Episode 1, auch eine „dritte Wahl“ kann erfolgversprechend sein

Frau Dr. Rendi-Wagner wird unter anderem vorgeworfen, wird dass sie „nur“ dritte Wahl ist. Nun das hat mich an eine Episode meiner eigenen Geschichte erinnert – die letztlich gar nicht schlecht ausgegangen ist.

Ich war eigentlich schon in Pension, arbeitete für die Bank aber noch immer, eben als Konsulentin. Ein großes Projekt war gestartet worden, in den Banken jener Länder in den ehemaligen Ostblockstaaten, in denen die BA „das Sagen“ hatte, sollte ein einheitliches On-Line-Banking System eingeführt werden.   Die jungen, ehrgeizigen, erfolgssuchenden Männer rissen sich im die Projektleitung. Mich hätte diese Projektleitung schon gereizt, aber ich wusste, dass ich als „Alte“ (damals schon 65+) keine Chance hatte.

Das Projekt startete und wie so oft stellte sich nach und nach heraus, dass die technischen Fragen nicht die Hauptrolle spielten, sondern dass es mehr um die Koordinierung der Banken ging, als um Lösung technischer Fragen. Derr erste junge Mann gab rasch auf, so hatte er sich Projektleitung nicht vorgestellt. Wenn einer aufgibt, stehen genügend andere bereit, das Projekt zu übernehmen. Auch der Nächste bemühte sich redlich, aber er scheiterte, diesmal nach etwas längerer Zeit. Er war mit ähnlichen Problemen konfrontiert, wie schon weiland Kaiser Franz Joseph I., an der Rivalität zwischen Ungarn und Tschechen. Unser Chef war etwas ratlos, was er nun tun wollte, die jungen, ehrgeizigen Männer hatten sich nun alle zurückgezogen, sie warteten auf Projekte, die entweder technische Probleme aufwarfen, oder eben – so hofften sie – erfolgsträchtiger sein würden.

Der Chef beriet sich mit einem Kollegen, den er dann im Auge gehabt hatte, der aber bereits aufgrund nicht erfüllter Gehaltsforderungen gekündigt hatte – und der empfahl – ohne mein Wissen – mich.  Der Chef wäre nie auf mich verfallen. Das schien es nun doch eine am wenigsten schlechte Lösung: wenn ich scheiterte, was er, unterstelle ich ihm, erwartete, wäre es nicht schlimm, dann könnte man eben nur meinen Konsulentenvertrag kündigen und die Projektleitung „nach auswärts“ vergeben.

Also wurde mir diese Ehre übertragen.  Ich war erstaunt, zugegebenermaßen auch erfreut. Ich bekam auch ausreichende Unterstützung, sowohl in finanzieller als auch in personeller Hinsicht. Schon gewarnt, durch das Scheitern der früher Ernannten, versuchte ich einen „dritten Weg“, ich nahm weder die tschechische Lösung noch die ungarische Lösung, die jeder von beiden mit viel Verve vertrat, sondern wir vertrauten letztendlich die technische Lösung einer österreichischen Firma an. Somit waren die beiden auf mich böse. Es war dann ein mühseliger Weg, die Koordination der sehr selbstbewussten Chefs und Mitarbeiter in diesen Banken zu gewährleisten. Wir reisten von einem zum anderen, wir luden sie ein, wir leisteten aufwändige Überzeugungsarbeit, von der Qualität der (angekauften) Technik, galt es nur alle zu überzeugen.  Die Mitarbeit dieser Banken war konstruktiv, ihre Sonderwünsche waren dann schwer zu realisieren, weil sie auch nicht immer gewillt waren, dafür zu bezahlen.

Aber durch den vorbildlichen Einsatz und die Mitarbeit aller Beteiligten, konnte das Projekt am Ende auch ziemlich zeitgerecht und halbwegs im geplanten finanziellen Rahmen umgesetzt werden. Wir erhielten dann alle vom Management sogar einen Preis – in Form einer Statue – für dieses Projekt.

Also – meine eigene, bescheidene Erfahrung zeigt, dass auch die „dritte Wahl“ sehr wohl zum Erfolg kommen kann.

Hoffen und wünschen wir auch im vorliegenden Fall: das Allerbeste!

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