It’s too darn hot

Heut möchte ich alle gescheiten, innovativen Menschen auffordern, sich etwas einfallen zu lassen um Städte zu kühlen. Und die verantwortlichen Politiker ersuche ich dann im Anschluss, alle diese gescheiten Maßnahmen möglichst zeitnah umzusetzen.

Ich war am Wochenende bei einem Gartenfest in Wien, im Rosental (nahe Steinhof) eingeladen, als der Abend kam, wurde es kühler …  Dann zurück in der Stadt war es schon noch sehr heiß, aber – am Weg durch den Burggarten – war es wieder viel weniger unangenehm.

Gut, es ist ja nichts Neues, dass unverbauter Boden, Gras und Bäume kühlend wirken. Aber man wird kaum so schnell viele neue Parks im verbauten Gebiet in Wien errichten können.

Daher bitte: Ideen z.B. zur Fassaden-Begrünung – ich weiß schon: in Wien gibt es viele denkmalgeschützte Häuser, die man sicher nicht begrünen kann, aber es gibt doch auch Dächer – nicht jedes Haus hat einen Dachbodenausbau – die man bepflanzen könnte. Nur technisch müssen die Lösungen einwandfrei sein, und pflegearm. Das Anlegen eines Gründachs ist teurer, und auch die Instandhaltungskosten fallen höher aus. Dafür bieten begrünte Dächer andere Vorteile, indem sie etwa den Abfluss von Regenwasser verlangsamen, Lebensraum für bestäubende Insekten bieten und die Städte einfach schöner machen.

Seit 2009 ist Toronto die erste Stadt in Nordamerika, die Richtlinien für Gründächer erließ. Demnach müssen neue Gebäude ab einer bestimmten Größe begrünt sein, damit die Pflanzen das Regenwasser speichern und die Temperaturen in der Stadt absenken können. Der Dachgarten der Architekturfakultät der University of Toronto ist Teil des Green Roof Innovation Technology Laboratory (GRIT Lab) – der einzigen Einrichtung dieser Art in Kanada –, das den Nutzen von Gründächern und anderen Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel unter die Lupe nimmt. Das Gebäude liegt mitten im Stadtzentrum und beherbergt 33 rechteckigen Hochbeeten, in denen neben heimischen Gräsern und Blumen auch exotische Gewächse namens Fetthennen mit wachsartigen, Wasser speichernden Blättern gedeihen. In jedem Beet findet sich eine andere Kombination aus Pflanzen, Erde und Bewässerungstechnik, überwacht von 270 Sensoren, die Luft- und Bodentemperatur, Bodenfeuchte und Regenwasserabfluss erfassen. Begrünte Dächer reflektieren mehr Sonnenlicht als herkömmliche Teer- oder Kiesdächer, doch die Feuchtigkeit in Pflanzen und Boden sorgt für einen Kühleffekt: Wasser aus Blättern und Erde verdampft und gibt die Wärme auf diese Weise an die Atmosphäre ab, wodurch die Temperatur der umgebenden Luft sinkt. Und selbst mit den besten Gründächern bleibt unklar, inwieweit sich dieser Ansatz auf die Temperatur einer ganzen Stadt auswirkt.

Denn sobald die Sonne untergeht, verdunstet weniger Wasser, und dementsprechend kühlen die Gründächer längst nicht mehr so gut – bei Hitzewellen wird die Nacht so zu einer unerträglichen Zeit. Zudem setzen Dachbepflanzungen die tagsüber gespeicherte Wärme nach Sonnenuntergang wieder frei. Damit lassen sich zwar am Tag die Temperaturen absenken, aber in der Nacht könnten sie sich sogar erhöhen. Ob begrünte Dächer, die sich ja in luftiger Höhe befinden, den Menschen unten auf der Straße Abkühlung verschaffen, ist ebenfalls unklar. Das Pflanzen von Bäumen und Umwandeln von asphaltierten Flächen in Rasenflächen erwies sich als wirksamer verglichen mit Gründächern. Hellere Straßen und Dächer könnten Städte tatsächlich abkühlen. Je nach Lage haben stark reflektierende Dächer aber möglicherweise auch einige nachteilige Folgen. Würde man die „kühlen Dächer“ großflächig umsetzen, könnte der mittlere Tagesniederschlag im Sommer sinken. Die Auswirkungen auf den Wind sind auch noch nicht ausreichernd untersucht.

Los Angeles verfügte 2014, dass neue und renovierte Wohnhäuser so genannte „cool roofs“, also „kühle Dächer“, aus hellen Materialien haben sollen, die das Sonnenlicht reflektieren. Und in Frankreich müssen die Dächer von Neubauten in Gewerbegebieten gemäß einem im März 2015 verabschiedeten Gesetz teilweise mit Pflanzen oder Solarmodulen bedeckt sein. In Chicago bemüht man sich um begrünte oder stark reflektierende Dächer sowie Straßenbepflanzungen – und gestaltet asphaltierte Spielplätze in Rasenflächen um.

Es gab ja früher schon Ansätze: so fuhren die Spritzwagen abends und morgens durch die Straßen in Wien – es muss ja nicht gerade Hochquellenwasser dazu verwendet werden. Heuer habe ich noch keine gesehen?  Angeblich hilft es auch, Gebäude zu bespritzen.

Louisville in Kentucky hat eine Strategie zur Wärmedämmung entwickelt: es werden die notwendigen Basisdaten erhoben, wie z.B. Erfassung des Baumbestandes. In einem nächsten Schritt soll dann ein genauer Plan erstellt werden, wie sich stark reflektierende sowie begrünte Dächer, Baumpflanzungen und helle Bodenbeläge am besten kombinieren lassen, um die am stärksten gefährdeten Bewohner der Stadt vor Hitze zu schützen. Gleichzeitig möchte die Stadt die Zahl der Bäume erhöhen.

Wien hat einen „Urban Heat Islands Strategieplan“. Es werden neue Parkanlagen errichtet, Wien setzt unter anderem auf Fassadenbegrünungen. Die Pflanzen an den Hauswänden „schwitzen“ bei Sonneneinstrahlung. Dabei verdunstet das in der Pflanze gespeicherte Wasser und wird an die Umgebung abgegeben. So wird die unmittelbare Umgebung abgekühlt. Im Winter besitzen dauergrüne Rankpflanzen einen Isolationseffekt und helfen, Heizkosten zu sparen. Eine durchdacht angelegte Pflanzenhülle ist zudem ein natürlicher Schutzschild gegen Schlagregen und UV-Strahlung und kann damit die Lebensdauer einer Fassade erhöhen. Allerdings: ich komme neuerdings in Wien ziemlich viel herum, Häuser mit begrünten Fassaden sind mir noch keine untergekommen.

Sicher gäbe es noch andere Möglichkeiten – wie z.B. Reduzierung des Autoverkehrs, aber das würde dann doch wieder von sehr vielen Menschen abgelehnt werden. Denen ist ja nicht heiß, denn Autos haben innen eine Kühlung (und verbrauchen dafür mehr Kraftstoff).

Am besten ich stelle mir jetzt vor, ich säße am Ufer eines Sees und baumelte mit den Füßen im Wasser!

It’s too darn hot

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