Aus den Auen der Pielach ins Theater (man gibt „die Stühle“)

Gestern – Ostermontag – war ein guter Tag. Die Sonne schien, es wehte ein mildes Lüfterl. Alles was blühen kann, blühte. Die Laubbäume trugen das neue, das junge Grün.

Was mich zusätzlich erfreute: das Evangelium war jenes der Emmaus Jünger – „Herr, es will Abend werden …“, ich mag es sehr und es passt zu meinem Alter. Die Fahrt durch ein grünendes Niederösterreich in die Gegend von St. Pölten begleiteten interessante Gespräche.

Dort im Garten konnten die Kinder herumtoben, es wurden Eier gesucht, neue Spielsachen ausprobiert. Es gab gemeinsames köstliches Essen, die Familie um einen Tisch im Sonnenschein, rundherum blühende Bäume und Sträucher. Sogar ein Ruheplatzerl konnte für jeden gefunden werden, und nach der Jause ging’s zu einem Spaziergang in die Auen der Pielach. Eine wunderschöne, romanische Flusslandschaft, von den Kindern genutzt – um mit den Füßen ins (doch recht kalte) Wasser zu steigen – was damit endete, dass man sich gegenseitig hineinwarf. Sogar die 4Jährige konnte sich den Spaß nicht versagen.

Leider mussten wir dann nach Wien zurück. Daran war ich schuld, denn ich wusste selbstverständlich von dem Familientreffen Ostermontag, bekam aber eine Theaterkarte für den 22. April. Dass es sich dabei um dasselbe Datum handelte, war mir leider entgangen.  Der Verkehr war zwar dicht, aber es staute noch nicht. Rechtzeitig kam ich nach Hause, konnte mich noch ein wenig umziehen und auf ging’s ins Akademietheater.

Dort wurden „die Stühle“ von Eugene Ionesco aufgeführt. Eigentlich bin ich ja nicht so glücklich über das Revival des absurden Theaters, für mich hat das so eine „deja-vue“ Note. Ich ging eigentlich mit eher geringen Erwartungen ins Theater.  Meine trübe Einstellung wurde bald aufgebessert, als ich sah, dass Claus Peyman zusammen mit Alexander Haußmann die Regie führt. Außerdem: was sollte bei einer Ausnahmebesetzung mit Maria Happel und Michael Maertens schon schiefgehen.

Diesmal gibt es sogar einen Vorhang – wenn er auch nur aus einem dünnen, sich wölbender Stoff, besteht. Wenn dieser Stoff zu Beginn fortgezogen wird, erblickt man eine recht düstere Bühne – schwarze Wände, mit einer Reihe von Türen – und zwei schwarze Sessel. Auf einen dieser beiden sitzt „die Alte“, „der Alte“, steht auf einer Leiter und blickt aufs Wasser. Man lebt auf einer gemeinsamen Insel. Sie nörgelt, er möge doch herunterkommen. Sie sind 75 Jahre verheiratet. Sie wiederholt sich ständig, ihn einerseits lobend andererseits kritisierend. Dennoch er sieht „seine Semiramis“ auch als seine Mutter, die ihn beschützt. Und sie können miteinander lachen, aber so lachen! Und nun planen sie eine große Abendgesellschaft, bei dem er seinen Lebensentwurf Vertretern der gesamten Welt vorstellen möchte, aber nicht selbst, sondern ein Redner soll das tun, der dann lange erwartet wird. Denn im Grunde dürfte der Alte in seinem Leben eher versagt haben.

Nun treffen Gäste ein – nicht physisch, sondern dargestellt von den beiden Alten, zuerst langsam, es entstehen Mini-Szenen meist aus ihrer Vergangenheit -sie bedauern, dieses und jenes nicht getan zu haben – sie flirten unverschämt. Später treffen immer mehr Gäste ein, es wird chaotisch, immer hektischer muss Semiramis weitere Sessel herbeischaffen, herumgehetzt von ihrem, in diesen Momenten doch sehr despotischen Macho-Mann.

Das methusalemische Alter merkt man diesen Beiden bei diesem Teil eher mehr nicht an, das Stück wird zu Slapstick Komödie- Tragödie? Zuletzt gehen die Sessel aus, auch nachdem „Kopien“ der Semiramis diese hereingeräumt hatten. Es kommen immer noch Gäste, die beiden Alten finden einander nicht mehr, die Organisation der Stehen-Müssenden kann nur durch ein angedeutetes Megaphon bewältigt werden. Auch der Kaiser kommt, Ein rotes Polsterl wird auf einen Sessel gelegt, und die Stühle davor zur Seite geräumt, um ihn dann Sicht auf den „Redner „zu geben. Ma gibt sich ab jetzt untertänig. Maria Happel, die Alte spielt gegen Ende noch (für mich etwas unmotiviert) Mundharmonika.

Endlich kommt der Redner- aber er scheint taubstumm zu sein. Seine Botschaften – weitgehend unverständlich – kann er nur mit Kreide auf die Innenseiten der Türen malen.  Zuletzt schreibt er/sie (Mavie Hörbiger) die Botschaft „Adieu“ auf umgestürzte Stühle und die Beiden Alten verschwinden, wohin?

Der Einakter ist zu Ende! Schade, dass er nur so kurz war.

Aus den Auen der Pielach ins Theater (man gibt „die Stühle“)

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