Mein Mehlspeishimmel

Wie schon öfter ausgeführt: ich esse gerne, aber ich koche auch gerne. Nur, das ist so eine Sache, wenn man nur für sich allein kocht. Einerseits zögert man, so viel Zeit für das Kochen zu verwenden, aber andererseits kann man viele Speisen in der geringen benötigten Menge einfach nicht herstellen. Selbst wenn man bei manchen Dingen nur ein Ei verwendet, kann man das Ergebnis kaum bewältigen.

Also was hätte ich gerne und – es geht einfach nicht. Alle die warmen Mehlspeisen, die meine Mutter gekocht hat, als ich noch ein Kind war.  Wir haben sie nach einer Suppe als Hauptspeise gegessen. Diese Suppe war meist eine selbstgekochte Rindsuppe, manchmal auch eine geselchte Suppe – mit diversen Einlagen: Meine Mutter machte die Suppennudeln noch selber, selbstverständlich auch das „geriebene Gerstl“, und die flaumigen Grießnockerln.  Auch Schinkenschöberl wurden selbst gefertigt– die gab’s aber eher am Sonntag. Mein Großvater aß ausschließlich Semmelknödel in seiner Rindsuppe – eine Tatsache, die meine Mutter eher ärgerte – für ihn mussten unabhängig von allen anderen Wünschen immer Semmelknödel gemacht werden.

Zu den „warmen“ Mehlspeisen  gehörten z.B. ein Apfelstrudel, Apfelschlangerl, Scheiterhaufen, Erdäpfelnudeln, Nussnudeln,  (die Grießnudeln habe ich gar nicht geschätzt),  Grießschmarrn – im  Mühlviertel Schmalzkoch genannt, Marillenknödel, Germknödel, Zwetschgenknödel, Milchrahmstrudel, Salzburger Nockerl, Arme Ritter, Gebackene Mäuse (das war immer ein Fest), Wiener Wäschermadeln, Reisauflauf,  Topfenpalatschinken, Böhmische Dalken (meine Mutter verfügte noch  über eine Dalkenpfanne) – mir läuft das Wasser im Mund nur bei der Aufzählung zusammen. Wenn die Portion dann doch größer wird, als man auf einmal aufessen kann – sagen Sie ja nicht: das kann man einfrieren!

Zu Weihnachten gehörte noch der Nuss- und Mohnstrudel zu den Fixpunkten. Keine Vanillekipferl schmecken mir so gut, wie jene, die meine Mutter gemacht hat, auch die Schneeballen meiner Tante waren eine beliebte Spezialität. Selbst jene vom Dehmel schmecken nicht so gut – wie jene damals.

Der Nussauflauf – in der geschlossenen Puddingform musste im Wasserbad gekocht und dann gestürzt werden. Das würde ich mir heute gar nicht zutrauen. Und wenn Weißbrot übriggeblieben ist, wurde ein Kipfelkoch draus gemacht.

Aber selbst der Oetker-Pudding war früher etwas Besonderes, ich kann mich noch erinnern, dass ich im Kino eine Werbung (das war die erste Werbung, nur nannte man das damals noch nicht so) dafür gesehen habe – schwarz-weiß – selbstverständlich.

Man kann nur jemanden einladen, der oder die solche Vorlieben teilt, denn diese Mehlspeisen als Dessert bei einer Einladung zu machen, ist einfach zu aufwändig. Die Enkelkinder schätzen derartiges doch auch noch, und dann hat man plötzlich auch Zeit dafür und Mut dazu.

Selbstverständlich kann man manches “gefroren“ und damit dann portioniert kaufen. Aber wie selbstgemacht, schmeckt es dann doch nicht. Ja, und so manches kann man sich auch in bestimmten Lokalen bestellen.

Aber den Mehlspeishimmel, wie bei meiner Mutter, den gibt’s halt nimmermehr.

Mein Mehlspeishimmel

Erfreuliches

Es gibt in diesem unseren kleinen Land doch viel Erfreuliches. Wenn ich unseren Herrn Bundespräsidenten großartig finde, stehe ich nicht allein da, er hat uns sicher aus einem Schlamassel geführt, jetzt ist vorläufig wieder alles gut – dank eleganter Verfassung. Ein Weilchen jedenfalls noch, bis dann der Wahlkampf beginnt, möge er erst nach den Sommerferien „einsetzen“ und nicht so schmutzig verlaufen, wie die weisen Auguren vorhersagen.

Aber auch im Kleinen gibt es Erfreuliches.  Ich war heute bei meinem Friseur, wo regelmäßig meine Haare geschnitten werden. Das Geschäft liegt am Ring, nicht nur Stammkunden tauchen dort auf, sondern auch Gäste aus umliegenden Hotels nutzen diese Möglichkeit sich verschönern zu lassen. Mein Friseur, also das Ehepaar, das diesen Salon führt ist innovativ, sie veranstaltet „Kultur“ in ihrem Salon, aber er frisiert auch die Debütantinnen beim Opernball.

Aber mein Friseur bildet auch Lehrlinge aus. Einer davon ist Momo. Momo ist ein sehr fescher junger Mann, mit einer schicken Frisur aber auch geschickten Händen. Er spricht fast akzentfrei Hochdeutsch. Momo kommt aus Afghanistan, wo er geboren wurde.  Nun, in Österreich haben junge Afghanen nicht den allerbesten Ruf, sie gelten, zusammen mit den Tschetschenen als die Störenfriede in der Schule, die junge Muslimas dazu zwingen Kopftücher zu tragen, die streitsüchtig sind und rasch zum Messer greifen, die die Ehre der Familie  um jeden Preis hochhalten, wobei der Preis das Leben der kleinen Schwester sein kann. All das trifft auf Momo (eigentlich Mohammed) gar nicht zu. Momo hat hier die Schule (neue Mittelschule, die auch nicht gerade den allerbesten Ruf genießt) absolviert und hat sich auf Stellensuche begeben. Er hat sich auf Inserat eines Schwesterbetriebes meines Friseurs melden wollen. Das war nicht von Erfolg gekrönt, denn – er fand das Geschäft nicht, um sich vorstellen zu können. Naja, er ist nicht auf die Idee gekommen, dass das Geschäft in einem Einkaufszentrum liegen könnte und hat er die Wagramer Straße auf und ab gesucht. Als er es dann endlich gefunden hat, war der Job schon weg. Aber er gab nicht auf, das Geschäft am Ring fand er dann gleich und wurde auch genommen.

Sein Chef beschreibt ihn als besonders empathisch, z.B. älteren und behinderten Kunden gegenüber, als jemand, der noch eine vielleicht etwas altmodische „Meister – Schüler“ Beziehung zu seinem Lehrherren hat, als jemand, der sieht welche Arbeit getan werden muss – ohne dazu aufgefordert werden zu müssen. Er lernt sehr schnell und stellt sich äußerst geschickt an.

Ich halte es wirklich für eine ganz schlechte Idee, Lehrlinge, die halt noch keinen Asylstatus haben, während ihrer Lehrzeit (und auch nachher) wegzuschicken.

 

Erfreuliches

Ramadan – und unerwartete Konsequenzen

Es ist Ramadan. Er hat heuer am 6.Mai begonnen und dauert bis 5. Juni (in Österreich). Wie wir ja alle bereits wissen, dürfen Muslime 30 Tage lang zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang weder essen noch trinken. Er ist der neunte Monat im islamischen Kalender und erinnert an die Zeit, als dem Propheten Mohammed der Koran offenbart wurde. Das Fasten während des Ramadans ist eine der fünf Säulen des Islam. Das sind die Hauptpflichten eines Moslems, denen er im Leben nachgehen sollte.

Durch die Selbstbeherrschung, die der Verzicht auf Essen fordert, fokussieren sich fastende Muslime auf Wesentliches: die Barmherzigkeit gegenüber Armen und Schwachen, die Unterstützung anderer Fastender und das Zwiegespräch mit Allah. Die Grundlage des Fastens ist der Koran Vers „Ihr, die ihr glaubt, euch ist das Fasten vorgeschrieben wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr vielleicht gottesfürchtig werdet.“ (2:183).

Wer zu dieser Zeit fastet, nimmt zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang keine feste oder flüssige Nahrung zu sich, trinkt nichts und verzichtet in diesem Monat auf Sex. Zur Teilnahme am Fasten sind nur diejenigen Muslime verpflichtet, die körperlich und geistig dazu in der Lage sind. Während des Ramadans wird zwar tagsüber weder gegessen noch getrunken, dafür jedoch nach Sonnenuntergang eine Mahlzeit mit der ganzen Familie eingenommen. Nach Sonnenuntergang findet das Fastenbrechen statt, das mit einem Bittgebet beginnt. Traditionell wird es mit einer Dattel und einem Schluck Wasser eingleitet.  Und das Frühstück muss vor dem Sonnenaufgang beendet sein. Es bleibt wenig Zeit für Schlaf.

Wenn man Muslime kennt, sollte man diese mit dem Ausspruch „Ramadan Mubarak!“ erfreuen, was so viel heißt wie: „Gesegneter Ramadan“. Oder vielleicht sogar mit „Ramadan Kareem“, was „Großzügiger Ramadan“ bedeutet.

Der Ramadan heuer ist für Muslime in unseren Breiten besonders harsch, da die Sonne sehr früh aufgeht und spät untergeht. Die Zeit des Fastens ist damit besonders lang.

Nun habe ich über ein Problem der Ramadan-Zeit – nicht bei uns, darüber habe ich nichts gehört – aber in arabischen Ländern wie z.B. Saudi-Arabien und den Emiraten gelesen.  Während dieser Zeit wird wesentlich mehr Essen weggeworfen, als im übrigen Jahr.

Einerseits ist das auf die traditionelle Gastfreundschaft in arabischen Ländern zurückzuführen, es wird immer mehr serviert, als man weiß, dass gegessen wird. Außerdem ist bei vielen Menschen nach dem langen täglichen Fasten der Appetit größer, als man dann wirklich essen kann (wie man bei uns sagt: die Augen größer als der Magen). Besonders hoch ist dieser Anfall von Weggeworfenem in Hotels, die Iftar (Fastenbrechen) Buffets anbieten. Die Hungrigen häufen ihre Teller voll und lassen dann viel stehen. Um dem entgegen zu wirken hat man sich überlegt, kleinere Teller zu verwenden, oder statt Buffets – a la carte Essen anzubieten. Denn anfangs gibt es meist Salate sonder Zahl, dann die im arabischen Raum berühmte Linsensuppe (oder Teigaschen, Kräuter-Omeletten, gefüllte Weinblätter, Käse….) und wenn dann die Hauptspeise kommt (Kebab mit Reis) sind die meisten Menschen, die, wie wir ja wissen, nicht so diszipliniert sind, schon satt.  Das ist nicht nur ein Problem der einzelnen Familie, des Hotels aber auch des Landes. In vielen arabischen Ländern müssen Lebensmittel importiert werden. Studien haben ergeben, dass nur 53% der Speisen wirklich gegessen werden.

Es gibt schon Maßnahmen, die übrig gebliebenen Speisen an Arme zu verteilen; aber was vom einzelnen Gast auf den Teller gehäuft wurde, muss – in den Müll.

Nun, bis zum nächsten Ramadan 2020 hat man ja Zeit, um dieses Problem zu lösen!

 

Ramadan – und unerwartete Konsequenzen

Der Heldenplatz, der Volksgarten und die Ausstellung „gegen das Vergessen“.

Gestern am Nachmittag wollte ich mir eine Freude machen. Es hat nicht mehr stark geregnet, sondern nur mehr getröpfelt.  Der Volksgarten war mein Ziel.

Vorher habe ich noch den Heldenplatz gequert, die Bühne für Greta und Arnold ist gerade abgebaut worden.  Und ich hatte Platz und Muße mir die „Plakate“ vor dem provisorischen Parlamentspavillons anzusehen – und zu lesen. Diesmal ist das Thema:  Darstellung der Länder, die 1989 nach dem Fall der Mauer endlich wieder frei geworden sind. Die kurzen Charakteristika, die jedem Land zugeordnet wurden, scheinen mir in manchen Fällen etwas befremdlich, aber in Summe eine gute Erinnerung an eine turbulente, aber gute Zeit. Und es ist sinnvoll, sich zu erinnern, wie viele Länder das damals waren. Jetzt sind sie Teil der EU.

Aber dann genoss ich die Pracht der unterschiedlichen Rosen im Volksgarten, weswegen ich ja hierhergekommen war. Manche sind fast schon abgeblüht, andere gehen erst auf, es gibt sie in allen Farben, allen Formen, ich empfehle ernsthaft – jetzt, wenn die Sonne wieder scheinen wird (hoffentlich) hinzugehen. Gestern jedenfalls waren hauptsächlich photographierende Ostasiaten dort.

Und aus gegebenem Anlass bin ich noch über den Ring nach Hause gegangen und habe mir alle Bilder der Ausstellung „gegen das Vergessen“ am Burgring angesehen. Die Foto-Ausstellung wurde vom deutsch-italienischen Fotografen und Filmemacher Luigi Toscano initiiert. Der Künstler hatte für sein Projekt mehr als 300 Überlebende des Holocaust porträtiert und stellt diese rund zwei Meter hohen Porträts in mehreren Städten in Europa und den USA aus. Bis Ende Mai werden die Bilder auf der Wiener Ringstraße vor dem Heldenplatz zu sehen sein. Ich habe sie schon von der Straßenbahn aus gesehen. Diesmal konnte ich den einleitenden Text dazu lesen und sie genauer in Augenschein nehmen – ich las die Namen und Daten – und den erklärenden Text pro Person, sofern er vorhanden war, beeindruckende Frauen und Männer. Da manche dieser Photos beschädigt worden waren, stehen an jedem Ende Freiwillige, die die Unversehrtheit der Bilder bewachen. Und die Beschädigungen sind bereits fein säuberlich genäht worden, manchmal merkt man es kaum, dass sie „restauriert“ wurden, ein anderes Porträt wurde mit roten Fäden restauriert, und die Risse sind damit sehr deutlich zu sehen.  Vor jedem der Bilder liegen Blumen und brennen Kerzen. Manchmal liegen ganze Gebinde oder große Blumensträuße davor. Und den „Wächtern“ wird persönlich gedankt, und man bringt ihnen etwas zu essen und zu trinken. Es sitzen auch zwei sehr freundliche Muslimas mit Kopftuch in einem der provisorischen Zelte, in anderen ist- soweit ich das gesehen habe, die „junge Caritas“ vertreten. Ich lese, dass zur Zeit des Fastenbrechens (es ist ja jetzt Ramadan) der Wiener Rabbiner den Muslimas Essen gebracht hat. Ein rührendes – sehr positives – Bild.

Und dennoch sind diese Bilder bereits drei Mal angegriffen – teilzerstört worden. Ich frage mich: von wem – aber auch warum. Sind es Antisemiten, die auch auf Friedhöfen die Gräber von Juden devastieren? Sind es Jugendliche, die keine Ideologie haben und überhaupt nur „zerstören“ wollen?  Sind es „Altnazis“, ist die Zerstörung im Rahmen der erhitzten politischen Situation passiert?  Es wäre gut, wenn man die Täter erwischen könnte, nicht notwendigerweise um sie zu bestrafen, sondern um die Motive zu ergründen und ihnen klar machen zu können, wie falsch ihr Handeln war.

Meines Erachtens wäre es auch sinnvoll zu hinterfragen, was auch anders gemacht werden könnte, um „gegen das Vergessen“ vorzugehen und das „niemals wieder“ zu unterstreichen. Wahrscheinlich stelle ich mich jetzt gegen den derzeitigen Mainstream – vielleicht verachten Sie mich und bezichtigen mich – bestenfalls – politisch nicht korrekt zu sprechen.  Ich möchte meine diesbezügliche Meinung dennoch äußern: Was wurde schon an Gedenkstätten, vorhandenen und geplanten Denkmälern, Ausstellungen etc. alles unternommen, um dem Vergessen vorzubeugen. Und die Konzentration liegt auf den ermordeten Juden (ja, sie waren die Mehrzahl der Ermordeten) – bei dieser derzeitigen Ausstellung am Ring fehlen mir z.B. die Zigeuner (entschuldigen Sie bitte die Wortwahl, aber damals wurden sie als solche inhaftiert), LBTGs oder auch Politiker. Und der Zweite Weltkrieg und die Naziherrschaft war nicht die einzige Periode in dem Menschen in Europa ermordet und gefoltert worden waren.

Jeder kann seine „Aufarbeitung“ vornehmen, wie er es für richtig empfindet, Herr Toscano hat eben nur überlebende Juden proträtiert, das ist sein gutes Recht – aber für manche kann diese einseitige Konzentration auf das Leiden von ausschließlich Juden und Jüdinnen irritierend wirken.

Die Ausstellung endet – demnächst. Die Aufregung über die Zerstörung einzelner Porträts wird sich rasch lagen. Leider wurden die Täter nicht gefasst. Aber in der Zukunft: vielleicht sollte man bei solchen Ausstellungen Themen in größere Zusammenhänge stellen.

Antworten Sie mir bitte, wenn Sie mit meinen Schlussfolgerungen nicht einverstanden sind oder wenn Sie bessere Vorschläge haben!

 

 

 

 

Der Heldenplatz, der Volksgarten und die Ausstellung „gegen das Vergessen“.

Fremde Sprach‘, schwere Sprach‘

Wie berichtet, kürzlich in Aserbaidschan konnte ich kein Wort äußern und auch keines verstehen. Ich konnte keine Aufschrift lesen, nicht einmal bei einem Häusl.

Ich fühlte mich diesbezüglich schon ziemlich verloren. Einem Taxifahrer konnte ich nur die Karte des Hotels hinhalten … Ein Wort konnte ich schon sagen, als ich hinkam: Salam – naja und eines habe ich gelernt – für Danke. Schlimm war’s nicht, unsere Gruppe wurde von einem jungen Mann geführt, der Azeri, russisch (noch in der Sowjetzeit dort gelernt) und breites Wienerisch sprach – er hatte einen Teil seiner Jugend als Diplomatenkind in Wien verbracht und in unserer Gruppe gab’s eine Dame, die Azeri sprach – ihre Muttersprache, bevor sie nach Wien kam.

Und wenn ich in Wien in meiner Umgebung so auf der Straße gehe, höre ich sehr selten ein deutsches Wort. In den letzten Jahren, als wir – mein Mann und ich – noch Pflegekräfte benötigten, kamen sie Großteils aus Rumänien, aber auch der Slowakei. Wir sprechen keine dieser Sprachen und dennoch erwarten wir, dass man mit uns verständlich sprechen kann. Wir können nur dankbar sein, dass es für uns nicht erforderlich ist, ins Ausland zu gehen, wo eine uns ganz fremde Sprache gesprochen wird.

Meine derzeitigen Haushaltshilfen sprechen Polnisch, Kroatisch und Armenisch. Auch davon habe ich keine Ahnung und ärgere mich zuweilen, wenn wir einander nicht verstehen können. Das ist wohl ungerecht von mir!

Früher, noch in der Monarchie, da war das doch anders, da musten zumindest Beamte zwei oder mehr Sprachen sprechen, die in der Monarchie gängig waren.

Flüchtlinge haben es nicht leicht, es werden ihnen zwar Deutschkurse angeboten und manchmal nehmen sich Private ihrer an und unterstützen sie beim Lernen der neuen Sprache. Besonders mühsam stelle ich mir das vor, wenn es in ihrem „alten Zuhause“ eine andere Schrift benutzt wurde. So bewundere ich den afghanischen Lehrling meines Friseurs, der wirklich fließend richtiges Deutsch spricht. Wir sollten allen jenen fremdsprachigen Eltern dankbar sein, die ihren Kindern noch die Muttersprache beibringen, während sie im Kindergarten, in der Schule Deutsch lernen. Und ich sollte mich nicht ärgern, wenn die Kinder, die in der Pause aus ihrer Schule kommend beim nächstgelegenen Supermarkt ihr Gabelfrühstück kaufen, in einer mir fremden Sprache sprechen. Sie können sicher Deutsch – aber ich kann ihre Sprache nicht sprechen.

Man sollte auch nicht voraussetzen, dass es eine Universalsprache – Englisch – gibt, die überall verstanden wird.

In Aserbaidschan, wenn ich grad keine Hilfe zur Hand hatte, mussten Gesten, Grimassen und Hände aushelfen – eigentlich peinlich!

Fremde Sprach‘, schwere Sprach‘

Wissen Sie, was das „deutsche Ahnenerbe“ so war und getan hat?

Man kann auch beim abendlichen „Zufallsfernsehen“ etwas Interessantes lernen. Ich schau mir gerne Dokumentationen an, eher politische. Aber über die Nazi-Zeit habe ich das Gefühl schon genug gesehen zu haben, denn vieles wiederholt sich.

Daher war gestern meine Erwartungshaltung ziemlich gering, aber nach den hektischen Ereignissen der letzten Tage, wieder etwas Bekanntes sehen: vielleicht gar nicht so schlecht. Aber was ich dann sah und welche Schlüsse daraus gezogen wurden war dann doch ganz neu für mich. Es ging um die Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe. Diese war eine Einrichtung der SS, die 1935 von Heinrich Himmler (Reichsführer SS) gegründet worden war. Damit sollte die NS-Rassenideologie des Arischen Herrenmenschen wissenschaftlich untermauert und daraus abgeleitete Verbrechen wie ethnische und kulturelle Verfolgung pseudowissenschaftlich legitimiert werden.

Es fing ja recht harmlos an, mit verstärkter Archäologie in Deutschland, die Universitäten schätzten den Zufluss an Mitteln zu den entsprechenden Instituten – was auch heute nachvollziehbar ist. Auf allen Scherben wurden „germanische“ Symbole gesucht – also z.B. die sonst im Lande allgegenwärtigen Hakenkreuze.  Man dehnte die Forschung aus, besonders in den Norden – woher ja Wotan und Konsorten stammen sollen – schickte man Expeditionen. Und weil für Nationalsozialisten der „germanische Herrenmensch“ allen anderen überlegen sein musste, begann man die Geschichte umzudeuten. Man verstieg sich dazu, Romulus und Remus von Germanen abstammen zu lassen, sogar die ägyptische Kultur „germanisch“ zu deuten. Eine aufwändige Expedition wurde in den Himalaya ausgesendet, sogar in Lhasa „forschte“ man. Die Runenschrift wurde kurz entschlossen als die älteste der Welt definiert.

Da nach dem damaligen Verständnis die Schädelform den Germanen identifizierte, wurden diesbezügliche Messungen allüberall vorgenommen. Allerdings ein Nachweis konnte nirgends erbracht werden. Nun aus pseudowissenschaftlicher Forschung wurden bald weitreichende Schlüsse gezogen. Man versuchte bei diesen Messungen den „typischen“ Juden zu finden, um die Selektion dieser „Minderwertigen“ zu erleichtern. Es gelang nicht.

Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Ausrichtung des Ahnenerbes. Der Raub von Kulturgütern in den besetzten Gebieten wurde maßgeblich von hauptamtlichen Mitarbeitern organisiert.

Aber die Ideologie der Herrenmenschen hatte Fuß gefasst, viele Deutsche begannen sich als Herrenmenschen zu sehen, bei Kriegsbeginn konnten die „Feinde“ (Polen, Ukrainer, Russen etc. bzw. besonders Juden) zu Untermenschen deklariert, un  dementsprechend behandelt werden. Das wurden allen Deutschen „eingetrichtert“, und daher entstanden auch keine Skrupel bei all den vielen Verbrechen die begangen wurden.  Daher schien es legitim, sie zu vertreiben, ja zu töten, sich ihres Eigentums zu bemächtigen. Und dort, wo diese Menschen vertrieben worden waren, wurden „germanische“ Siedlungen errichtet (die auch so aussehen sollten, wie man sich die steinzeitlichen germanischen Siedlungen vorstellte), in denen hauptsächlich so genannte Volksdeutsche angesiedelt wurden.  Als Volksdeutsche galten in der Zeit des Nationalsozialismus außerhalb des Deutschen Reichs in den Grenzen von 1937 und Österreichs lebende Personen deutscher Volkszugehörigkeit und nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, vor allem in Ost- und Südosteuropa. Die deutsche Volkszugehörigkeit wurde folgendermaßen definiert: „Deutscher Volkszugehöriger ist, wer sich als Angehöriger des deutschen Volkes bekennt, sofern dieses Bekenntnis durch bestimmte Tatsachen, wie Sprache, Erziehung, Kultur usw. bestätigt wird. Personen artfremden Blutes, insbesondere Juden, sind niemals deutsche Volkszugehörige, auch wenn sie sich bisher als solche bezeichnet haben.“ Was beim Rückzug der Deutschen aus diesem Gebieten im zweiten Teil des Zweiten Weltkriegs geschah, mag ich mir gar nicht vorstellen. Und die Universitätsprofessoren, die endlich genügend Mittel zu Forschung bekamen, beugten sich der abstrusen Ideologie. Ich finde, es ist leicht, heute darüber zu urteilen.

Ganz schlimm wurde es ab 1942: unter dem Dach des Ahnenerbes wurde mit Mitteln der Waffen-SS das Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung gegründet. Dieses Institut führte tödliche Menschenversuche an KZ-Häftlingen in den Konzentrationslagern Dachau und Natzweiler durch; einige der beteiligten Ärzte waren Mitglieder der Waffen-SS. In Dachau wurden Unterdruck- und Kälteexperimente durchgeführt, in Natzweiler Experimente mit Kampfgas. Da, entgegen den Befehlen, nicht alle Spuren von diesen grauenvollen Tätigkeiten bei Kriegsende beseitigt werden konnten, trafen die Alliierten auf grässliche Funde – Tote, aber auch einzelne konservierte Körperteile. Die Experimente dienten alle dem Kampfgeschehen, z.B. wie lange konnte ein abgestürzter Pilot im Wasser überleben. Es war auch eine Skelettsammlung an der Reichsuniversität Straßburg vorgesehen, die der rassischen Propaganda dienen sollte.

Diese Menschenversuche waren dann auch Gegenstand der Nürnberger Prozesse, insbesondere des Nürnberger Ärzteprozesses. Aber die Bestrafungen fielen milde aus, viele der dort Beschäftigten konnten später wieder an Universitäten lehren. Diese Männer (es waren meines Wissens keine Frauen dabei) waren offenbar nicht alle überzeugte Nationalsozialisten. Für viele mögen besonders die umfangreichen Forschungsförderungen entscheidend gewesen sein, aber auch die Möglichkeit, Wissenschaft im Bereich der Archäologie, die umfassend finanziert wurden, zu betreiben; überdies dürfte die Forschung ohne behindernde ethische Grenzen für manche anziehend gewirkt haben – wobei festzuhalten ist, dass es sich nur teilweise um Forschung im wissenschaftlichen Sinne gehandelt hatte.

Für uns, die wir das heute mit Abscheu verdammen können, ist das leicht, da wir nicht in Zeiten derartiger Ideologisierung leben. Aber tun wir alles, dass es nie wieder zu einer derartigen Situation kommen kann!

 

Wissen Sie, was das „deutsche Ahnenerbe“ so war und getan hat?

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Nachdem sich die überstürzenden Ereignisse dank unseres ruhigen, besonnen Bundespräsidenten doch etwas gelegt haben, ist es an der Zeit sich auch anderer Themen anzunehmen. Also: aktuell Klima. Schließlich sind Greta Thunberg und Arnold Schwarzenegger, aber auch UN Generalsekretär Guterres in Wien. Ich wollte schon zu schreiben beginnen, als mein Enkel meinte, komm doch mit mir auf den Heldenplatz, dort findet u.A. ein Klimakirtag statt. Und ab 17 Uhr sollen dann Reden von Klima-Heroes stattfinden Naja, dann.

Wir kamen etwas nach 5 Uhr dort an. Der Heldenplatz war ziemlich voll, einerseits stand dort eine große Bühne, andererseits war fand wirklich „Kirtag“ statt, mit Würstelstand und vielem Ähnlichem, mit Heurigenbänken und Tischen. Also wir begaben uns in die Nähe der Bühne, was dort stattfand sahen wir nicht, aber die Übertragung davon auf große Bildschirme. Es war ein ziemliches Gedränge, viel lustige Junge, aber auch Mittelalterliche mit Kindern und erstaunlich viele Alte – so wie ich. Wir haben den Altersdurchschnitt gehoben. Die Jungen hatten Tafeln mit (als Transparente konnte man sie nicht bezeichnen) auf Pappendeckel in eher hässlicher Schrift gemalte Botschaften. Sie klangen für mich ein wenig wie „Antifa“.

Auf der Bühne freundliche Menschen mit unterschiedlichen Geräten, auf der sie „Musik“ machten. Ein sehr bemühter Moderator versuchte die Zeit bis zum Eintreffen der Heroes zu überbrücken. Dann trat eine Dame auf – sichtlich kein Heroe – die auch eher ankündigte. Dazwischen weitere „Musik“. Dazwischen immer wieder uninspirierter Applaus. Dann – endlich – Greta Thunberg. Ich hatte eigentlich eine kämpferische Rede erwartet, mitreißend vorgetragen. Meine Erwartung wurde enttäuscht. Greta las vor, eine Reihe von mir schon seit langem bekannten Phrasen. Eigentlich sind mir diese Stehsätze schon seit der Hainburger Au 1984 mehr oder minder bekannt. Der einzige Unterschied ist, dass es sich nicht um einen speziellen Anlass handelt, sondern um eine generelle Forderung. Es wird z.B. gedroht, dass man meine Generation verantwortlich machen wird, dass wir die notwendigen Maßnahmen für den Klimaschutz verabsäumt haben. Großteils handelt es sich um Forderungen und darum, „dass endlich etwas getan werden muss“.

Es gab „tosenden“ Applaus.  Eine weitere (mir unbekannte) Band trat auf.  Mein Enkel und ich beschlossen, genug gehört zu haben und diskutierten noch, welchen Effekt diese Demonstrationen – und Kirtage – wohl hätten. Mein Enkel meinte, dass damit „Die Grünen“ gestärkt würden, die dann politisch auf Umsetzung der Klimaziele achten würden, das hätte immerhin die EU-Wahl gezeigt.  Ich bin ein bissel skeptisch, aber „die Hetz“ bei solchen Demonstrationen dabei zu sein, ermuntert halt die Jungen auch. Am Freitag um 11 tritt “la Greta“ wieder am Heldenplatz auf – wenn sie jemand hören und sehen will.

 

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