Zur Freundschaft und mehr

Es geht alles schon länger zurück. Wir sind drei Freundinnen, wir kennen einander schon lange, seit den 60er Jahren. Und als mein Mann durch seine Gehirnblutung „behindert“ wurde, haben sie mir als Geburtstaggeschenk ein Wochenende in einer Therme schenken wollen. Nun, ich sollte nur den Termin dazu festlegen. Das war dann schwierig, ich wollte meinen Mann nicht allein lassen. Also fragte ich meinen Schwager, den Bruder meines Mannes, ob er dieses Wochenende bei meinem Mann bleiben würde.  Mein Mann wollte dies alles nicht.  Somit „verschoben“ wir den Thermenbesuch. Da sich aber der Zustand meines Mannes nicht besserte, ergab sich langsam als Termin der Sanktnimmerleinstag. Ich dachte auch nicht mehr daran.

Nun ist heuer im Juni mein Mann von mir gegangen und meine Freundinnen fanden, dass jetzt endlich Zeit wäre, diesen Termin einzulösen, nach ca. zwanzig Jahren! Ich war sehr gerührt. Meine Freudinnen suchten eifrig nach einer geeigneten Therme, Prospekte wurden beschafft, ein geeigneter Termin wurde gesucht, wir legten Wochentage fest, „Wochenende“ spielt ja bei Pensionistinnen keine so große Rolle mehr. War alles nicht ganz so einfach, da meine Freudinnen frisch gebackene Großmütter sind, und damit auch zu „Enkeldiensten“ eingeteilt werden. Als dann fast alles geregelt war, fanden wir, dass der Aufenthalt in einer Therme doch nicht so passend wäre.

Somit wanderten die Prospekte in den Papierkorb und wir suchten ein Ziel für einen Tagesausflug. Dieses Ziel war dann bald ausgemacht, die Ausstellung „Byzanz im Westen“ in der Schallaburg. Nun wurde ein geeigneter Termin gesucht. Das war gar nicht so einfach, weil die Großmutterdienste eben (völlig zu Recht) Vorrang haben.

Es wurde dann der 23. Oktober. Nun wurde entscheiden, dass eine Führung durch die Ausstellung unerlässlich wäre. Da wir den Vormittag vorzogen, war es dann jene um 10 Uhr.  Das hieß allerdings relativ bald aus Wien wegfahren. Wir fuhren gemeinsam, und so wurden der Reihe nach von je eine von uns Dreien abgeholt. Am Weg über den Schottenhof zur Westautobahn erspähten wir noch einen Rauchfangkehrer. Und da wir alle drei doch gar nicht abergläubisch sind (nur in negativem Falle!) konnte doch gar nichts mehr schief gehen.

Die Fahrt war wieder anders als am vergangenen Sonntag, da diesmal schon die Nebel über manche Autobahnstrecken wallten. Auch schön. Der Verkehr war erträglich und bald kamen wir am Parkplatz der Burg an. Gestärkt von mitgebrachten Grafensteiner Äpfel wanderten wir zur Burg hinauf. Als ich zahlen wollte, wurde mir beschieden, dass das heute doch dieses Geschenk wäre und ich für diesen Tag eingeladen wäre. Ich konnte es fast nicht glauben: Geschenkeinlösung nach 20 Jahren (nicht verjährt!!!) Den Elektrowagen zur Burg lehnten wir dann doch ab, vor der Führung blieben uns sogar noch ein paar Minuten für einen Kaffee.

Über den Inhalt dieser faszinierenden Ausstellung werde ich noch gesondert berichten, das würde den Rahmen hier doch sprengen bzw. nicht zum Thema passen.

Als wir nach der Besichtigung der Ausstellung die Stufen in den schönen Renaissance-Hof hinunter gehen wollten, kam gerade ein Brautpaar herauf, offensichtlich um im Festsaal hier die Hochzeit zu feiern. Wir wünschten “viel Glück“, aber der Bräutigam, der uns vielleicht nicht gut verstanden hatte, meinte „eh schon alles vorbei“. Wir wünschen den Brauleuten jedenfalls, dass ihr Glück noch lange nicht vorbei sein möge.

Nach den atemberaubenden Objekten in der Ausstellung, beschlossen wir, noch die eigentliche Burg zu besichtigen und auf den Turm hinaufzusteigen. Davor galt es, uns zu stärken. Die Würstel waren grad das Richtige.

Wir begannen unsere Burgbesichtigung im „kleinen Arkadenhof“, der uns einfach gut gefiel, er war im 13./14. Jahrhundert entstanden und der eigentliche Arkadeneinbau um 1540/50 erfolgt. Über ziemlich steile Stufen hinauf bis zur leider versperrten Tür zum Turmaufstieg, aber wir wurden durch schöne Räumlichkeiten in den zwei Stockwerken „entschädigt“. Besonders beeindruckt waren wir von einem imposanten Kamin, in einem der Räume, die sichtlich für Seminarzwecke verwendet werden. Wir gelangten auch auf eine äußere Balustrade, von wo man einerseits den modernen Kinderspielplatz im Burggraben (ein riesiger hölzerner Drache) sehen konnte, andererseits den prächtigen Turniergarten, in dem noch fleißige Gärtner am Werk waren.  Da der Wind recht kalt wehte, beschlossen wir, nicht mehr in diesen Garten zu gehen, da man ihn ohnedies von oben besser gesehen hätte. Aber die romanische Kapelle ließen wir uns dann doch nicht entgehen und gruselten uns beim Lesen der Legende vom Hundefräulein. Aber darüber auch einmal später.

Nun war uns dann schon ziemlich kühl geworden, und wir begaben uns Richtung Auto – nicht ohne den prächtigen, gelb leuchtenden Ginkobaum zu bewundern. Ich freute mich jedenfalls schon auf die gewärmten Sitze im Auto!

Es war vereinbart worden, in Melk in den Stiftskeller bzw. Ratskeller zu fahren, um dort zu essen zu gehen. Nicht gerechnet hatten wir damit, dass wir uns in Melk bei der Suche nach dem „oberen Parkplatz“ verirren (jawohl verirren!) könnten. Schuld war eine Tafel, die uns zu einer Baustelle brachte, die man nicht durchqueren konnte. Nach einigen gut gemeinten aber ineffektiven Ratschlägen von Anwohnern, wandten wir uns an die Polizei. Der an sich freundliche Polizist versuchte uns neuerlich den Weg zu erklären. Aber nach einigen Ausführungen unterbrach ihn eine der Freundinnen und meinte: jetzt hörn’s bitte mit den „umi, auffi, obi und fiere“ auf! Er nahm‘s gelassen und sprach nun von rechts und links und Kreuzverkehr. Und wir fanden den gewünschten Parkplatz, etwas oberhalb vom Stift. Wir gingen durch raschelndes Herbstlaub, hinunter zum eindrucksvollen Stift. Um dieses zu besichtigen war es einfach schon zu spät (und auch gar nicht im Programm) aber die Kirche wollten wir uns dennoch nicht entgehen lassen. Wir querten die imposanten Höfe (die modernen Darstellungen in den Zentralgiebeln störten mich etwas), aber kamen dann durch einen lagen Gang in die hochbarocke Kirche. Wir betraten sei durch einen Seiteneingang, diesen Raum um den Seitenaltar konnten wir nicht verlassen, trotzdem konnten wir die Kirche gut überblicken. Nun sind Hochbarock und viel Gold nicht ganz mein präferierter Stil, aber eindrucksvoll ist die Kirche dennoch, man muss sie sich halt im Rahmen einer Feier vorstellen, mit Priestern in den wunderbaren alten Kaseln, mit rauschender Orgelmusik, mit viel Weihrauch – dann stimmt alles wieder.

Jetzt war’s aber Zeit für ein abschließendes gemeinsames Essen. Mit Blick auf den französisch anmutenden Vorgarten (die Bäume sind dort quer gestutzt) mit einem hübschen Brunnen – der allerdings bald abgedreht wurde – speisten wir gut.

Dann gings durch den beginnenden Regen – munter plaudernd – zurück nach Wien

Ein wunderbarer Tag. Ich hab‘ doch großartige Freundinnen, meinen Sie nicht auch?

 

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