Wie ich das Fürchten verlernt habe

Jetzt hab‘ ich keine Angst mehr. Das macht ganz schön frei. Meine große Angst war es immer gewesen, dass ich meinen Partner verliere. Diese Angst war gerechtfertigt, da mein Mann lange schon behindert und krank war. Jetzt ist diese so befürchtete Situation eingetreten. Nun stellt sich heraus, dass ich auch allein weiterleben kann. Ja, der Verlust ist schlimm, selbstverständlich bin ich traurig, zeitweise sehr traurig sogar, aber dieses neue Leben ist jetzt im Grunde angstfrei. Wahrscheinlich, weil ich mich nicht vor dem Tod fürchte. Ich glaube an ein Leben danach und an eine Hölle glaube ich schon gar nicht. Für niemanden! Aber dass man am Ende sein Leben erkennt, seine Fehler einsieht und erfasst, was man alles hätte viel besser machen können, und damit bereut (ein altmodisches Wort, aber zutreffend), das glaub ich schon. Und das Sterben, also Krankheit, der langsame Verlust der menschlichen Würde durch Zunahme der körperlichen Schwächen, das erwarte ich im Grunde, das ist ein Teil des Altwerdens und auch der Preis dafür. Daher strebe ich danach, davor keine Angst zu haben. Gelingt derzeit meist!

Und wovor sollte ich mich sonst noch fürchten, wenn ich so die Schlagzeilen anschaue: Angst vor Veränderung, Angst vor Gluten in Lebensmitteln, ganz Deutschland hat Angst vor dem Diesel,  Angst vor Ereignissen in Chemnitz, Angst vor wirtschaftlichem Abschwung, Angst vor einer neuen Finanzkrise, Angst vor Terrorismus, vor Islamisierung, Rechtsextremisten  etc. etc., die habe ich einfach nicht.

Mir geht es also nicht wie Thomas Hobbes: „Die einzige Passion meines Lebens war die Angst“, schrieb Thomas Hobbes in seinen biografischen Aufzeichnungen. Aus Furcht vor dem Angriff der spanischen Armada auf England sei seine Mutter mit ihm nicht nur zu früh niedergekommen, sie habe gleich Zwillinge zur Welt gebracht: ihn und die Angst. Hobbes hat daraus in der Tat sein Lebensthema und seine Leidenschaft gemacht.

Nicht weniger als eine ganze Staatstheorie hat Hobbes daraus hergeleitet. Dass der Mensch des Menschen Wolf sei, galt ihm als ausgemacht. Erst das beim Staat verankerte Gewaltmonopol und das damit verbundene abschreckende Sanktionsregime flößten dem Individuum ausreichend Angst ein, um die gewalttätige Durchsetzung seines Eigennutzes auf Kosten anderer zu unterlassen. Das staatliche Drohpotenzial brachte darum erst die dauerhafte Friedfertigkeit des Einzelnen hervor.

Aber viele Politiker, Politikberater, Spindoktoren etc. kennen vielleicht ihren Hobbes nicht, aber sie haben die Angst als eine enorme politische Ressource erkannt. Sie hat erfolgreich die Gottesfurcht abgelöst.  Darum erleben wir, seit der Himmel nur mehr ein Wettermacher ist und daraus alle guten wie bösen Götter und Geister vertrieben sind, eine beispiellose Vervielfältigung der Ängste. Die nie ganz abgelegte Furcht vor dem Nächsten und das Vertrauen in die regulierende Macht des Staates, wie zugleich der Respekt vor seiner strafenden Hand haben es dem Individuum erleichtert, einen Teil seiner Freiheit preiszugeben und sich im Tausch unter den Schutz einer politischen Gemeinschaft zu begeben.

Wir leben hier und jetzt in einer Wohlfahrtsgesellschaft, die dazu führt, dass die Ängstlichkeit im Maße des erlangten Besitzstands zunimmt: Wer viel zu verlieren hat, hat handfeste Gründe, sich vor Verlust zu fürchten. Das manifestiert sich im Moment trefflich in der Angst, die viele Menschen vor den Zuwanderern haben – diese könnten ihren Wohlstand ja mindern. Stimmt aber nicht!

Andererseits meinen viele: Wozu sich fürchten, wenn doch alles kommt, wie es muss? Solche schicksalsergebene Daseinsgelassenheit ist – meine ich – selten geworden.  Die Befreiung vom Fatum, vor dem sich zu fürchten sinnlos ist, weil es ja doch eintrifft, wie es will und muss, lieferte uns mit anderen Worten geradewegs den Klauen der Angst aus. Hoffen und Bangen halten seither ein Ungleichgewicht des Schreckens.

Aber der angsterfüllte Mensch liefert sich als leichte Beute jenen aus, die in der Angst die am wirkungsvollsten zu nützende politische Ressource erkannt haben. Die planmäßige Instrumentalisierung realer und irrationaler Gefährdungen hat aus der Angst die „mächtigste Kraft der Politik“ entstehen lassen.

Die Populisten aller Couleur und in vielen Ländern tätig, haben es zu unerreichter Meisterschaft im Schüren von Ängsten gebracht. Ihr Erfolg hat auch damit zu tun, dass sie in der hedonistisch gestimmten Gegenwart einen Nerv der Zeit getroffen haben. Die Freizeitgesellschaft sucht den Kick und erhöht die Herausforderungen mit Phantomängsten, umso mehr aber überfordern den Einzelnen reale Gefahren, und umso empfänglicher ist er für vermeintliche Bedrohungen.

Die Angst hat eine große Karriere gemacht. Niemand würde bestreiten, dass sie nicht eine der vorherrschenden Empfindungen, wenn nicht das dominante Daseinsgefühl sei, dahinter steht wohl immer die Todesangst.  Aber dennoch wird heutzutage in z.B. manchen Sportarten das Risiko so erhöht, dass damit die Angst zum Nervenkitzel genutzt wird. Aber das verkleinert die Daseinsängste in keinster Weise.

Dass die Angst eine Lebensschule sein könnte, die uns einiges zu lehren imstande wäre, und dass sie darum freilich auszuhalten und nicht einfach und schon gar nicht mit einfachen politischen Rezepten beiseitezuschaffen ist: Diese Vorstellung müsste sich im Lärm der Zeit erst einmal wieder Gehör verschaffen. Es hieße allerdings gerade eben nicht, dass wir je „von des Lebens Angst genesen“ könnten, wie Hölderlin einmal schrieb, wiewohl er die Vergeblichkeit solcher Hoffnung fürchtete.

Also: seien Sie kein Angsthase!

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Wie ich das Fürchten verlernt habe

Zur Aufarbeitung der Wunden des Kolonialismus

Vergangene Woche, also Ende August 2018, fand in einer Berliner Kirche eine Zeremonie statt, im Rahmen derer namibische Vertreter die Überreste einheimischer Personen übernahmen, die vor mehr als einem Jahrhundert in ihrem Land von den Deutschen getötet worden waren. Diese Überreste bestanden aus 19 Schädeln, einen Skalp und Knochen, die zu fünf Skeletten gehörten, die alle jahrzehntelang auf staubigen Regalen in deutschen Universitäten und Museen herumgelegen sind.

Diese Reste bilden eine Verbindung zu einer hässlichen Vergangenheit, nämlich zu dem von vielen Wissenschaftlern so bezeichneten ersten Genozid des 20. Jahrhunderts.  Zwischen 1904 und 1908 hatte die Kolonialmacht im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika ausgedehnte Massaker an den Stämmen der Hereros und Namas durchgeführt. 80% der nomadisch lebenden Hereros, geschätzte 100 000 Personen starben damals, entweder durch deutsche Streitkräfte getötet oder verdurstet oder verhungert in der Wüste, in die sie getrieben worden waren.

Im Oktober 1904 führte Lothar von Trotha  (*1848; † 1920), ein preußischer Offizier, zuletzt General der Infanterie, seinen unrühmlichen Vernichtungsbefehl aus, der forderte, dass jeder Herero, mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh zu erschießen wäre. Im folgenden Jahr wurde ein ähnlicher Befehl erteilt, der diesmal die Namas betraf, es wird davon ausgegangen, dass ungefähr 10 000 von ihnen getötet worden waren.

Das war aber noch nicht das Ende der Gräuel: angetrieben durch die rassistische Eugenik dieser Zeit, wurden tausende von Schädeln und anderer Körperteile der Eingeborenen zurück nach Europa gebracht. Dort dienten diese Objekte Studienzwecken, die die Basis für die jetzt verpönte Theorie der Überlegenheit der Europäischen Rasse bilden sollten. (Nur der Ordnung halber sei’s hinzugefügt, Ähnliches – betreffend Deutsche und Muslime – behauptet auch heute noch Thilo Sarrazin in seinen Büchern)

Viele dieser Schädel gehörten den Stammesangehörigen, die man in diesen „grindigen“ Konzentrationslagern in der Wüste sterben ließ. Den Toten wurden die Köpfe abgeschlagen. Ihren Witwen wurde aufgetragen, mit Scherben die Haut und das Fleisch von den Schädeln zu kratzen, um diese besser für den Transport her zu richten.

Aber die Grausamkeit dieser Akte ist nur ein Teil einer größeren Geschichte. Die Deutschen waren nicht die Einzigen, die die lokale Bevölkerung abgeschlachtet hat und deren Körperteile gehortet hatten. Unzählige Museen, Klinken und Universitäten behausen noch immer Überreste der verschiedenen kolonialisierten Völker, die manchmal sogar nur deshalb getötet wurden, um diese makabren Sammlungen zu vergrößern.

Eigentlich erst in den letzten Jahren entstand langsam ein Bewusstsein dieser Schandtaten. 2012 beispielsweise sandte Frankreich mumifizierte Köpfe von 20 Maoris, die in einem Pariser Museum gelegen waren nach New Zealand zurück. Der französische Kultusminister meinte damals, dass man damit ein schreckliches Kapitel der Kolonialgeschichte schließe, und nun eine neues Kapital von Freundschaft und gegenseitigem Respekt eröffne.

Auch in Österreich ist Ähnliches schon geschehen:  m Rahmen einer feierlichen Zeremonie im Weltmuseum Wien sind schon 2015 menschliche Überreste aus der Maori-Sammlung an Neuseeland zurückgegeben worden. Anwesend waren hochrangige Vertreter Österreichs und Neuseelands. Die Gebeine waren im 19. Jahrhundert vom oberösterreichischen Naturforscher Andreas Reischek (*1845; † 1902) in Neuseeland illegal erworben worden. Reischek hatte laut Weltmuseum bei seinen Forschungsreisen auf der Nordinsel Begräbnisstätten geplündert, gleichwohl Fundgeschichte und -orte penibel dokumentiert.

In ganz Europa denken Museumskuratoren und Staatsangestellte kritisch darüber nach, woher manche der Objekte in Besitz ihres Landes gekommen sind. Präsident Macron hat Pläne angekündigt, zahlreiche Objekte wie Masken, Throne, Szepter und Statuen zurückgeben zu wollen, die von Europäern früher durch Plünderungen in ihren Besitz gekommen waren. Auch in Deutschland, das ja lange mit der Aufarbeitung des Holocaust beschäftigt war, scheint sich ein ähnliches Projekt anzubahnen.

Aber all das scheint nur ein Anfang zu sein: In Namibia z.B. erwarten viele der Nachkommen der Hingeschlachteten auf eine Entschuldigung der Deutschen. Aber das scheint schwer zu erreichen sein, bisher ist nur folgender Satz offiziell ausgesprochen worden: „wir bekennen uns zu unserer historischen Verantwortung“. Gleichzeitig bat man die Namibische Delegation um Vergebung. Das wurde aber nicht als Entschuldigung angesehen. Dabei fürchten die Deutschen, dass dann umgehend Reparationsforderungen gestellt würden.

Das verärgerte wiederum die Hereros. Sie reichten eine Sammelklage gegen die Deutschen bei einem US Gerichtshof ein. Die Deutschen, so meinte ein Herero Häuptling vor Regierungsvertretern beider Länder, werden weiterhin schwere Fehler machen. Denn wir – die Hereros, sind Abkommen dieser Überreste! Aber sie werden wahrscheinlich enttäuscht werden. Denn die europäischen Regierungen sind eher unwillig, Entschuldigungen auszusprechen. Das ist teilweise auch darauf zurückzuführen, die die rechten Parteien in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien im Aufschwung sind, die den „Schamkomplex“ der Linken heftig bekritteln. Die deutsche AfD hat sogar die Deutschen aufgefordert, endlich über den Kult des Schuldkomplexes der Nazi-Herrschaft endlich hinwegzukommen. Die Hereros wiederum behaupten, dass die Juden, bei denen man sich entschuldigt hat – eben Weiße wären, und sie, die Hereros, eben Schwarze.

Somit rumpelt das Projekt der Versöhnung und Sühne sehr langsam und recht uneben daher.

Eine deutsche Bischöfin hat kürzlich gemeint, dass diese Übergabe schon lange hätte erfolgen sollen. Für die Hereros und die anderen unzähligen Opfer des europäischen Imperialismus ist es noch immer zu wenig und zu spät.

Ein schwieriges schmerzhaftes Thema für alle Betroffenen. Dennoch, die Objekte sind noch unzerstört vorhanden.

Für die Hereros ist es auch nicht so gut weitergegangen, als die Deutschen die Kolonien in Afrika während des Ersten Weltkriegs verloren haben. Sie kamen unter die Herrschaft der weißen Minderheit in Südafrika. Aufforderungen der Vereinten Nationen seit dem Jahre 1946, das Land in die Unabhängigkeit zu entlassen, wurden von Südafrika ignoriert.

Am 12. Juni 1968 änderte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den Namen des Territoriums von South West Africa (deutsch Südwestafrika) zu Namibia. 1978 reagierte Südafrika mit der Durchführung der ersten allgemeinen Wahlen in diesem Territorium, aus denen die Demokratische Turnhallenallianz (DTA) der konservativen weißen Minderheit als Sieger hervorging. Da die Wahlen jedoch manipuliert waren, wurden sie von der SWAPO boykottiert und international nicht anerkannt.

Südafrika gab erst 1988 die Besatzung auf. Die südafrikanischen Streitkräfte zogen bis 1989, kurz nach den ersten freien Wahlen, unter Überwachung der UN-Einheit UNTAG vollständig ab.

Zur Aufarbeitung der Wunden des Kolonialismus

was mich heute besonders ärgert

Die Kampagne des österreichischen Innenministers Herbert Kickl zum Thema: „Verhaltenstipps bei Amok und Terror“. Er selbst betont, dass es keinen Anlassfall für diese Warnung gäbe. Dabei denke ich auch an die kürzlich erfolgte, aufwändige  Grenzschutzübung in Spiefeld. Auch dafür gab es keinen Anlass.

Mit diesen Maßnahmen soll nur die Angst vor „Ausländern“  der Bevölkerung beständig aufrecht erhalten werden. Außerdem kann man hinter derartigen Aktionen, zu denen auch die Pferde gehören, jene Maßnahmen verstecken, die der Bürger möglichst nicht bemerken sollen.

PERFID!

 

was mich heute besonders ärgert

Impressionen im Weltmuseum

Gestern habe ich mich aufgemacht und bin in das neu gestaltete Weltmuseum gegangen. Früher schon als Kind (mit meinem Vater) war ich in dem „Vorgänger“, dem Völkerkunde Museum.

Schon vor dem Eingang befindet sich eine Bar, wo man sich auch in Liegestühlen bequem ausruhen kann. Aber ich will mich ja noch nicht ausruhen, ich will das Museum sehen. Wenn man hineinkommt ist man einmal von der Pracht und der Eleganz dieses Gebäudes sehr beeindruckt. Im Erdgeschoss gibt es gleich wieder ein Café – aber dafür ist jetzt keine Zeit. Ich bin ja neugierig auf das Museum. Ich wusste, dass ich 14 Säle zu bewältigen hätte, und dass 3 127 zu besichtigende Objekte auf mich warten. Und wieder sind nur manche Räume gekühlt!

Beeindruckt hat mich die Mischung aus Objekten, alle detailliert beschrieben, die dazugehörige Auffindung und oft auch die Geschichte des jeweiligen Landes. Ich hab‘ das als eine Herausforderung empfunden!  Man muss sicher öfter hierherkommen, um das alles zu bewältigen. Übrigens, Mittwoch ist Schließtag. Es waren auch nicht sehr viele Leute dort, die die die Sammlung besuchten, aber die Anwesenden waren wirklich   interessiert.

Gleich zu Anfang betritt man den Saal, genannt „Im Schatten des Kolonialismus“. Ich gebe zu, das hat mich gestört: Sicher hat der Kolonialismus sehr viel Böses angerichtet, darüber besteht kein Zweifel, aber als erstes ein „Schuldbekenntnis“? Noch dazu war Österreich auf diesem Gebiet keine Kolonialmacht.

Dann, im zweiten Saal, gleich das anschauliche Beispiel dazu

, Benin und Äthiopien. Kunst, Macht, Widerstand. Früher wurde noch prächtige Geschenke ausgetauscht zwischen den Herrscherhäusern (der äthiopischen Kaisers Menelik II. an Kaiser Franz Joseph I.) Um alle die aufschlussreichen Texte zu lesen, übersieht man manchmal die ausgestellten Objekte.

Der dritte Saal machte es mir nicht leicht: hier wird ein Kulturkampf in Wien dargestellt, „Konservative Katholiken gegen „gottlose Moderne“. Die ausgestellten Objekte sollen die Argumente der Christen bestätigen – ich konnte wenig Bezüge zwischen dem Kulturkampf und den Objekten herstellen.

Hier – im Saal „Ein österreichisches Mosaik Brasiliens“ war mir zu mindestens die Geschichte schon vertrauter: der österreichische Kaiser Franz I. hatte seine Tochter, Erzherzogin Leopoldine, nach Brasilien verheiratet. Um mehr über Pflanzen, Tiere und Menschen zu erfahren, segelte auch eine naturkundliche Expedition über den Atlantik. Hier konnte ich mich der Objekte erfreuen, die die ursprüngliche indianische Kultur des Landes zeigen.

Schon wieder beschäftigt man sich mit Kolonialismus: viele Stücke der ethnographischen Museen sind in dieser Periode nach Europa gewandert. (ich frage mich: sind sie hier nicht großartige bewahrt und analysiert worden?) Hier, ich gebe es zu, habe ich es schon etwas eilig gehabt, durchzukommen.

Im Saal „Die neue Wahrnehmung – Der Blick auf China“, gibt es wunderschöne Objekte zu bewundern, seien sie aus Porzellan, oder Seide.  Begeistert haben mich die Lackarbeiten oder Gewänder aus Seide.

Bei „1873 – Japan kommt nach Europa“ war es das Modell einer Daimyō-Residenz der Edo-Periode (1600–1868), das ich besonders fasziniert hat, es stammt aus dem Japan-Pavillon der Wiener Weltausstellung 1873.

„Sammlerwahn. Ich leide an Museomanie!“ Da wurde wirklich viel zusammengetragen.  Die österreichischen Erzherzöge frönten der Jagd und dem Reisen, und sammelten mit wilder Leidenschaft, sei es Ferdinand Max, der spätere Kaiser Maximilian von Mexiko, Kronprinz Rudolf oder Franz Ferdinand. Letzterer meinte sogar an Museomanie zu leiden.

Nun geht es zu den „Fernwehzielen“: „Südsee: Begegnungen mit dem verlorenen Paradies“ Zahlreiche Alltags-, Schmuck- und Ritualgegenstände erinnern an erste Kontaktnahmen, rege Tauschgeschäfte und gegenseitige Gastfreundschaft.

In „Fasziniert von Indonesien“ gibt es viele wunderschöne Objekte, die aber nicht „zu mir sprechen“, ich weiß einfach viel zu wenig von dieser Kultur um das alles interpretieren zu können. Schön, aber sehr fremd, das empfinde ich hier.

In „die Welt in Bewegung“ dominieren für mich die Texte z.B. über die Anziehungskraft der Städte und mancher Länder.

Dann geht’s „In eine Neue Welt“, zu den indigenen Kulturen Nordamerikas. Vieles davon beeinflusst auch das heutige Leben – z.B. die ausgestellten Baseball-Kappen. Hier finde ich meinen eigenen Bezug zu Texten und Objekten.

Bei „Der Orient vor der Haustüre“ ist vieles ebenfalls vertraut: hier gefallen mir besonders die wunderbar gearbeiteten Koranständer, die Keramik und vieles mehr!

In den „Geschichten aus Mesoamerika“ werden Textilien, komplizierte Federarbeiten, die besonderen Stellenwert für Österreich erhielten, als Maximilian Kaiser in Mexiko war. Hier gibt es auch Zeugnisse des Christentums und der Religiosität dieser Menschen. Hier stoße ich dann (endlich) auf die lange von mir erwartete Federkrone, ein immer wieder eindrucksvolles Objekt, der Höhepunkt. Und weil ich schon so müde war, ließ ich mich vor einem großen Bildschirm nieder, der ein mexikanisches Hüftballspiel zeigte.

Dann war noch das „Ein Dorf in den Bergen (buddhistisches Dorf im Himalaya-Gebiet)“ eigentlich nicht mehr ganz so interessant. Man sieht Menschen, die im Haus im Dorf leben, sie arbeiten auf den umliegenden Feldern, manche auf den Almen hoch darüber, wieder andere als Mönch oder Nonne in einem Kloster, wenige zieht es als Asketen in die Einsamkeit der Berge. Besondere Beachtung gilt der Verflechtung von religiösen Vorstellungen und profanem Tun. Einerseits ist es auf Bildern dargestellt – andererseits sind die Objekte so angeordnet, wie man es auf den abgebildet sieht. Besonders bedrückend finde ich die Darstellung einer Frau, die – wie eine Pieta – einen Sarg am Schosshält und als Hintergrund sind kleine Bilder von Menschen die „nicht zurückgekommen sind“.

Jedenfalls muss ich dieses Museum noch öfter besuchen und mir eine Strategie überlegen, wie ich mir’s anschauen soll – vielleicht nur einzelne Säle und die intensiver oder getrennt nach nur Texten oder nur Objekten. Man kann viel erfahren hier, wenn ich auch nicht mit allem einverstanden bin. Aber das liegt vielleicht auch an meinem Alter – bin ich schon aus der Zeit gefallen?

Impressionen im Weltmuseum

Nicht auf den Hund gekommen

Der erste Hund, den ich in meinem Leben näher kennenlernte, hieß Lumpi, war kohlrabenschwarz, und hatte die Figur eines Dackels aber mit höheren Beinen. Das war 1944, also noch im Zweiten Weltkrieg und in Pregarten.  Er gehörte der Familie, die uns „Flüchtlinge“ aus Wien ein Zimmer vermietet hatten. Das Haus, in dem wir wohnten war einer Hammerschmiede angeschlossen. Lumpi spielte nur eine Nebenrolle, war fleißig unterwegs, bellte nur gelegentlich und ernährte sich von Abfällen und Resten der Mahlzeiten. Er nahm meine Anwesenheit einfach zur Kenntnis, wir spielten nicht miteinander, er begleitete mich nicht, er bedrohte mich auch nicht.  Er war immer sehr aufgeregt, wenn Pferde zum Beschlagen in die Schmiede kamen.

Später, schon wieder in Wien, es muss wohl in den 60er Jahren gewesen sein, kam ein überaus eleganter afghanischer Windhund in die Familie meines Großvaters und meiner Tante, wie, das weiß ich leider nicht. Er war kein pflegeleichtes Tier, mit seinen langen Haaren. Da die Rasse ursprünglich zur Jagd diente, sollte er auch sehr viel laufen – und nicht nur „Gassi-geführt werden“. Der Hund wurde Naila genannt. Von meinem Großvater, von dem ich nie angenommen hatte, dass er tierliebend wäre, wurde er außerordentlich verwöhnt. Naila fraß gerne Vanillekipferl, damit hielt mein Großvater meine Tante an, Vanillekipferl für den Hund zu backen. Wohl das, und auch die mangelnde Bewegung, führten dann a la longue dazu, dass der Hund räudig wurde und seine wunderschönen seidigen Haare verlor. Er sah eigentlich traurig aus. Dennoch wurde er mit Liebe bis an sein Ende gepflegt.

Mein Mann hätte sehr gerne einen Hund gehabt. Er wünschte sich einen Rauhaardackel. Es muss in den siebziger Jahren gewesen sein. Wir waren sogar schon bei einem Züchter gewesen. Aber ich wehrte mich mit Händen und Füssen, da ich voraussah, welche Rolle ich in der Hundebetreuung spielen würde: mein Mann würde anfangs mit diesem Hund spazieren gehen, aber dann aus Arbeitsüberlastung, es dann mir überlassen, genauso wie das Besorgen und Zubereiten des Futters, die Tierarztbesuche etc. Also kein Hund!

Ich hatte aber vorher keine unangenehmen Vorkommnisse mit Hunden erlebt. Nur einmal, als wir bei Freunden eingeladen waren, versuchte der Hund des Hauses vehement eine Annäherung. Ich glaube, es war ein Bull Terrier. Nachdem er meinen Mann, der auf die Toilette gegangen war, nicht aus dieser herausließ (bis ihn eine Hilfskraft im Hause befreite) fand er mich sichtlich annäherungswürdig und umschlang mit seinen Pfoten mein Bein und versuchte seine Schnauze unter meinen Rock zu schieben. Als er dann doch vom Hausherrn daran gehindert wurde, kratze er mit seinen Krallen mein Bein entlang, was nicht nur meine Strümpfe total zerriss. Die Strümpfe wurden mir dann, begleitet von mit einem liebenswürdigen Entschuldigungsschreiben, ersetzt.

Die nächsten mir näherstehenden Hunde waren dann diejenigen der Familie meiner Tochter. Der erste kam dort ins Haus, als die Familie in Ungarn lebte. Ich kann mich nur erinnern, dass er schwarz war. Es hat mich erstaunlicherweise sehr betrübt, als er entlaufen war, während eines Urlaubs der Familie, zu dem der Hund nicht mitgenommen werden konnte. Wir malten uns alle das Schicksal, das ihn ereilt haben könnte, in besonders düstern Farben aus. Es kam dann rasch zu einem Ersatz; ich gebe zu, wenig Kontakt zu diesem Tier aufgebaut zu haben, weil ich eben über den Verlust des vorigen so bekümmert war. Von diesem weiß ich nur mehr, dass er irgendwann krank wurde und der Tierarzt seine Einschläferung empfahl. Einer meiner Enkel begleitete den Hund damals freiwillig zum Tierarzt.

Und weil alle so traurig waren, kam sogleich der nächste Hund in die Familie. Das war dann schon die Cooky, die vor ein paar Tagen recht unerwartet verendet ist. Ich mochte diesen Hund sehr gerne, war aber nicht bereit, ihn im Bedarfsfall zu übernehmen. Deswegen hatte ich ein sehr schlechtes Gewissen, da er einmal, aber nur einmal „zu Fremden“ während eines längeren Urlaubs geben werden musste. Ansonsten war, oder besser sie, der Familienhund. Er liebte sein „Rudel“, also die Familie und versuchte auch die Mitglieder zu beschützen. Wenn die Kinder schwimmen gingen, oder gar tauchten, war es sehr besorgt, das ging so weit, dass er versuchte sie aus dem Wasser zu ziehen und dabei sogar kräftig kratzte. Ebenso konnte sie es gar nicht leiden, wenn die Kinder rodelten, da stellte sie sich quer über die Fahrbahn. Wandern ging sie gerne, und blieb beim Tempo der Wanderer, auch wenn auch ihre Pfoten schon etwas „beschädigt“ waren oder wenn sie schon müde war. Da die Kinder jetzt schon größer waren, reisten sei viel, es gab längere und kürzere Auslandsaufenthalte. Da die „restliche“ Familie die Kinder dann am Flugplatz abholte – und selbstverständlich die Cooky mitnahm, kam es zu rührenden Szenen, als der Hund beglückt das zurückkommende Familienmitglied begrüßte. Und Das Tier konnte seine Anteilnahme an einer Person in einer Form ausdrücken, wie es Menschen kaum könne – mit jeder Faser! Der Liebling von Cooky – als „Bruder“ von ihr akzeptiert – war der jüngste Sohn meiner Tochter, der 7 war, als sie ins Haus kam. Cooky war ein australischer Hirtenhund mit Leipziger Wurzeln. Sie konnte sich perfekt an die jeweilige Situation anpassen, sie war bemüht, zu gefallen und daher ein sehr liebenswertes, von allen näheren und weiteren Familienmitgliedern geliebtes Tier.  Sie folgte prompt, konnte aber ihre Bedürfnisse mit zunehmenden Alter auch gut „artikulieren“, ebenso wie sie klar ablehnte, was sie nicht leiden konnte. Große, laute Ereignisse waren ihr zuwider – und sie entfernte sich dann auch meist so weit als möglich davon. In ihren frühen Jahren machte es ihr (sichtbar) wenig aus, von einem Haushalt zum anderen zu wandern, später mochte sie das nicht mehr so gerne.

All das haben mir meine Enkelkinder erzählt, nachdem Cooky kürzlich gestorben ist – wieder war derselbe Enkel bei ihr, der schon den vorigen Hund zum Tierarzt zu Einschläfern gebracht hatte. Eine Nachfolge für Cooky wird es vorläufig nicht geben. Allerdings haben sich mein ältester Enkel und seine Verlobte kürzlich mit viel Mühe und Aufwand einen Hund beschafft. Einen silbergrauen Königspudel, derzeit noch einem schwarzen Wollknäuel ähnlich, er heißt Kylo, ist aber nicht mehr ein Hund der ganzen Familie. Meine Tochter bezeichnet ihn als ihren Enkelhund.

Zu erwähnen ist noch der Hund (oder besser die Hunde) unserer Ärztin, ein Therapiehund, Schäfer, namens Luxi. Sie kam zuweilen mit, wenn der Hausbesuch bei meinem Mann anstand. Luxi war extrem diszipliniert, aber einem fröhlichen Spiel mit einem Ball durchaus nicht abgeneigt. Fausta, der zweite Hund kam nur einmal mit, sie ist eine äußerst charmante lustige Hundedame.

Auch liebe Freunde von uns haben kürzlich einen Hund ins Haus genommen – namens Tosca, die ich jetzt öfter „treffe“.

Aber ich bin traurig über den Tod von Cooky!

 

 

Nicht auf den Hund gekommen

Der Kurschatten

Wahrscheinlich, weil ich meine Tochter während ihrer Kur besucht habe und sie mit der Frage nach einem Kurschatten arg in Verlegenheit gebracht hatte (meine Enkelkinder kannten den Begriff gar nicht und fanden das Ganze „irrsinnig lustig“), ist mir das alles wieder eingefallen. Aber Kurschatten bei einer von der Krankenkasse verordneten Kur – das passt für mich eher nicht zusammen – oder doch?

„Kurschatten: umgangssprachlich Bez. für eine Person in einer zeitlich u. räumlich auf den Kuraufenthalt beschränkten Partnerschaft; als natürliches Mittel zur Förderung des Kurerfolges schulmedizinisch anerkannt, infolge der besonderen alternativmedizinischen Eigenheit jedoch ethischen u. familienpolitischen Bedenken ausgesetzt; wohl deswegen nicht regelmäßig Teil des Kurplans. Gelegentliche Initiativen, dies zu ändern (…), scheiterten schon in den Ansätzen am Widerstand der Krankenkassenträger u. Kirchen (…)“ zu lesen als Scherzbeitrag im Pschyrembel Naturheilkunde und alternative Heilverfahren, S. 206, 3. Auflage, Berlin 2006

Wikipedia meint zum Kurschatten: eine Person, zu der während einer Kur ein enger Kontakt – meist von einem anderen Kurgast – aufgebaut wird. Er impliziert Erotik, die entstehende Beziehung kann aber auch platonisch bleiben. Man sitzt beim Essen am selben Tisch, unternimmt gemeinsame Tagesaktivitäten, verabredet sich und geht am Abend möglicherweise zum Tanzen. Normalerweise hält ein solches Verhältnis nur für die Länge des Kuraufenthaltes oder höchstens ein paar Wochen oder Monate darüber hinaus. In manchen Fällen entwickeln sich daraus aber auch langfristige Freundschaften, Beziehungen oder Ehen. Der Kurschatten hat Einsamen den Aufenthalt versüßt, er ist Grund für Witze, er hat Ehen gestiftet, aber auch zerstört.

Wichtig ist dabei die Konstellation eines Kuraufenthaltes: die Entfernung von zu Hause, von Familie und Beruf, die andere Umgebung, die vorübergehende Loslösung von möglichen privaten und beruflichen Belastungen, der erleichterte Kontakt zu anderen Menschen mit zum Teil ähnlichen Problemen, die Möglichkeit, sich auszusprechen, einen neuen Abschnitt zu beginnen und vieles mehr.

Ich habe so eine äußerst romantische Vorstellung von Kurschatten: sie stammt aus dem zwanzigsten, eher noch dem späten 19. Jahrhundert, als elegante Damen in langen, engen Kleidern, breiten Hüten oder Sonnenschirmchen in Karlsbad spazierten, heilendes Wasser schlürften und von Kurschatten begleitet wurden. Karlsbad, Karlovy Vary, ist ein Kurort im Westen Tschechiens. Die Stadt liegt an der Mündung der Teplá (Tepl) in die Eger (Ohře). Karlsbad gehört zu den berühmtesten und traditionsreichsten Kurorten der Welt.

In der Stadt bestehen gut erhaltene historische Kureinrichtungen, darunter die Weißen Kolonnaden, die Marktkolonnade (1883, Fellner & Helmer), die Mühlbrunnkolonnade (1871–1881, Josef Zítek), die Parkkolonnade (Gartenkolonnade), die Sprudelkolonnade (1969–1975, Prof. Votruba) und die Schlosskolonnade (1911–1913, Friedrich Ohmann). In allen genannten Kolonnaden sind Heilbrunnen (pramen) untergebracht, deren Temperatur teilweise über 60° Celsius liegt.

Gerade unter diesen Kolonaden spazierten diese eleganten Damen und Herren und betrieben edle Konversation. „Sie“ hatte ein wenig Heimweh, ihre fehlte ihre Familie, aber ein wenig Abenteuerlust brachte dieses Alleinsein schon. „Er“ hingegen war auf Eroberung aus und versuchte alleinstehende Damen für diesen Kuraufenthalt zu erobern. Er lud sie vielleicht auf ein Gläschen Karlsbader Becherbitter (Kräuterlikör – ich finde ihn eher grauslich) ein, den sie langsam nippend trank.

Karlsbad besitzt zwölf Quellen. Die bekannteste und stärkste befindet sich in den Weißen Kolonnaden und wird Sprudel (Vřídlo) genannt. Sie ist 72 °C heiß, schießt bis 14 Meter in die Höhe und hat eine Schüttung von 2000 Litern pro Minute. Insgesamt sind im zentralen Kurortgebiet 89 Austritte von mineralisierten Thermalwässern dokumentiert. Es handelt sich um hypotonisches, stark mineralisiertes Mineralwasser des Typs Na-HCO3SO4Cl (alkalisch, glaubersalzhaltig). Die Anwendungen der Karlsbader Heilquellen sind vielfältig: Störungen des Verdauungssystems, Stoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Gicht, Übergewicht, Parodontose, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Leber-, Gallen-, Gallengang- und Bauchspeicheldrüsenerkrankungen sowie onkologische Leiden. Die abführende Wirkung des Heilwassers ist auf das Glaubersalz zurückzuführen. Diese Wirkung auf den menschlichen Organismus ist erwünscht, daher sollten empfindliche Personen wie Kinder und schwangere Frauen das Heilwasser nur eingeschränkt trinken.

Das Thema Kurschatten hat auch Eingang in die Literatur gefunden, zum Beispiel in Thomas Manns Tristan, Felix Krull und Zauberberg.

Es gibt auch vier Filme die sich dieses Themas annahmen:

  • Bella Block: Kurschatten, 14. Folge der Filmreihe von Bella Block
  • Der Staatsanwalt hat das Wort: Der Kurschatten, 56. Folge der Filmreihe Der Staatsanwalt hat das Wort
  • Polizeiruf 110: Kurschatten, 231. Folge der Filmreihe Polizeiruf 110
  • Der Kurschatten (1984), Sowjetischer Spielfilm von 1984

Ekkehard Walter dichtet:

Eine Kur dient der Erholung meist,

doch manche übertreiben’s dreist

und lachen sich im Übermut sodann

auch noch einen Kurschatten an.

 

Ich selbst war nie allein auf Kur (immer nur zusammen mit meinem Mann) da gab’s natürlich keinen Kurschatten. Vielleicht ist das der Grund, weil ich das ganze so romantisch finde!

 

 

 

Der Kurschatten

Das Familien-Kur-Wochenende

Es war ein wunderschönes Wochenende, es hat zwar geregnet und es war kalt – aber was soll’s. Angefangen hat es damit, dass meine Tochter in Bad Waltersdorf „kurt“. Und schon lange hatten wir vereinbart, dass ich sie dort besuchen kommen sollte.  Der Besuch wurde für das vergangene Wochenende vereinbart, da das vorige verkehrsmäßig durch den Besuch Putins einigermaßen behindert gewesen wäre.

Meine Enkeltochter fand, dass sie auch gerne mitkommen wollte und begann ein Auto zu organisieren. In unserer Familie gibt es viele Führerscheinbesitzer und ein paar Autos von Eltern, Eltern von Freunden etc. Die Enkelkinder haben keine eigenen Autos, sondern benutzen diesen „Pool“.  Meine Tochter organisierte die Unterbringung in dem Hotel, in dem sie derzeit wohnt. Zwei Tage drauf fragte einer meiner Enkelsöhne an, ob wir ihn in das Wochenende „einbauen“ (mir gefiel dieser Begriff dafür so gut) könnten. Die Tochter organisierte eine größere Unterkunft.

Und dann, knapp vor dem Wochenende starb der Familienhund (dazu werde ich später noch schreiben). Somit kam der jüngste Enkelsohn verfrüht von einer Reise mit seinem Freund zurück – und wollte selbstverständlich ebenso zur Mutter und zu den Geschwistern. Meine Tochter konnte noch ein passendes „Häuserl“, das auch im Rahmen ihres Hotels angeboten wird – buchen.

Die Enkelkinder trudelten ziemlich pünktlich ein und wir fuhren zu viert über die Südautobahn Richtung Bad Waltersdorf. Vieles wurde besprochen, auch aus dem Leben mit Cooky, dem eben erwähnten verstorbenen Familienhund. Von den verschiedenen Reisen der Enkelkinder war die Rede, von der Arbeit, die sie im Sommer annehmen (z.B. Betreuung von Kindern, die sonst nicht auf Urlaub fahren können in einem Ferienlager, von Streetworking). Natürlich fuhren wir mit „Navi“, in eine Karte zu schauen, ist gar nicht mehr „in“. Diese Strecke über den Wechsel ist landschaftlich so schön (und der Ausblick kaum durch Lärmschutzwände getrübt), dass wenn man im Ausland durch so eine Gegend führe, man laute Ah’s und Oh’s vor Begeisterung hören würde. Ich war auch erstaunt, wie grün diese Gegend noch war, es war doch ein so heißer trockener Sommer gewesen.

Bad Waltersdorf, es ist wirklich nicht weit von Wien bis hierher – auch bei Regen. Der Ort ist ordentlich herausgeputzt – naja, ich nehme an, dass die Gemeinde erhebliche Einkünfte aus den hier ansässigen Hotels hat! Besonders gut gefiel uns der Blumenschmuck, abwechslungsreich, bunt aber harmonisch. Die geschmückten Brücken haben es uns besonders angetan.

Bald ist das Hotel gefunden – und natürlich auch „die Mama“ (meine Tochter), die uns schon erwartet. Das uns zugewiesene „Häuschen“ liegt in dem so genannten Dorf, das dem Kurhotel angeschlossen ist. Es ist geräumig, ist gut ausgestattet und es gibt zwei Schlafzimmer mit je zwei Betten im Obergeschoss. Einen Vorraum – mit Kamin – und ein großer Wohn- und Essraum mit angeschlossener „Küche“. Sowohl oben als auch unten gibt es ein Badezimmer. Ja, auch genügend Geschirr etc.
Aber erst einmal gehen wir alle miteinander essen – im Ort, und das hervorragend. Die Portionen sind groß, sodass auch die zwei Buben, die eigentlich schon junge Männer sind und immer einen sehr großen Hunger haben, genug haben – besonders wenn wir Weiberleut unsere Portionen nicht aufessen können. Allerdings wird man sich im Wirtshaus gewundert haben, dass wir zu fünft an einer Zwetschgenknödelportion gegessen haben.

Und nun gehen wir in den nächstgelegenen Supermarkt um für das Abendessen einzukaufen. Denn es hat sich auch noch der älteste Sohn meiner Tochter mit seiner Freundin angemeldet (sie wollen nur kommen und hinterher wieder heimfahren – obwohl im Wohnzimmer noch zwei Sofas zum Schlafen zur Verfügung stünden.) Vegetarisches wird bevorzugt! Dass die zwei Buben (ja Buben) meiner Tochter auch sehr kindisch sein können, haben sie im Supermarkt bewiesen, wo sie „Spielchen“ spielten, wer das Billigste, wer das Schwerste schneller ausfindig machen könne …, während wir die Lebensmittel zusammentrugen.

Als wir dann endlich „zu Hause“ alles verstaut hatten, stellten wir fest, dass wir doch auch Wein für’s Nachtmahl benötigten. Also fuhren meine Tochter und ich noch zu einem Weinbauern, um die notwendigen Weine zu verkosten. Es hatte inzwischen etwas aufgeklart und wir konnten auf einer Terrasse mit weitem Blick über die Landschaft sitzen. Ich glaube, ich konnte einen Baum mit Gimpeln ausmachen, ich kann mich aber auch irren und es waren „nur“ Meisen.  Es wurde ein gelber Muskateller und ein Schilcher!

Bei der Gelegenheit klärte sich mein Autoproblem – ich wurde in den Familienpool der Autonutzer einbezogen. Ab jetzt wird’s in WhatsApp einen Kalender geben, in der jeder seine Wünsche voranmelden kann.  Der Letztnutzer teilt mit, wo das Auto steht. Ich werde also kein Auto mieten, was mir ohnedies nach einigen Recherchen bei Autovermietungen recht teuer vorgekommen ist.

Dann wurde geschwommen – es gibt ein normales in-door Becken, ein Thermal-out-door-Becken, und ein Salzwasserbecken. Man konnte sich wirklich austoben. In diesem Areal befindet sich auch ein Jung-Brunnen – naja, ganz vertraue ich diesem Versprechen nicht.

Nachdem wir genügend geplantscht hatten, gings zurück ins Häuschen. Inzwischen waren auch unsere „Abendgäste“ eingetroffen und hatten ihren ganz jungen Hund namens Kylo mitgebracht, einen noch sehr kleinen silbergrauen Königspudel, der allerdings noch fast ganz schwarz ist und wirklich eher wie ein Wollknäuel aussieht. Er ist noch sehr biegsam und sehr lustig beim Spielen – was auch ausgiebig von allen Familienmitgliedern betrieben wurde.

Dann wurde das Nachtmahl vorbereitet – es schmeckte allen und es wurde auch fast alles aufgegessen. Zuletzt fuhren unsere „Gäste“ mitsamt Pudel wieder weg. Und wir gingen schlafen. Leider waren die Betten sehr schmal, was ich in einem Kurhotel eigentlich nicht verstehe, genauso wenig wie ich verstehe, dass man immer in eine Badewanne steigen muss, um zu duschen. Wer badet denn heute noch in einer Badewanne in einem Hotel?

Der geplante Morgenlauf konnte dann doch nicht stattfinden, da es regnete. Also ging’s zum gemeinsamen ausgedehnten ausgezeichneten Frühstück. Hinterher mussten wir das Häuschen räumen. Die Badelandschaft stand uns noch für den ganzen Tag zur Verfügung.

Da es aufgehört hatte begab sich die Familie – nur einer der Buben und ich bleiben zurück zum Laufen. Nachdem sie zurückgekommen waren gingen wir s gemeinsam in den Yoga-Raum wo meine Enkelin (ausgebildete Trainerin) mit uns Yoga und Pilates betrieb. Bei manchen Übungen schaute ich meiner Tochter und meinen Enkeln nur etwas neidisch zu – deren Beweglichkeit bringe ich eher nicht mehr auf.

Und jetzt hatten alle wieder Hunger – wir gingen in dasselbe Gasthaus zurück, wo es uns so gut geschmeckt hatte. Wir bekamen alles, was wir bestellt hatten, obwohl das Etablissement eigentlich schon zugesperrt werden sollte.

Und dann galt es schon Abschied von meiner Tochter zu nehmen, die ins Hotel zurückging – wir fuhren gemütlich nach Wien zurück. Meinen Enkeln bin ich noch sehr dankbar, dass sie meinen elektronischen Schrott mitgenommen haben um ihn am entsprechenden Mistplatz zu entsorgen.

Es war ein wunderschönes, fröhliches entspanntes Wochenende – und jetzt fällt mir das Alleinsein auch nicht mehr so schwer.

Das Familien-Kur-Wochenende