Schnee – und Parken in Wien der 60er Jahre

Ich hab‘ doch über Schnee in Wien geschrieben, wie es so war, in meiner Kindheit. Aber auch später gab’s noch Schnee, und viel noch dazu.

Es muss in der ersten Hälfte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts gewesen sein. Wir hatten erst ein Kind. An einem Wochenende im Dezember, es war um den 8. Dezember herum, fuhren wir auf den Semmering. Es lag damals in Wien schon viel Schnee. Wir wohnten noch in Ober St.Veit, am Gemeindeberg. Das lag damals eher noch am Stadtrand. Es dauerte nur ein paar Minuten, um in den Wald zu kommen und vor unserem Haus gab es noch eine unverbaute Wiese, auf der Kinder rodeln und Schifahren konnten.   Es war idyllisch.

Fast alle Bewohner dieses Gemeindebaus in dem mein Mann eine Wohnung ergattert hatte, er bestand dort aus mehreren zweistöckigen Häusern, verfügten über ein Auto (es war noch nicht die Zeit der Zweitautos in der Familie). Und die Häuser waren damals nicht mit Garagen gebaut worden. Das Auto war auch notwendig, denn die Verkehrsanbindung war noch sehr mangelhaft, es gab zwar einen Autobus, der alle halben Stunden fuhr, zu Fuß ging man zur Hietzinger Hauptstraße ca. 30 Minuten (dort wartete der 158, damals noch Straßenbahn), zur Lainzerstraße 25 Minuten, dort fuhr und fährt noch der 60er. Auf beiden Wegen gab es noch das Hindernis einer Bahnüberquerung, dort fuhr die so genannte Vorortelinie. Jedenfalls, alles andere als bequem. Später, nach dem zweiten Kind kaufte ich mir dann selbst ein kleines Auto.

Wenn es nun in Ober St. Veit Schnee gab, waren die Parkplätze plötzlich viel rarer. Aber jeder Autobesitzer versuchte sich einen Parkplatz freizuschaufeln, manche stellten dann ein Taferl hinein, mit Angabe der Autonummer des Besitzers des Fahrzeuges, der hier freigeschaufelt hatte. Andere unterließen dies, um untertags ankommenden Autos die Möglichkeit zum Parken zu geben. Natürlich kam es bei dieser Situation zu Konflikten, einerseits konnte man seinen „heimlichen Feinden“ boshaft ihren Platz zuschaufeln. Andererseits konnte man das Taferl entfernen, sich hinstellen und behaupten, es wäre nie dagewesen. Und Autos waren damals noch wirklich „Heilige Kühe“, die gehegt und gepflegt wurden. Denn jeder wusste natürlich, wem welches Auto gehörte und wer welchen Parkplatz freigeschaufelt hatte.

Auch mein Mann hatte sich am Parkplatzschaufeln beteiligt, allerdings soweit ich mich erinnern kann, kein Taferl aufgestellt.   Er fand diese Markierung einfach kindisch. Naja.

Als wir somit von unserem Semmering-Ausflug zurückkehrten war „unser“ Parkplatz besetzt, das Auto kannten wir nicht, es musste wohl einem Besucher gehören. Nun war guter Rat teuer, es war natürlich schon abends, daher einigermaßen finster, das Kind war müde und musste dringend ins Bett, dass Auto war voll von Kram (Schier, Rodel, dicker – also feuchter – Jacken und Schuhen). Also blieben wir einmal auf der Fahrbahn stehen, um das Auto auszuräumen, in der Hoffnung, dass niemand vorbeikäme. Es war eigentlich die Zufahrt zum Ober St. Veiter Friedhof, daher war abends eher wenig Verkehr.

Nachdem wir alles hinaufgeschleppt hatten, es gab in diesen Häusern keinen Lift, brachte ich umgehend das Kind ins Bett, mein Mann heizte noch ein, wir betrieben ja noch einen Ofen, der einen Wassermantel hatte – das gewärmte Wasser wurde dann in Heizkörper in andere Zimmer geleitet.  Die Asche musste auch noch hinuntergetragen und in den Mistkübel befördert werden. Nun machte sich mein Mann, einigermaßen demotiviert („brummend“) auf, um einen Parkplatz zu suchen. Wir hatten zwar gehofft, dass der aus unserer Sicht ungebetene Gast vielleicht schon fortgefahren wäre – aber mitnichten. Mein Mann bleib lange weg, bis er einen Parkplatz gefunden hatte (ob das einer war, der jemand anderer freigeschaufelt hatte, weiß ich nicht – war mir zugegebenermaßen auch reichlich „wurscht“).

Mühsam war es wieder am nächsten Tag, einem Arbeitstag. Mein Mann hatte zwar keinen frühen Dienstbeginn, ich aber schon (damals noch in der Atombehörde) außerdem musste ja das Kind in den Kindergarten. Zum Glück war dieser von der IAEA installiert worden, nicht weit entfernt, von unserem Arbeitsplatz am Ring (Grandhotel), nämlich  am Heumarkt. Jedenfalls hatte ein anderer Kollege aus dieser IAEA, er stammte aus Indonesien ebenfalls einen kleinen Buben im dortigen Kindergarten und er wohnte auch in Hietzing und nahm uns beide mit ins Büro – bzw. in den Kindergarten. Ich musste allerdings jetzt in die Hietzinger Hauptstraße kommen. An diesem Morgen (wie auch an vielen anderen) bat ich meinen Mann, mich mitsamt unserem kleinen Buben dorthin zu bringen, das ging halt nicht ganz so ruck-zuck wie gewöhnlich, wenn mein Mann – manchmal noch im Pyjama – mich zur gewünschten Destination brachte, sondern es galt vorher das Auto zu holen. Dazu war doch „Winterausrüstung“ nötig. Letztendlich sind wir beide, der Bub im Kindergarten und ich im Büro rechtzeitig eingetroffen. Aber auch nur dank des Einsatzes meines Kollegen aus Indonesien, für den der Winter wahrscheinlich viel schrecklicher war, als für uns.

Mr. D. where ever you are now, THANK YOU again!

Bei allem Enthusiasmus für den Schnee: Parkplatzschaufeln würde ich gar nicht mehr gerne!

Schnee – und Parken in Wien der 60er Jahre

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