Zum Thema „hosentragende Frauen“

Heute lese ich mit großem Interesse in der „Presse“ über die Geschichte der Hose. Spannend schon allein deshalb, weil bei einem Familientreffen – Spanne über drei Generationen – die Frage des Hosentragens bei Frauen kürzlich diskutiert wurde.

Die Meinungen waren höchst unterschiedlich – von „im Burgtheater geht eine Hose für eine Frau gar nicht“, bis zu „geht überall“. Vielleicht hätte ich mich gerügt fühlen sollen, tat ich aber nicht, weil ich keine Röcke oder Kleider mehr besitze.

Mein Verhältnis zu Hosen hat sich über die Zeit mehrmals geändert. Als ich 1945 mit zehn Jahren ins Gymnasium kam, Mädchengymnasium, galt ein Hosenverbot. Und die Winter waren damals wirklich kalt und geheizt war auch nicht überall ausreichend. Nur zum Schikurs durften wir dann etwas später mit Hosen erscheinen.

Als ich zum Studium in die USA kam, wurde mir erst einmal anlässlich des „Orientierungscamps“ eine Jean geschenkt! Während meiner Studienzeit besaß ich zwei (!) Stoffhosen, mit denen ich mir sehr schick vorkam. Dann, so in den sechziger Jahren, wurde es auch bei uns wieder „modern“, zu bestimmten (aber definierten) Anlässen Hosen zu tragen.

Später habe ich festgestellt, dass ich keine optimale Hosenfigur hätte und trug nur mehr Röcke, damals meist über das Knie reichend. Ich hielt nämlich die Knie nicht wirklich für einen eleganten Körperteil, den man unbedingt herzeigen muss. Ich liebte die etwas längeren, weiten Kitteln. Natürlich trug ich im Büro Kleidung, die den Business-Konventionen entsprach. Man wurde zu Anfang meiner Arbeitszeit in der Bank auch „kleidungsmäßig“ beurteilt. Im Großen und Ganzen entsprach ich damals diesen Anforderungen – nur an meinen großen Ohrringeln wurde Anstoß genommen.

Gerne trug ich auch Hosenröcke.  Einmal hatte ich mir ein besonders schönes Exemplar aus schwarz-weißer kleingemusterter Seide im Ausverkauf gekauft, Designerstücke waren damals im Ausverkauf nicht so exorbitant teuer, wie sie das heute sind. Das Ding war lang, bis zur halben Wade. Und so beschloss ich, es zu einem Abendessen in der Präsidentschaftskanzlei anzuziehen, zu der mein Mann – mit Gattin – geladen war. Das Ereignis fand noch in der Residenz auf der Hohen Warte statt. Die Gattin des damaligen Bundespräsidenten bemerkte nach dem Essen, die Damen trennten sich noch von den Herren, dass eine Hose für einen derartigen Anlass eher ungebührlich wäre. Oje! Ich schenkte dieses „ungebührliche Kleidungsstück“ dann meiner Tochter. Also ab dann: Hosen nur mehr in der Freizeit!

Dieses Prinzip ließ sich nicht mehr aufrechterhalten, als sich die Behinderung meines Mannes stetig verschlechterte. Spätestens ab dem Moment, ab dem wir einen Rollstuhl benützen mussten, konnte ich keine Röcke mehr tragen. Denn um einen Menschen im Rollstuhl zu schieben und zu begleiten heißt auch, sich bücken müssen, z.B. um einen heruntergerutschten Fuß wieder auf das Fußbrett zu stellen oder die Schuhbandeln neuerlich zu binden. Das kann mit einem engen Rock kaum ausgeführt werden. Hiermit entschloss ich mich, alle Röcke aus meinem Kleiderkasten zu entfernen (meine damalige Haushaltshilfe hat sich sehr darüber gefreut) und nur mehr Hosen zu tragen – auch ohen richtige Hosenfigur.

Jetzt, da ich leider keinen Rollstuhl mehr schieben muss, habe ich mich an die Situation des Hosentragens gewöhnt. Und mir jetzt noch Röcke anzuschaffen, finde ich schade, denn wie lange werde ich denn noch leben. Mit diesem Geld mach‘ ich lieber etwas anderes, das mich freut!

Und was Leute dazu meinen: das ist mir eigentlich gänzlich wurscht.

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