Zur Situation der Christen in Sri Lanka

Die Demokratische Sozialistische Republik Sri Lanka ist ein säkularer Staat. Dennoch stellt die Verfassung den Buddhismus an die erste Stelle und sieht ihn offensichtlich als Staatsreligion an. Die Verfassung verlangt: „Die Republik Sri Lanka soll dem Buddhismus den obersten Platz einräumen und dementsprechend soll es die Pflicht des Staates sein, die Buddha Sasana (buddhistische Lehre) zu schützen und zu fördern, während gleichzeitig sichergestellt wird, dass allen Religionen die Rechte, wie sie in der Verfassung festgeschrieben sind, zugestanden werden.“

Wenn man die Situation der Christen über die Jahre hinweg beobachtet, fällt auf, dass die Verfolgung von Christen bisher weitgehend von extremistischen buddhistischen Gruppen ausging. Diese Gruppen allerdings attackieren auch Muslime. Von dort lebenden Singhalesen – die Mehrheit – wird erwartet, dass sie Buddhisten sind. Deswegen werden nicht nur Christen aus der ethnischen Minderheit der Tamilen als Bürger zweiter Klasse behandelt, sondern auch singhalesische Christen zuweilen beleidigt und angegriffen. Einige buddhistische Geistliche nutzen soziale Medien aktiv dazu, Hass gegen religiöse Minderheiten im Land zu schüren. Allerdings hetzen zuweilen Familienangehörige und Dorfvorsteher in ländlichen Gegenden gegen Christen und verlangen von ihnen, das Dorf zu verlassen. Christen buddhistischer oder hinduistischer Herkunft leiden unter der stärksten Verfolgung. Von ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld werden sie diskriminiert und ausgegrenzt. Sie werden unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen, da ihr Glaubenswechsel als Verrat betrachtet wird. Ebenso wird unter der tamilischen Minderheit im Nordosten des Landes erwartet, dass jeder Tamile Hindu ist. Besonders christliche Konvertiten haben ein schweres Leben.

Um die Geisteshaltung der Bevölkerungsmehrheit zu verstehen, sollte man berücksichtigen, dass das singhalesische Leben drei Bezugspunkte hat, nämlich den Tempel, das Dorf und den See (als Symbol für Bewässerung und Landwirtschaft). Nichts sollte in dieses Dreieck eindringen; daher wird alles, was von außerhalb kommt, mit Misstrauen betrachtet. Selbst gewalttätige Zusammenstöße und Ausschreitungen gegen die muslimische Minderheit (wie sie sich im Jahr 2014 ereigneten und, in geringerem Maße, im März 2018) sowie Angriffe gegen Christen (aber nicht der derzeitige, zu Ostern 2019) können mit diesem Wunsch nach der Erhaltung des Dreiecks erklärt werden.

Nicht zu vergessen ist, dass Sri Lankas jüngste Geschichte durch einen 26-jährigen Bürgerkrieg, geprägt ist, der erst 2009 blutig beendet wurde. In diesem Bürgerkrieg kämpfte die überwiegend hinduistische Minderheit der Tamilen, größtenteils in den nördlichen und östlichen Provinzen des Landes beheimatet, um Unabhängigkeit. Die „Tamil Tigers“ (LTTE) erlangten weltweite Bekanntheit.

Ein Ereignis in letzter Zeit, das zur Uneinigkeit des Landes erheblich beigetragen hat: Im März 2018 kam es in der zentral gelegenen Stadt Kandy zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Muslimen. Extremistische singhalesisch-buddhistische Mobs führten eine Welle von gewalttätigen Angriffen gegen Geschäfte von Muslimen, Privathäuser und Moscheen im Bezirk Kandy aus. Dabei wurden Läden, Häuser und Moscheen beschädigt oder zerstört. 51 Menschen wurden verletzt und zwei Todesopfer gemeldet. Berichten zufolge suchen die muslimischen Gemeinschaften zunehmend nach Schutz in der arabischen Welt.

Aber weder die bisherige Geschichte noch die zunehmende Spaltung der Bevölkerung scheint einen Angriff in dem Umfang und der Brutalität, wie er gestern erfolgt ist, zu erklären.

Zur Situation der Christen in Sri Lanka

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s