Ostern

Ostern war für mich immer schon ein sehr emotionales Fest gewesen, und heuer besonders. Ich bin nach der Auferstehungsmesse allein nach Hause gekommen. Ich habe es zwar geschafft, mein Osterlicht brennend bis dorthin zu bringen (es war nicht windig gewesen – eh selten, für Wien – nach Hause getragen, aber ein gesegnetes Ei habe ich leider nicht bekommen, dafür waren entweder zu wenig Eier oder zu viele Besucher bei der Ostermesse gewesen. Also kein (gesegnetes) Osterei!

Je älter man wird, desto näher kommt das Sterben und die Fragen zu Tod und Auferstehung beschäftigen unser Denken. In der Karwoche und der Osternacht wird uns vieles davon – oft auch drastisch – vor Augen geführt. In meiner Kindheit war es Brauch gewesen, am Karsamstag „Heiliges-Grab-Schauen“ zu gehen. Meine Großtante hat mich manchmal dazu mitgenommen. Sie hatte Zeit, die anderen weiblichen Erwachsenen waren mit  den Osterfestvorbereitungen vollauf beschäftigt, außerdem gab’s damals am Nachmittag die Prozession – in der, wie damals feststellen konnte, alle mit ihren neuesten Kleidern und Hüten auftauchten. Diese Prozession hat sich immer weiter zuerst in den Samstagabend und in manchen Kirchen in den Ostermorgen früh verlagert. Sie hat dadurch wohl deutlich an Spiritualität gewonnen.

Ein Heiliges Grab hatte ich ja schon am Karfreitag abends kurz gesehen (Franziskanerkirche), dort war nach den Feierlichkeiten ein ziemliches Gedränge – und daher beschloss ich, am Karsamstag am Nachmittag einen Rundgang durch einige Kirchen meiner Umgebung zu machen. Eigentlich meide ich gerne den Touristen-Wirbel, der sich da abspielt – ab er anders ging’s nicht.

In den folgenden Kirchen suchte ich das Heilige Grab: Annakirche, Augustinerkirche, Michaeler Kirche, Minoriten Kirche, Schottenkirche, Kirche am Hof, Peterskirche, Kapuzinerkirche und Malteserkirche. Die Stephanskirche ließ ich leider – aber bewusst – aus, denn Stille darf man dort nicht suchen. Ursprünglich hatte ich noch einen größeren Radius geplant, am späteren Nachmittag begannen dann doch die Vorbereitungen für die Auferstehungsmesse und die Kirchen wurden von Besuchern geräumt.

Unterwegs kam ich auch an zwei Ostermärkten vorbei, dort herrschte besonderes Gedränge (Freyung und am Hof). Bei einem Standl wollte ich mir im Vorbeigehen noch schnell einen Schinken für den Abend kaufen, aber ich hätte zu lange warten müssen. Also kein Osterschinken.

Vorweg: eine Kirche war schon wegen der Auferstehungs-Vorbereitungen gesperrt – Augustinerkirche, eigentlich meine Pfarrkirche, in der Michaeler Kirche gab es – wegen Restaurierungsarbeiten – überhaupt kein Heiliges Grab, dafür aber noch das prächtige Fastentuch.  In der Kapuzinerkirche erinnerte „nur“ eine verhüllte Monstranz an das Grab.  Völlig neu waren mir „Fastenkrippen“, die ich in der Peterskirche (gleich vier davon) und der Minoriten Kirche fand. Hier werden in einer „Landschaft“ (in der Peterskirche z.T. sogar mit Kulisse dahinter) die Ereignisse der Karwoche dargestellt: der Einzug in Jerusalem, das letzte Abendmahl, der Ölberg, die Verhaftung, die verschiedenen Orte des Prozesses – auch die Hohepriester und Pilatus sind zu sehen – der Kreuzweg, die Kreuzigung und Kreuzabnahme, Maria mit dem Leichnam ihres Sohnes, das leere Grab mit den Engeln und der triumphierende Auferstandene. Man hat mir erzählt, dass diese Krippen meist in Süditalien „hergestellt“ werden, ganz Dörfer in Sizilien wären damit befasst. Ich war jedenfalls fasziniert von den vielen Orten und Handlungen und den vielen Figuren. Der Ausdruck Krippe ist einigermaßen irreführend, aber das schadet wohl nicht. Vor allem Kindern könnten man anhand dieser Krippen das Geschehen zu Ostern schon nahebringen.

Die anderen, die „konventionellen“ Darstellungen befanden sich teilweise in den Kirchenräumen selbst, meist an Seitenaltären oder in eigenen Andachtsräumen, zu denen aber Tafeln hinwiesen. Die entsprachen auch meiner Vorstellung aus der Kindheit. Mit Ausnahme der Minoriten Kirche, wo ein ziemliches „Gewimmel“ an Menschen festzustellen war (liegt wohl an der Nähe zum Haupttouristenpfad) waren es jeweils wenige Gläubige, die in Stille verharrten. Diese Darstellungen des Heiligen Grabes ähnelten einander sehr. Viele – teils nur weiße, manchmal auch bunte Blumen schmückten es, teilweise war es ein richtiges „Grab“, das an einer Seite offen war, manchmal hielten Engel daran Wache und in der Schottenkirche waren sogar Reliquien dazu „drapiert“. Aber immer war es eine teils verhüllte, teils unverhüllte Christusfigur, die da auf einer Bahre lag. Im Tod sind wir wohl alle gleich. Und dieser tote Christus erinnerte mich sehr stark auch bildlich an die Zeit, als mein Mann im Spital nach den Kämpfen seine Ruhe gefunden hatte. Es ist noch nicht so lange her, es war im Juni vorigen Jahres.

Wir Christen glauben an die Auferstehung, wie sie uns in der Osternacht vorgestellt wird, und an das Leben nach dem Tod. Das ist eine ungeheure Hilfe in der Trauer nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Beim Begräbnis haben wir nur die menschliche Hülle in die Grube gesenkt, der wahre Mensch, der der Verstorbenen gewesen ist, ist auferstanden. Halleluja!

 

 

Ostern

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