Zentralfriedhof, einmal hin und zurück.

Heute besuchte ich das Grab am Zentralfriedhof. Ein schöner Tag, nicht zu heiß, es hat auch nicht geregnet. Und für mich ist es einfach, zum Zentralfriedhof zu gelangen, auch wenn ich kein Auto habe. Ich hab‘ ja den 71er. An diesem Samstag (nur heute?) hatte er lange Intervalle, also 10 Minuten, aber schließlich habe ich es nicht eilig. Sitzplätze gab’s auch genug. Also rollte ich über den Rennweg. Sehr viel Aufmerksamkeit widmete ich der Umgebung nicht – das werde ich vielleicht ein anderes Mal machen. Wieder einmal wurde mir klar, wie groß Simmering eigentlich ist – einer der Wiener so genannten “Flächenbezirke“. Dabei dachte ich an Johann Holzer. Johann Holzer trat bereits 1923 der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) bei und war bis 1934 aktiv im Republikanischen Schutzbund tätig. Nach dem Februar 1934 war er in politischer Haft. Nach 1945 war er als Gewerkschafter und Kommunalpolitiker (Bezirksrat in Simmering) tätig. Beruflich war er zuletzt Generaldirektor-Stellvertreter der Creditanstalt. Es war ein Chef, der all Neueintritte zu sich lud, und mit ihnen über ihre Zukunft in der Bank sprach. Er war ein ruhiges Pendant zu dem lebhaften Heinrich Treichl, dem Generaldirektor. Er hatte sich ein Haus in Pernitz gebaut, wo wir, mein Mann und ich, des Öfteren bei ihm zu Gast waren. Er und seine Frau waren sehr eng verbunden und äußerst liebenswerte Menschen. Sie sangen gemeinsam, sie spielte Ziehharmonika.

So lange hat die Fahrt dann auch nicht gedauert. Dieser Zentralfriedhof ist schon groß – 3 Straßenbahnhaltestellen lang.  Er wurde 1874 eröffnet und zählt mit einer Fläche von fast 2,5 km² und rund 330.000 Grabstellen zu den größten Friedhofsanlagen Europas. Die 1784 von Kaiser Joseph II. verfügten „Josephinischen Reformen“ hatten nachhaltige Auswirkungen auf das Wiener Bestattungswesen. Bestattungen selbst sollten möglichst sparsam und funktionell gestaltet werden, Schachtgräber und mehrfach verwendbare Klappsärge sind nur zwei Beispiele für diese kaiserlich verordneten Sparmaßnahmen. Das hat den Wienern natürlich gar nicht gefallen. 1863 beschloss der Wiener Gemeinderat die Errichtung eines Zentralfriedhofs, weit außerhalb der Stadt, der so großflächig sein sollte, dass seine Aufnahmekapazitäten nie oder zumindest erst in ferner Zukunft ihre Grenzen erreichen sollten. Gleichzeitig wurde die bisherige alleinige Zuständigkeit der Kirche für Begräbnisstätten aufgehoben, damit kam es zu einem von der Gemeinde verwalteten (und auch finanzierten) Friedhof. Die Planungsannahme war, dass sich Wien bis Ende des 20. Jahrhunderts zu einer Metropole mit rund vier Millionen Einwohnern entwickeln würde. Ganz so ist das nicht eingetreten, es gibt noch viele freie Flächen. Der Friedhof ist auf einem Lössboden angelegt, da ein solcher auf den Verwesungsprozess von Leichen im Vergleich zu anderen Bodenarten beschleunigend wirkt und zudem die Gefahr der „Ausbreitung und Verschleppung epidemischer Krankheiten aus dem Friedhof“ geringer sei. Weiters wurde auf den Umstand hingewiesen, dass Lössboden bequem zu bearbeiten ist und somit der Aushub von Gräbern schneller durchführbar sei und überdies eine geringere Einsturzgefahr der Grabwände bestünde.

Seit und teils auch schon vor seiner Eröffnung wurde der Zentralfriedhof häufig kritisiert und war bei der Bevölkerung nicht sehr beliebt – und dementsprechend schlecht besucht. Die Reise dorthin war lange und beschwerlich,  da es noch keine direkte Bahnverbindung zum Friedhofsgelände gab. Um diesem negativen Image entgegenzuwirken und die Attraktivität des Friedhofs zu steigern, beschloss der Gemeinderat 1881 die Errichtung einer Ehrengräberanlage. Dazu wurden die sterblichen Überreste verschiedener prominenter Persönlichkeiten von anderen Friedhöfen auf den Zentralfriedhof verlegt, unter anderem Ludwig van Beethoven und Franz Schubert vom Währinger Ortsfriedhof. 1910 bekam der Friedhof eine Friedhofskirche, zum heiligen Karl Borromäus, und damit einen weiteren Anziehungspunkt für die Besucher. Die Kirche wurde lang als Karl-Lueger-Gedächtniskirche bezeichnet, weil Karl Lueger, der von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister war, hier beigesetzt ist. Er hat sich auch gleich neben dem Hauptaltar verewigen lassen.

Ein anderes Problem, mit dem die Stadtväter zu kämpfen hatten, waren die Leichentransporte. Bei hunderten Toten pro Woche, die zur damaligen Zeit mit Pferdewagen in die neu entstandene Nekropole gebracht werden mussten, prägten diese kaum enden wollenden Leichenzüge schon bald das alltägliche Bild der Simmeringer Hauptstraße, sehr zum Missfallen der dort wohnenden Bevölkerung, der diese ständige Konfrontation mit dem Tod zusehends auf das Gemüt schlug. Schon ab dem ersten Winter kam es immer wieder dazu, dass Kondukte im Schnee steckenblieben. Vorschläge, Konzepte und Pläne für alternative Leichentransporte gab es viele, die jedoch allesamt nicht zur Durchführung gelangten. Sehr modern war der Plan, ähnlich dem Prinzip der Rohrpost die Leichenbeförderung pneumatisch in einem langen, beim Zentralfriedhof endenden Tunnel durchzuführen. Im Zweiten Weltkrieg sind Leichentransporte mittels einer Bestattungsstraßenbahn, die zahlreiche Särge aufnehmen konnte, durchgeführt worden.

Im Zuge des Pogroms gegen die jüdische Bevölkerung in der Reichspogromnacht (der sogenannten „Reichskristallnacht“) am 9. November 1938 wurde die Zeremonienhalle in der alten Israelitischen Abteilung von Nationalsozialisten gesprengt und jene in der neuen Israelitischen Abteilung verwüstet. Außerdem wurden zahlreiche Grabstätten beschädigt oder zerstört.

In dieser Zeit wurden hunderte Widerstandskämpfer und Deserteure der Wehrmacht im Wiener Landesgericht hingerichtet und deren Leichen anschließend in Schachtgräbern auf dem Zentralfriedhof verscharrt. Die Angehörigen wurden weder über Ort noch Zeitpunkt der Beisetzung informiert. Einige Jahre nach Kriegsende wurden die Grabstätten der Hingerichteten von der Stadt Wien zur Mahn- und Gedenkstätte erklärt.

Der Zentralfriedhof in seiner heutigen Form besteht einerseits aus dem interkonfessionellen „Hauptfriedhof“, der jedem Verstorbenen, ungeachtet der Glaubensrichtung, als letzte Ruhestätte zur Verfügung steht, andererseits aus den verschiedenen konfessionellen Friedhöfen und Abteilungen. Der überwiegende Teil des Hauptfriedhofs besteht seit jeher aus katholischen Gräbern. Darüber hinaus bestehen mittlerweile Abteilungen und Friedhöfe weiterer Konfessionen: buddhistisch, evangelisch, islamisch (alte, neue und islamisch-ägyptische Abteilung), jüdisch (alter und neuer Friedhof), orthodox (russisch, griechisch, rumänisch, etc.), mormonisch.

Der Zentralfriedhof zählt zum östlichen Grüngürtel von Wien. Aufgrund seiner Größe und des zum Teil dichten Baumbestandes beherbergt er eine vielfältige Fauna. Am häufigsten zu beobachten sind die vielen Eichhörnchen, rund 20 Rehe werden gezählt.  Darüber hinaus bietet der Zentralfriedhof Lebensraum für Turmfalken, Feldhamster, Dachse, Marder, Frösche und allerlei Kleintiere. Bis Mitte der 1980er Jahre war das Friedhofsgelände sogar offizielles Jagdgebiet und der Wildbestand wurde durch einen von der Forstverwaltung eingesetzten Jäger kontrolliert. Heutzutage wird versucht, das ökologische Gleichgewicht auch ohne Einsatz von Gewehren zu bewahren.

Es war ruhig, heute am Vormittag am Friedhof, wenige Autos fuhren vorbei, dafür aber 2 Fiaker. Was meine Aufmerksamkeit erregte, war eine große parkartige Fläche, auf der Steine in der Form von Steinkreisen (ähnlich wie Stonehenge – nur viel kleiner) angeordnet waren. Es soll ein Kraftfeld sein und bildet die Tag- und Nachtgleiche ab.

So beruhigt, stieg ich in den bereitstehenden 71er ein. Aber sehr zu meinem Ärger fuhr dieser nur zur Schlachthausgasse (Demo auf dem Ring). Nur war guter Rat teuer. Denn vom „Verfassungsschutzgebäude“ bis zu uns nach Hause, ist es doch weit. Ein freundlicher Herr der Wiener Verkehrsbetrieb wies mich auf die Möglichkeit des 74A. Vom Stubentor war es dann doch nicht so weit.

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Zentralfriedhof, einmal hin und zurück.

Heute habe ich den Rollstuhl zurückgeführt (Teil 1)

Hilfsgeräte, die wir gemietet hatten, sind nun zurückzustellen. Dazu gehört das Krankenbett und die „Aufstiegshilfe“.  Sie hat dazu gedient, die zwölf Stufen zwischen Eingang und Lift zu überwinden, die sonst ein Hindernis „an der Welt teilzunehmen“ dargestellt hätten.  Diese 12 Stufen waren seit der Gehirnblutung meines Mannes eine Herausforderung gewesen, zuletzt eine unüberwindbare Barriere.

Auch der Rollstuhl ist erst nach und nach in unser Leben getreten, war er anfangs nur für Reisen in Verwendung, später dann um herumzukommen, zuletzt aber permanenter Aufenthalt – auch in der Wohnung. Mein Mann konnte sich nicht mehr allein „umsetzen“ z.B. in einen anderen Sessel. Daher musste er eigentlich permanent im Rollstuhl bleiben.

Heute habe ich ihn also zurückgeführt, den ausgeborgten Rollstuhl. Es war seltsam, einen leeren Rollstuhl zuschieben. Und es war auf einem Weg, den wir oft und oft gemeinsam zurückgelegt haben. Auf diesem Weg habe ich alle „Tücken“, die auf Rollstühle lauern, schon sehr genau gekannt. Ich wusste, wo die Gehsteige bequem abgesenkt waren, wo ich besser einen Umweg machen müsste.  Und ich erinnerte mich an die gemeinsamen Orte, die wir besucht haben.

Da war unterwegs der Albertina Platz, der ja teilweise Zilk Platz heißt, benannt nach dem 2008 verstorbenen Bürgermeister Helmut Zilk, der 1984 bis 1994 amtierte. Er war ein sehr engagierter Bürgermeister, zu Fuß unterwegs in Wien, er hatte immer ein offenes Ohr für die Bürger und ihre Anliegen. Er hat auch meinen Mann im Spital – bei seiner Gehirnblutung – besucht, kurz bevor er dann selber in dieses Spital kam, nach dem Briefbombenattentat. Immer wenn ich mit meinem Mann dort vorbeifuhr, wies er darauf hin, dass hier der 1945 abgebrannten Philipphof gestanden ist. Am 12. März 1945 wurde der Philipphof von mindestens fünf Bomben getroffen, der darauffolgende Brand zerstörte das Gebäude vollkommen. Hier gab es die höchste Zahl von zivilen Todesopfern in einem einzigen Objekt in Wien. Alleine im Luftschutzkeller, in dem schätzungsweise 230 Personen Zuflucht gesucht hatten, kamen 140 Menschen ums Leben. Das Haus wurde so stark zerstört, dass eine Bergung aller Toten nicht möglich war. Die Baureste wurden am 24. Oktober 1947 (nachdem man 180 der wahrscheinlich weit über 300 Toten exhumiert hatte) gesprengt, der Platz planiert. An der Stelle des Philipphofs wurde eine Grünfläche angelegt, später wurde das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus aufgestellt.

Oftmals waren wir auch gemeinsam in der Albertina gewesen, immer hatte Tommy darauf gedrängt, die jeweils aktuellen Ausstellungen zu besichtigen. Manchmal haben wir einzelne auch leider verpasst.  Früher, als noch Walter Koschatzky Direktor der Albertina war, hatten wir ihn sogar in seiner Wohnung in diesem Gebäude besucht. Dort stand eine Chaise Longue bei einem Fenster mit Blick auf den Burggarten. Und einmal zeigte uns Walter, dass er aus der Albertina direkt in die kaiserliche Hofpfarrkirche gelangen konnte, also in die Augustiner Kirche. Sie ist unsere Pfarrkirche. Da mein Mann die Mozart Messen liebte, fanden wir uns oft dort ein. Es war besonders die Krönungsmesse, die es ihm angetan hatte. Dennoch, es war eine gewisse Herausforderung, denn die Rampe für den Rollstuhl in die Kirche ist leider ziemlich steil und das konnte ich allein nicht bewerkstelligen, aber immer hat sich dann jemand gefunden, der uns hinauf- bzw. hinunterschob. Fixpunkte waren die Mette um Mitternacht am 24. Dezember und die Messe am Nachmittag des Silvestertages. Zu diesen Zeiten war die Kirche bitterkalt und die Zeremonien dauerten recht lange, dafür gab’s nachher dann den Klosterpunsch.

Am Josefsplatz führte uns der Weg entweder in die Nationalbibliothek, auch hier verpasste mein Mann nur ungern die interessanten Ausstellungen. Nur ist das Kopfsteinpflaster am Josefsplatz ein besonderes Problem für beide, für jenen der im Rollstuhl sitzt, den „beutelt“ es heftig durch, aber auch für den, der den Rollstuhl schiebt, man bleibt in den Rillen zwischen den Pflastersteinen stecken.

Im Palais Pallavicini gibt es wunderbare Räume für große aber auch kleine Festlichkeiten. Ich erinnere mich gerne an Hochzeitsempfänge, aber auch (diplomatische) Diners, zu denen wir noch eingeladen wurden, als mein Mann Chefredakteur gewesen ist.

Ecke Bräunerstraße befindet sich unübersehbar die Tanzschule Elmayer. Wir sind zwar beide „zum Elmayer“ gegangen, aber (noch) nicht miteinander.  Wir haben Willy Elmayer-Vestenbrugg (* 27. Mai 1885, † 7. November 1966) später näher kennen- (mein Mann war Ghost-Writer für eines seiner Bücher) und schätzen gelernt.

Der Durchgang bei der Stallburg war für uns beschwerlich, weil dort fast immer – dichtgedrängt – irgendwelche Touristengruppen stehen und man daher mit Rollstuhl nicht durchgekommen ist. Daher haben wir den Radweg- außen – benutzt, nicht immer zur Freude der Radfahrer. Außerdem ist mir dort einmal das Geldbörsel aus der Handtasche gestohlen worden – naja, wenn man nicht aufpassen kann! Dazu kommt, dass wir beide, mein Mann und ich, uns immer geärgert haben, dass das Gerüst zur Abdeckung des Hofes der Stallburg während des Jahres nicht abgebaut wurde.  Ich sehe ja ein, dass man ihn für die Fete Imperiale abdecken muss, aber dann sollte man dieses eher nicht sehr schöne Gerüst doch lieber entfernen, es stört!  Der Ballfindet heute statt, am 29.6.2018.

Bevor ich auf den von mir so gefürchteten Michaelerplatz zu sprechen komme, auch dort quält das Katzenkopfpflaster, muss ich noch kurz erwähnen, dass wir in der Reitschulgasse oft die Fronleichnamsprozession erwarteten. Und ebendort gibt es einen Juwelier, wo mein Mann Geschenk für mich eingekauft hat.

Den restlichen Weg bis zur Freyung dann morgen ….

Heute habe ich den Rollstuhl zurückgeführt (Teil 1)

„Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert …“

Vordergründig scheint es, als ob man in Europa und den USA keine anderen Sorgen hätten, als das „Fremde“ abzuwehren.

Es gab ein diesbezügliches Vorwegtreffen und nun gibt es einen „Gipfel“ aller europäischen Staatschefs zur Migration. In der Zwischenzeit irren Rettungsschiffe von NGOs mit geretteten Flüchtlingen tagelang, auf der Suche nach einem Hafen, im Mittelmeer herum. Was schützen wir eigentlich noch in dieser Festung Europa: die Menschenrechte? Ich glaube eher, dass wir sie mit Füßen treten. Die Demokratie? Ich habe das fürchterliche Gefühl, dass sie ringsum erodiert. Die Türkei hat gerade bei der Wahl gezeigt, wie man „Nationalismus“ nutzen kann. Christentum? Mit christlicher Nächstenliebe hat unser aller Verhalten diesbezüglich nur mehr herzlich wenig zu tun. Haben wir damit Respekt gegenüber menschlichen Leben gezeigt? Na, eher nicht! Haben wir die Gleichheit bewahrt? Mir scheint, dass wir uns für gleicher halten, als die „Fremden“. Schützen wir die Freiheit des Einzelnen? Üben wir Toleranz?  Mir fällt es schwer, diese Fragen mit „ja“ zu beantworten.

Ich kann nicht nachvollziehen, dass es verfassungsrechtlich richtig sein soll, Menschen aus manchen muslimischen Ländern den Zutritt nach den USA zu verbieten. Aber erstens bin ich kein Verfassungsjurist und zweitens keine Amerikanerin. In den USA musste Donald Trump gerade die Maßnahme der Trennung von Kindern von ihren Eltern mexikanischer Einwanderer auf Druck eigentlich des Volkes zurückzunehmen. Jetzt gehen die Kinder (nachdem sie hoffentlich alle wieder zusammengeführt worden sind) zusammen mit ihren Eltern ins Gefängnis. Dort dürfen sie aber nur 20 Tage bleiben. Also, dieses Problem ist weit davon entfernt gelöst zu sein.

Stolz auf all das können wir wahrhaft nicht sein.

Dienen viele derzeit gesetzten Maßnahmen der Angstmachung, und daher zum Machterhalt? Ich war eigentlich eher empört über diese kürzlich abgelaufene, großangelegte Polizei- und Militärübung beim Grenzübergang im steirischen Spielfeld. Es wurden Szenen nachgestellt, die einen Massenansturm simulieren sollen: Menschen fordern lautstark und aggressiv nach Einlass nach Österreich. Gegenüber stehen zahlreiche Polizisten und Soldaten in Schutzausrüstung. Mehr als 800 Polizeibeamten und 200 Soldaten sind an dieser Grenzschutzübung beteiligt. Zum ersten Mal ist bei dieser Übung auch die Grenzschutztruppe Puma im Einsatz. Diese spezielle Polizeieinheit wurde von Innenminister Herbert Kickl aufgebaut und ist innerhalb von 24 Stunden am jeweiligen Konfliktort einsatzbereit.

Erstens gehe ich davon aus, dass sich gewisse Situationen nicht einfach wiederholen. Außerdem hat Österreich ja bewiesen, dass es innerhalb kürzester Zeit wieder Herr der Lage war. Ich und auch viele andere haben die Situation damals nicht als bedrohlich empfunden. Die Zivilgesellschaft Österreichs ist sehr ressourcenreich! Wenn überhaupt, dann tritt eine andersgeartete Situation auf, die wir ebenso meistern werden, wie der vergangene. Schad‘ um das Geld, das in diese Übung gesteckt wurde. Es gibt ungleich bessere Verwendungszwecke.

Ob die deutsche Polizei Migranten an drei Grenzübergängen zu Österreich kontrollieren und gegebenenfalls zurückschicken soll, ist nämlich von geradezu lächerlicher Geringfügigkeit, gegenüber den Problemen, die diese Diskussion ausgelöst hat.

Ja, vielleicht nennen Se mich jetzt naiv: Ich weiß, dass sich der Migrationsdruck immer schneller aufbaut. Eine Gallup-Umfrage zeigt, dass 710 Millionen Menschen weltweit emigrieren möchten, wenn sie nur die Gelegenheit dazu fänden – diese finden zwar nicht alle, aber einige doch. Das Wunschziel von 39 Millionen ist Deutschland, von 35 Millionen Großbritannien. Dazu müssen die Außengrenzen effektiv geschätzt werden, denn nur durch Barrieren lassen sich Migranten angeblich von ihm Migrationswunsch abbringen. Europa bzw. die USA bieten halt viele Vorteile gegenüber den jeweiligen Heimatländern, so glauben viele Menschen dort. Sicher wäre es auch – wenn auch nur langfristig – wirksam, wenn diesem Menschen zu einem besseren Leben in ihrer Heimat verholfen würde. Das wäre ein lohnendes Ziel, wenn wir einen geringen Teil unseres Wohlstandes in diese Aufgabe stecken könnten.

Und es gibt sowohl in Europa (als auch in den USA) weit größere, viele hier lebende Menschen betreffende Probleme, die m.E. vordringlich behandelt werden sollten. Und wenn wir schon dabei sind: es sollte versucht werden, den hier (berechtigterweise) Lebenden mehr helfen, sich besser zu integrieren. Die Kriege in der Welt hören leider nicht auf, und mehr „Berechtigte Asylsuchende“ werden an unsere Pforten klopfen. Dazu müssen wir gerüstet sein! Aber wir müssen auch vorsorgen, dass Nicht-Berechtigte zurückgeschickt werden. Das ist hart, besonders wenn sie schon gut integriert sind. Drum sollten halt – wenn’s leicht geht – die Verfahren nicht all zu lange dauern.

Und Kinder sind nicht von ihren Eltern zu trennen. Und zurückzuschicken sind sie aber auch nicht.

Wie Fred Sinowatz schon 1983 gesagt hat: „Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert …“

 

„Ich weiß, das klingt alles sehr kompliziert …“

Adieu, lieber Tusch

Auf Anregung einer Enkelin wurde entschieden, ein Fest für „unseren Tusch“, so wurde mein Mann in der Familie genannt, in engstem Familienkreis zu veranstalten.

Der Ort war bald festgelegt, es sollte in Pernitz sein, wo viele Urlaube, Wochenenden und Feiern stattgefunden haben. Und konkret: in seinem kleinen Salettl (Lusthaus) im Garten. Dort ist mein Mann gerne und stundenlang gesessen, als er noch hinaufgehen konnte, hat zuweilen gelesen, oder auch nur sinniert und in die Landschaft geschaut. Früher konnte er noch das Gutensteiner Tal hinaufblicken, sah den Pernitzer Kirchturm, das ist aber jetzt ganz zugewachsen, von einer Linde, die wir zu unserer Silberhochzeit gepflanzt haben.

Dieses Salettl ist nicht groß, aber es ging sich gerade aus, dass wir alle „unter Dach“ sitzen konnten. Wir hatten dort einen Tisch aufgestellt, mit Photos von Tommy drauf, mit einer Kerze und von der Urenkeltochter gepflückten Wiesenblumen. Die organisierende Enkeltochter hatte Kärtchen mit Bildern und dazu passenden Begriffen mitgebracht, wobei jeder etwas „Passendes“ aussuchen konnte. Aber eigentlich hätten wir das gar nicht gebraucht. Jeder sollte von „seinem Tusch“ erzählen, kleine Episoden, auch Erinnerungsfetzen, Gespräche … Es war dann, wie in unserer Familie zu erwarten, gar nicht traurig, vielleicht wehmütig, es war aber viel zum Lachen dabei. Mein Mann hat ja so gerne gelacht. Vieles war den meisten vertraut, manches einigen neu, es ergab sich ein Bild eines erfüllten, reichen Lebens. Es zeigte sich aber auch, dass es recht verschiedene Sichten gab, die aber abhängig vom Alter der Beteiligten, auch ihre Erinnerungen an verschiedene Lebensalter meines Mannes hatten.  Wir hatten alle das Gefühl, dass Tommy uns wohlwollend zusah.

Einer unserer Enkel hat noch ein Gedicht auf seinen Großpapa gemacht, das hat er dann, begleitet mit der Gitarre gesungen. Wir waren alle zu Tränen gerührt. Zuletzt hat seine Enkelin einen Tanz zu seinen Ehren getanzt, genannt „Zwischenräume“, mit dem sie den Verlust beschrieb. Aber auch das war einfach wunderschön, als sie sich im Gras der Wiese bewegte. Dass dann ein Heuschreck auf sie hüpfte, war wieder jene romantische Ironie, die mein Mann an Heine so sehr liebte.

Wie geplant, stießen wir dann auf unseren Ehemann, Vater, Großvater, Urgroßvater und Schwiegervater an.

Bereits vorher war entschieden worden, dass zu diesem Anlass ein Baum im Garten gepflanzt werden sollte. Nun, mein Mann hatte es nicht so mit der Biologie, daher stand die Frage im Raum: welcher Baum?  Naja, meine Tochter meinte, dass jetzt in Pernitz ein Obstgarten geplant wäre. Ab dann war’s leicht. Es ist ein Zwetschkenbaum. Und warum: Dazu muss man wissen, dass mein Mann gerne mit Freunden oder auch ohne zuweilen oder auch öfters ein oder zwei Gläschen Sliwowitz trank. Der Platz war bereits ausgesucht worden, die Buben gruben eine passende Grube, der Baum wurde hineinversenkt und jeder von uns schob etwas Erde hinzu. Einige holten Wasser um den Baum einzugießen und um ihn anzuspornen, doch bald Früchte zu tragen, wurde auch ein kräftiger Schluck Sliwowitz   dazu gegossen, nachdem jeder einen kleinen Schluck aus der Flasche genommen hatte. (Der Regenwurm, den meine Urenkeltochter dort entdeckt hatte, wird wohl recht betrunken gewesen sein).

Nun waren alle rechtschaffen hungrig. Wie vereinbart, hatte jeder etwas mitgebracht, das wurde nun in Ofen geschoben, der Salat fertig gemacht, und dann alles Ratzezeputz aufgegessen. Auch beim Essen, auch noch im Freien, an der Hauswand wurde noch viel über unseren Tusch gesprochen. Ich glaube, es hätte ihm geschmeckt!

Gemeinsam wurde alles wieder weggeräumt und die Familie zerstreute sich bei Einbruch der Dunkelheit wieder in alle Windrichtungen.

Jetzt kommen noch das Begräbnis und die Seelenmesse. Ganz andere Feiern – alle um an Tommy zu erinnern. Wir werden ihn sowieso nie vergessen, er ist immer anwesend, wo immer wir auch sind.

 

 

Adieu, lieber Tusch

Oh Brexit

Es gibt Gruppen in Großbritannien, die sich für den Brexit besonders ins Zeug gelegt haben.  Es gibt andere, die immer schon dagegen waren. Leider halten sie einander noch immer die Waage. Es gibt weitere Briten, die noch eine Abstimmung nach allen Verhandlungen vor Inkrafttreten des Brexit Vertrages fordern – sie scheinen aber nicht sehr erfolgreich zu sein.

Und es gibt manche, die für den Brexit eingetreten sind und jetzt erkennen, dass er ihnen Nachteile oder zu mindestens keine Vorteile bringt.

Die britische Landwirtschaft hat Subventionen der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik/EU) bezogen. Die werden wegfallen, entweder könnte der Staat einspringen – ein teures Unterfangen oder man könnte die freie Marktwirtschaft walten lassen. Der Übergang zu einem solchen Modell würde jedoch nicht reibungslos verlaufen: Zum einen müsste die britische Regierung die Landwirte überzeugen, die den Verlust der landbezogenen Subventionen der GAP fürchten. Zweitens müssten eine weitläufige Umwälzung des Sektors und Arbeitsplatzverluste bewältigt werden. Das wäre machbar, würde aber länger dauern, bis es zum Erfolg käme. Eine Öffnung des britischen Landwirtschaftsmarktes für Wettbewerber aus dem Rest der Welt würde Gewinner und Verlierer schaffen: Während die britischen Verbraucher von niedrigeren Preisen der großen, kosteneffizienten Farmen in Ländern wie Brasilien oder Neuseeland profitieren würden, hätte beispielsweise die britische Viehzucht mit großen Verlusten zu kämpfen. Ein Beispiel: Im ländlichen Wales spielt die Schafzucht eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Aufgrund der niedrigen Preise und des schwierigen Terrains sind die Höfe allerdings klein und meist unprofitabel. In einem marktorientierten System wären sie die ersten Opfer, da größere Höfe und Landkonzentration, die so in großen Teilen Wales schlicht nicht möglich ist, Vorteile hätten. Für die kleinen walisischen Landwirte bedeutet ein Ende der Subventionen und mehr Konkurrenz aus dem Ausland den wirtschaftlichen Tod. Und sie waren es, die massiv für den Brexit gestimmt hatten. Es muss in dem Zusammenhang auch bedacht werden, dass geschützte Herkunftsbezeichnungen ihre Gültigkeit verlieren werden.

Könnte ein marktorientiertes Modell für die britische Landwirtschaft auch potenzielle Verbesserungen in Sachen Umweltschutz bieten? Auch diese Frage kann nicht eindeutig beantwortet werden, sie hängt ab, wie es zu dieser Lösung kommen wird.

Beim britischen EU-Referendum vor zwei Jahren forderten die Hochseefischer des Landes den Brexit am lautesten. Heute ist niemand so enttäuscht wie sie. Sie hassen die Fangquoten der gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der EU. Die GFP war zu Beginn der 1970er Jahre eingeführt worden, um die Übernutzung der Fischgründe in den Griff zu bekommen. Großbritannien bereitete sich gerade erst auf den Beitritt zu den europäischen Institutionen vor und konnte nicht mitreden, die meisten britischen Fischer fischten ohnehin außerhalb der europäischen Gewässer in der Nordsee. Die Briten wurden bei der Quotenverteilung benachteiligt – meinen sie.

Nach dem System werden die Küstengewässer der EU in Sektoren aufgeteilt. Brüssel legt jährlich nach Sektor und Art fest, wie viel gefischt werden darf, anschließend wird die Gesamtmenge nach Maßgabe bisheriger Mengen unter die Mitgliedstaaten aufgeteilt, welche die Quoten an die Fischereiindustrie weitergeben. Rochen und Scholle sind von den Fischern erwünscht, Seebrasse beispielsweise müsste über Bord geworfen werden.

Der Grund warum die Fischer für den Brexit agitiert haben war, weil sie hofften, sich damit von den Quoten befreien zu können. Sie wollten ihre Küstengewässer zurück. „Take back control“, die Rückgewinnung eingeschränkter Souveränitätsrechte, lautete 2016 die Losung aller Brexit-Anhänger, aber bei keiner anderen Sache wirkte die Forderung so konkret wie bei den eigenen Fischgründen, zudem in einem Beruf, der als ursprüngliche Daseinsform im Nationalbewusstsein verankert ist.

Zwei Jahre später sind diese Hoffnungen geschrumpft. Die Fischer sehen keine Zukunft mehr in diesem Beruf.  Aber während der Übergangszeit nach dem Brexit wird für die Fischer aus Großbritannien alles beim Alten bleiben und sie müssen sich weiter an die EU-Fangquoten halten. Die Fischer finden, dass ihre Regierung sie dadurch verraten hat.

Die Neuerung beendet eine von Umwelt- und Tierschützern kritisierte Methode, eingebrachte Fische, ob lebendig oder tot, über Bord zu werfen, wenn sie zu klein sind, das Unternehmen über keine entsprechende Quote verfügt, wenn es keine Nachfrage dafür gibt oder wenn irgendeine andere Regel gebrochen würde. Paradoxerweise spielte London 2013 eine führende Rolle, als die EU-Fischereiminister das Verbot beschlossen. Die Fischer sind  auch vehement gegen die zukünftige Methode. Überzählige Fänge müssen in Zukunft an Land vernichtet werden. Sie werden mit Farbe übergossen, registriert und in Kippen geworfen; verantwortlich sind die Behörden in den Heimathäfen. Für die Fischer bedeutet die Änderung, dass sie die Fangnetze schon einziehen müssen, wenn sie allein von einer Fischart die zulässige Quote erreicht haben – und dass sie nicht mehr mogeln können.

In ihrem Entwurf über ein zukünftiges Handelsabkommen vom März schlägt die EU vor, dass sich die Partner weiterhin gegenseitig den Zugang zu ihren Fischgründen gewähren. Es bliebe alles beim Alten, außer dass London in Fischereifragen angehört würde, aber nicht mitentscheiden könnte. Sollten die Briten ihre Hoheitsgewässer nicht hergeben wollen, käme sie das vermutlich teuer zu stehen, eine Extrawurst etwa für Finanzdienstleistungen fiele aus den Traktanden.

Noch schlechter sähe die Lage ohne Abkommen aus. Bei einem vertragslosen Brexit müsste das Vereinigte Königreich erst einmal die Küstenwache modernisieren, um eine bis 200 Meilen breite Wirtschaftszone überwachen zu können. Die Fischer würde dies freuen, aber sie machen die Rechnung ohne den Wirt. Laut einem Parlamentsbericht vom Dezember landen britische Fischer jährlich 450 000 Tonnen Fisch an, 70 Prozent davon werden in die EU exportiert.

Die EU könnte auf britischem Fisch 12 Prozent Zoll erheben und hat sich bei früheren Fischereidisputen mit Norwegen und Island nicht gescheut, Importsperren zu verhängen. Primär betroffen wären die Beschäftigten von Fischfabriken in Nordengland, die importierten Kabeljau und Schellfisch aus Island und Norwegen verarbeiten. Ihre Zahl liegt mit 15 000 Angestellten doppelt so hoch wie diejenige der einheimischen Berufsfischer.

Dazu kommt, dass britische Fischer ein Sechstel der Mengen in Gewässern anderer EU-Staaten einholen. London wird seine Trümpfe kaum für eine Branche einsetzen, deren Symbolwert hoch ist, die aber 0,12 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes erbringt. Selbst den eifrigsten Brexit-Befürwortern dämmert dies nun.

Nächstes Jahr am 29. März treten die Briten aus der EU aus. Unklar ist, was am Tag darauf geschieht, ob es einen Austrittsvertrag gibt und wie er aussieht und welches Ziel die Verhandlungen über das zukünftige bilaterale Verhältnis verfolgen sollen. Spätestens beim EU-Gipfel im Dezember muss der Austrittsvertrag unter Dach und Fach sein, damit er vor dem März-Termin vom EU-Parlament, vom EU-Rat und vom britischen Parlament verabschiedet werden kann. In mehreren Punkten des Brexit-Vertrags ist man sich uneins, vorab in der Frage der Rückfallposition zur inneririschen Grenze. Und was ist mit Gibraltar?

Bei der Zusammenarbeit in der Verbrechensbekämpfung (Stichwort Europol) und Teilen des Satellitennavigationsprogramms Galileo verlangt London mehr, als die EU derzeit zu geben bereit ist. Viele Briten äußerten sich für einen «weichen» Brexit mit Verbleib im EU-Binnenmarkt.

Es bleibt wenig Zeit! Österreich ist im Rahmen seiner EU Präsidentschaft gefordert!

Oh Brexit

Was uns bewegt hat, im Jahr 1968, im Juli:

Dass Atomwaffen nicht verbreitet werden sollten, war vielen von uns schon immer ein Anliegen. Am 1.7.1968 unterzeichneten über 100 Staaten in Washington, Moskau und London den Atomwaffensperrvertrag, ein Abkommen über die Nichtverbreitung von Kernwaffen. Kritiker bemängeln, der Atomwaffensperrvertrag schreibe eine Ungleichheit zwischen den offiziellen Atommächten und den kernwaffenfreien Staaten fest: Während letzteren der Besitz dieser Waffen verboten ist, würden die Atommächte keine Bestrebungen machen, ihre Abrüstungsverpflichtung umzusetzen. Verstärkt werde diese Ungleichheit dadurch, dass die im Vertrag festgelegten Atomwaffenstaaten zugleich die ständigen Mitglieder im UNO-Sicherheitsrat sind, die dort ein Vetorecht haben und völkerrechtliche Versuche, sie zur Abrüstung zu bewegen, blockieren können. Es wird in Frage gestellt, ob die Atommächte, die alle schon Angriffskriege geführt haben, die moralische Berechtigung haben, anderen Staaten Vorschriften über ihre Bewaffnung zu machen. Auch wird kritisiert, dass der Vertrag die Ausbreitung von Atomwaffen nicht umfassend begrenzen konnte. Indien und Pakistan haben offiziell bestätigt, solche Waffen zu besitzen, und haben sie getestet. Nordkorea hat bis September 2017 mehrere Atombomben und zuletzt eine Wasserstoffbombe getestet, bevor das Land am 21. April 2018 die Einstellung der Tests verkündete. Auch Südafrika hat während der Apartheid ein Kernwaffenprogramm verfolgt, dieses Anfang der 1990er aber freiwillig aufgedeckt und beendet. Südafrika gilt daher als Musterbeispiel, wie UN-Embargos von Staaten unterlaufen werden können.

Die damals verwirklichte europäische Zollunion kann man wohl als ein Erfolgsprojekt bezeichnen. Die Zölle für gewerbliche Erzeugnisse und einen Teil der Agrarprodukte innerhalb der EU entfallen seither. Zugleich wurde ein gemeinsamer Außenzoll eingeführt. Als sich die sechs Gründerstaaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande) über die Grundlagen der Zollunion einig wurden, führte dies zum Abschluss der Zollunion am 1. Juli 1968. Seither hat sich die Union erheblich erweitert – und das Prinzip gilt immer noch. Wir Österreicher waren damals noch „draußen“.

Uns Frauen wurde ein neues Schönheits-(?)Ideal vorgesetzt: das britische Fotomodell Twiggy. Die meisten von uns fanden sie spindeldürr. Wir haben damals noch Gina Lollobrigida oder Sophia Loren bewundert ……

Und es herrschte ja Kalter Krieg und anlässlich eines sowjetisch-ungarischen Freundschaftstreffens im Kreml warnt der sowjetische Parteichef Leonid I. Breschnew die Ostblockstaaten vor Liberalisierungstendenzen. Das war doch relativ knapp nach dem Einmarsch der Warschauer Truppen in die damalige Tschechoslowakei.

Aber auch die Sitten lockerten sich langsam: Der Stadtrat von Passau gestattet offiziell das Tragen von Bikinis in den öffentlichen Badeanstalten der bayerischen Bischofsstadt.

Noch immer war man davon besessen Atommacht sein zu müssen. In Frankreich begann am 7.7. 1968 auf dem Mururoa-Atoll im Pazifik eine neue Atomwaffentestserie, gegen die es heftige Proteste der japanischen Regierung gibt.

Frankreich unter de Gaulle hatten sich lange gegen einen Beitritt Großbritanniens in die EU gewehrt. Am 9.7.1968, hatten sie dies neuerlich getan.

10.7.1968 nimmt das britische Unterhaus ein Gesetz gegen die Rassendiskriminierung an. Gegen dieses Gesetz hatte es zum Teil heftige Proteste in der Bevölkerung Großbritanniens gegeben. Damals hat es noch nicht so viele politisch korrekte Menschen wie heute gegeben.

Das erschreckte uns: 13.7.1968 wurde der am 13. Juli begonnene Abzug sowjetischer Manövertruppen aus der CSSR wird ohne Angabe von Gründen eingestellt. Die sowjetische Regierung hatte am 11. Juli den Abzug innerhalb von drei Tagen zugesichert.

Einwanderungsgesetze hat es schon immer und überall gegeben: Am 15.7.1968 trat in den USA trat ein neues Einwanderungsgesetz in Kraft, das Quoten für die Herkunftsländer der Bewerber nicht mehr vorsieht. Einwandern kann nur noch, wer einen Mangelberuf ausübt oder Verwandte ersten Grades in den USA hat.

Im Nahen und Mittleren Osten hat es damals schon gegärt: Am. 17.7.1968 wurde durch einen unblutigen Militärputsch der irakische Staatspräsident General Abd Ar Rahman Arif von einer Gruppe junger Luftwaffenoffiziere um General Ahmad Hasan Al Bakr entmachtet.

Das Wetter war damals schon „nicht normal“: Mitten im Hochsommer, am 18.7.1968. führten starke Schneefälle in den bayerisch-österreichischen Alpen zu winterlichen Verhältnissen.

In Afrika gab es noch immer Kolonien: Angola Guinea-Bissau (Portugal), Mozambique (Portugal), Rhodesien (heute Simbabwe; Kolonialherr Großbritannien) und Südwestafrika (heute Namibia, Kolonialherren Deutschland, später Großbritannien)

Das war wirklich DAS innenpolitische Thema damals: In Wien wurde Anklage gegen Franz Olah erhoben. 1959 wurde Olah ÖGB-Präsident, von 1963 bis 1964 war er Innenminister. Auf seinen Aufstieg folgte nach heftigen innerparteilichen Auseinandersetzungen ein tiefer Fall. Olah trat als Innenminister zurück und wurde aus der SPÖ ausgeschlossen. 1969 wurde er wegen finanzieller Unterstützung der FPÖ mit ÖGB-Geldern zu einem Jahr „schweren Kerkers“ verurteilt.

In Italien gingen die Uhren doch etwas anders: Der Witwe Benito Mussolinis wurde eine Pension von monatlich umgerechnet etwa 15 000 Schilling zugesprochen. Wäre der ehemalige Diktator noch am Leben, stünde ihm eine monatliche Pension von 31 000 Schilling zu.

Der Vietnamkrieg tobte weiter mit entsprechenden Opferzahlen auf beiden Seiten.

Am 24.7.1968 kam es in Cleveland (Ohio) kommt es zu schweren Rassenunruhen mit Plünderungen von Geschäften und Wohnungen. Bei Schießereien zwischen Schwarzen und der Polizei werden mindestens zehn Menschen getötet und zwölf Polizisten schwer verletzt. Das traf uns Amerika-Liebhaber doch stark.

In Frankreich wurde eine Amnestie für alle politischen Morde und Verbrechen während des algerischen Unabhängigkeitskampfes zwischen 1954 und 1962 erlassen (betroffen: 172 Personen, vor allem französische Offiziere.)

Die finnische Regierung in Helsinki beschloss den Verzicht auf den Bau eines geplanten Atomkraftwerks. In Österreich fand erst am 5. November 1978 fand eine Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des bereits fertiggestellten Kernkraftwerkes Zwentendorf statt.

Sehr betroffen hat uns die von Papst Paul VI. erlassene Enzyklika “Humanae vitae” zum Thema Geburtenregelung gemacht.

In Biafra, Nigeria, tobt ein blutiger Bürgerkrieg von 1967 bis 1970 mit dem Ziel einer Sezession des nigerianischen Gebietes Biafra. Uns wurde die damit verbundene Hungerkatstrophe durch schwer unterernährte Kinder vor Augen geführt.

Was uns bewegt hat, im Jahr 1968, im Juli:

2018 – ein Jubiläumsjahr

Heuer ist ein Jubiläumsjahr – wir gedenken des Jahres 1918, 1938, aber es gibt doch auch anderes Bedenkenswürdiges.

800 Jahre Diözese Graz Seckau:

Der Salzburger Erzbischof Eberhard II. beginnt am Beginn des 13. Jahrhunderts, Teile seines Bistums auszugliedern und mehrere Kleinbistümer in seinem Einflussbereich zu gründen. Dazu zählten neben Seckau Herrenchiemsee in Bayern und Lavant im steirisch-kärntnerischen Grenzgebiet. Nach erfolgreichen Verhandlungen mit Papst Honorius III, König Friedrich II und dem steirischen Herzog Leopold III wurde die Diözese im Jahr 1218 gegründet. Das Territorium umfasste lediglich einen schmalen Streifen von Seckau über das Murtal und die Stubalpe in das Kainachtal und zur Mur bei Wildon. Im Verlauf des Spätmittelalters vergrößerte sich das Bistum.

Die Schreibmaschine

Heute ist sie bereits durch PCs, Laptops, Tablets etc. ersetzt – aber sie war seinerzeit eine Innovation, die spätere Entwicklungen erst möglich gemacht hat: Die erste funktionierende Schreibmaschine war wahrscheinlich das Gerät, das der Italiener Pellegrino Turri 1808 für die erblindete Gräfin Carolina Fantoni da Fivizzono herstellte. Ein mit dieser Maschine geschriebener Brief vom 8. Oktober 1808 ist erhalten und lässt erkennen, dass mit Farbpapier und Typendruck geschrieben wurde.

1821 baute Karl Drais für seinen erblindenden Vater eine Schreibclavier genannte Maschine, die vermutlich Buchstaben in einen Papierstreifen prägte und bereits eine Tastatur hatte. Später, als sein Vater wieder halbwegs sehen konnte, konstruierte Drais eine sogenannte Schnellschreibmaschine, die als Schreibstenographiermaschine gedacht war und einen Lochstreifen stanzte. Sie hatte 16, teilweise doppelt besetzte Tasten.

Die erste in größeren Stückzahlen gefertigte Schreibmaschine, die sogenannte Skrivekugle oder Schreibkugel, baute Pastor Rasmus Malling-Hansen im Jahr 1865. Der berühmteste Kunde von Malling-Hansen war der Philosoph Friedrich Nietzsche. Die Remington-Schreibmaschinen wurden ab etwa 1885 in Amerika zum selbstverständlichen Hilfsmittel in allen Schreibstuben.

Ich selbst habe noch einen Schreibmachin-Schreiben- und Stenographie-Kurs auf Wunsch meiner Mutter in den Ferien absolviert. Es war mir reichlich zuwider, in den Ferien!!! Bei uns zuhause steht jetzt noch eine so genannte Reiseschreibmaschine herum, die wir einfach nicht das Herz hatten, wegzuwerfen.

Das Parkpickerl -seit 1993

Können Sie sich das Leben ohne Parkpickerl eigentlich noch vorstellen? Von Anfang an war es umstritten. Das Wiener Parkpickerl (eigentlich: Ausnahmebewilligung von der Kurzparkzone) ist eine Erlaubnis für Anrainer für das dauerhafte Abstellen eines Kraftfahrzeugs in der flächendeckenden Kurzparkzone. Flächendeckende Kurzparkzonen bestehen derzeit für einige der Wiener Gemeindebezirke in vollem Umfang, zudem gilt die flächendeckende Parkraumbewirtschaftung in weiten Teilen anderer Bezirke. Von der flächendeckenden Kurzparkzone ausgenommen sind jeweils einige Geschäftsstraßen, für die abweichende Zeiten gelten. Damit ist es gar nicht einfach, sich auszukennen, wann gilt was in welchen Bezirken – ja, und wo sind eigentlich die Bezirksgrenzen?  Wer hat sich da nicht schon auf sein Glück verlassen, dass kein Parksheriff vorbeikommt.

Am 1. Juli 1993 wurde für den gesamten 1. Wiener Gemeindebezirk die Parkraumbewirtschaftung eingeführt, später wurde es ausgedehnt. Manchmal  durften die Bewohner mitbestimmen, ob dieses Instrument in ihrem Bezirk zum Einsatz kommen sollte. Die Einführung war dann ein Politikum. Es wird untersucht, getestet, befragt – geplant. Es betrifft ja nicht nur die Wiener, sondern vor allem auch die Pendler.

Wer in Wien in einer Kurzparkzone parkt, ohne ein Parkpickerl für den entsprechenden Bezirk zu besitzen, muss die Parkometerabgabe mittels Parkschein entrichten. Anders als in vielen Städten existieren in Wien keine Parkscheinautomaten, sondern im Vorverkauf erhältliche Parkscheine (erhältlich in Trafiken, Vorverkaufsstellen der Wiener Linien), die durch Eintragen der Ankunftszeit entwertet werden müssen. Alternativ zur Verwendung von Papierparkscheinen kann seit 1. Oktober 2003 auch ein Handy-Parkschein mittels SMS gelöst werden.

Aber jeder will halt sein Auto (oft seine Heilige Kuh) vor der Haustür stehen haben. Garagenplätze gäbe es oftmals genug, aber die sind nicht nur teuer, sondern auch extrem unbequem. Wer von uns hat nicht schon eine enge gewendelte Abfahrt oder Auffahrt in eine Garage erlebt, deren Stellplätze für Mittelklassewagen des vorigen Jahrhunderts gebaut wurden in denen aber jetzt SUVs stehen, die mit einem Parkplatz einfach nicht auskommen. Naja, zum Glück wird ohnedies mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern gefahren.

Einführung Pflegegeld 1993

In Österreich ist das Pflegegeld bei Pflegebedürftigkeit eine Leistung des Bundespflegegeldgesetzes, das am 19. Januar 1993 beschlossen wurde und mit 1. Juli 1993 in Kraft trat.

Als Vorläufer war im Bundesland Vorarlberg der Pflegezuschuss, auch mit sieben Pflegestufen, seit dem 1. Januar 1990 in Kraft, womit die Zuweisungen in Pflegeheime abnahmen und damit eine Alternative zur Pflegeheimunterbringung bewirkt war. Bis 2012 gab es daneben Pflegegeldgesetze in den neun Bundesländern. Diese wurden mit dem 1. Januar 2012 auf das Bundespflegegeldgesetz übergeleitet. Hierbei kam es zu einer – zunächst unbemerkt gebliebenen – Verschärfung der Anspruchsvoraussetzungen. Die Länder-Pflegegeldgesetze enthielten sogenannte Härtefall-Klauseln, nach denen unter bestimmten Voraussetzungen auch Nicht-Österreicher Anspruch auf Pflegegeld haben. Vom Erfordernis der österreichischen Staatsangehörigkeit konnte abgesehen werden, „wenn das auf Grund der persönlichen oder familiären Verhältnisse (einschließlich der Verhältnisse der eingetragenen Partnerschaft) oder der wirtschaftlichen Verhältnisse der Fremden oder des Fremden zur Vermeidung einer sozialen Härte geboten erschien“. In der Folge wurde im Laufe des Jahres 2012 wiederholt pflegebedürftigen Personen, die in Österreich subsidiären Schutzstatus erhalten hatten, das Pflegegeld verweigert.

Eine jährliche Anpassung an die Inflation steht noch aus. Jahr 2009 wurde das Pflegegeld erhöht. Es sollte auch eine Neuordnung der Pflegestufen vorgenommen werden, um den tatsächlich höheren Zeitbedarf für Menschen mit Behinderung und/oder Demenz zu berücksichtigen.

Dieses Problem wir uns meines Erachtens auch in Zukunft begleiten und für Aufregung sorgen.

Alles in Allem, manches, das heute für selbstverständlich gilt, war nicht immer so!

2018 – ein Jubiläumsjahr