Traurige Gedanken zur schönen Zeit der Marillenblüte

Jetzt ist Marillenblütenzeit in der Wachau. Je nach Wetter kann das blühende Naturschauspiel bis zu 3 Wochen lang bestaunt werden (heuer wahrscheinlich nicht). Zur Zeit der Marillenblüte bereisen viele Schaulustige die Wachau, um das Naturschauspiel zu betrachten. Spazieren am Wachauer Marillen Erlebnisweg ist ein Genuss. Viele Marillenbauern öffnen ihre Marillengärten von 10:00 – 17:00 Uhr für Besucher, die sind sehr zahlreich, wenn nicht zu zahlreich, wenn sie jetzt in die Wachau pilgern.

Aber denken alle diese Besucher auch daran, dass diese Marillenblüte möglicherweise in Zukunft ganz anders genutzt werden könnte? Im Reich der Mitte beispielsweise zeigen sich die Auswirkungen des Bienensterbens bereits so deutlich, dass die Tiere und deren Bestäubungsleistung mittlerweile von Menschen simuliert werden müssen. In Scharen schwärmen hier nicht mehr Insekten, sondern Menschen in Richtung Obstplantagen aus und bestäuben dort die Blüten per Hand! Wer würde das bei uns dann eigentlich tun und wie würde sich das auf die Kosten der Marillen auswirken?

Aber auch bei uns sind die Bienen bedroht: Die Zahl der Bienenvölker sinkt dramatisch und auch die Hälfte der über 700 bei uns ansässigen Wildbienenarten ist bedroht. Vor allem die industrielle Landwirtschaft, Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden machen den Bienen das Überleben schwer. In ausgeräumten, monotonen Agrarlandschaften ohne Kräuter, Blühpflanzen und vor allem Hecken finden die Bienen keine Nahrung. Im konventionellen Getreideanbau und in Maisfeldern für Biogasanlagen blüht nichts. Früher wurden in der Landwirtschaft viele verschiedene Nutzpflanzen angebaut. Heute sind es nur noch wenige, die in großflächigen Monokulturen mit verkürzter Fruchtfolge wachsen. Sind diese Pflanzen verblüht, finden die Bienen keine Nahrung mehr. Die konventionelle Landwirtschaft setzt massiv Dünger und Gülle ein. Pflanzen, die nährstoffarme Standorte bevorzugen, werden verdrängt. Doch gerade diese Pflanzen sind wichtige Nahrungsquellen für viele Wildbienenarten. Immer mehr Boden wird versigelt, und darauf „wächst kein Kraut und fliegt keine Biene mehr“. In den Gärten wird eifrig gemäht, obwohl in Österreich ein englischer Rasen ohnedies nur ein Wunschtraum bleiben kann (hier spricht die eigene Erfahrung). Der massenhafte Einsatz von Pestiziden, wie zum Beispiel Neonicotinoide, hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Bienen und ihre Larven. Die Mengen an Pestiziden, welche die Bienen aufnehmen, sind zwar oft nicht unmittelbar tödlich. Werden die Pestizide aber in die Bienenstöcke eingeschleppt, so schwächen sie das ganze Volk. Neonicotinoide schädigen auch das Orientierungsvermögen und die Kommunikationsfähigkeit der Bienen. So geschädigt können sie Futterquellen nicht mehr an andere Bienen „weitererzählen“ oder sie sind so desorientiert, dass sie nicht mehr in den Bienenstock zurück finden und kläglich verenden. In der Häufung kann das zum Tod ganzer Bienenvölker führen.

Das Bienensterben führt zu weiterem Artenverlust! Zuletzt sank die Biodiversität der Insekten innerhalb von zehn Jahren um 25 Prozent. Die Folgen eines Aussterbens wären dramatisch. Insekten sind die artenreichste Tierklasse, 40% könnten in den kommenden Jahrzehnten aussterben. Die Ursachen liegen in der industrialisierten Landwirtschaft, deren Pflanzenschutzmittel, die Überdüngung, den erhöhten Stickstoffgehalt des Bodens, der auch zum Verlust von Biotopen führt, und im städtischen Raum die starke Lichtverschmutzung. Insekten brauchen Dunkelheit und natürliches Licht, um sich orientieren zu können und vor Fressfeinden sicher zu sein. Auch Insekten sind Berstäuber von Pflanzen, nicht nur Bienen, sondern auch Wespen, Käfer, Fliegen und Schmetterlinge. Und wenn die Insekten fehlen, fehlt auch anderen Lebewesen die Nahrung – ich denke da primär an die Vögel.

Und der Klimawandel bringt auch die globale Erwärmung mit sich und diese führt wiederum dazu, dass der Chytrid-Pilz Batrachochytrium dendrobatidis Frösche und Lurche bedroht, denn er beeinträchtigt den Wasser- und Elektrolyt-Haushaltes bei diesen Tieren. Man sagt mir, dass es bereits weniger Frösche und Kröten in unseren Gewässern gibt. Ich selber habe festgestellt, dass die von mir so geschätzten Feuersalamander, die es bei uns im Piestingtal nach einem Sommerregen so häufig gab – einfach ausgestorben sind. All das macht traurig.

Unser Herr Bundespräsident warb in New York in einer Rede beim Klimaschutztreffen der UNO um gemeinsame Anstrengungen für den Klimaschutz. Allerdings meinte er hinterher, sehr zum Schrecken seiner Zuhörer, „Das Klima ist mir völlig egal“, um den nächsten Halbsatz dazuzufügen: „es geht mir um den Schutz der Menschheit“. Wenn nur alle Präsidenten so einsichtig wären.

Und jetzt werden sie fragen: „Was kann ich tun?“, weil wir doch alle wissen, dass die Zeit des Redens eigentlich schon längst vorbei ist!  Achten Sie verstärkt auf Ihren „ökologischen Fußabdruck“. Es ist mir klar, dass Leben ist teurer, wenn man versucht, „ökologisch „richtig“ zu handeln. Überlegen Sie bei Ihrer nächsten Dienstreise nicht, ob Sie mit Ihrem Auto, dem Flugzeug oder der Bahn fahren sollen, sondern versuchen Sie Teleconferencing. Essen Sie Lebensmittel die bei uns wachsen, halt keinen Spargel aus Ecuador oder keine Erdbeeren aus Spanien (selbst wenn unsere noch nicht reif sind und dann noch dazu viel teurer sind). Ich gebe zu, ich bin auch versucht, das Falsche zu tun. Essen Sie das vielleicht von ihnen sehr geliebte saftige Steak etwas weniger häufig, und das Hendl lieber, wenn es „bio“ ist. Natürlich fürchte auch ich, dass mit „bio“ zuweilen Schindluder getrieben wird, aber in den meisten Fällen ist es doch ein guter Hinweis. Und sollten Sie ein Suppen- oder Paprikahuhn zubereiten, greifen Sie nicht zu dem billigsten Stücken, die kommen wahrscheinlich aus Massentierhaltung. Lassen Sie ein Stück Wiese ich ihrem sonst so gepflegten Rasen stehen und essen Sie viel (österreichischen) Honig, dass die Bienenzüchter angespornt werden, neue Völker aufzuziehen. Aber das wissen Sie ohnedies alles schon – aber tun Sie’s auch!

 

Traurige Gedanken zur schönen Zeit der Marillenblüte

Ist das Völkerkundemuseum wirklich so leer?

Es ist schon so lange her, dass ich nicht mehr im Volkskundemuseum war, sodass ich mich nicht mehr erinnern kann, was ich dort gesehen haben könnte. Und deshalb bin ich auch wieder einmal hingegangen. Es befindet sich in dem sehr hübschen, barocken Gartenpalais Schönborn im achten Bezirk.

Das Museum wurde 1895 von Michael Haberlandt und Wilhelm Hein, beides Beamte an der Prähistorisch-Ethnographischen Abteilung des k.k. naturhistorischen Hofmuseums und führende Mitglieder der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, gegründet. Die Sammlungen waren für das Gesamtgebiet der cisleithanischen Reichshälfte der österreichisch-ungarischen Monarchie gedacht, es sollten sämtliche Völker, die unter der österreichischen Krone vereint waren, repräsentiert werden. Im Einklang mit einer (vielvölker)-staatserhaltenden Leitlinie griff man auf weitere europäische Regionen aus und folgte der Richtung einer „vergleichenden“ Volkskunde. Während der Ersten Republik stand nun Deutsch-Österreich im Fokus der Sammlungs- und Ausstellungsarbeit. Der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich bedeutete für das Museum eine weitere Transformation gemäß den Wünschen und Vorgaben der neuen Machthaber. Das Museum für Volkskunde wurde zum „Haus des deutschen Volkstums im Südosten“.  Volkskunde wurde zum Zwecke einer ideologischen Festigung des „germanisch-deutschen Erbes“ instrumentalisiert.

Nach umfangreichen Baumaßnahmen am Museumsgebäude in den Jahren 1956 bis 1959 erfolgte eine Neuorientierung und somit Konsolidierung des Museums. Es erfolgte eine durchgängige Gliederung nach Landschafts- und Sachgruppenräumen im Sinne einer regionalen Struktur.

Der Grundstock der Sammlungen stammt aus der Zeit der Habsburgermonarchie, zum Inventar gehören aber auch Objekte zahlreicher anderer europäischer Länder Der Bestand umfasst heute über 150.000 dreidimensionale Objekte und mehr als 200.000 Fotografien und Grafiken. Das Museum beherbergt auch eine umfangreiche Fachbibliothek für Volkskunde/Europäische Ethnologie.

Es war zwar kein großes Gedränge, aber es waren z.B. zwei Führungen während meiner Anwesenheit unterwegs. Die eine bestehend aus Kindern im Schulalter, meist Mädchen, die andere bestehend aus Pensionisten, die ja Zeit für derartige Unternehmungen haben.

Ich wollte mir vorerst den „konventionellen Teil“ der Ausstellung anschauen, der derzeit unter dem Titel: „die Küsten Österreichs“ steht. Besonders beeindruckt hat mich dabei ein bäuerlicher Raum, wie ich ihn noch aus meiner Kindheit kenne, holzgetäfelt, Herrgottswinkel, Tisch mit Bänken herum. Darum ist seinerzeit der Bauer mit seiner Familie und seinem Gesinde gesessen, eine Schüssel stand in der Mitte des Tisches, alle hatten an ihrem angestammten Plätzen einen Löffel an einem Haken hängen, mit dem sie das Essen aus der gemeinsamen Schüssel aßen.  Nur dieses Bild wird dadurch gestört, dass vor den kleinen Fenstern dieses Bauernhauses das Meer mitsamt einem Schiff zu sehen ist. Denn in die Sammlungen wurde ein Update hinein gemacht, und zwar von externen KuratorIinnen – alle im Asylverfahren. Es werden Vergleiche zu deren Heimatländern gezeigt, es werden Fluchtobjekte (ein kaputtes Schlauchboot, Koffer, Rucksäcke mit den Objekten dieser Sammlung kontrastiert. Und es werden Texte gezeigt, wie diese „Noch-nicht-neo-Österreicher“ die Objekte kommentieren. Ich finde es spannend. An sich liebe ich ja die Sammlung alter Objekte, von denen ich in meiner Kindheit so manche noch in Betrieb gesehen, sogar benutzt habe, Buttermodeln, Spinnrocken, Butterfassln, Melkstühle, Heugabeln, Dreschflegeln etc. Das irdene Geschirr, das damals noch verwendet wurde, z.B. die großen bemalten Krüge, in denen im Sommer die Milch sauer geworden ist, die in der Speis standen um gekühlt getrunken zu werden.

Liebevoll sind die Objekte zusammengetragen, Modelle der typischen Höfe werden gezeigt, ebenso wie die Pläne, die spärlichen Möbel, die schönen geschnitzten Truhen und bemalten Kästen und die oft sehr unbequemen Sessel. Es sind auch ganze Dioramen ausgestellt, von Marktgeschehen in den Städten.  Man kann viel Zeit in dieser Ausstellung verbringen und alte Erinnerungen aufleben lassen. Das habe ich getan, aber es gibt noch eine zweite Ausstellung.

Etwas zu spät hat sie begonnen, denn schon vorher war viel von diesem Thema in den Medien die Rede gewesen: 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich. Viele Bilder hat man schon in anderen Ausstellungen zu diesem und ähnlichen Themen gesehen.

Aber wenn man den Spruch von Karl Kraus liest: „Behüte der Himmel! Sie meinen es politisch!“ meint man leider noch immer, dass es derzeit gesagt wird. Es werden hier nicht nur die Ereignisse des Jahres 1918 dargestellt, es geht um die Repräsentanz der Frauen im Parlament, in den Landtagen und Gemeinderäten auch seither. Es geht um Frauen in der Regierung, es geht um Fraueninitiativen durch diese hundert Jahre. Es werden auch Frauen gezeigt, die Ämter angestrebt aber nicht erreicht hatten. Naheliegenderweise wird das immerwährende Spannungsfeld zwischen Beruf und Karriere thematisiert.

Vieles gibt es zu sehen, zu lesen, zu erfahren. Leider ist auch vieles so hoch angebracht, dass es schwer zu sehen und zu lesen ist. Ich kann es ja bei der Fülle des Materials verstehen, aber man sollte dennoch drauf achten, dass alles sicht- und lesbar bleibt.

In einem recht populären, eher rechtsgerichteten Blog habe ich kürzlich gelesen, dass dieses Museum besucherlos und linksradikal ausgerichtet wäre. Ich habe viele Besucher wahrgenommen, dass es einen „Linksdrall“ bei 100 Jahre Frauenwahlrecht gibt, kann ich erkennen, ansonsten sehe ich nicht viel Linkes, es sei denn, man erachtet die Berücksichtigung von Neo-Österreichern als links – was ich aber nicht so sehe.

 

Ist das Völkerkundemuseum wirklich so leer?

Zwei Restaurants auf der Wieden

Erinnern Sie sich noch an das „alte“ Hotel Triest? Es wurde über lange Zeit umgebaut – und es gibt dort zwei interessante Restaurants.

Aber zuerst zu der Geschichte dieses Ortes: Das Hotel geht auf die, unter Maria Theresia eingerichtete Postkutschenverbindung zwischen Wien und Triest zurück, der das Haus als Postkutschenbahnhof diente. Ursprünglich führte der Gasthof das Schild „Zum goldenen Bär“, dann „Zum schwarzen Bär“ und schließlich „Stadt Triest“. Zwei Hoftrakte haben sich erhalten. Von hier fuhren Stellwagen nach Laxenburg und Traiskirchen ab, aber auch die Verbindung nach Triest wurde von hier aus aufrechterhalten.

Nun, was waren Stellwagen: ein Fuhrwerk, das von Zugtieren gezogen wurde. Im Gegensatz zu den bis dahin den Verkehr in der Umgebung Wiens abwickelnden Lohnwagen, Zeiselwagen (auch Zeiserlwagen,  Wiener Personenbeförderungsmittel des 18. und frühen 19. Jahrhunderts für den Ausflugsverkehr in Wiener Vororte, ohne einsehbaren Fahrplan) und Landkutschen befuhren demnach die Stellwagen (ähnlich den Postkutschen beziehungsweise den späteren Poststellwagen, die ebenfalls die Verbindung zwischen Städten herstellten) fixe Routen, besaßen allerdings nicht die der Post zustehenden Rechte.

Noch zur Lage dieses Hotels: es liegt an der Wiedner Hauptstraße, diese dient seit dem 12. Jahrhundert in der Verlängerung der Kärntner Straße als Fernverkehrsweg nach dem Süden (insbesondere Triest und Venedig). Der Wienfluss wurde durch die Kärntnertorbrücke (eine ursprünglich hölzerne, dann steinerne Brücke) überquert (später Elisabethbrücke).An der einen Seite des Hotels gibt es einen der drei kleinen Dreiecksplätze, die für „Alt-Wieden“ berühmt war – hier ist es der Rilke Platz, mit einem hübschen Brunnen. Früher war hier der Laßlaturm gestanden: ein hoher Quaderbau mit vier spitzen Ecktürmchen, ein Bollwerk und bezeichnete einst die äußere Grenze der Vorstadt Wieden. Der Turm führte seinen Namen nach König Ladislaus Postumus; dieser hielt 1452 durch den damals in Bau befindlichen Turm seinen feierlichen Einzug in die Stadt. Der Laßlaturm wurde erst 1461 vollendet. 1529 durch die Osmanen arg beschädigt, wurde er bald darauf abgebrochen. Unweit der Stelle, an der er stand, wurde 1904 der Rainerbrunnen errichtet.

Nun, nachdem ich Sie in Gegend und Geschichte etwas herumgeführt habe: Freunde hatten mir erzählt, dass es im Hotel „Stadt Triest“ zwei gute Restaurants gäbe, deren Besuch sich durchaus lohnen würde. Sie heißen Porto (Bistro – mittags geöffnet) und Collio (Restaurant abends geöffnet).  Nun, bei mir spielen die Assoziationen mit Namen schon eine große Rolle. Wir Österreicher – besonders aber die Kärtner – fahren doch gerne und regelmäßig ins Friaul, und dort lassen wir es uns gut gehen – Essen, Trinken Shoppen in wunderbarer Umgebung, bei freundlichen Menschen. Der Collio – oder das Görzer Hügelland, ist eine Weinbauregion. Dort kann man bei den Weinbauern „einkehren“, essen und trinken – fast wie beim Heurigen. Cormons und Görz sind uns an Herz gewachsen. Es sind Gebiete, die lange zur Monarchie gehört hatten und wo auch noch habsburgisches Flair zu finden ist. Auch bei einem Besuch in Porto haben wir uns sehr wohl gefühlt, eine Hafenstadt am Meer, was will ein Binnenländler, wie wir alle sind, schon mehr. Nicht zu vergessen: den Portwein, (den Porto branco secco), den trinke ich auch recht gerne.

Meine Erwartungen waren eher hoch, auch die Bewertungen, die man lesen konnte versprachen Gutes. Ich war zwei Mal im Porto und einmal im Collio.

Zum Porto: Man kann hier rasch und gut – und sogar recht preiswert essen (die Küche kocht für beide, Porto und Collio). Es gibt ein Menü, eine Vorspeise oder Suppe und zur Auswahl Fleisch, Fisch oder Vegetarisches. Man kann auch a la Carte essen. Das Ambiente ist hier eher zweckmäßig für Leute, die rasch wieder an ihren Arbeitsplatz zurückwollen, man wird aber auch – als Längersitzer, die wir Ältere, die sich gern treffen, alle sind – gut und freundlich bedient. Hier kann man vom Rilkeplatz direkt hineingehen. Aber an die Stadt Porto erinnert hier eigentlich nichts.

Anders beim Collio, dieses betritt man durch die Hotelhalle. Das Lokal ist in dämmriges Licht getaucht und man kann durch große Fenster in einen Hof sehen, der bereits für wärmere Tage als Teil des Restaurants vorbereitet wurde. Auch hier gibt es ein Menü, das besteht aber aus fünf Gängen, was uns eindeutig zu viel erschien. Ich esse gerne einen Salat als Vorspeise, meine Freunde nahmen z.B. Jakobsmuscheln, die Teigtaschen (es heißt natürlich viel komplizierter) mit Burrata (?) gefüllt, waren köstlich, dazu Sauce und Gemüse (grüner Spargel) von meinen Freunden wurde auch die Gnocchi gelobt.   Und weil ich es auch in der Fastenzeit nicht lassen kann, gönnte ich mir noch ein Dessert – mit Teig umwickelte Rhabarberstangen in Erdbeersauce mit Vanilleeis.  Unsere Getränkeauswahl ist meist sehr traditionell, die Drinks waren originell, aber gut. Wir trinken gerne den Grünen Veltliner – also keine Experimente – auch der steirische Rotwein schmeckte letztendlich sehr gut.

Die Akustik des Lokals erscheint mir nicht ganz optimal, man hörte eher die Worte und das Gelächter der Nachbartische als das Gespräch am eigenen Tisch, das mag aber auf den Freitag zurückzuführen sein, denn das Lokal war voll. Demnächst komme ich wieder, aber dann gehe ich sicher in den Garten.  Das einzige, das gestern einzuwenden war, war die Lage der Toiletten, diese sind relativ weit entfernt bzw. im Keller – und der Lift war außer Betrieb. Das heißt, man war eine längere Zeit bei Tisch „abwesend“.

Wenn sie aber gerne gut essen: gehen Sie mittags ins Porto und abends ins Collio!

 

 

 

Zwei Restaurants auf der Wieden

Zum Status der Golanhöhen

US-Präsident Donald Trump hat die Golanhöhen formell als Staatsgebiet Israels anerkannt. Trump sprach von einem historischen Schritt und begründete diesen mit dem Schutz Israels vor feindlichen Angriffen von den Golanhöhen aus. Netanjahu sprach von einem historischen Tag und einem „diplomatischen Sieg“. Die syrische Regierung sprach von einem „abscheulichen Angriff auf die Souveränität und territoriale Integrität Syriens“. Russland verurteilte die Anerkennung der Golanhöhen durch den US-Präsidenten. Die Türkei warf den USA eine Missachtung des Völkerrechts vor. Der Entschluss werde „niemals israelische Besetzung legitimieren“. Auch die UN hielten an ihrer Position zum Status der Golanhöhen fest. Der UN-Sicherheitsrat habe die Annexion des strategisch wichtigen Höhenzuges durch Israel im Dezember 1981 für null und nichtig und wirkungslos für das internationale Recht erklärt.

Russland weist auf eine schwere Verletzung des internationalen Rechts hin. Diese Entscheidung behindere auch die Lösung des Konflikts in Syrien, denn nach internationalem Recht gelten die Gebiete als von Israel besetztes Territorium Syriens. Jedenfalls wird Russland nicht verabsäumen, auf eine Parallelität zwischen seiner Krimbesetzung und der Anerkennung eines eroberten Gebietes durch Israel und die Sanktionierung durch die USA hinzuweisen. Ja, und die verhängten Sanktionen gegen Russland sind ja noch in Kraft?

Die Golanhöhen sind ein dünn besiedelter, hügeliger Landstrich im Nahen Osten, ein Felsplateau oberhalb des Sees Genezareth. Die Besiedlung reicht bis weit in die Urzeit zurück. Jüngste Funde zeigen, dass bereits der Homo neanderthalensis in dieser Region seine Spuren hinterlassen hat. Vor allem im Zusammenhang mit biblischen Erzählungen wird die gräzisierte Namensform Gaulanitis verwendet, die von der Übertragung der Bibel ins Griechische herrührt. Eine jüdische Besiedlung der Golanhöhen reicht bis in die Antike zurück. Ähnlich wie in Masada am Toten Meer gab es in Gamla (Gamala) eine Festung von Zeloten, die allerdings von den Römern im Jahr 67 nach relativ kurzer Zeit eingenommen wurde. Unter dem politischen, wirtschaftlichen und religiösen (vor allem im Byzantinischen Reich) Druck der herrschenden Mächte schwand, wie überall im Nahen Osten, die jüdische Bevölkerung. Das Gebiet wurde von Arabern und Drusen besiedelt.

Um 1900 wurden auf den Golanhöhen jüdische Siedlungen gegründet. 1923 wurden in einem Abkommen zwischen England und Frankreich die Golanhöhen vom britischen Mandatsgebiet Palästina abgetrennt und dem französischen Mandatsgebiet Syrien und Libanon angeschlossen. Im Unterschied zum britischen bestanden für das französische Mandatsgebiet keine Bedingungen über eine Förderung zionistischer Interessen. Alle jüdischen Siedlungen wurden Anfang der 1920er-Jahre aufgegeben.

Die Golanhöhen wurden von Syrien als militärischer Stützpunkt genutzt, von dem aus immer wieder israelischen Gemeinden beschossen wurden. Dies galt insbesondere für die an den Golan grenzenden israelischen Dörfer in den entmilitarisierten Zonen, welche im Zuge des Waffenstillstandsabkommens von 1949 eingerichtet wurden. Arabische Versuche, diese Gebiete zu besiedeln, wurden wiederum von Israel verhindert.

Während des Sechstagekriegs eroberte Israel die Golanhöhen. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte Israel im November 1967 zum Rückzug aus besetzten Gebieten auf im Gegenzug für eine Anerkennung Israels und die Respektierung seines Rechts auf Sicherheit. Während und nach dem Krieg wurden bis auf die Drusen, welche man größtenteils weiter dort wohnen ließ, nahezu alle arabischen Bewohner (etwa 120.000) aus dem Gebiet vertrieben. Ein Grund dafür war, dass seit den Zeiten des britischen Mandats relativ gute und friedliche Beziehungen zwischen den Drusen und der jüdischen Bevölkerung und Führung bestanden. Noch vor dem Westjordanland begann auf den Golanhöhen im Juli 1967 mit der Gründung des Kibbuz Merom Golan die israelische Besiedlung, die vom Weltsicherheitsrat 1979 ausdrücklich als illegal verurteilt wurde. Zwar konnte Syrien Teile des Golans im Jom-Kippur-Krieg 1973 zunächst wieder besetzen; diese Gebiete gingen jedoch im weiteren Verlauf der Kämpfe wieder verloren. Der UN-Sicherheitsrat forderte 1973 außer einem Waffenstillstand auch den israelischen Rückzug. Im folgenden Jahr schlossen Israel und Syrien ein Waffenstillstandsabkommen, außerdem wurde eine Pufferzone unter Beobachtung durch UN-Blauhelme (UNDOF) eingerichtet. Die 1967 von den Israelis besetzte Stadt Quneitra liegt in dieser Pufferzone. 1979 bot Israel den Drusen auf dem Golan die Möglichkeit an, die israelische Staatsbürgerschaft zu erwerben, was aber nur von wenigen Drusen angenommen wurde. In den Jahren 1981/1982 kam es stattdessen zu massiven Protesten der Drusen gegen Israel. Es wurde unter anderem auch die Rückgabe des Gebiets an Syrien gefordert.

Israel macht für die Besetzung nicht nur militärstrategische sondern auch die Wasserversorgung betreffende Gründe geltend. Von Stellungen auf den Golanhöhen kann die syrische Artillerie weite Teile Nordisraels beschießen, was sie vor der israelischen Besatzung 1967 auch regelmäßig tat. Bereits seit 1964 versuchte Syrien, das Wasser des Jordan durch Umleitung der nicht auf israelischem Gebiet liegenden Quellflüsse des Jordan, Banyas und Hasbani, vermehrt selbst zu nutzen. Die vollständige oder teilweise Rückgabe der Golanhöhen an Syrien soll nach israelischer Position nur im Zuge eines vollwertigen Friedensvertrages erfolgen, der auch Lösungen für diese Fragen einschließt.

Es geht aber nicht nur um das im Nahen Osten so umstrittene Wasser, es geht auch um Öl: Die Genie Energy Ltd. bekam 2013 das Recht, ungeachtet internationaler Proteste, im israelischen Teil der Golanhöhen nach Öl zu suchen. Am 7. Oktober 2015 verkündete Genie Energy, durch Probebohrungen ein großes Ölvorkommen gefunden zu haben. Genie Energy, ein US-Unternehmen aus Newark in New Jersey, wird von einflussreichen Akteuren in den USA unterstützt. Auch Jared Kushner, der Schwiegersohn von Donald Trump, und von ihm ernannter „Sonderbeauftragter für den Nahen Osten“ ist mit Genie Energy eng verbunden.

Der Gebirgszug gilt weiter nach internationalem Recht als von Israel besetztes Territorium Syriens. Syrien beansprucht das Gebiet nach wie vor komplett und zählt es zu seinem Gouvernement al-Quneitra, eine schmale Pufferzone wird seit 1974 von UNO-Friedenstruppen überwacht (UNDOF). Der Status der Golanhöhen war ein Hindernis für die Friedensverhandlungen zwischen den beiden Staaten. Während des Syrischen Bürgerkriegs wurde die Region wieder zum Brennpunkt mit Raketenangriffen aus Syrien und Israel. Netanjahu hatte sich lange international um eine Anerkennung der Golanhöhen als israelisch bemüht.

War diese Anerkennung der Golanhöhen als israelisches Gebiet nur ein Wahlgeschenk Trumps an Netanjahu, der derzeit heftig „wahlkämpft“ oder sind noch andere Interessen damit verbunden?

 

 

Zum Status der Golanhöhen

Was tut man so – am Tag vor dem Weltuntergang

Wenn man lange genug wartet, kommt alles wieder! Als ich viel jünger war, und schon lange davor war Surrealismus “in“. Das habe ich zu Surrealismus im Internet gefunden: Als Surrealismus bezeichnet man eine künstlerisch-literarische Avantgardebewegung, die nach dem Ersten Weltkrieg in Paris entstanden war. Inspiriert von der Psychoanalyse und Traumdeutung Sigmund Freuds, drangen die Surrealisten ins Unbewusste vor, das sie als wichtigste Quelle der Kunst betrachteten. Die surrealistischen Dichter suchten die Wahrheit in Träumen, Visionen und Rauschzuständen – mit ihrer Hilfe wollten sie die rational zugängliche Wirklichkeit durchstoßen. Ziel war die Synthese von traditionellen Widersprüchen (z. B. Leben und Tod, Tag und Nacht) und die Erschaffung einer traumartigen Überwirklichkeit, die den Menschen aus inneren und äußeren Zwängen befreien sollte. Die surrealistischen Dichter verzichteten provokativ auf Vernunft, Logik und Syntax, sie streiften ästhetische und moralische Konventionen ab und verschmähten jede objektive Aussage über die Wirklichkeit. Auf der Suche nach adäquaten Ausdrucksmitteln griffen die Surrealisten weit über den Rahmen des Literarischen hinaus: Ihre Texte erlauben keinen eindeutigen Unterschied zwischen Lyrik und Prosa, Collage-, Montage- und Fragmenttechnik sind beliebte Schreibweisen und werden durchsetzt mit Zitaten aus Zeitungen, Dokumenten oder der Werbung. So entsteht ein experimentelles, verfremdetes, visionäres und von irrationalen Elementen beherrschtes Bild der Wirklichkeit.

Und vieles von dem konnte ich in dem Theaterstück „In Ewigkeit Ameisen“ von Wolfram Lotz wiederfinden, das ich kürzlich im Akademietheater in Wien gesehen habe. Freunde, die bereits früher ein Stück von Lotz gesehen hatten, meinten, dass ihnen dieses sehr gut gefallen habe (die lächerliche Finsternis).  Meine Erwartungen waren daher recht hoch. Erstaunt war ich dennoch, dass im Akademietheater ziemlich viele Plätze freiblieben (es war die zweite Aufführung der „Ameisen“ in Wien) und sehr viele junge Leute, die Restkarten bekommen hatten, einen Teil des Theatersaales füllten.

Es verwirrte mich bereits das Programmheft. In der Liste der handelnden Personen und ihrer Darsteller waren bei jedem der Schauspieler (fast) alle handelnden Personen aufgeführt. Ansonsten war für mich in dem Programmheft  auch nicht viel zu finden, das mich über das Stück aufgeklärt hätte. Was die 1977 ins All geschickten Grüße – in 55 Sprachen – mit dem Stück zu tun haben, ist mir recht schleierhaft. Nun gut! Ich wusste, dass es sich bei diesem Stück um eine Zusammenstellung von zwei Hörspielen handelt. Die Frage, wie sich Menschen verhalten, wenn sie wissen, dass in einem Tag die Welt untergeht ist ja durchaus interessant. Ich war gespannt. Aber die zwei Stücke wurdennicht hintereinander, sondern intermittierend gespielt. Auch gut!

Dass zwei patscherte Engel – in Blaumannbekleidung – vom Himmel herunterkommen – darauf war ich eigentlich nicht vorbereitet, einer mit schwarzen Flügeln, der andere mit weißen, einer mit einem (erst später flammenden) Schwert, der andere mit einer Trompete. Sie sind beauftragt, die Menschen eines Dorfes zu „richten“, was sie eigentlich ärgert, denn sie würden lieber die Menschen einer größeren, bedeutenderen Stadt richten. Nachdem sie eine Weile den Beginn dieser Aktion verzögert hatten, finden sie dann keine Menschen in den Häusern. Die beiden sind der Erzengel Michael und der Engel Ludwig. Soweit der eine Handlungszweig.

In der anderen, parallel sich entwickelnden Handlung treten ein Ameisenforscher und sein Assistent auf. Eigentlich wuzeln sie sich aus einem Zelt. Der Fortscher ist behindert und sitzt im Rollstuhl, der Assistent hat ihn zu schieben. Beide wissen, dass die Welt untergehen wird, aber der Forscher will eine blaue Ameise im Dschungel finden, weil er mit der Entdeckung unsterblich werden will, da sie seine Namen tragen wird. Der Assistent fragt an, ober er auch seine Namen dazufügen könnte (Müller) was der schon sehr arrogante, rücksichtslose Forscher ablehnt.  Rastlos, von unterschiedlichen Darstellern gespielt, hat der bereits ziemlich kranke Müller seinen Forscher durch die Gegend zu schieben, um ja noch rechtzeitig die blaue Ameise zu finden.  Müller würde gerne mit seiner Frau telephonieren, aber irgendwie klappt das nicht ganz. Zwischendurch tritt ein Igel auf, der in Konflikt mit den zwei Engeln gerät. Soll er die Kommunikationsunfähigkeit unserer Zeit darstellen? Auch ein Mauersegler spricht aus dem Abseits. Später bittet noch ein Schwein (das sichtlich bereits in einen Schlachthof gebracht worden war) um seinen raschen Tod, der ihm aber verwehrt wird, da die Engel ja nur Menschen umzubringen hätten.

Das Stück soll eigentlich zynisch, lustig (?) sein, aber nur wenige im Publikum lachen. Ich gebe zu, dass ich trotz allem Tohuwabohu zwischenzeitlich in einen Sekundenschlaf gefallen bin.

Jedenfalls gegen Ende müssen die Engel feststellen, dass alle Menschen des Dorfes in der Kirche zu finden sind, wo sie allerdings schon tot sind. Der Forscher findet seine blauen Ameisen, die ihn und seinen Assistenten verschlingen – bzw. vielleicht werden die beiden auch zu Ameisen (das kann ich nicht mit Sicherheit sagen).

Die Schauspieler haben ihre Rollen souverän gemeistert, sie waren großartig!  Das Publikum war Großteils verwirrt, einige begeistert. Die Schauspieler wurden bejubelt. Und – was hat das alles für mich bedeutet: ich frage mich, wie ich mich verhalten würde, wenn morgen der Weltuntergang stattfindet? Da ich, wie bereits gesagt, schon recht alt bin, muss ich – nicht gerade mit dem Weltuntergang – aber doch mit meinem nicht so fernen Ableben rechnen. Das heißt, ich bin dankbar für jeden Tag, den ich noch da sein darf und versuche das Beste draus zu machen.

 

 

Was tut man so – am Tag vor dem Weltuntergang

Ein interessanter Wiener Spaziergang: der Minoritenplatz

Es gibt auch in der Wiener Innenstadt schöne, ruhige, interessante Plätze. Einen davon habe ich mir kürzlich angesehen. Es ist der Minoritenplatz. Er liegt nur einen Steinwurf von der, von sehr vielen Touristen frequentierten Hofburg oder dem Heldenplatz entfernt und ist dennoch ein beschaulicher Ort. Ich war lange nicht dort gewesen, denn als ich meinen leider jetzt verstorbenen Mann im Rollstuhl zu schieben hatte, war z.B. ein Besuch in der Minoritenkirche eine echte Herausforderung. Denn dieser Platz weist durchgehend ein Katzenkopfpflaster auf, in dem man mit einem Rollstuhl unweigerlich immer wieder hängen bleibt.

Ist der Platz deshalb so ruhig, weil er fast ausschließlich von Ministerien und öffentlichen Gebäuden gesäumt ist? Der Minoritenplatz gilt als das Zentrum des Wiener Regierungsbezirks. Die Ministerien  sind zumeist in alten Palästen untergebracht, deren Fassaden beeindrucken. Das in den Medien meistgezeigte Gebäude ist ein modernes, nämlich das des Bundesministeriums für Inneres. Gleich daneben liegt das Außenministerium, eigentlich Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres. Es befindet sich in dem historische Niederösterreichischen Landhaus und dem benachbarten ehemaligen Statthaltereigebäude. Bis 1883 war hier der Sitzungssaal des Herrenhauses des Reichsrats und von 21. Oktober bis 11. November 1918 der Provisorischen Nationalversammlung für Deutschösterreich.

An diesem Platz befindet sich noch das Niederösterreichische Landhaus, nach dem alle anderen Gebäude der Verwaltung Niederösterreichs nach St. Pölten übersiedelt wurden. Das ehemalige Starhembergpalais wird jetzt vom Bundesministerium für Kunst und Unterricht, Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung genutzt.

Eine sehr hübsche Fassade weist auch das Liechtensteinsche Majoratshaus auf. Im eleganten Palais Dietrichstein-Ulfeld befindet sich hier das österreichische Bundesministerium für öffentlichen Dienst und Sport. Und auch das Haus- Hof- und Staatsarchiv hat hier seinen Platz.

Beherrscht wird der Platz von der Minoriten Kirche. Die Minoriten sind eine kleinere Gemeinschaft als die Franziskaner (OFM) oder deren etwas jüngerer Zweig, die Kapuziner, die alle aus dem Orden von Franziskus von Assisi hervorgegangen sind. Als der Herzog Leopold VI. im Jahre 1219 auf dem Rückweg vom 5. Kreuzzug in Assisi vorbeikam, ersuchte er den hl. Franziskus, ihm mit einigen Minoritenbrüder zu unterstützen. Im Jahr 1224 trafen vier „frates minores“ (mindere Brüder) beim Herzog in Wien ein. Der Herzog schenkte ihnen nahe der Ringmauer ein Grundstück, auf dem sich bereits ein Kirchlein befand, die Katharinenkirche. Die Minoriten gründeten das Wiener Minoritenkloster. Nach dem Stadtbrand von 1275 wurde von Ottokar Přemysl der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Ich mag diese Arkaden die an der einen Seite der Kirche mit Grabsteinen des aufgelassenen Friedhofs dekoriert sind. Die doch irgendwie eigenartige Form ihres Turms verdankt sie den beiden Türkenbelagerungen:  1529 wurde der Turm abgeschossen und wiederaufgebaut, 1683 fiel die Turmspitze erneut zum Opfer des Beschusses – und wurde dann durch ein Flachdach ersetzt. Die Minoriten wurden 1782 durch Joseph II. abgesiedelt und die Kirche wurde 1784 Eigentum der Italienischen Kongregation und somit zur italienischen Nationalkirche erklärt und Maria Schnee geweiht.

Besonders auffallend in der Kirche ist die Mosaikkopie von Leonardo da Vincis Letztem Abendmahl an der Innenwand.  Sie war von Napoleon in Auftrag gegeben worden, wurde aber wie einige andere Kunstwerke erst nach seinem Sturz beendet und musste von seinem Schwiegervater Kaiser Franz I. gekauft werden. Für seinen ursprünglich vorgesehenen Aufstellungsort im Belvedere erwies sie sich als zu groß, so dass sie letztlich in diese Kirche kam.  Eindrucksvoll ist auch das Grabmal des Librettisten Pietro Metastasio, der allerdings in der Michaelerkirche beigesetzt wurde. Besonders gerne komme ich in diese Kirche zur Weihnachtszeit, um die Krippe zu bewundern (darüber habe ich am 27.12.2018 schon berichtet). Aber hier hängt auch das Bild eines wichtigen katholischen Märtyrers aus dem 20. Jahrhundert: Der polnische Pater Maximilian Kolbe nahm freiwillig den Hungertod im Strafbunker des Konzentrationslagers Auschwitz auf sich, um einen Mithäftling, einen Familienvater, zu retten.

Wenn man wieder auf den Platz zurückkehrt, kann man wohl das Denkmal von Leopold Figl nicht übersehen. Es erinnert an einen der prägendsten und beliebtesten österreichischen ÖVP-Politiker der Zweiten Republik.  Leopold Figl (1902-1965) trat bereits im Ständestaat als Führer einer austrofaschistischen Miliz in die Politik ein; er war in weiterer Folge Bauernfunktionär, niederösterreichischer Landeshauptmann, Bundeskanzler und Außenminister. Er wird immer für seinen Ausruf „Österreich ist frei“ im Gedächtnis behalten. Bei diesem Denkmal ist auch eine kleine – aus meiner Sicht recht gelungene – Gartenanlage installiert worden. Sie lädt geradezu zur Kontemplation ein.

Aber Figl ist nicht der einzige, der hier ein Denkmal hat: auch Rudolf von Alt ist hier – etwas versteckt – zu finden. Aber besser: gehen Sie jetzt in die Albertina, dort sind im Rahmen der Ausstellung „Rubens bis Makart. Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein“ viele der wunderschönen Bilder Rudolf von Alt zu sehen. Und dabei besuchen Sie besonders den Teil: Rudolf von Alt und seine Zeit, Aquarelle aus den Fürstlichen Sammlungen. Sie werden es nicht bereuen, ich war dort besonders fasziniert von den Aquarellen der Innenausstattungen von diversen Palais – dabei habe ich alles gesehen, nur keine Bücher! Und aufgefallen ist mir auch, dass die abgebildeten Wälder doch etwas anders ausgesehen haben, als die Wälder heute, damals gab es sichtlich noch viel weniger Monokulturen. Aber abgesehen davon: die Besichtigung ist ein reines Vergnügen.

Auch eine Tafel ist an der Kirche außen angebracht, die mitteilt, dass Clemens Maria Hofbauer an dieser Kirche tätig war. Er war ein tschechisch-österreichischer Priester, Prediger und Mitglied des Ordens der Redemptoristen. Er wird in der katholischen Kirche als Heiliger verehrt und ist Stadtpatron von Wien. Er wurde von der Polizei bespitzelt, weil seine Predigten in ihrer bäuerlich-derben Art die Massen anzogen und er sich damit in einen Gegensatz zur Staatsdoktrin des Josephinismus setzte.

Ich empfehle Ihnen ein bisserl von den Touristenrouten abzuweichen und sich einem stilleren Platz zuzuwenden – Sie finden dort vieles Interessantes und Schönes.

Ein interessanter Wiener Spaziergang: der Minoritenplatz

War ich eine gute Tochter?

Jetzt, als Mutter, Großmutter, ja sogar Urgroßmutter stelle ich mir die Frage: war ich eigentlich eine gute Tochter? Eine gute Tochter wessen, des Vaters oder der Mutter? Einfach ist das nicht zu beantworten.  Was wäre überhaupt eine gute Tochter?  Ist eine gute Tochter jene, die die Erwartungen ihrer Eltern erfüllt? Oder ist eine gute Tochter, jene, die sich um die Bedürfnisse der Eltern in allen Lebenslagen kümmert? Oder ist sie nur gut, wenn sie beides erfüllt?

Konkret kann ich es nur an meinem Fall analysieren.

Mein Vater war immer für mich da, er war primär liebevoll und ich glaube heute, dass er keine großen Erwartungen an mich hatte. Vielleicht war er auch mit seiner Krankheit beschäftigt, er ist aus dem Zweiten Weltkrieg mit einem schweren Lungenleiden nach Hause gekommen und war dann, wie man damals sagte, Invalide zu 90%. Er wollte das – so glaub‘ ich halt – negieren, hat dennoch versuchte er zu arbeiten, in dem Sinne, dass ein Mann seine Familie erhalten muss. Es ist ihm nur teilweise gelungen, da er sehr oft krank war, sehr oft im Spital war, aber dennoch „immer weiter machte“.  Er „lieferte“ seine vollständigen Einkünfte meiner Mutter ab, und behielt sich nur etwas Taschengeld für seine geliebten Zigaretten zurück (meine Mutter ärgerte das, nicht das Zurückhalten des Geldes, sondern das Rauchen, das für meinen Vater – mit all seinen Lungenproblemen – schon sehr schädlich war). Sein Hobby wäre das Reisen gewesen, aber dazu reichte das Geld nicht. Meine Eltern waren in ihrem Leben nur zwei Mal auf Urlaub: einmal auf dem Dachstein, ganz zu Beginn ihrer Ehe und zuletzt, kurz vor dem Tod meines Vaters 14 Tage in Mali Losinj. Meinem Vater war es ein Anliegen, dass ich mein Studium abschließen konnte, ich einen „guten Mann“ und ich einen „sicheren Job“ hatte. Mit 59 Jahren ist er plötzlich gestorben.

Ihm war ich, glaube ich, keine gute Tochter. Ich habe wenig mit ihm gesprochen – leider, denn sein Leben wäre für mich interessant gewesen, ich bin ihm eigentlich nie ins Spital besuchen gegangen, „weil das meine Mutter ohnedies erledigte“. Er hatte am 6. Jänner Geburtstag, und einmal, als ich aus den Schiferien an diesem Tag wieder nach Hause kam und er mich – wie immer – vom Bahnhof abholte, hab‘ ich ihm nicht einmal zum Geburtstag gratuliert. Während meines Studiums, inmitten all der wohlhabenden Kollegen, hab‘ ich mich für die „mindere Beschäftigung“ meines Vaters geniert.

Ich weiß nicht, ob er sich über meine Haltung kränkte. Er freute sich jedenfalls unbändig über die Geburt meines Sohnes, dessen Leben er nur drei Monate begleiten durfte. Ich wollte, ich wäre mehr auf ihn eingegangen und liebevoller mit ihm umgegangen.

Meine Mutter hatte „große Pläne“ mit mir. Ich glaube, ich sollte wollte das verwirklichen, was sie aufgrund der Umstände selbst nicht erreichen konnte. Sie hat sich selbst nichts und mir möglichst viel zukommen lassen. Sie hat auf vieles verzichtet, dass ich es „besser haben“ konnte. Sie hat ein Zimmer vermietet und die Wäsche dieser Mieter gewaschen, damit auch für „Extras“ für mich (z.B. Klavierspielen Lernen) genug Geld da war. Sie hat Heimarbeit gemacht, um das Familieneinkommen aufzubessern, aber auch, damit ich „gut ausgerüstet“ auf Schikurs fahren konnte. Allerdings hat sie mir auch immer gedroht, all das zu verbieten, wenn ich nicht die von ihr geforderte Leistung erbrächte. Ich habe all das als selbstverständlich gehalten. Später, als ich schon meinen Mann kannte, habe ich sie einfach einmal zu Hause „sitzen gelassen“. Wir haben einen Ausflug gemacht und ich getraute mich nicht, ihr zu sagen, dass wir den eigentlich ohne sie machen wollten …

Wie ich ja schon öfter hier erwähnt habe, hat mir meine Mutter immer alle Hausarbeit abgenommen, weil ich ja studiert hatte und alle meine Kräfte auf meine Karriere konzentrieren sollte. Als nun mein erstes Kind geboren war, stellte ich mich recht hilflos an (außerdem herrschten bei meinem damaligen Arbeitgeber, der International  Atomic Energy Agency „amerikanische Sitten – also keine Karenz über den gesetzlichen 6 Wochen hinaus) womit sie, besonders nach dem Tod ihres Mannes eigentlich die Betreuung meiner Kinder übernahm. Natürlich war ich dankbar, denn eine Unterbringung vor dem dritten Lebensjahr in einem Kindergarten war damals „nicht vorgesehen“. Aber es blieb nicht bei den drei Jahren.

Natürlich nutzte ich sie aus. Aber sie trug auch zu meinem beständigen schlechten Gewissen betreffend Kinderbetreuung bei. Einerseits war ihr mein berufliches Fortkommen auch jetzt ein großes Anliegen, andererseits hielt sie mir vor, dass andere Mütter früher aus dem Büro nach Hause kämen.  Man Mann und meine Mutter vertrugen sich nicht sehr gut miteinander (um es freundlich auszudrücken) und forderten beide Loyalität – was zu erheblichen Zwiespälten bei mir führten und ich meist eher meinem Mann „recht“ gab, als meiner Mutter, was sie sehr kränkte. Die Kindererziehung führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit meiner Mutter. Sie fand, dass ich viel wenig streng wäre, und viel zu wenig das tat, was sie für unerlässlich hielt: den Kindern nachzuschnüffeln. Heftige Streitereien gab es, als ich meinen Sohn mit zehn Jahren in ein Halbinternat “steckte“.

Wenn ich das jetzt alles so reflektiere, habe ich sie schon sehr ausgenützt, wohl auch deshalb, weil ich gerne Reisen mit meinem Mann machte und die Kinder während diesen Zeiten komplett meiner Mutter überließ. Sie bezeichnete mich dafür als Rabenmutter und unser Fortgehen wurde von einem lauten „Kra Kra“ begleitet. Allerdings als „Putzfrau“ benutze ich meine Mutter nicht, denn es war schwierig, aber ich habe auf einer „Bedienerin“ bestanden, die meiner Mutter aber nichts recht machen konnte. Wir besaßen jahrelang eine Geschirrwaschmaschine, aber meine Mutter verweigerte deren Nutzung: das Geschirr wird kaputt, ist wäre schlecht gewaschen und es wäre zu teuer, sie zu betreiben, waren ihre Argumente.

Auch als die Kinder schon groß waren und nicht mehr zu Hause wohnten, kam sie täglich, pünktlich um 7 Uhr zu uns, wie sie das über Jahrzehnte – ohne krank zu sein – getan hatte.  Und wenn ich abends heimkam, hatte sei ein Essen für mich zubereitet. Erst dann – nachdem sie wieder alles weggeräumt hatte, ging sie wieder nach Hause.

Erst als sie mit 85 im Sterben lag – sie war so unglücklich darüber „uns jetzt zur Last zu fallen“ sagte sie mir, wie schön die Zeit mit meinen Kindern für sie gewesen wäre.

War ich eine gute Tochter?