Wie es zur Spaltung in Sunniten und Schiiten kam

Die Muslime beherrschten zwar einen großen Teil der bekannten Welt, aber nun brachen Spannungen innerhalb der islamischen Gemeinschaft aus. Es war die Zeit, als die Araber begannen, das überlieferte Wissen der Griechen zu übernehmen. Es war aber auch die Zeit, in der die jetzige Fassung des Koran und der Sunna entstehen. Und in Europa war es die Zeit Pippins I., Stammvaters der Karolinger und Hausmeier

Begonnen hat es 644, als Umar zehn Jahre nach seinem Amtsantritt beim Gebet von einem persischen Sklaven erstochen worden war. Dass dieser Mörder ein Mann war, der nach der Eroberung seines Landes auf den Status eines Sklaven herabgesunken war, zeigt einen ethnischen Konflikt, der bis heute nicht beseitigt ist. Dieser Mord ließ auch die Rivalitäten wiederaufleben, die bereits nach dem Tod des Propheten aufgetreten waren. Da der Prophet keine Nachfolger nominiert hatte, war Ali, Vetter und Schwiegersohn dessen Meinung nach, übergangen worden.

Umar rief sechs angesehene Männer an sein Sterbebett und empfahl ihnen einen Konsultativrat, eine Schura, zu bilden, um einstimmig festzulegen, wer der nächste Kalif sein sollte. Ein Abweichler sollte mit dem Tod bestraft werden. Ali gehörte dieser Schura an, aber es war nicht er, sondern Uthmann, auf den man sich als Kalifen einigte. Ali verhielt sich passiv. Manche meinten später, dass sein Unvermögen, einen Führungsrolle zu beanspruchen, Verrat an Gott wäre.

Uthman, der schon 70 war und dem Clan der Umayya angehörte, überschüttete seine Verwandten mit Vergünstigungen. Alis Clan sah das mit großer Missgunst. Es kriselte in den Garnisonen von Irak und Ägypten, daraufhin strömten Hunderte von Gegnern des Kalifen nach Medina. Uthman wurde in seinem eigenen Haus belagert und vom Mob erschlagen.  Damit begann ein Bürgerkrieg. Nun übernahm Ali, Abū l-Hasan ʿAlī ibn Abī Tālib, die Macht und begab sich nach Kufa. Aischa, die Lieblingsfrau des Propheten, die immer schon einen Groll gegen Ali gehegt hatte, unterstützte eine Rebellion gegen ihn. Sie ritt sogar auf einem gepanzerten Kamel in die Schlacht gegen Ali. Diese Schlacht brachte kein Ergebnis, aber in Syrien hatte Uthman einen seiner Vettern, Muawiya, an die Spitze einer großen Besatzungsarmee gestellt, den aber Ali nicht anerkannte.

Damit hatte die später so genannte fitna begonnen. Das Wort kommt im Koran öfter vor und bedeutet „schwere Prüfung“ bzw. „Versuchung durch Gott“. Gemeint ist eine Prüfung oder Versuchung, die so schwer ist, dass der Glaube (insbesondere der „Glaubensschwachen“) gefährdet ist. Die Zusammenstöße 657 entwickelten sich zu einem militärischen Konflikt, in einem am Euphrat gelegenen Dorf namens Siffin. Einer Legende nach schwenkte Muawija das blutbefleckte Hemd des ermordeten Kalifen sowie einen Koran, womit er einen Angriff Alis zu verhindern suchte, dem er vorwarf, den Mörder des Kalifen Uthman nicht zur Rechenschaft gezogen zu haben. Mit dieser Aktion waren Alis Bogenschützen und Kavallerie, die meinten, dass Gott sie alle beobachteten, wie gelähmt.  Ali strebte neuerlich einen Kompromiss an. Muawiya behielt die Kontrolle über Syrien, während Ali von einer Gruppe von Anhängern im Stich gelassen worden war. Diese waren von Ali enttäuscht.

Nun übernahm Muawiya das Kalifenamt – und ernannte, gegen die bisherige Methode des Einsatzes einer Schura, seinen Sohn zum Nachfolger. Dieser Sohn Yazid übernahm 680 das Amt und Titel des Kalifen. Aber Alis jüngerer Sohn Hussein verweigerte ihm die Gefolgschaft. Es kam zu einer militärischen Auseinandersetzung in einem irakischen Dorf namens Kerbala. Husseins magere Streitmacht bestand fast nur mehr aus seiner Kohorte. Dieser gestatte seinen Leute nicht an dem Kampf teilzunehmen. Etwa hundert Männer, Frauen und Kinder wurden von Yazids Truppen gefangen genommen und größtenteils getötet. Husseins Kopf wurde als Trophäe für den Kalifen zurück nach Damaskus gebracht, während sein Leichnam ausgeraubt wurde und unbestattet in der Sandwüste zurückblieb.

Dieses Gemetzel bei Kerbela markierte einen Wendepunkt. Bis zum heutigen Tag pilgern Schiiten der ganzen Welt am Jahrestag dieses Gemetzels nach Kerbala.

Als dann einer von Abu Bakrs (erster Kalif und Schwiegervater des Propheten) Enkelsöhnen Yazid, den amtierenden Kalifen, von Medina aus als Hochstapler bezeichnete, begann ein zweiter Bürgerkrieg. Er wurde er 692 beendet und hatte Tausende von muslimischen Toten auf beiden Seiten gefordert. Yazid aber zementierte den Zugriff seiner Familie auf die Macht und übertrug das Kalifat seinen eigenen Sohn. Der Umayyaden-Clan hatte die spirituelle Nachfolge des Propheten in ein erbliches (Macht-)Privileg verwandet. In dieser Periode mussten die Vorstände der Moscheen Ali in ihren Gebeten verfluchen.

Damit waren Sunniten und Schiiten (die Anhänger Alis) gespalten und einander Feind.

Ich kann nicht umhin daran zu denken, dass diese Auseinandersetzung und die daraus resultierenden Spannungen das Weltgeschehen noch immer beeinflussen: Die Situation im Nahen und Mittleren Osten gibt davon Zeugnis.

 

 

 

 

 

 

Wie es zur Spaltung in Sunniten und Schiiten kam

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