Wie sind wir nur früher ohne Handy (Navi) ans Ziel gekommen?

Gestern habe ich die frühere Kommunikation ohne Handy beschrieben. Und ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich eine früher bestehende Möglichkeit vergessen habe, die es leider heute auch nicht mehr gibt: die Rohrpost. Das Wiener Netz erreichte mit 53 Postämtern und 82,5 km Rohrlänge seine größte Ausdehnung und wurde 1956 auf Grund der Unwirtschaftlichkeit gegenüber modernen Fernmeldediensten eingestellt. Ich selber habe es nie benützt, aber eine Freundin hat es sehr effizient befunden. Unter dem Namen „pneumatischen Post“ war das System In Wien am 15. Februar 1875 in Betrieb genommen worden. 1902 wurde die Rohrpost mit neuen Kompressoren ausgerüstet. In Spitzenzeiten wurden täglich bis zu 20.000 Zylinder als Rohrpostzug zu je maximal 15 Büchsen durch die Rohre unter der Stadt versendet. Dabei erreichten die Rohrpostzüge ein Tempo von fast 50 km/h. Wenn Sie Interesse haben: eine Rohrpoststation aus Wien ist mit sichtbaren Röhren aus Messing im Technischen Museum Wien ausgestellt. Ein ganz klein wenig erinnert mich dieses System an da die heute verwendete Blockchain.

Eine Funktion eines Smartphones ist eine Navigationshilfe. Damit kommt man (meist, wenn man nicht in recht abgelegene Gebiete fährt) problemlos ans Ziel. Wie war denn das früher, ohne Navi? Vor einem Urlaub, dessen Ziel man schon geplant hatte, überlegte man sich die Route dorthin und ging in ein Geschäft, das eine große Auswahl an verschiedenen Landkarten (und Reiseführern) vertrieb.  Wir gingen immer zum Freytag und Berndt, damals noch am Kohlmarkt. Von dort holte man Übersichtskarten und Wander- oder Detailkarten zu der Urlaubsgegend.  Schon dieser Gang war ein Teil der Urlaubsvorfreude!  Alte Karten, die vielleicht von der letzten Reise, die schon länger zurücklag, stammten, waren nicht mehr wirklich nützlich, denn in Zeiten des damals rasanten (Autobahn-)Ausbaus stimmten sie einfach nicht mehr.

Wir waren im Urlaub meist mit dem Auto unterwegs (selbst wenn wir in das „gewünschte“ Land fliegen mussten) und mein Mann lenkte das Auto und ich war für den richtigen Weg zuständig. Immer, am Tag vorher, schaute ich mir die genaue Route auf der Karte an, und versuchte mir die wichtigsten Namen einzuprägen. Das war vor allem notwendig, wenn man abbog und nicht den Namen des Ortes kannte, zu dem diese Straße führte. Das „richtige Anweisungen geben“ war nicht immer ganz einfach, in manchen Städten sogar ziemlich schwierig. Vor allem, wenn es Umleitungen gab. Und mein Mann wurde recht grantig, wenn ich ihn in die Irre führte. Wenn es leicht ging, ließ ich es ihn nicht wissen, dass wir uns verfahren hatten. Oft scheiterte ich am „gleichzeitigen“ Lesen der Karte und der Straßenschilder (sofern sie überhaupt vorhanden waren). Und mein Mann legte auch gar keinen Wert auf Verkehrsregeln, wenn ich ihn darauf hinwies, dass wir da durch eine Fußgängerzone oder verkehrt in einer Einbahn unterwegs waren, meinte er, dass man nur so zum Ziel käme. Ich war dann immer sehr betreten, aber wir wurden selten erwischt. Und wenn wir sehr in die Irre gefahren waren, empfahl mir mein Mann doch „jemand zu fragen“. War auch nicht problemlos, in Ländern deren Sprache wir nicht sprachen. Sie sehen schon: ein gutes Navi trägt auch zum ehelichen Frieden bei.

Aber glauben Sie ja nicht, dass unserer Reisen und Urlaube nicht schön gewesen wären. Meine Generation hatte viel Glück. Wir sind mit nicht klimatisierten Autos über Landstraßen gefahren, die teilweise noch nicht einmal gepflastert waren. Wenn das Auto einen Schaden hatte, konnte es fast jeder Schlosser unterwegs halbwegs wieder zum Laufen bringen, und das innerhalb eines halben Tages. Unsere Sicht war nicht durch Schallschutzwände behindert. Wir waren stolz darauf, wenn wir Grenzstau durch Umwege über selten befahrene Grenzübergänge vermeiden konnten. Aber wir haben viele so genannte Hauptsehenswürdigkeiten Europas ohne „Massentourismus“ besuchen und sehen konnten. In der Alhambra beispielsweise waren 5 Personen gleichzeitig mit uns anwesend. In den Vatikanischen Museen konnten wir überall stehen bleiben, um die Objekte herumgehen, und sie so lange bestaunen, wie wir wollten. Uns hat damals keiner „weitergeschoben“. Man konnte in jedes Museum besuchen, jede Sehenswürdigkeit betreten ohne uns lange vorher angemeldet zu haben. Für den Besuch der die etruskischen Gräber holten wir uns noch die Schlüssel im nächstgelegenen Pfarrhaus und waren dann allein drinnen. In Epidaurus saßen wir allein im Theater. In Spanien haben wir in einem kleinen Hotel an der Südküste gewohnt, als wir in das nächstgelegene Gasthaus gingen, um dort einen Sherry zu trinken, war es für den Hotelbesitzer selbstverständlich dafür zu bezahlen – wir waren ja seine Gäste. Wenn man in der Türkei im Landesinneren deutsch gesprochen hat, wurde man von Gastarbeiter-Rückkehrern nach Hause eingeladen, wo einem stolz die Waschmaschine gezeigt wurde und man selbstverständlich umgehend zum Essen eingeladen wurde. (Ich war darüber meist erstaunt, ja sogar beschämt, denn wir haben hier die Gastarbeiter meist nicht so freundlich ´behandelt). Auf einer Kreuzfahrt im Mittelmeer wurden fast alle Gäste irgendwann an den Kapitänstisch gebeten, denn die Schiffe waren einfach nicht übermäßig groß, und man war in den Häfen halt das einzige Kreuzfahrtschiff.

Es war zwar oft mühsam, nur mit Landkarten und Reiseführern die Wege zu finden, aber was wir suchten, haben wir allemal gefunden, manchmal hat’s halt etwas länger gedauert, aber wir konnten es meist noch ungestört genießen.

Wie sind wir nur früher ohne Handy (Navi) ans Ziel gekommen?

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