes alle Nichtmuslime schlechthin dazu befähigt waren, einen Dhimma-Vertrag mit den muslimischen Eroberern zu schließen.

Seit der Entstehung der Nationalstaaten in der islamischen Welt mit jeweils unterschiedlichem Geltungsbereich der Scharia in ihren Legislativen ist die Rechtsstellung des Dhimmi in der Gegenwart entweder aufgegeben oder modifiziert worden!

Der Begriff der Dhimma kommt in einer Auseinandersetzung Mohammeds mit den Polytheisten von Mekka in den Versen 8 und 10 der 9. Sure in der Bedeutung von „Bindung“ und „Verpflichtung“ vor. In einigen Sendschreiben Mohammeds an die arabischen Stämme und christlichen Gemeinschaften wird die „Dhimma Gottes und seines Gesandten“ bei der Bekehrung zum Islam zugesichert.

Dschizya ist eine für die den nichtmuslimischen Schutzbefohlenen (Dhimmi) unter islamischer Herrschaft auferlegte Steuer. Diese Abgabe beruht auf einem Koranvers (9.29), der vor dem historischen Hintergrund der Feldzüge Mohammeds gegen Byzanz und dessen arabischstämmige Verbündete im Norden der Arabischen Halbinsel im Jahre 629 entstand.

Zwangsbekehrungen waren die Ausnahme, aus einem guten Grund: Die Dschizya brachte immer mehr ein, als die so genannte Armensteuer (Zakat), die Muslime zahlen mussten. Aufgrund der damals noch sehr hohen Anzahl an Christen brachte sie dem Staat hohe Einnahmen. Zusammen mit der Kriegsbeute aus den Eroberungsfeldzügen füllte sie die Schatztruhen der Kalifen und 638 gestand Kalif Umar (Umar ibn al-Chattāb, * 592 in Mekka; † in Medina, oft kurz Omar, der zweite Kalif 634–644). Die Sunniten betrachten ihn als einen der vier „rechtgeleiteten“ Kalifen. Die imamitischen Schiiten erkennen ihn dagegen nicht als Kalifen an. (jedem Gläubigen (also Muslim) das Recht auf einen Anteil zu. Mit zunehmender Ausdehnung und Aufwertung wurde der Islam zu einer lukrativen Angelegenheit, und Übertritte zu einem Privileg, das nur jenen Ungläubigen gewährt wurde, die einen arabischen Fürsprecher finden konnte.

Neben diesem finanziellen Anreiz, Bekehrungen zu begrenzen, gab es noch andere Überlegungen: Zu einer Zeit, als die Muslime glaubten, die Posaunen der Apokalypse könnten jederzeit ertönen, sah man die Notwendigkeit, jedweden negativen spirituellen Einfluss zu vermeiden. Der Umgang mit Ungläubigen galt als riskant, und für unwillige oder unechte Bekehrte würde es allzu leicht sein, einen guten Muslim auf Abwege zu führen.  Damit Beschloss Umar, Juden und Christen aus dem Hedschas zu vertreiben. Später allerdings also 985 – wurde festgestellt, dass die meisten Menschen in Qurh, der zweitgrößten Stadt nach Mekka auf dem Hedschas, Juden waren). Andererseits dient diese Erlass Umars noch heute in Saudi-Arabien, eine Staatspolitik zurechtfertigen, die Nicht-Muslime ausschließt.

Komplizierter war es in den Ländern, die die Araber neu7 erobert hatten: da schloss man sich von der einheimischen Bevölkerung ab. Die Besatzungsarmeen errichteten einzelne aus Schilf und Lehm gebaute Kasernen, an strategisch wichtigen Orten wie z.B. Basra und Kufa am Schatte el-Arab und am Euphrat, und sie beschränkten den Umgang mit der lokalen Bevölkerung auf ein Minimum. Dennoch wuchsen Orte um diese Kasernen herum, in denen sich Händler ansiedelten, die Bauern ihre Produkte zum Markt brachten. Als diese Ortschaften dann zu Städten wurden, nahmen die Gefahren des Umgangs mit ungläubigen Unterworfenen zu. Zwei von Umars ersten Gouverneuren im Irak wurden abberufen, nachdem berichtet worden war, dass sie den Irak so verführerisch wie eine Prostituierte fänden.  Ein anderer Amtsträger hatte ein Gedicht zu Ehren von Kneipen und Tänzerinnen in der Provinz Maysan verfasst, das dem Kalifen zu Ohren kam.

Es entstanden nun Gesellschaften in diesen eroberten Ländern, die kulturell außerordentlich vielfältig waren. Obwohl die Toleranz des Islam anfangs einer Notwendigkeit darstellte, betrachteten die Muslime ihre Bereitschaft, Außenseiter zu akzeptieren als eine Tugend. Die ersten islamischen Kalifen waren milde Herrscher. Z.B. in Damaskus requirierten die Muslime nur einen Teil der dortigen Kathedrale, sie wurde erst zu einer Moschee umgestaltet, nachdem sie ihren christlichen Eigentümern Anfang des 8. Jahrhundert abgekauft worden war. Die Dschizya war nicht höher, als die vormaligen Steuern an Byzanz oder an die Sassaniden.                Trotz alledem blieben Christen und Juden Menschen mit wesentlich geringeren Rechten, vielen zusätzlichen Einschränkungen und vermindertem Status.

Status der Ungläubigen im frühen Islam

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s