Gedanken zum Wochenende

Das Wort Wochenende tauchte im frühen 20. Jahrhundert als Übersetzung des englischen Wortes weekend auf. Gebräuchlich war dieser Begriff in England seit Einführung des freien Samstagnachmittags in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geworden, politisch durchgesetzt von Lord Shaftesbury. In der Londoner Times taucht der Begriff erstmals 1830 in einer Kleinanzeige und dann verstärkt ab 1833 auf. Weekend wurde von vielen Sprachen als Fremdwort oder als Lehnwort übernommen.

Die Fachzeitschrift für Autofahrer „Der Herrenfahrer“ betitelte in ihrer ersten Ausgabe 1924 einen Reisebericht mit „Weekend um Berlin“:  „Weekend – bleiben wir bei dem englischen Wort: der Engländer hat es, der Deutsche muss es erst lernen – bedeutet lebendiges Ausruhen. Erholung nicht durch Untätigkeit, die ein negatives Vorzeichen hat und für den, der das Leben bejaht, der Langeweile gleichzusetzen ist, sondern durch Ausübung einer anderen Tätigkeit, als die Werktage verlangen. Werktagsarbeit ist gebundene Tätigkeit zur Erzielung wirtschaftlichen Nutzens, Weekendruhe ist freie Tätigkeit, die von jedem wirtschaftlichen Nutzeffekt bewusst absieht, und auf die Erfüllung der Muße mit reinen Lebenswerten gerichtet ist. Wundervollstes Instrument zur Weekendfreude ist das Automobil. Es bedeutet das sanfte, reibungsfreie Sich Loslösen von der Wochenpflicht.“

Christen sehen den Sonntag als den ersten Tag der Woche an, da Jesus Christus „am frühen Morgen des ersten Wochentages“ (Mk 16,9 EU) von den Toten auferstanden sei. Während das Judentum den Sabbat als Ruhetag Gottes nach der Erschaffung der Welt feiert, versammeln sich die Christen am Sonntag. Nachdem das Christentum Staatsreligion (27. Februar 380) geworden war, wurden die alttestamentlichen Vorschriften über die Heiligung des Sabbats als Ruhetag auf den Sonntag übertragen.

Alle abrahamitischen Religionen haben einen Tag in der Woche, an dem die Arbeit ruhen soll. Im Islam ist der Freitag der wöchentliche Feiertag, an dem das Mittagsgebet in der Gemeinschaft verrichtet wird und der Prediger zur Gemeinde spricht. In vielen islamisch geprägten Staaten ist der Freitag arbeitsfrei, wobei die Regelungen von Land zu Land und manchmal sogar innerhalb eines Landes für Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften unterschiedlich sind.

Seit der Übernahme der Wochentagszählung nach ISO 8601 durch die UNO im Jahre 1978 wird jedoch in den Kalendern weltweit überwiegend der Sonntag als der siebte Tag gezählt. Der Samstag gehört im Allgemeinen zum Wochenende, da er in vielen Branchen arbeitsfrei ist.

Als ich zu arbeiten begann, umfasste das Wochenende nur dem Samstagnachmittag und den Sonntag – eine Änderung trat erst mit der Einführung der 40-Stunden-Woche ein. Diese gilt in Österreich seit 1975 als maximale Normalarbeitszeit des Kollektivvertrags für alle Arbeitnehmer (wenn auch mit Ausnahmen), in Deutschland (West) galt sie 1965–1984 und gilt für die meisten Beamten.

Das Wochenende wird von vielen arbeitenden Menschen herbeigesehnt. In diesem Zusammenhang spielt das so genannte Arbeitsleid eine große Rolle, von dem man an Wochenenden erlöst ist. Andererseits gibt es viele Berufe, die kein Wochenende kennen: Ärzte, Straßenbahnführer, Polizisten, etc. Das beeinträchtigt dann das Familienleben, da z.B. die Kinder am Wochenende frei haben.  Besonders beliebt sind verlängerte Wochenende, die gibt es beispielsweise zu Ostern und Pfingsten oder auch mithilfe von Fenster- oder Zwickel- oder Brückentagen, wenn Feiertage auf z.B. Donnerstage fallen. Manche schaffen durch so genannte „Urlaubsmathematik“ ihre jeweiligen Urlaube zu verlängern.

Aber mit der Pensionierung verblasst der Reiz des Wochenendes dann zunehmend. Viele halten aus reiner Gewohnheit an ihren früheren Verhaltensweisen fest, z.B. nur am Wochenende ins Ferienhaus zu fahren. Andere vermissen die Einkaufsmöglichkeiten an Sonntagen.

Aber noch einmal ändert sich der Reiz des Wochenendes, wenn man allein lebt. Ich habe das schon festgestellt, als ich z.B. während meines Studiums im Ausland gearbeitet habe. Das habe ich in Madrid, noch in der restriktiven Franco-Zeit gespürt, wo z.B. – damals – eine Frau allein nicht in ein Restaurant gehen konnte. Das war dann schwierig, weil ich dort, wo ich wohnte, mir auch nichts kochen konnte. Heiß war’s außerdem und Gefrierschrank hatte meine Vermieterin (eine arme Witwe aus dem Bürgerkrieg) auch keinen. Also blieb‘s an Wochenenden bei Obst und Brot. Natürlich besichtigte ich die Stadt und auch die Umgebung – Toledo, Escorial, Valle de Caidos, Aranjuez … Aber allein, auch ohne „einkehren“ zu können, war das nicht besonders lustig. Die Ausflüge in die Umgebung mussten allesamt mit dem Zug unternommen werden. Und in Madrid bin ich gerne in Prado Museum gegangen. Aber einen ganzen Tag kann man dort auch nicht wirklich verbringen. Partys oder Ähnliches gab es für Alleinstehende nicht.

Und jetzt sind halt meine Wochenenden auch recht lang – und manchmal etwas leer. Unter der Woche gibt es immer etwas zu erledigen, einzukaufen, etc. Viele andere verbringen das „schöne Wochenende“ möglichst fern von Wien und denken nicht daran, anzurufen. Es gibt löbliche Ausnahmen. Für mich gilt auch noch immer, nicht allein in ein Restaurant essen zu gehen. Das heißt, ich muss mich besser organisieren und ein Netzwerk von ebenso Alleinstehenden aufbauen, mit denen man dann gemeinsam etwas unternehmen kann. Jetzt geht das noch nicht so leicht, weil viele aufgrund der Hitze Wien möglichst fernbleiben.

Wie sich zeigt, gibt es aufgrund der Lebenssituation das „schöne“ Wochenende, aber auch zuweilen das „leere“ Wochenende, das ich möglichst niemandem wünsche.

 

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