Warum ich jetzt für Mosambik spende

Fast jede NGO, die international tätig ist, schickt derzeit Spendenaufrufe für Mosambik aus. Warum jetzt? Die Katastrophe ist noch im Gange, es gibt keine Möglichkeit Hilfsgüter zuschicken, da es keine Transportmöglichkeiten gibt? Man hat mir einmal erklärt, dass Hilferufe nur dann erfolgreich sind, wenn gerade schreckliche Berichte und Bilder über die Medien kommen. Wenn das einmal alles halbwegs unter Kontrolle ist, und daher nichts mehr berichtet wird, bricht bereits die nächste Katastrophe irgendwo aus, für die wieder gesammelt werden muss. Daher: jetzt spenden!

Mann natürlich auch fragen, was haben wir mit dem fernen Mosambik zu tun? Ich kenne niemanden, der schon dort gewesen wäre. Österreich treibt nicht wirklich viel Handel mit Mosambik.

Und eigentlich waren es ja die Portugiesen, die das Land jahrhundertelang ausgeplündert haben. 1498 erreichte Vasco da Gama auf dem Weg nach Indien Mosambik. Darauf bemächtigten sich die Portugiesen dieser Handelsplätze und drangen auf der Suche nach Gold entlang des Sambesi ins Landesinnere vor. Jahrhundertelang begnügten sich die Portugiesen mit dem Handel mit Sklaven und kümmerten sich nicht um die Bevölkerung. Ihre Herrschaft dauerte bis ins 20. Jahrhundert, und durch Zwangsarbeit, ausbeuterische Arbeitsverträge und rücksichtslose Behandlung verschlechterten sich die Lebensbedingungen in den Kolonien erheblich.

Ab 1890 nahm in den portugiesischen Kolonien der Einfluss britischen Kapitals beträchtlich zu. Während des Ersten Weltkrieges jedoch erklärte Südafrika 1915 ganz Mosambik zum Eroberungsziel, und ab 1917 zogen sich die deutschen Kolonialtruppen aus Deutsch-Ostafrika kämpfend nach Mosambik zurück und besetzten bis 1918 tatsächlich weite Teile der Nordhälfte. Als Entschädigung erhielt Portugiesisch-Ostafrika beim Frieden von Versailles 1919 das Kionga-Dreieck. Mosambik gehört dem Commonwealth an, ohne je eine britische Kolonie gewesen zu sein – Damit wäre es doch die Sache Großbritanniens sich drum zu kümmern. Aber wir wissen doch alle, was derzeit in Großbritannien los ist. Dort ist vor allem Brexit.

1962 wurde die Freiheitsbewegung FRELIMO gegründet (an diesen Begriff erinnere ich mich noch dunkel). Je stärker die Portugiesen an ihrem Kolonialbesitz festhielten, umso radikaler wurde der Widerstandswille der FRELIMO. 1964 gingen die Widerstandskämpfer in den bewaffneten Kampf über, der im Norden sehr erfolgreich endete. Doch erst nach der Nelkenrevolution und dem Sturz des diktatorischen Regimes in Portugal erlangte Mosambik am 25. Juni 1975, nach knapp 500 Jahren als Kolonie, die Unabhängigkeit als Volksrepublik Mosambik. Nun wurde die Industrie verstaatlicht und landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gegründet. Doch die Abwanderung europäischer Fachkräfte schwächte die Wirtschaft des Landes empfindlich. Mitte der siebziger Jahre entstand eine neue Widerstandsbewegung, die durch Südafrika und Rhodesien unterstützt wurde- die RENAMO. Das Land verfiel 1976 in einen 16-jährigen Bürgerkrieg zwischen FRELIMO und RENAMO, der zu einem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch führte. Mosambik erhielt Unterstützung z. B. nach 1980 von Simbabwe (ehemals Rhodesien), das 10.000 Soldaten zur Sicherung des Beira-Korridors entsandte. Im Land befanden sich 1983 außerdem 750 Militärberater und Ausbilder aus Kuba, 600 aus der Sowjetunion und 100 aus der DDR. Doch erst nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages, und mit der Hilfe von UN-Friedenstruppen konnte das Land stabilisiert und die erste Oppositionspartei gegründet werden. Die ersten demokratischen Wahlen wurden unter der Aufsicht von ONUMOZ im Oktober 1994 gehalten. Schon Im Februar 2000 führten schwere Regenfälle zu einer Flutkatastrophe, die zahlreiche Menschenleben forderte.

Von stark wachsender Bedeutung für Mosambik sind die Beziehungen zu Indien, Brasilien und der Volksrepublik China, die stark in die Infrastruktur und die Erschließung der Rohstoffvorkommen des Landes investiert.

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt wird mit 56,1 Jahren angegeben. 43 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt und nur 3 % über 65. Die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer liegt bei 5,4 Kindern pro Frau. Dies liegt unter anderem auch daran, dass nur 12 % der verheirateten Frauen moderne Verhütungsmethoden zur Verfügung stehen. Das Land hat eine der höchsten HIV-Prävalenzen der Welt. Insgesamt werden über 40 Sprachen im Land gesprochen. Insgesamt 28,4 % der Einwohner sind römisch-katholisch und 17,9 % muslimisch (hauptsächlich Sunniten), 15,5 % sind zionistische Christen. Protestanten machen 12,2 % der Einwohner aus. 6,7 % gehört anderen Religionen, zumeist traditionellen Religionen an. Keiner Religion gehören 18,7 % an und 0,7 % sind nicht erfasst. Es gibt 1,5 Millionen Waisen in Mosambik, (davon 470 000 Aidswaisen). Die Kinderarbeit ist aufgrund der Armut ein großes Problem, da viele Familien auf das Geld, das die Kinder verdienen, angewiesen sind. Nur 6 % der unter Fünfjährigen haben eine Geburtsurkunde. Millionen Kinder, die über kein Dokument verfügen, sind Missbrauch, Kinderarbeit, Zwangsverheiratung und dem Dienst an der Waffe ausgesetzt. 40 % der Erwachsenen können nicht lesen und schreiben. 55 % der Frauen sind Analphabeten. Die medizinische Versorgung im Lande ist vielfach technisch, apparativ und/oder hygienisch problematisch. Häufig fehlen auch gut ausgebildete Ärzte.

Mosambiks Wirtschaft basiert vorwiegend auf Landwirtschaft. In den 1980er Jahren wurde die Wirtschaft durch den Bürgerkrieg, die Abwanderung portugiesischer Fachkräfte und mehrere Dürreperioden geschwächt. Zu dieser Zeit waren die meisten Plantagen und Industriebetriebe im Besitz des Staates. Erst 1990 führte die Regierung die freie Marktwirtschaft ein. Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegte Mosambik Platz 136 von 137 Ländern (Stand 2017–18).

Ich glaube nicht, dass sich ein Land wie Mosambik in einer derartigen Katastrophe wirklich selbst und allein helfen kann. Ich spende für Mosambik.

Und vielleicht sollten wir hier in Österreich, in Europa, in der westlichen Welt darüber nachdenken, dass ja der Klimawandel zu diesem großen Stürmen und Unwettern führt, und sicherlich hat nicht Mosambik, sondern die westliche Welt mehr zum Klimawandel beigetragen! Ich spende für Mosambik.

Und unabhängig von allen anderen Überlegungen: dort sind Menschen in größter Not, sie müssen sich noch am Bäume klammern oder auf Dächern warten, bis vielleicht ein Hubschrauber vorbeikommt und sie rettet. Und was erwartet sie dann: die Erkenntnis, dass sie Angehörige und Freunde verloren haben, dass sie kein sauberes Trinkwasser, kein Essen und keine Unterkunft haben.

Versetzen Sie sich in deren Lage – spenden Sie für Mosambik.

 

Warum ich jetzt für Mosambik spende

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