Wie ich meinen Mann kennenlernte

Ich hatte ein Stipendium erhalten, um am Centre Européen Universitaire in Nancy ein halbes Jahr 1957 zu studieren. Meine Französischkenntnisse waren anfänglich recht armselig gewesen, aber das alles besserte sich – auch aufgrund von Freunden in Nancy, aber auch weil ich wirklich alles von dem, was da geboten wurde, verstehen wollte. Das Studium dort hat mit echt begeistert. Es waren die Mit-Studierenden aus ganz Europa und die Professoren aus verschiedenen Universitäten in Frankreich.

Ich war damals die erste Studierende aus Österreich dort, und man bat mich, doch in Österreich für ein Studium in Nancy Werbung zu machen. Ganz genau wusste ich nicht, wie ich das anfangen sollte. Natürlich erzählte ich es meinen Kommilitonen an der „Welthandel“ aber auch den Alumni aus der Fulbright-Gemeinde (letztlich fuhren dann auch zwei aus diesem Kreis dann demnächst hin). Aber letztlich ging es auch um die historische Verbindung von Nancy nach Österreich – schließlich war der Ehegemahl von „unserer“ Maria Theresia Lothringer gewesen.

Es war gerade Ferienbeginn – Juli – ich arbeitete Teilzeit als WiHi (Wissenschaftliche Hilfskraft) an einem Projekt über Preisspannen im Parfümeriehandel. „Hauptberuflich“ arbeitete ich an meiner Dissertation. Da ich keine genauen Angaben über das Parfümerie und Drogeriehandels-Projekt erhalten hatte „schwamm“ ich einigermaßen und dachte lieber an vieles andere: z.B. wie ich diesen Auftrag aus Frankreich erfüllen könnte. Mir fiel eine Freundin ein, die ich schon vom Eislaufen vor der Volksschule gekannt hatte, die irgendwann erwähnt hatte, dass in Ihrem Freundeskreis auch ein Journalist verkehrte. Damals lebten junge Frauen meist bis zu ihrer Verheiratung bei den Eltern und es gab noch kein Handy, wo man heute jemand meist immer und überall erwischen kann.  Um Kontakt aufzunehmen war, man   darauf angewiesen, jemand auf dem Festnetz zu Hause zu erwischen. Zum Glück war meine Freundin, Susi hieß sie, noch in Wien. Und ja, sie kenne einen Journalisten, vom Studium (sie studierte Jus).  Sie würde ihm mein Anliegen vortragen. Als Kontaktadresse gab ich die Nummer des Instituts an, in dem ich gerade arbeitete, dort war ich ja meistens anzutreffen.  Obwohl, es war nicht gerne gesehen, private Anrufe über diese Leitung abzuwickeln.

Jetzt blieb mir nicht viel übrig, als zu warten.  Große Hoffnungen machte ich mir nicht, auf diesem Weg mein Anliegen vorbringen zu können. Aber damals war im Juli im Journalismus noch „saure-Gurken-Zeit“, daher hatte eine „Geschichte“, die sonst nicht recherchiert worden wäre, größere Chancen beachtet zu werden. Ich weiß nicht mehr, wie lange es gedauert hat, mir schien es jedenfalls „ewig“, bis mich wirklich jemand von der Zeitung „die Presse“ anrief und fragte, ob ich das wäre, die eine Geschichte hätte. Wir machten uns gleich ein Rendezvous (so sagte man damals zu einem Treffen) – in ein paar Tagen – aus und zwar im Café „Hansi“. Dieses Kaffeehaus gibt es heute nicht mehr, es war im Erdgeschoss des Hotels de France am Schottenring, neben dem Kino. Die Redaktion der Presse befand sich damals noch kurzfristig in der Reichsratsstraße und ich wohnte ziemlich zu Beginn der Währinger Straße, also daher war für uns beide der Ort leicht zu erreichen.

Wir trafen einander dann an einem Nachmittag – im Schanigarten. Zuerst brachte ich mein Anliegen vor, dann kamen wir „ins Plaudern“. Es wurde ein Termin für ein „richtiges Interview“ und ein Phototermin vereinbart.  Das Photo wurde im Institut an der „Welthandel“ aufgenommen, sehr zum Missvergnügen (Neid?) meiner beiden „Vorgesetzten“ (Assistenten).

Der Artikel erschien – unter dem Titel „Christa und das Heilige Römische Reich“. Ich schickte ihn nach Nancy und hoffte, dass er den Erwartungen dort entsprach. Und beim Journalisten Thomas Chorherr bedankte ich mich freundlich. Natürlich hoffte ich auf weiteren Kontakt, denn ich hatte den jungen Mann ja recht sympathisch gefunden. Aber er hatte schon eine Reise nach Südfrankreich geplant – ich hätte mich über eine Ansichtskarte gefreut – sie kam aber nicht. Na jedenfalls, da machte ich mir dann keine Hoffnungen auf ein weiteres Treffen mehr. Junge Frauen kontaktierten ja damals junge Männer nicht, da wartete man lieber (manchmal vergeblich).

Aber es kam anders: Im Herbst kam dann doch wieder ein Anruf und wir trafen einander recht sporadisch, ich nahm zurecht an, dass es da noch andere jungen Damen gab, die Interesse an dem Journalisten hatten. Wir trafen uns noch kurz zu Weihnachten.

Dann aber, es muss wohl so im Februar gewesen sein, gingen wir gemeinsam in den Zwölf Apostel Keller, und dort, ja dort, fragte mich Thomas ob ich seine Frau werden wollte. Ich wollte! Im Sommer verlobten wir uns – nur wir zu zweit feierten das – am Kobenzl und im Jahr drauf, 1959 im Frühjahr heirateten wir und blieben es, bis nach 59 ½ Jahren der Tod uns schied.

 

Wie ich meinen Mann kennenlernte

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