Mein Hochzeitstag

Mein Mann und ich hatten schon unsere Feste für die Zukunft geplant – 2019 unsere diamantene Hochzeit, 2020 mein 85. Geburtstag und 2022 der 90. Geburtstag meines Mannes …. Es ist anders gekommen, wir konnten – gerade noch fröhlich – den 85. Geburtstag meines Mannes feiern, aber dann im Juni 2018 ist er leider von uns gegangen.

Und heute wäre nun unser, bzw. ist jetzt mein 60. Hochzeitstag. Und er wird mit der Familie – die es ja sonst nicht gäbe – und wenigen langjährigen Weggefährten gefeiert, kein lautes, großes Fest, aber doch – auch ein Gedenken, bei mir, zu Hause.

Wir haben am 30. April 1959 geheiratet. Dass an diesem Tag die Walpurgisnacht gefeiert wird, ist uns erst später aufgefallen.  Die standesamtliche Trauung hat zwar schon am 29.April stattgefunden, im Magistratischen Bezirksamt für den 9. Bezirk, wo ich ja gewohnt hatte, damals noch in der Währinger Straße. Anwesend waren nur die Mutter meines Mannes (sie war schon lange Witwe), meine Eltern, und die beiden Trauzeugen. Mein Mann hatte beide Trauzeugen ausgewählt, das fand wiederum mein Vater unpassend, einen hätte doch ich auswählen sollen, mir aber war das damals völlig egal. Für dieses Fest war für mich ein neues Kleid angeschafft worden, das aber „praxistauglich“ für viele andere Anlässe gestaltet war. Nachher hatte meine Mutter für uns in unserer Wohnung in der Währinger Straße einen kleinen Imbiss vorbereitet. Ich kann mich nur an Weniges erinnern. Einmal, dass wir nicht genug Sessel hatten und aus Matratzen, über die eine Decke gelegt wurde, eine kleine Bank gebastelt worden war. Sie hielt! Und dass meine Mutter gefüllte Eier und Schinkenrollen, dazu Jour Gebäck serviert hatte.

Aber am 30. April fand dann unsere kirchliche Hochzeit statt! Mein Brautkleid hatte eine Schneiderin genäht – es war weißer Samt gewählt worden, weil es ja um diese zeit noch kühl sein würde. War es dann auch – und es hat zeitweilig genieselt.  Das Braukleid war so gemacht, dass man problemlos hinterher die Ärmel heraustrennen konnte und flugs war ein Ballkleid daraus geworden. Auf dem Kopf trug ich einen Kranz mit einem eher kurzen Schleier, den wieder der Mann einer Cousine von mir in seinem Geschäft gefertigt hatte, es war eine Schleierstickerei. Dieses Geschäft ging kurz darauf – mangels Aufträge – ein. Ich glaube nicht, dass es derartiges in Wien noch gibt. Weiße Schuhe waren auch angeschafft worden – aber die braucht man ja im Sommer immer. Tommy trug einen Stresemann. Es ist noch zu erwähnen, dass unsere kirchliche Hochzeit von Willy Elmayer – DEM Rittmeister Elmayer-Vestenbrugg begleitet worden war. Wieso es dazu gekommen war, weiß ich nicht. Aber sicher ging der Stresemann auf ihn zurück, und das elegante große Auto.

Mein Mann hatte für einen wunderbaren, eleganten Brautstrauß gesorgt, ein lang herunterhängendes Bukett aus weißen Lilien. Kinder (Neffe und Nichte aus den jeweiligen Familien) streuten Blumen. Die beiden Mütter trugen schicke Hüte ebenso wie die meisten weiblichen Verwandten.

Auch die Kirche hatte mein Mann ausgewählt, weil er dort als Bub ministriert hatte, ebenso den Priester – den wortgewaltigen Dominikaner-Pater Diego Hanns Götz, bekannt als Künstlerseelsorger.  Die Hochzeit begann um 11 Uhr am Vormittag. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mir von seiner Predigt anlässlich unserer Brautmesse absolut nichts gemerkt habe.

Nach der Messe, in der Sakristei, nachdem wir unterschrieben hatten, blieben wir dort – und es wurde gratuliert. Eine Agape war damals noch nicht üblich. Ich bekam viele, viele Blumen, aber die wurden gleich wieder verteilt, weil wir ja noch am selben Abend unsere Hochzeitsreise begannen. Ich glaube auch nicht, meinen Brautstrauß geworfen zu haben, entweder war dieser Brauch aus den USA noch nicht herübergeschwappt oder war der Brautstrauß zu groß und schön, um ihn umher zu werfen, das kann ich nicht sagen.

Die nächste Destination war dann das Hotel Austria, am Fleischmarkt, nicht weit von der Jesuitenkirche. Es gab ein dreigängiges Menu für die engere Familie und die Trauzeugen, den Priester und Willy Elmayer. Dafür hatte mein Vater zu sorgen gehabt. Hochzeitskosten waren damals vom Vater der Braut zu tragen gewesen. Getanzt wurde sicher nicht und auch, so glaub ich, dass es keine Reden gab.

Jedenfalls ich fuhr nach Haus – in die Währinger Straße, mein Mann in sein zu Hause in die Schönbrunner Straße, wir zogen uns um, legten die letzten Objekte in die ohnedies schon gepackten Koffer und mein Mann holte mich mit seinem damals noch recht kleinen Auto ab. Alles konnten wir nicht hineinbringen, die Strandsessel mussten zurückbleiben – und wir fuhren los.

Damals war die Autobahn wirklich noch Stückwerk und es dauerte ein gutes Weilchen, bis wir nach Linz in das vorbestellte Hotel gekommen waren. Von dort ging dann die Hochzeitsreise weiter – über Ulm, Nancy nach Paris, und von dort nach Spanien – an die Südküste. Aber darüber vielleicht ein anderes Mal.

Heute ist ja noch Hochzeitstag!

 

Mein Hochzeitstag

Über die Jahrzehnte in Wien mit der Straßenbahn unterwegs

Meine Jahreskarte für die Wiener Straßenbahn ist schon recht nützlich – allerdings verleitet sei auch zur Bequemlichkeit. Manchmal, wenn ich es vorziehe wieder einmal faul zu sein, steige ich auch für einige wenige Stationen ein.

Aber so eine bequeme Jahreskarte gab es für mich nicht immer. Meine Straßenbahnzeit begann im Jahr 1945 – als ich ins Gymnasium kam. Da musste ich von der Währinger Straße Nr. 26 in die Billrothstraße Nr. 26 fahren. Und genau dafür bekam ich eine so genannte Schülerkarte. Ich durfte nur auf dieser Strecke fahren und nur an Tagen, an denen Unterricht stattfand.

Am 28. April 1945 konnten die ersten fünf Linien den Betrieb wieder aufnehmen. Die Wiener Straßenbahn hatte zu Kriegsbeginn über 3.665 Personenwagen verfügt. Davon waren 587 zerstört und 1536 beschädigt. Die Wiederherstellung des Streckennetzes sollte bis 1950 dauern. Wir fuhren vergnügt auf den offenen Plattformen (von denen konnte man verbotenerweise abspringen, nachdem man ebenfalls auf fahrende Züge aufgesprungen war). Vom Wageninneren trennte uns eine Tür. Dort konnte man sitzen, aber auch stehen.  In jedem Waggon gab es einen Schaffner oder Schaffnerin, die nicht nur für alle Durchsagen – einschließlich Ausrufung der Stationen – verantwortlich war, sondern auch für Ordnung sorgte. Der Schaffner war uniformiert und trug eine Tasche in der er Fahrscheine, Geld und Zwickzange aufbewahrte. Der Schaffner verkaufte Fahrkarten, zwickte vorhandene und kontrollierte Schülerkarten, wenn man auf einer falschen Strecke damit fuhr, musste man Strafe zahlen. Für mich waren zugelassen: der 38er und der 39er.

Bis in die 1950er Jahre wurde das Netz noch durchwegs mit alten, reparierten und teilweise mit neuen Aufbauten versehenen Wagen bedient, da erst ab 1951 neue angeschafft werden konnten. Diese Fahrzeugtypen wurden jedoch durchwegs in Serien mit geringer Stückzahl beschafft, da ab 1955 die vollständige Abschaffung der Straßenbahn auch in Wien als verkehrsplanerische Vision umging und Investitionen daher nur zögerlich getätigt wurden.

Es gab damals noch viele Linien, die aufgelassen wurden und die ich gerne mit Vorverkaufsscheinen oder Wochenkarten benutzte. Da war z.B. der C-Wagen – ich glaube von Neuwaldegg bis zum Gänsehäufel, dann fuhren auf der sogenannten Lastenstraße der E2, G2 und H2. Jetzt fährt dort die U-Bahn. Heute sagen wir Alten noch immer zu der Lastenstraße „die Zweier-Linie“. Zwischen dem Währinger Gürtel und Salmannsdorf ergänzte ab 1946 außerdem der Oberleitungsbus (Linie 22), O-Bus genannt, die Straßenbahn, er verkehrte bis 1958. Da nicht so viele Menschen über Autos verfügten – in meinem Bekanntenkreis war das der Vater einer meiner Freundinnen, der Arzt war fuhr man in Wien Straßenbahn (und oder Stadtbahn).   An Wochenende fuhren wir an die Endstationen des 38ers, Grinzing, 39ers Sievering, 43ers Neuwaldegg, aber auch 360ers Mödling um von dort unsere Wanderungen zu starten.

Ein besonderer Tag für den Straßenbahnverkehr war Allerheiligen: denn da fuhren „alle Linien“ Wiens – zum Zentralfriedhof. Ein Onkel meines Mannes, der eine hohe Position bei den Wiener Verkehrsbetrieben innehatte, stand selbst jedes Jahr zu Allerheilgen beim Zweiten Tor des Zentralfriedhofs, um die klaglose Ankunft und Abfahrt der fast hintereinander eintreffenden Straßenbahnzüge zu überwachen. Damals war der Gräberbesuch zu Allerheiligen fast noch obligat.

Mit der Zunahme des motorisierten Individualverkehrs in der Nachkriegszeit, ab der 50er Jahre, wurde der Ruf nach einer „autogerechten“ Stadt laut. Der Schienenverkehr auf der Straße wurde dabei als „Verkehrshindernis“ erachtet. Der Begriff Verkehr wurde dabei nur noch auf das Automobil bezogen. Die vollständige Verlagerung des öffentlichen Verkehrs auf die Untergrundbahn und Omnibusse wurde als Zukunftsvision verfolgt. Es war ein Volksfest in Wien Alsergrund, als die Straßenbahnlinie 13 (vom Südbahnhof zur Alser Straße) durch einen Bus ersetzt wurde. Und wer je mit dem 13er Bus unterwegs war, weiß, dass die Straßenbahn wesentlich gemütlicher gewesen ist. Es wurde sogar erwogen, diesen Vorgang rückgängig zu machen, aber das scheint heute nicht mehr möglich zu sein.

Und dann waren plötzlich keine Schaffner mehr in den Beiwagen ab 1964 und in den Triebwagen ab 1972. Ab 1968 wurden Tonbänder für die Ausrufung von Stationen und sonstige vorhersehbare Aussagen eingesetzt. Aber auch ohne Schaffner, nur mit Zugführer, die alsbald auch weiblich sein durften, blieb die Straßenbahn sehr hilfsbereit. Einmal fuhr ich am Ring in einer Garnitur, in die auch eine Kindergartengruppe eingestiegen war. Während der Fahrt entdeckte eine der Betreuerinnen, dass ein Kind fehlt. Große Aufregung. Der Zugführer kontaktierte sofort die Zentrale und als bald war das Kind in der vorigen Station auch schon gefunden.

Als ich sie noch benutzte, durfte man in die Straßenbahn keine Kinderwagen bringen. Jetzt hat sich das geändert, die Fahrer steigen aus, wenn es notwendig ist um Kinderwagen in die Straßenbahn zu heben. Auch mit Rollstühlen darf man heutzutage in den dafür geeigneten Waggons – sind halt leider nicht alle, mitfahren.

Solange das U-Bahnnetz noch weiter ausgebaut wird, – und das wird noch ein gutes Weilchen dauern – werden weitere Straßenbahnlinien eingestellt werden.

Ich fahre wirklich gerne Straßenbahn, man lernt damit auch die Stadt besser kennen.

Über die Jahrzehnte in Wien mit der Straßenbahn unterwegs

Eine Stadt nach Christo

Manchmal kommt es mir vor, als ob unser Grätzel an den Verpackungskünstler Christo übertragen worden wäre. So viele Häuser sind eingerüstet. Eingerüstet, wie man bisher sagte, ist eigentlich zu wenig. Über das Gerüst kommt noch ein mehr oder minder blickdichtes Netz, teilweise für Werbezwecke verwendet.

Abhängig von der Zielsetzung – Reinigung der Fassade oder Aufstockung um ein Penthouse zu errichten (besser vielleicht den Dachboden auszubauen) kommen noch weitere Objekte dazu: z.B. die Container für die Bauarbeiter – manchmal gleich mehrere übereinander, ich habe schon solche mit Blumenkisteln geschmückt gesehen, die komplette Sperre der Gehsteige mit dem Verweis an die Fußgänger die andere Straßenseite zu benutzen.  Bei Dachausbau kommt selbstverständlich noch die Errichtung eines Krans dazu. Selbst wenn im „Minimalfall“ der Gehsteig nicht abgesperrt wird, müssen sich Fußgänger auf nur einen Teil des Gehsteiges zurückziehen, denn die Steher des Gerüsts müssen auch darauf Platz finden. Von den dort nicht mehr vorhandene Parkplätzen rede ich als notorischer Fußgänger gar nicht, denn dort lagern die Materialien und steht ein Mobilklo. Und wenn man unter diesen Gerüsten durchgehen muss, tropft es recht oft – ich weiß nicht, was da herunterkommt. Manche dieser Einrichtungen bleiben jahrelang bestehen, wenn nämlich nur recht sporadisch gearbeitet wird. Es ist ja erfreulich, wenn Fassaden gereinigt oder Dachböden ausgebaut werden. Es verschafft zusätzlichen Wohnraum, es verschönert das Stadtbild (bei Dachausbauten manchmal eher gar nicht!), und viele Arbeitskräfte können beschäftigt werden.

Nur die Dauer verstehe ich manchmal gar nicht. Zuerst wird einmal mit viel Lärm und Behinderung für Verkehrsteilnehmer das Gerüst aufgestellt. Dann passiert eine Weile – gar nichts! Dann werden z.B. die Metallteile der Fassaden repariert. Und wieder ein Weilchen passiert  wieder nichts. Dann werden die Fenster mit Plastikfolien verklebt. Das ist gut so, denn damit können sie nachher leichter gereinigt werden. Aber wenn man in einem derartig betroffenen Haus wohnt, ist jegliche Aussicht einfach weg – ich kann normalerweise auf den Stephansturm schauen, jetzt natürlich nicht. Ich sehe keinen Himmel, keine Wolken. Ja, und ich kann die Balkontür nicht öffnen, dahinter stehen einige mehrjährige Blumen – ich glaube, das ist jetzt ihr Ende, denn sie können nicht gegossen werden. Gelüftet kann selbstverständlich auch nicht werden.

Wenn man in einem derart verhüllten  Haus lebt, erschrickt man schon, wenn Arbeiter – schemenhaft – vor den Fenstern auftauchen. In der Nacht könnten es ja auch böse Einbrecher sein?  Ich könnte überall Rollos herunterlassen, aber dann ist es wirklich finster herinnen, das mache ich sonst nur bei großer Hitze.

Drei Monate soll die Prozedur dauern. Ich hoffe, dass die Zeitangabe stimmt und ich dann – ohne Gerüst – in einem neu herausgeputzten Haus leben werde.

Eine Stadt nach Christo

Wie ich meinen Mann kennenlernte

Ich hatte ein Stipendium erhalten, um am Centre Européen Universitaire in Nancy ein halbes Jahr 1957 zu studieren. Meine Französischkenntnisse waren anfänglich recht armselig gewesen, aber das alles besserte sich – auch aufgrund von Freunden in Nancy, aber auch weil ich wirklich alles von dem, was da geboten wurde, verstehen wollte. Das Studium dort hat mit echt begeistert. Es waren die Mit-Studierenden aus ganz Europa und die Professoren aus verschiedenen Universitäten in Frankreich.

Ich war damals die erste Studierende aus Österreich dort, und man bat mich, doch in Österreich für ein Studium in Nancy Werbung zu machen. Ganz genau wusste ich nicht, wie ich das anfangen sollte. Natürlich erzählte ich es meinen Kommilitonen an der „Welthandel“ aber auch den Alumni aus der Fulbright-Gemeinde (letztlich fuhren dann auch zwei aus diesem Kreis dann demnächst hin). Aber letztlich ging es auch um die historische Verbindung von Nancy nach Österreich – schließlich war der Ehegemahl von „unserer“ Maria Theresia Lothringer gewesen.

Es war gerade Ferienbeginn – Juli – ich arbeitete Teilzeit als WiHi (Wissenschaftliche Hilfskraft) an einem Projekt über Preisspannen im Parfümeriehandel. „Hauptberuflich“ arbeitete ich an meiner Dissertation. Da ich keine genauen Angaben über das Parfümerie und Drogeriehandels-Projekt erhalten hatte „schwamm“ ich einigermaßen und dachte lieber an vieles andere: z.B. wie ich diesen Auftrag aus Frankreich erfüllen könnte. Mir fiel eine Freundin ein, die ich schon vom Eislaufen vor der Volksschule gekannt hatte, die irgendwann erwähnt hatte, dass in Ihrem Freundeskreis auch ein Journalist verkehrte. Damals lebten junge Frauen meist bis zu ihrer Verheiratung bei den Eltern und es gab noch kein Handy, wo man heute jemand meist immer und überall erwischen kann.  Um Kontakt aufzunehmen war, man   darauf angewiesen, jemand auf dem Festnetz zu Hause zu erwischen. Zum Glück war meine Freundin, Susi hieß sie, noch in Wien. Und ja, sie kenne einen Journalisten, vom Studium (sie studierte Jus).  Sie würde ihm mein Anliegen vortragen. Als Kontaktadresse gab ich die Nummer des Instituts an, in dem ich gerade arbeitete, dort war ich ja meistens anzutreffen.  Obwohl, es war nicht gerne gesehen, private Anrufe über diese Leitung abzuwickeln.

Jetzt blieb mir nicht viel übrig, als zu warten.  Große Hoffnungen machte ich mir nicht, auf diesem Weg mein Anliegen vorbringen zu können. Aber damals war im Juli im Journalismus noch „saure-Gurken-Zeit“, daher hatte eine „Geschichte“, die sonst nicht recherchiert worden wäre, größere Chancen beachtet zu werden. Ich weiß nicht mehr, wie lange es gedauert hat, mir schien es jedenfalls „ewig“, bis mich wirklich jemand von der Zeitung „die Presse“ anrief und fragte, ob ich das wäre, die eine Geschichte hätte. Wir machten uns gleich ein Rendezvous (so sagte man damals zu einem Treffen) – in ein paar Tagen – aus und zwar im Café „Hansi“. Dieses Kaffeehaus gibt es heute nicht mehr, es war im Erdgeschoss des Hotels de France am Schottenring, neben dem Kino. Die Redaktion der Presse befand sich damals noch kurzfristig in der Reichsratsstraße und ich wohnte ziemlich zu Beginn der Währinger Straße, also daher war für uns beide der Ort leicht zu erreichen.

Wir trafen einander dann an einem Nachmittag – im Schanigarten. Zuerst brachte ich mein Anliegen vor, dann kamen wir „ins Plaudern“. Es wurde ein Termin für ein „richtiges Interview“ und ein Phototermin vereinbart.  Das Photo wurde im Institut an der „Welthandel“ aufgenommen, sehr zum Missvergnügen (Neid?) meiner beiden „Vorgesetzten“ (Assistenten).

Der Artikel erschien – unter dem Titel „Christa und das Heilige Römische Reich“. Ich schickte ihn nach Nancy und hoffte, dass er den Erwartungen dort entsprach. Und beim Journalisten Thomas Chorherr bedankte ich mich freundlich. Natürlich hoffte ich auf weiteren Kontakt, denn ich hatte den jungen Mann ja recht sympathisch gefunden. Aber er hatte schon eine Reise nach Südfrankreich geplant – ich hätte mich über eine Ansichtskarte gefreut – sie kam aber nicht. Na jedenfalls, da machte ich mir dann keine Hoffnungen auf ein weiteres Treffen mehr. Junge Frauen kontaktierten ja damals junge Männer nicht, da wartete man lieber (manchmal vergeblich).

Aber es kam anders: Im Herbst kam dann doch wieder ein Anruf und wir trafen einander recht sporadisch, ich nahm zurecht an, dass es da noch andere jungen Damen gab, die Interesse an dem Journalisten hatten. Wir trafen uns noch kurz zu Weihnachten.

Dann aber, es muss wohl so im Februar gewesen sein, gingen wir gemeinsam in den Zwölf Apostel Keller, und dort, ja dort, fragte mich Thomas ob ich seine Frau werden wollte. Ich wollte! Im Sommer verlobten wir uns – nur wir zu zweit feierten das – am Kobenzl und im Jahr drauf, 1959 im Frühjahr heirateten wir und blieben es, bis nach 59 ½ Jahren der Tod uns schied.

 

Wie ich meinen Mann kennenlernte

Zum Thema „hosentragende Frauen“

Heute lese ich mit großem Interesse in der „Presse“ über die Geschichte der Hose. Spannend schon allein deshalb, weil bei einem Familientreffen – Spanne über drei Generationen – die Frage des Hosentragens bei Frauen kürzlich diskutiert wurde.

Die Meinungen waren höchst unterschiedlich – von „im Burgtheater geht eine Hose für eine Frau gar nicht“, bis zu „geht überall“. Vielleicht hätte ich mich gerügt fühlen sollen, tat ich aber nicht, weil ich keine Röcke oder Kleider mehr besitze.

Mein Verhältnis zu Hosen hat sich über die Zeit mehrmals geändert. Als ich 1945 mit zehn Jahren ins Gymnasium kam, Mädchengymnasium, galt ein Hosenverbot. Und die Winter waren damals wirklich kalt und geheizt war auch nicht überall ausreichend. Nur zum Schikurs durften wir dann etwas später mit Hosen erscheinen.

Als ich zum Studium in die USA kam, wurde mir erst einmal anlässlich des „Orientierungscamps“ eine Jean geschenkt! Während meiner Studienzeit besaß ich zwei (!) Stoffhosen, mit denen ich mir sehr schick vorkam. Dann, so in den sechziger Jahren, wurde es auch bei uns wieder „modern“, zu bestimmten (aber definierten) Anlässen Hosen zu tragen.

Später habe ich festgestellt, dass ich keine optimale Hosenfigur hätte und trug nur mehr Röcke, damals meist über das Knie reichend. Ich hielt nämlich die Knie nicht wirklich für einen eleganten Körperteil, den man unbedingt herzeigen muss. Ich liebte die etwas längeren, weiten Kitteln. Natürlich trug ich im Büro Kleidung, die den Business-Konventionen entsprach. Man wurde zu Anfang meiner Arbeitszeit in der Bank auch „kleidungsmäßig“ beurteilt. Im Großen und Ganzen entsprach ich damals diesen Anforderungen – nur an meinen großen Ohrringeln wurde Anstoß genommen.

Gerne trug ich auch Hosenröcke.  Einmal hatte ich mir ein besonders schönes Exemplar aus schwarz-weißer kleingemusterter Seide im Ausverkauf gekauft, Designerstücke waren damals im Ausverkauf nicht so exorbitant teuer, wie sie das heute sind. Das Ding war lang, bis zur halben Wade. Und so beschloss ich, es zu einem Abendessen in der Präsidentschaftskanzlei anzuziehen, zu der mein Mann – mit Gattin – geladen war. Das Ereignis fand noch in der Residenz auf der Hohen Warte statt. Die Gattin des damaligen Bundespräsidenten bemerkte nach dem Essen, die Damen trennten sich noch von den Herren, dass eine Hose für einen derartigen Anlass eher ungebührlich wäre. Oje! Ich schenkte dieses „ungebührliche Kleidungsstück“ dann meiner Tochter. Also ab dann: Hosen nur mehr in der Freizeit!

Dieses Prinzip ließ sich nicht mehr aufrechterhalten, als sich die Behinderung meines Mannes stetig verschlechterte. Spätestens ab dem Moment, ab dem wir einen Rollstuhl benützen mussten, konnte ich keine Röcke mehr tragen. Denn um einen Menschen im Rollstuhl zu schieben und zu begleiten heißt auch, sich bücken müssen, z.B. um einen heruntergerutschten Fuß wieder auf das Fußbrett zu stellen oder die Schuhbandeln neuerlich zu binden. Das kann mit einem engen Rock kaum ausgeführt werden. Hiermit entschloss ich mich, alle Röcke aus meinem Kleiderkasten zu entfernen (meine damalige Haushaltshilfe hat sich sehr darüber gefreut) und nur mehr Hosen zu tragen – auch ohen richtige Hosenfigur.

Jetzt, da ich leider keinen Rollstuhl mehr schieben muss, habe ich mich an die Situation des Hosentragens gewöhnt. Und mir jetzt noch Röcke anzuschaffen, finde ich schade, denn wie lange werde ich denn noch leben. Mit diesem Geld mach‘ ich lieber etwas anderes, das mich freut!

Und was Leute dazu meinen: das ist mir eigentlich gänzlich wurscht.

Zum Thema „hosentragende Frauen“

War ich emanzipiert?

Als ich geheiratet habe, 1959, herrschten noch patriarchalische Strukturen. Auch rechtlich war der Mann das Oberhaupt der Familie. Das war akzeptierte Ansicht. Das war Erziehungsrichtlinie für Mütter von Buben, das bestimmte den Verhaltenskodex von Mädchen.

Ein bissel war ich „ausgebrochen“, auch durch meine Eltern ermutigt, die für meine Ausbildung/Studium sehr viel auf sich genommen haben (geopfert haben, wie meine Mutter immer sagte). Damals an der „Welthandel“ (heute Wirtschaftsuni) war der Frauenanteil gerade einmal ca. 10%.  Eine meiner Schulkolleginnen hatte zwar inskribiert, aber ihr Ziel war weniger ein abgeschlossenes Studium, sondern an der Universität den richtigen – später erfolgreichen – Mann zu finden. Den Studienzweig, den man dazu wählte war Jus. Der „richtige“ Ehepartner wurde auch dann dort gefunden. Dem gegenüber kam ich mir schon komisch vor, als ich für die verschiedenen Fächer „büffelte“.

Ich hab‘ auch während meiner Studienzeit immer wieder gearbeitet, hauptsächlich in den Ferien. Die Jobs, die man da am leichtesten bekam, war Kinderbetreuung. Das lag mir aber gar nicht, wenn das in Wien stattfand, half meine Mutter aus – die konnte das viel besser. Also suchte ich mir Jobs im Ausland. Einerseits um zusätzlich Sprachen zu Lernen, ein Sommer in Madrid – in der Franco-Zeit – andererseits um wirtschaftliche Erfahrungen zu sammeln, in einer Bank in Frankfurt. Mir war auch viel daran gelegen, im Ausland zu studieren – ich erhielt ein Fulbright-Stipendium in den USA und ein Stipendium an einem der so genannten „europäischen Colleges“ in Frankreich.

Aufgrund dessen, sollte man doch meinen, dass ich selbstbewusst, emanzipiert meinen Berufsweg beginnen würde. Aber – schon von der Umgebung (nicht meinen Eltern) wurde mir klar gemacht: Ein Job ist ja gut und schön, aber Du wirst doch heiraten wollen, also bis dahin ist eine nette Beschäftigung angemessen, aber beendet muss sie spätestens bei der Ankunft des ersten Kindes sein. Das entsprach aber gar nicht meinen Plänen. Ich wollte eine diplomatische Karriere machen (damals ging das theoretisch schon, auch wenn man keinen Jus-Abschluss sondern „nur“ einen Wirtschaftsabschluss hatte). Aber man meinte auch, mir sagen zu müssen, dass das doch keine Karriere für eine Frau wäre, sie kann doch (besonders wenn sie verheiratet ist) nicht auf Posten geschickt werden – was geschieht dann mit der Ehe, den Kindern.

„Zu meiner Zeit“ war der „Karriereweg“ einer jungen Frau ohnedies die Heirat. Empfohlene Jobs davor waren Hostess bei einem Großereignis wie die Expo 1958 in Brüssel. Den durften nur die schönsten, Fremdsprachen-sprechenden jungen Damen mit erstklassigen Manieren ausüben (galt als exzellente Basis für Partnersuche: das gelang damals der späteren Königin von Schweden). Eine andere hoch angesehene Job-Möglichkeit war, bei einer Fluglinie möglichst als Air-Hostess zu arbeiten. Gar so sehr reizte mich das nicht (es waren aber nicht die „sauren Trauben“, weil ich es möglicherweise nicht erreicht hätte).

Aber schon gegen Ende des Studiums hatte ich einen jungen Mann kennengelernt und mich verliebt, er hatte mir einen Antrag gemacht und wir hatten beschlossen zu heiraten (über den diesbezüglichen Prozess – vielleicht ein andermal). Dennoch strebte ich eine Karriere an. Und obwohl mein Mann rechtlich dazu befugt gewesen wäre, hatte er keine Einwände dagegen. Allerdings störte ihn meine Berufsbezeichnung (Sachbearbeiter) für das „Aufgebot“, er änderte es auf „Sekretärin“, das schien ihm angemessener (Sekretärin war aber das Letzte, das zu werden ich anstrebte). Damals war mir das „wurscht“.

Dennoch, immer blieb der Job meines Mannes wichtig, meiner nebensächlich, es wurde nicht darüber geredet. Auch als ich damals sehr früh mit Computeranwendungen begann, analysierte, programmierte etc., und das „gesellschaftlich“ sehr neu und bei anderen sehr „wichtig genommen“ wurde, war es bei uns in der Familie „nebensächlich“, nicht erwähnenswert. Auch mein Studium wurde als minderwertig gegenüber Jus, das mein Mann und sein Bruder studiert hatten, bezeichnet (auf meinen Einwand, dass ich immerhin sowohl eine Diplomarbeit als auch eine Dissertation geschrieben hätte, wurde geantwortet, sie hätten doch die so schwierigen Rigorosen zu absolvieren gehabt – na ich eigentlich ich auch, aber die konnten niemals so schwierig gewesen sein.) Außerdem hätte ich kein Griechisch in der Schule gelernt, und vom römischen Recht verstünde ich auch nichts. Naja, dann ….

Meine Arbeit blieb immer uninteressant – vom Standpunkt der Familie – bis ich, als ich in Pension war, zu schreiben begann, das wurde dann anerkannt, aber mein Mann betonte auch immer, um wie viele Bücher er mehr als ich geschrieben hätte (stimmt schon – 20:8).

Vieles von dem, das mir wirklich wichtig war, konnte ich durchsetzen: ich habe immer gearbeitet – und das war dann selbstverständlich. Ich wollte immer in einer Altbauwohnung mit hohen Räumen möglichst in der Stadt leben, und das taten wir dann auch – nach 18 Ehejahren. Auch den Ferienwohnsitz in Pernitz (und nicht wie die meisten der Freunde meines Mannes im Waldviertel) konnte ich erreichen. Aber vieles war uns gemeinsam wichtig: z.B. die Schulwahl der Kinder. Reise- oder Urlaubsziele waren mir z.B. gar nicht so wichtig, wir fuhren dorthin wohin mein Mann fahren wollte. Gewählt hat auch immer jeder, was er/sie für richtig hielt

Ich agierte zwar „emanzipiert“ – in meinem Job, aber gesellschaftlich war ich es nicht.  Die Familienrechtsreform der Siebziger Jahre war „geistig“ bei uns nicht durchgedrungen, wir lebten noch nach dem seit 1811 gültigen Familienrecht, so waren wir erzogen worden:  Der Mann ist das „Haupt der Familie“ und Frau und Kinder sind seinem Führungsanspruch unterstellt. Von ihm leitete sich der Familienname ab. Der Mann bestimmte den Wohnsitz der anderen Familienmitglieder, die ihm gegenüber folgepflichtig waren. Er legte die Erziehungsziele und die Berufswahl der ihm zu Gehorsam verpflichteten Kinder fest. Er musste für seine Familie sorgen und einen „anständigen“ Unterhalt leisten. Die Frau war ihm dafür zum Beistand verpflichtet und hatte sich um die Arbeit im Haushalt und die Pflege der Kinder zu kümmern.

Aber glücklich waren wir doch – miteinander!

 

War ich emanzipiert?

Überlegungen zu Europawahl

Die Wahlwerbung für die EU Wahl hat fast schon voll eingesetzt. Heute in einem Monat wird in Österreich gewählt.

Mich stört die wahrscheinliche Teilnahme der UK Bürger an dieser Wahl. Wenn sie draußen bleiben wollen, haben sie drinnen nichts verloren – wünsche ich mir, kenne aber die Regeln, die sie zu der Teilnahme verpflichten.  Besonders ärgerlich für mich ist z. B., dass ein Nigel Farage wieder in das Europa Parlament einziehen wird und seine destruktive Arbeit dort fortsetzen kann.

Aber abgesehen von diesem für mich negativen Aspekt habe ich mit zweien meiner Enkel über diese Wahl gesprochen. Ich habe betont, wie wichtig die Wahlbeteiligung ist, und dass man rundherum werben soll, dass die Leute an dieser Wahl teilnehmen. Mein strenger Enkel erklärte mir, dass nur jene Leute dran teilnehmen sollten, die sich eine Meinung gebildet hätten, und wüssten, warum sie welcher Partei ihre Stimme gäben. Denn, so meinte er, das WahlRECHT brächte auch eine Verpflichtung mit sich, über die Konsequenzen des Wahlverhalten im Klaren zu sein. Ich hielt dem entgegen, dass auch Emotionen als Grund für eine Teilnahme an der Wahl zulässig wären. Ganz einig wurden wir uns dann nicht.

Mein anderer Enkel hinwieder meinte, dass keine der wahlwerbenden Parteien alle seine Forderungen an die Politik erfüllten. Wir einigten uns dann, auf das Priorisieren der Anforderungen, denn wahrscheinlich wird kaum je eine Partei alle Vorstellungen einer Person erfüllen können. Jedenfalls konnten wir übereinstimmend feststellen, dass Klima eine hohe Priorität hat, soziale Fragen sowie Vertiefung der Union wesentlich wären. Für beide steht aber die Klimafrage im Vordergrund, aber „nur reden, das reicht nicht, geplante Umsetzungsmaßnahmen sollten schon im Vorfeld dargestellt werden“. Für viele der offenen Fragen gibt es keine „nationale“ Lösung, sie können nur gemeinschaftlich innerhalb der Europäischen Union gelöst werden. Daher wäre eine Vertiefung eben notwendig.

Beide fürchten, dass wieder einmal innenpolitische Erwägungen doch das Wahlverhalten für die Europawahl beeinflussen werden. Beide sind strikt dagegen, dass man „nur gegen etwas“ wählt. Sie wünschen sich, dass man nicht Parteien, sondern Ideen wählen können sollte. Außerdem gehen beiden nachhaltige Konzepte ab.

Wir haben auch über die Wahlwerbung diskutiert, und meine Enkel haben (mich) darauf hingewiesen, dass ja auch fast zeitgleich die Hochschulwahlen stattfänden – 27. – 29. Mai. Auch da werben die verschiedenen Gruppierungen, die nicht immer identisch mit den Parteien sind, bei den Studierenden für sich.  Diese Plakate hängen allerdings nur in der Umgebung von Universitäten und Hochschulen. Wir einigten uns auch, dass Plakate nicht hetzen, sondern informieren sollten.

Jedenfalls haben sie beide vor, an den Wahlen teilzunehmen und auch andere zu motivieren, sich zu informieren und entsprechend zu wählen.

Überlegungen zu Europawahl