Die Hundstage und „Bosch tritt auf“

Jetzt sind die Hundstage angebrochen. Als Hundstage werden umgangssprachlich in Europa die heißen Tage im Sommer, genauer in der Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August, bezeichnet. Namengebend ist das Sternbild Großer Hund (Canis Major). Vom Aufgang des Sternbildes bis zur Sichtbarkeit als Gesamteinheit vergehen 30 bis 31 Tage, woher sich deshalb die Bezeichnung „Tage vom großen Hund“ (Hundstage) ableitet. Sirius erscheint als hellster Stern bereits in der Morgendämmerung.

Aber was macht man nun, an diesen heißen Tag in der Stadt? Also meinen Plan, neue Stadtteile zu besichtigen, habe ich vorläufig „auf Eis“ (eine angenehme Vorstellung) gelegt, nur zu Hause bleiben ist auch keine Lösung.  Daher, wo ist man nicht zu Hause und doch nicht an der frischen Luft, wie es früher für das Kaffeehaus hieß?

Somit fiel meine Wahl auf das nächstgelegene Museum. Ich begab mich auf möglichst schattigen Straßenseiten ins Theatermuseum. Allerdings habe ich mir dort nicht die derzeit laufende Ausstellung über Ödön von Horvath, „Ich denke ja garnichts, ich sage es ja nur.“ angesehen, das kommt später – es gibt ja noch eine Reihe von Hundstagen, sondern „Bosch tritt auf – die Gemäldegalerie der Akademie zu Gast im Theatermuseum“. Denn das Gebäude der Akademie der Bildenden Künste wird derzeit saniert.

Das dort in den Mittpunkt gestellte Hauptwerk: “das Jüngste Gericht“ von Hieronymus Bosch hob ich mir für den Schluss auf.

Es sind dort auch Hauptwerke von Lucas Cranach d. Ä., von Tizian, Rubens oder Van Dyck sowie von Rembrandt und den Meistern des Goldenen Jahrhunderts der holländischen Malerei zu sehen, ebenso wie Werke aus dem 18. Jahrhundert und dem Wiener Klassizismus, vertreten durch Tiepolo, Guardi oder Füger. Viele der Bilder davon sind Legate von Aristokraten.

Besonders bezaubernd habe ich das Paradisus Vindobonensis gefunden, Blumenaquarelle von eher exotischen Blumen von Anton Hartinger. Sie stammen aus den Kupferstichkabinett der Akademie. Eine Darstellung fand ich besonders reizvoll: „Cereus Napoleonis“. eine solche Blume habe ich noch nie gesehen.

Aber zurück zur Gemäldegalerie – wiederum fehlt mir das Wissen, sei es in Geschichte, Bibel, Mythologie um die Werke richtig würdigen können. Von den italienischen Gemälden des 15. Und 16 Jahrhundert hat mich „Tarquin und Lucretia“ des späten Tizian besonders fasziniert. Falls Sie die Geschichte nicht kennen sollten (so wie ich): Der römische Prinz Tarquinius kommt ins Haus, wird freundlichst begrüßt und isst mit den Hausherren zu Abend. Anschließend gehen alle zu Bett, doch Tarquinius steht noch einmal auf. Er geht zu Lucretia (Ehefrau des Lucius Tarquinius Collatinus). Er nimmt seinen Dolch und sprach zu ihr: „Ich habe einen Dolch bei mir, Lucretia. Ich bin es, Tarquinius, der Sohn des Königs, welcher zu dir spricht.“ Sie konnte weder sprechen noch denken und ist starr vor Angst. Was sollte sie tun? Kämpfen? Er berührt ihre Brüste und nimmt ihr so ihr Leben durch Schmach. Doch das Mädchen überwindet seine Angst und spricht: „Dieser Sieg wird dich zerstören. Was dich und dein Königreich diese eine Nacht kostet.“ Nach der Vergewaltigung erzählte sie alles ihrem Mann und ihrem Vater und beging Selbstmord, weil sie die Schmach nicht ertrug. Die beiden Männer schworen, Tarquinius zu suchen und zu töten. Die Römischen Bürger töteten Tarquinius und stürzten den König. Anschließend riefen sie die Republik aus. Lucretia wurde zu einem weiblichen Vorbild der Tugend und zur Märtyrerin.

Das 15. Und 16. Jahrhundert ist auch durch Niederländische und Deutsche Werke vertreten. Dabei ragt besonders Lucas Cranach der Älter (für mich) heraus. Bei den holländischen Gemälden des 17. Jahrhunderts ist mir das Portrait einer Jungen Frau von Rembrandt aufgefallen. Nach heutigen Maßstäben eine eher ernste, nicht besonders hübsche Frau in schwarzem Gewand, das nur durch einen hohen gefältelten Kragen und Spitzenmanschetten in Weiß aufgehellt wird. Dazu hat sie noch ein weißes Häubchen auf. Glücklich schaut sie wirklich nicht drein. Anders die Figuren von Rubens – nackt (z.B. die drei Grazien) und doch recht üppig und rosig.

Eine andere Darstellung von Rubens konnte ich auch nicht interpretieren: Boreas, der winterliche Nordwind, entführte die Nymphe Oreithyia, Tochter eines mythischen Königs von Attika. Als die Nymphe am Ufer des Ilisos tanzte, hüllte er sie in eine Wolke und entschwebte mit ihr in seine Heimat Thrakien (Bulgarien, Griechenland und der europäische Teil der Türkei gehört), wo sie ihm die Söhne Kalaïs und Zetes und die Töchter Kleopatra und Chione gebar. Außerdem, das ist aber nicht auf dem Bild zu sehen, zeugte Boreas in Pferdegestalt mit den Stuten des dardanischen (Dardanien: das heutige Territorium Kosovos und einige Gebiete im Süden Serbiens sowie in Mazedonien) Königs zwölf Fohlen, denen man nachsagte, sie könnten über ein Kornfeld galoppieren, ohne die Halme zu knicken. Wenn ich es so recht bedenke, muss man das alles wirklich nicht so genau wissen. Die Nymphe ist jedenfalls mit einer ganzen Reihe von Fettpölsterchen versehen und Boreas ist ein alter weißhaariger, bärtiger Mann.

Dann gibt’s noch eine Reihe von Darstellungen von Venedig -wobei man gleich an die heute vorbeiziehenden großen Kreuzfahrtschiffe denkt, die mich ein wenig an Canaletto erinnern. Dann finde ich auch noch eine Maria Theresia als ungarische Königin und einen äußerst sympathischen Joseph Freiherr von Sonnenfels (Verwaltungsreformer und Professor der Politischen Wissenschaften).

Nun kehre ich zurück zum Jüngsten Gericht: was man sich damals an Höllenqualen ausgedacht hat, ist für uns heute schwer nachvollziehbar, wo wir ja, wenn gläubig, eher der These anhängen, dass es die Hölle zwar gibt, aber dass sie leer ist. Genau werden wir es wohl erst nach unserem Tod wissen.

Zugleich werden moderne – interessante – Kunstwerke in diesem Saal zum Kontrast oder zu Ergänzung des Triptychons von Bosch ausgestellt, genannt Korrespondenzen. Es sind ebenfalls Gemälde, Graphiken Skulpturen, teilweise nicht minder „grauslich“ als die Boschschen Phantasien.

In Summe eine interessante Ausstellung, die man wirklich nicht versäumen sollte.

 

 

 

 

Die Hundstage und „Bosch tritt auf“

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