Ein wunderschönes Fest für I. und Geschichten von der ÖBB

Gestern war alles zum Fest in Pernitz gerüstet, um meine jüngste Urenkelin zu „begrüßen“.  Eingeladen waren beide Clans, ohnedies nicht gerade klein und einige Freunde – und die Paten sofern sie nicht aus den Familien kamen. Meine jüngste Urenkelin, übrigens die erste Enkelin in beiden Clans, sollte feierlich begrüßt werden. Dieses kleine sonnige Wesen bringt es nämlich zustande ohne viel zu tun, als jeden freundlich und fröhlich anzulächeln, alle Teilnehmer prompt in sich verliebt zu machen.

Wir kamen früh – ich durfte bei einem Enkel und dessen Verlobter mitfahren,  weil erstens die neu erworbenen Bienen betreut werden mussten und außerdem noch Hilfe für die Vorbereitungen benötigt wurde. Es war alles aufs prächtigste hergerichtet, das Gras im Garten gemäht, zur Unterhaltung der Jüngeren ein Fußballtor und ein Basketballnetz aufgestellt, Kugeln und Bälle lagen bereit. Mehr oder minder große Tische standen in verschiedenen Teilen des Gartens, mit zahlreichen Sesseln, auch alle sonstigen Bänke waren mit Decken belegt. Für jene, die vielleicht gedachten, ein kleines Schläfchen zu halten, hingen Hängematten zwischen den Bäumen, Lampions waren aufgehängt, Fackeln steckten im Boden.  Ein Zelt wurde erwartet und auch mitgebracht – dann in gemeinsam, Anstrengung aufgestellt, was mit viel Gelächter verbunden war, der Aufstellenden und Zuschauenden.  Reizende Geschenke waren eingetroffen – bezaubernde Kleidchen und sonstige Babysachen – die Beschenkte nahm es halt noch nicht wahr.

Einige hatten kurzfristig abgesagt, aber dennoch waren dann so rund 40 Personen anwesend, und fast jede Familie hat etwas zur Festtafel beigetragen. Das Buffet war dann äußerst reichhaltig und wirklich üppig. Jeder konnte etwas nach seinem Gusto finden.

Nur am Himmel begannen sich Wolken zu türmen. Es wurde beschwichtigt, Gewitter hier kommen aus einer anderen Richtung – und dort ist es doch noch ganz hell. Als es dann doch ein wenig zu tropfen begann, wurde verkündet, dass wir nur vom Rand des Gewitters gestreift würden und es dann abziehen würde.  Dann kam der Wind auf und trieb das Gewitter doch zu uns. Dann drehte das Gewitter sich über uns einige Zeit im Kreis. Und es begann ernsthaft zu regnen, die Gäste brachten sich ins Trockene und in fast generalstabsmäßiger Präzision (vorher abgesprochen) wurden die heiklen Möbel ins Haus, die Tücher, Tischtücher und Decken zusammengelegt, die Lampions und Fackeln abgebaut …. Ja und die unerlässliche Kaffeemaschine unters Dach gestellt.   Das ging dann erstaunlich schnell und alle richteten sich im Haus ein. Draußen blitzte und donnerte es lautstark, es regnete stark – immer wieder sah man den einen oder anderen mit einem Schirm zur Kaffeemaschine eilen. Jetzt hatten auch alle Zeit und Muße sich dem Buffett zu widmen. Und zu den vielen unterschiedlichen köstlichen Mehlspeisen benötigt man doch auch einen Kaffee.

Einer meiner Enkel, hatte ein Willkommenslied für meine Urenkelin geschrieben und trug es auch vor, einige waren zu Tränen gerührt. Und nun begannen die Spiele, es hatte kurzfristig aufgehört zu regnen, und Anwesende wurden in Gruppen geteilt, und nach akribisch vorbereiteten Aufgabenzetteln sollten 2 Personen mit drei Beinen (zwei zusammengebunden) einen Parcours laufen, Bälle in das Basketballnetz schupfen … Da fand ich, dass ich nicht ganz die Zielperson war und suchte langsam zu klären, wann ich wie nach Haus kommen würde.

Letztendlich entschied ich, das mit der ÖBB durchzuführen. Meine Tochter führte mich zum Bahnhof, wo aber nicht der Zug, sondern eine „Schienenersatzverkehr“ bis Piesting eingerichtet war – schon länger, an der Strecke bis dahin wird gebaut. Da es wieder heftig regnete, war ich dann doch einigermaßen nass. Für diese Fahrt bezahlte man nichts. Diese Busreise war dann recht kurzweilig, weil nun auch die Strecke ab Piesting nach Wiener Neustadt gesperrt war: diesmal war die Ursache ein Blitzschaden. Der Fahrer, eigentlich der Inhaber eines Busunternehmens, war nur eingesprungen und war sich der Strecke Piesting-Wiener Neustadt nicht sicher, aber ein junger Fahrgast fungierte dann als Navigator. Denn es muss jeder Bahnhof an der Strecke angefahren werden, und das ist gar nicht so einfach, weil dort oft nur recht enge Gasserln hinführen, natürlich keine Rede von der Fahrt über die Schnellstraße, nein jeder Ort musste durchfahren werden, um eben an den Bahnhof zu gelangen. Und es gibt viele Orte mit Bahnhöfen an dieser Strecke. Das Motto des Fahrers: ich kann doch keinen im Regen stehen lassen. Und um die Fahrgäste zu unterhalten, erzählte er von den Busreisen n ach Italien, die er mit seinem Unternehmen durchführte, von seinen Kindern. Er bot uns an, seine mitgebrachten Kekse mit ihm zu teilen. Eigentlich war’s ganz gemütlich. An manchen Haltestellen standen nur ÖBB Beamte, die ihm Routenvorschläge mitgaben und ihm mitteilten, dass er ab jetzt mur mehr Piesting-Gutenstein fahren müsse, was aber telephonisch wieder um widerrufen wurde.  So kurzweilig es auch war, es dauerte, ich schaute auf die Uhr und sah den Anschlusszug ab Wiener Neustadt schon abfahren.  Ab der Haltestelle Feuerwerksanstalt und Anemonensee wurde ich schon recht ungeduldig – aber es half nichts, der Fahrer erzählte weiterhin vergnügt von der schönen Schule in Anemonensee, die er als Jugendlicher besucht hatte ….

Positiv betrachtet: es hatte zu regnen aufgehört, nur noch in der Ferne sah man Wetterleuchten. Wir waren am Bahnhof Wiener Neustadt glücklich angekommen, der nächste Zug ging leider erst in 20 Minuten am Perron Nr. 3, aber was solls. Dieser fuhr dann recht flott, und in Wien war’s dann auch wieder warm, als ich mit dem D-Wagen vom Hauptbahnhof nach Hause fuhr.

Ein wunderschönes Fest und eine überlange Heimfahrt war’s gewesen.

 

Ein wunderschönes Fest für I. und Geschichten von der ÖBB

Von alten Uhren zur Zeitumstellung

Ich hab‘ da so einen Tick: vor dem Schlafengehen muss alles weggeräumt sein – schmutziges Geschirr zumindest in die Geschirrwaschmaschine, getragenes Gewand entweder zurück in den Kasten oder in die Waschmaschine, Schuhe – selbstverständlich geputzt und auf Leisten aufgespannt – zurück in den Kasten, Briefpost (meist ohnedies zum Wegwerfen) je nach Bedarf beantwortet oder abgelegt, (Schreibtisch leider NICHT aufgeräumt), Zeitungen abgelegt, Blumen gegossen, Uhren aufgezogen ….

Das alles nimmt selbstverständlich Zeit in Anspruch und verzögert das Schlafengehen. Und dann muss noch im Bett gelesen werden. Kein Wunder, dass ich manchmal in der Früh, wenn ich aufstehe, noch manchmal müde bin. Denn unter der Woche, da bin ich diszipliniert, da ratscht der Wecker, weil ich nicht mag, dass man „den Vormittag verplempert“.

Sie werden sich fragen, wozu Uhren aufziehen. Mein Mann und ich lieben alte Uhren. Eines der guten Stücke bekamen wir von seiner Mutter. Das ist eine Tisch Uhr, ich meine aus der Biedermeierzeit, ich selbst hatte ein ähnliches Stück gekauft – wahrscheinlich aus dem „Empire“. Dann gibt’s noch mein Lieblingsstück – diese Uhr hängt an der Wand (das tat sie schon in der Wohnung meiner Eltern) und das Zifferblatt schaut so ähnlich aus wie eine alte Rüstung. Das Pendel ist ein „Zappler“, der von oben herunterhängt. Dann gibt’s noch eine Pendeluhr von meiner Tante – mit hübschen Einlegearbeiten.

Mein Mann konnte Uhren, die nicht gehen, nicht leiden. Daher zog er jede diese Uhren täglich, mit Ausnahme der Pendeluhr, die muss man nur ca. einmal wöchentliche aufziehen, selbst sorgfältig auf. Als er aber dann seine Behinderung zunahm, übertrug er mir dieses Geschäft. Vor allem, als dabei eine der Uhren – jene aus dem Biedermeier, hinunterfiel. Am Boden lag ein Trümmerhaufen. Mein Mann holte mich und bat mich, alles gleich zu entfernen. Ich nahm nicht den Besen und die Mistschaufel, sondern ich klaubte alle am Boden liegenden Trümmer zusammen und verwahrte sie vorläufig sorgfältig in einem Sack. An einem der nächsten Tage begab ich mich zu unserem Uhrmacher. Das ist nicht irgendein Uhrmacher, er (liebt) und repariert alte Uhren und er berät das Dorotheum beim Uhrenkauf. Er ist aber auch unser „Uhrendoktor“. Wir vereinbarten, dass er sich die Trümmer dieser Uhr „anschauen“ und mir sagen würde, ob das überhaupt reparierbar wäre. Ich drängte ihn nicht und es dauerte auch, aber: die Uhr war reparierbar. Jetzt ging es nur noch um die Kosten des Reparierens. Sie waren weniger hoch, als ich befürchtet hatte, womit diese Uhr in aller Pracht und Schönheit – sehr zum Erstaunen meines Mannes – wieder auf dem Kaminsims prangt.

Naja, sehr glücklich war ich über die Übernahme der Sorge für die Uhren nicht, denn dieses Aufziehen darf nur mit feinem Fingerspitzengefühl durchgeführt werden. Dabei darf nicht gehudelt werden. Naja anfänglich hab‘ ich manchmal „gepatzt“. Wenn so eine Uhr kaputt ist, konsultiere ich zuerst den Uhrendoktor und er sagt mir, ob er meint, dass ich die Uhr zu ihm in die Werkstatt bringen soll, oder ob er zu uns nach Hause kommt, und sie hier repariert. Bei einem nicht sehr sorgsamen Transport nach der Reparatur können diese delikaten Teile wiederum aus dem Lot kommen, und dann geht die Uhr wieder nicht ordentlich.

Es ist schon faszinierend, dass diese Uhren doch relativ genau gehen, die täglichen Abweichung sind schon im Minutenbereich, aber nicht vielen Minuten, das ist abhängig von der Wetterlage, ich glaube der Luftfeuchtigkeit. Zum Einstellen verwende ich selbstverständlich eine Funkuhr!

Ich mag ja überhaupt Funkuhren, die muss man nicht aufziehen, bei denen muss man nur ab und zu die Batterie wechseln, sie zeigen nicht nur die Zeit, sondern auch das Datum, die Temperatur etc. an. Und vor allem muss man sie bei der jährlichen Umstellung von Sommer- auf Normalzeit und umgekehrt nicht selbst umstellen.  Allerdings – es gibt Ausnahmen! Ich habe für meinen Mann eine Armbanduhr besorgt, die eine Funkuhr sein, ein Metallband haben, nicht zu klobig sein sollte. Es war dann ein bissel mühsam, so ein Ding zu finden. Diese Armbanduhr war dann auch nicht gerade billig. Aber sie hatte die ärgerliche Eigenschaft, sich nicht automatisch auf Sommer- bzw. Normalzeit rechtzeitig umzustellen. Ich schleppte sie zum Uhrmacher, wo ich sie gekauft hatte, der meinte, dass sie vielleicht „zu versteckt“ läge und sie die Funksignale nicht erreichen würden, ich legte sie aufs Fensterbrett, sie tat noch immer nicht. Erst nach ein paar Tagen, an denen mein Mann schon sehr ungeduldig war (er war überhaupt ein ungeduldiger Mensch) – ohne unser weiteres Zutun, hatte sie sich dann bequemt, doch auf die Funksignale zu hören und die richtige Zeit anzuzeigen.

Sie können jetzt problemlos den Grund dafür erkennen, warum ich so vehement „für eine Zeit das ganze Jahr“, also die Abschaffung des Umsteigens von Sommer auf Normalzeit und umgekehrt bin. Jedes Mal, bei dieser Umstellung ging irgendeine der Uhren kaputt (nicht die alten sondern die normalen, Nicht-Funk-Uhren). Ich wäre für die Beibehaltung der Sommerzeit für das ganze Jahr (weil ich langen hellen Abende so schätze), aber mir wäre auch die Normalzeit recht. Nur einheitlich – in ganz Europa – und bald sollte es sein.

Somit erfreue ich mich weiterhin an unseren alten Uhren, konsultiere aber die Funkuhren, wenn’s um Pünktlichkeit geht. Vielleicht war das Leben deshalb früher gemächlicher, weil man es mit der Zeit aufgrund der kapriziösen Uhren nicht ganz so genau nehmen konnte.

 

Von alten Uhren zur Zeitumstellung

Zum brasilianischen Regenwald und dem Beitritt der EU zu Mercosur

So, jetzt ist es endgültig an der Zeit. Ich war sehr überrascht, wie viele Kommentare auf eine simple Frage zu einem anderen Tweet auf Twitter innerhalb kürzester Zeit möglich sind: Meine Frage war: kann auf dem durch Brandrodung erzeugten Boden noch einmal ein Regenwald wachsen?

Es ist nicht nur der Regenwald im Amazonasgebiet, der im Moment der Zerstörung preisgegeben ist, es sind auch die Gebiete nördlich des Polarkreises, die ihr Methan freigeben. Aber der Regenwald scheint mutwillig zerstört zu werden. Und es ist ein Regime, das im Moment an dieser Zerstörung beteiligt zu sein scheint (das allerdings durch Trump in den USA unterstützt wird), es ist das Regime Bolsonaro in Brasilien.  Dieser Mann verbreitet fake news, nämlich, dass den Regenwald die NGOs angezündet haben – wofür er keine Beweise hat, sondern eine Schuldumkehr betreibt. Wir alle sehen im Regenwald im Amazonas Gebiet die „grüne Lunge der Welt“ und sind daher an seiner Rettung außerordentlich interessiert. Bolsonaro bezeichnet den Amazonas Regenwald als „brasilianische Angelegenheit“, die sonst niemand etwas anginge. Er wirft den interessierten Staaten Kolonialismus vor. Irgendwo verständlich, es ist brasilianisches Gebiet, aber heutzutage lebt keiner mehr „nur“ in seinem Land, der Wind und die Wolken kennen keine Grenzen.

Jair Messias Bolsonaro  (* 21. März 1955) ist ein brasilianischer Politiker. Nachdem er die Präsidentschaftswahl in Brasilien 2018 in der Stichwahl am 28. Oktober des Jahres mit 55,1 % der Stimmen gewann, ist er seit dem 1. Januar 2019 Staatspräsident des Landes. Der ehemalige Fallschirmjäger-Hauptmann vertritt seit 1991 einen Wahlkreis des Bundesstaats Rio de Janeiro in der Abgeordnetenkammer des brasilianischen Kongresses. Dabei wechselte er mehrfach die Parteizugehörigkeit; seit 2018 gehört er der Partido Social Liberal (PSL) an. Bolsonaro vertritt gesellschaftspolitisch rechtskonservative und neoliberale Positionen. Er erlangte vor allem mit frauenfeindlichen, schwulenfeindlichen, rassistischen und die brasilianische Militärdiktatur (1964–1985) verteidigenden Äußerungen Aufmerksamkeit. Bolsonaro wird als rechtspopulistisch bzw. rechtsextrem eingestuft, sein politischer Stil mit jenem von Donald Trump verglichen, was zur Bezeichnung „Tropen-Trump“ führt. Er spricht sich gegen positive Diskriminierung oder Quoten für Afrobrasilianer sowie gegen die Entkriminalisierung von Drogen aus. Bolsonaro befürwortet die Todesstrafe und einen radikalen Interventionismus durch das Militär in Brasilien, gefolgt von der Einsetzung einer Militärregierung. Im Jahr 1993, nur acht Jahre nach der Rückkehr der Demokratie (nach über 20 Jahren Militärherrschaft und Diktatur in Brasilien), sagte er, dass eine erneute Militärherrschaft zu einem nachhaltigeren und wohlhabenderen Brasilien führen würde. In seinem Wahlkampf hatte Bolsonaro für seine Wahl einen etwaigen Austritt seines Landes aus dem 2015 von faktisch allen Staaten der Welt in Paris vom Weltklimagipfel beschlossenen Weltklimaabkommen angekündigt, ein Schritt, den Präsident Trump bereits 2016 für die USA vollzogen hatte.

Innenpolitisch kündigte er unter anderem ein Vorgehen mit militärischer Härte gegen Beschützer des Amazonas-Regenwaldes und indigene Volksgruppen sowie die Einschränkung entsprechender Aktivitäten internationaler Organisationen an: Hier solle eine Art rechtsfreier Raum geschaffen werden, in dem staatliche Sicherheitskräfte legal lokale Proteste mit Waffengewalt bekämpfen und damit zu einem „geordneten“ Brasilien beitragen könnten. Darüber hinaus will er Bergbauaktivitäten in Naturschutzgebieten neu zulassen. Die Rodungen der Regenwälder haben sich in Brasilien unter seiner Präsidentschaft mehr als verdoppelt.

Brasilien ist nun der flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößte Staat der Erde und auch das größte und mit seinen über 200 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land Südamerikas, von dessen Fläche es 47,3 Prozent einnimmt.

Nun ist Brasilien ein Mitgliedstaat von Mercosur, neben: Argentinien, Paraguay, Uruguay, Venezuela (unterzeichnete am 4. Juli 2006 den Beitritt und trat am 31. Juli 2012 auf dem Gipfel in Rio dem Mercosur bei, seit 5. August 2017 dauerhaft suspendiert). Assoziiert sind: Chile (1996), Bolivien (1997; stellte einen Antrag auf Vollmitgliedschaft, im Prozess der Integration), Peru (2003), Kolumbien (2004), Ecuador (2004; stellte im Dezember 2011 einen Antrag auf Vollmitgliedschaft), Guyana (2015; Verträge müssen noch ratifiziert werden), Suriname (2015; Verträge müssen noch ratifiziert werden). Mit Mexiko wurden am 8. Juli 2004 Gespräche über eine Assoziierung begonnen. Die Ziele des Mercosur finden sich in der Präambel des Vertrags von Asunción.

Der Vertrag nennt als Ziele des wirtschaftlichen und politischen Integrationsprozesses: die Vergrößerung der nationalen Märkte der Mitgliedstaaten als fundamentale Bedingung zur Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklungsprozesse unter Berücksichtigung der sozialen Gerechtigkeit; dies soll unter Beachtung des Schutzes der Umwelt sowie durch die Verbesserung der Infrastruktur zwischen den Mitgliedstaaten, durch die Koordination der makroökonomischen Politiken und durch die Ergänzung sektoraler Politiken erreicht werden; eine adäquate Einbindung der Mitgliedstaaten in das internationale Gefüge der großen Wirtschaftsblöcke; die Förderung der wissenschaftlichen und technischen Entwicklung der Mitgliedstaaten (dadurch soll eine Verbesserung des Angebots und der Qualität der Güter und Dienstleistungen und somit die Verbesserung der Lebensbedingungen erreicht werden) und die Herbeiführung einer immer umfassenderen Union zwischen den Völkern.

Der Mercosur und die Europäische Union haben am 15. Dezember 1995 ein Assoziationsabkommen unterzeichnet, welches eine Vorstufe zur Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens darstellt. Im Jahr 2004 befanden sich die Verhandlungen über dieses Freihandelsabkommen in fortgeschrittenem Stadium und es wurde optimistisch mit dem Abschluss der Verhandlungen schon im Herbst 2004 gerechnet. Allerdings blieb ein großer Streitpunkt der Zugang zum europäischen Markt für Agrarprodukte aus den Mercosur-Ländern. Seit dem Jahr 2004 wurde nur noch auf technischer Ebene verhandelt, eine Vertiefung erst bei einem Erfolg der damals ausgesetzten Doha-Runde der Welthandelsorganisation (WTO) erwartet.

Die EU-Kommission bot den Mercosur-Staaten 2017 laxere Kontrollstandards bei Lebensmittelimporten an – wenn Europa mehr Autos exportieren dürfte. Ende Juni 2019 wurde eine Einigung zu dem Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Mercosur erzielt. Bei Inkrafttreten würde das Abkommen die Grundlage für die größte Freihandelszone der Welt bilden.

Auf Basis all dessen soll nun dieses Freihandelsabkommen wirklich abgeschlossen werden? Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat die österreichischen Nationalratsabgeordneten aufgefordert, das Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten zu stoppen. Für ein Inkrafttreten des Abkommens ist die Einstimmigkeit aller Mitgliedstaaten im Rat der EU notwendig. Dort würde ein „Nein“ Österreichs den Handelspakt also verhindern.

Aus Sicht der UmweltschützerInnen ist die EU-Kommission offenkundig bereit, für das Abkommen die Zerstörung des Regenwaldes hinzunehmen und europäische Lebensmittelstandards zu unterwandern. Und das nicht zuletzt auf Kosten der heimischen Landwirtschaft. Beispielsweise werden bei der Bewirtschaftung der riesigen Monokulturen Brasiliens unzählige giftige Pestizide eingesetzt, die in Europa verboten sind. Zudem ist der Pestizideinsatz pro Hektar in Brasilien ca. achtmal größer als in Europa.

Ich glaube, dass dieses Freihandelsabkommen jeden von uns angeht. Jeder sollte – sine ira et studio – versuchen sich ein möglichst objektives Bild der Konsequenzen zu machen. Für mich wäre noch ein ausschlaggebender Faktor, dass Verträge mit rechtsextremen Populisten, wie Bolsonaro, die mit Fake News arbeiten, ein Grund sind, diesem Vertrag nicht zuzustimmen.

Und was ist Ihre Meinung?

Zum brasilianischen Regenwald und dem Beitritt der EU zu Mercosur

Wenn Sie graupert sein sollten, dann haben Sie den Bad Hair Day

Kennen Sie ihn auch, den „Bad Hair Day“? Vielleicht fragen sich manche, die den Begriff nicht kennen (ich kenne ihn auch erst, als er für Stimmungschwankungen der damaligen US Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verwendet wurde): also ein Tag an dem man seine Haare in Früh so gar nicht in Form bringen kann, wenn die Haare – wie einst eine Friseurin sagte – verlegen sind. Der Begriff umfasst auch Tage, an denen dann alles, aufgrund des Ärgernisses mit den Haaren in der Früh, schief zu gehen scheint.

Also Bad Hair Day kennen wir noch nicht so lange, die Situation aber schon seit – immer. Meine Mutter bezeichnete das anders: Heut‘ schaust aber besonders graupert (= ungekämmt) aus, wie ein Raffler (wienerisch = Drachen). Dieser Ausdruck gehört leider der Vergangenheit an und ist fast nur mehr in einem Wienerlied verewigt: „Einmal möcht‘ ich noch als Büaberl Ball’n schupf’n, Wolferl treib’n, Raffler steig’n, Tempelhupf’n, …“

Aber zurück zum Bad Hair Day: es stimmt schon, wenn man in der Früh seine Haare nicht in Ordnung bringen kann, hat der Tag schlecht angefangen, und alles, was nicht nach Plan läuft, wird dann auf diesen Grund zurückgeführt.

Ich selbst kenne diese Situation sehr gut. Ich habe viele Wanderwirbel am Kopf, und die in Früh auszugleichen, würde Zeit erfordern, die ich mir aber nicht gerne nehme. Selbst meine Friseure klagen über diese meine Wirbel. Das war schon immer mein Problem während der Zeit meiner Jugend, als ich die Haare aufgesteckt trug, später, als ich sie dann halblang geschnitten wurden. Da ich damals viele starke Haare hatte, schnitt ich mir das selbst. Das merkte vielleicht ein kundiger Friseur, mir reichte es aber, denn ich konnte dann zur Schere greifen, wenn ich das Gefühl hatte, „jetzt reicht’s wieder einmal“.  Ich bekam sehr früh graue Haare und war nicht willens, sie färben zu lassen, meine Freundinnen redeten auf mich ein, warum ich denn absichtlich „alt“ aussehen wollte, aber mir war es einfach zu blöd, mich in regelmäßigen Abständen ca. 3 Stunden zum Friseur zu setzen, um die Haare färben zu lassen.  Und da ich fand, dass „grau und lang“ für Haare einer Älteren nicht zusammenpasste, ging ich dann doch zum Friseur, und ließ mir die Haare kürzen. Naja, jedes Mal, wenn ich wieder zum Schneiden kam, wurden sie wieder kürzer. Dieser Prozess dauerte in Weilchen, und fand bei mehreren Friseuren statt. Auch hier waren die Freundinnen hilfreich gewesen, aber mir passt halt nicht jeder. Z.B. mag ich nicht in „der Auslage sitzen“, d.h. ich meide Friseure mit Gassenlokalen, wo Vorbeigehende hereinschauen können. Ich mag auch keine Friseure, die mir entweder etwas ausreden wollen, das ich mir wünsche oder einreden wollen, was ich gar nicht mag. Nach einigem Hin und Her fand ich dann den „Richtigen“, er lag auf dem Weg zwischen zu Hause und Büro, sein Salon war im ersten Stock, ich konnte schon früh (vor dem offiziellen Aufsperren) kommen, um dann (zwar zeitverschoben) aber doch rechtzeitig ins Büro zu kommen.  Er lag in der Habsburgergasse und übersiedelte dann in die Wallnerstraße. Diese Situation führt zu einer gewissen Abhängigkeit, weil man seinen Haarschnitt ja nur einer Person zutraut, und auch diese geht auf Urlaub etc. Dieses Verhalten hat seinen guten Grund, weil der damalige „Vertreter“ meines Friseurs mich meiner Meinung nach einmal ordentlich “verschandelt“ hatte. Dann kam die Krise, als dieser „mein Friseur“ sich erlaubte (!) in Pension zu gehen. Er vertraute mich seiner Tochter an, das ging ein Weilchen ganz gut, bis diese dann – ein Baby bekam und ihren Salon verscherbelte. Der neue Käufer war ein sehr ambitionierter Neapolitaner. Diesem gefiel meine jetzt schon seit Jahrzenten vertraute Kurzhaarfrisur gar nicht. Er riet mir also, die Haare, die inzwischen schon weiß geworden sind, wieder wachsen zu lassen. Naja, dafür wäre wohl ein Aufenthalt auf einer unbewohnten Insel für sechs Monate erforderlich gewesen. Aber während dieser 6 Monate sähe ich halt durchgängig graupert aus. Und eigentlich waren die kurzen Haare zu meinem „Markenzeichen“ geworden.

Da ich aber nicht auf ein halbes Jahr eine Insel fahren kann und will suchte ich mir einen anderen Friseur – nach den Kriterien: siehe oben.  Ich fand ihn auch und bin sehr zufrieden, aber sein Job ist halt schwieriger geworden: während ich früher sehr dichte starke Haare hatte, werden sie jetzt zunehmend weniger und dünner. Eine der Freuden des Alters, die Haarlinie geht zurück, die Stirne wird zunehmend höher (früher hatte man gesagt, dass man auf diese Art intellektueller aussähe – naja?) Und ich mag halt die diversen Mittelchen zur Stabilisierung der Haare gar nicht, wie z.B. Schaum, Spray oder Wachs.

Heute früh war ich wieder einmal beim Friseur – meine Haare sind zwar leider nicht mehr dicht, aber sie wachsen dennoch sehr schnell und müssen regelmäßig geschnitten werden. Sollten Sie mich heute irgendwo irgendwann sehen: ich schau nicht -wie sonst eher öfter – graupert aus.

 

Wenn Sie graupert sein sollten, dann haben Sie den Bad Hair Day

Was mir so auffällt:

Erinnerung an das Paneuropäische Picknick ohne Österreich?

Da war das Gedächtnisfest in Sopron – 30 Jahre, Paneuropäisches Picknick. Dieses Paneuropäische Picknick war eine Friedensdemonstration der Paneuropa-Union an der österreichisch-ungarischen Grenze nahe der Stadt Sopron (Ödenburg) am 19. August 1989. Sie wurde in der Erinnerungskultur nachträglich zum Meilenstein jener Vorgänge stilisiert, die zum Ende der DDR, zur deutschen Wiedervereinigung und zum Zerbrechen des Ostblocks führten. Die Idee für dieses Picknick war von Otto Habsburg und der MDF-Organisation der ostungarischen Stadt Debrecen ausgegangen.  Es lagen dann auch amtliche Bewilligungen vor, dass es am Nachmittag des 19. August 1989 von 15 bis 18 Uhr einen improvisierten Grenzübergang geben würde.

Mit Zustimmung ungarischer und österreichischer Behörden sollte bei der Veranstaltung ein Grenztor symbolisch für drei Stunden geöffnet werden. Zwischen 600 und 700 DDR-Bürger nutzten dann diese kurze Öffnung des Eisernen Vorhangs zur Flucht in den Westen. Es war die größte Fluchtbewegung aus Ost-Deutschland seit dem Bau der Berliner Mauer.

Bereits am 27. Juni 1989 hatten wenige Kilometer entfernt der damalige österreichische Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn symbolisch den der Grenze vorgelagerten Signalzaun durchtrennt, um den am 2. Mai 1989 begonnenen Abbau der Überwachungsanlagen durch Ungarn zu unterstreichen.

Zu diesem Erinnerungsfest 2019 kamen der ungarische Premier Orban und die deutsche Bundeskanzlerin Merkel. Dass es ausgerechnet Viktor Orban ist, mit dem die deutsche Kanzlerin den Jahrestag der offenen Grenze feiert, scheint für viele ein Hohn. Denn schließlich ist es Orban, der an der ungarischen Südgrenze einen Zaun errichten ließ, als 2015 viele Geflüchtete über Ungarn und Österreich nach Deutschland und weiter in den Westen Europas kamen. Ich frage mich: wo blieben die Österreicher – es schließlich die österreichische Grenze die offen stand, wo blieb die Erinnerung an Otto von Habsburg, der das in Szene gesetzt hatte?

Noch immer und schon wieder Greta Thunberg

Die meisten von uns sind beunruhigt – ob der Klimakrise. Es war und ist Greta Thunberg, die uns aufgerüttelt hat. Denn Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg ist eine schwedische Klimaschutzaktivistin. Ihr Einsatz für eine konsequente Klimapolitik findet weltweit Beachtung. Die von ihr initiierten „Schulstreiks für das Klima“ sind inzwischen zur globalen Bewegung „Fridays for Future“ gewachsen. Aber Greta entzweit. Die Aktivistin scheint auch eine „intellektuelle Bedrohung“ zu sein, weil sie etablierte politische Meinungsmacher nicht automatisch ernst nehme. Trumps Umfeld ist jedenfalls schon auf den rhetorischen Barrikaden und regt sich über Thunbergs Besuch auf. Thunberg wäre, so meinen ihre Gegner in den USA, ein „von Erwachsenen ausgebeutetes, hirnloses Kind“.

Dennoch wird sie im September am UN-Klimagipfel in New York teilnehmen, aus Klimagründen verzichtet die 16-Jährige aufs Fliegen und reist stattdessen auf einem Renn-Segelboot, doch wie klimafreundlich diese Aktion wirklich ist, wird aktuell sehr kontrovers diskutiert. Viele fragen sich, ob Greta mit ihrem Segel-Törn mehr CO2-Ausstoß verursacht als ein normaler Flug.

Ich selbst habe auch eine Meinung zu dem Thema: ich halte Bildung und daher Schule für wichtig. Greta ist eine Ausnahmeerscheinung, sie setzt sich konsequent 100 prozentig für ihr Anliegen ein, sie wird von ihrer Familie diesbezüglich unterstützt, vielleicht wird sie auch manipuliert – das wird sich erst später herausstellen. Jedenfalls halte ich regelmäßiges Schule-Schwänzen für „normale“ (bitte mich in diesem Zusammenhang nicht misszuverstehen: „normal“ hier – wie ordinary) Schüler für gar keine gute Idee.  Den Einsatz aller für die Umwelt begrüße ich!

ORF II, ZIB 2, Zeitzeugen zum Beginn des Zweiten Weltkriegs

Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, dass bei der Auswahl von Zeitzeugen fast ausschließlich auf Holocaust Opfer zurückgegriffen wird. Die vorgestellten Menschen sind alle sympathisch, haben z.T. viel Leid erfahren und verdienen es, in ihrer Haltung vorgestellt zu werden. Aber dass fast nur Holocaust Opfer befragt werden (und das in fast allen ORF Sendungen, aber auch Schulbesuchern etc.) halte ich für einseitig. Der Holocaust – ich bitte sich daran zu erinnern, dass dieser Begriff auf eine Fernsehserie zurückgeht und ursprünglich nicht verwendet worden war, ist wahrscheinlich doch eine der größten Schandtaten dieser Zeit gewesen. Aber die Geschichte dieser Zeit darauf zu reduzieren, halte ich auch unseren Kindern und Kindeskindern gegenüber für falsch. Es gibt sie noch, die „Hochbetagten“, die wahrscheinlich über 85 Jahre alt sein müssen, um sich zu erinnern, die auch außerhalb der KZs viel Leid erfahren oder auch Positives erlebt haben.

Meine Bitte: nicht nur an den ORF, sondern an sonstige Verantwortliche für die Erinnerungskultur: befragt nicht nur eine besondere Gruppe, die Erinnerungen an diese Zeit haben. Wir benötigen Menschen mit differenzierten Vorstellungen über diese Zeit. Es waren die Bombennächte für die Kinder dieser damaligen Zeit traumatisierend, es war für viele der Einmarsch der Russen kein befreiendes, sondern verstörendes Erlebnis. Auch diese Menschen haben ein Bild dieser Zeit, das vermittelt werden soll – ob sie oder ihre Eltern nun „schuld“ waren, oder nicht, die jetzt zu Befragenden waren damals Kinder!

 

Was mir so auffällt:

Hierarchien, wie das so früher war

Heute möchte ich über ein Phänomen berichten, das es heute (hoffentlich) nicht mehr in diesem Ausmaß gibt. Wie war das früher, mit den vielen Hierarchiestufen, die man glaubte, hinaufklettern zu müssen. Soviel ich weiß, versucht man heute mit möglichst wenig Hierarchien auszukommen und viele der Privilegien der „Chefs“ gibt es auch nicht mehr.

Als ich begonnen habe zu arbeiten, gab es diese vielen Hierarchiestufen noch. Und dazu gab es die passenden Titel. Einerseits gab es die Funktionstitel, also man war Leiter, (auch da gab es mehrere Stufen) dann halt Direktor. Auch da gab es mehrere Zusätze, die die Stufe zeigten, bis zu der eine Person geklettert war. Zuletzt wurde man dann Vorstandsdirektor und als alleroberster Generaldirektor. Aber zusätzlich zu diesen Funktionstiteln gab es parallel noch eine weitere Klassifizierung.  Höhere Stufen bzw. höhere Klassifizierungen bedeuteten mehr Geld, mehr Privilegien und höheres Ansehen.

Und was waren das für Privilegien: es gab z.B. eine Differenzierung bei den Büromöbeln, besonders begehrt waren die Chefsessel, sie waren besser gepolstert hatten höhere Rückenlehnen und sahen insgesamt wesentlich imposanter aus. Auch die Schreibtische unterschieden sich, Chefschreibtische waren größer, man verfügte über mehr Laden und vor allem mehr Kastln, also Stauraum.  Auch die Bilder, die ein Büro schmückten, waren je nach Einstufung wertvoller oder nicht. Ja und Chefzimmer hatten grundsätzlich mehr Fenster, die Sekretärin saß allein in einem Vorzimmer.  Soweit ich mich erinnere ging’s auch um Vorhänge, ein Chefzimmer verfügte über solche! Einen besonders hohen Status bedeuteten Eckzimmer. Wesentlich für die Bestimmung der Hierarchie waren auch die Zimmerpflanzen, die der Chefs waren jedenfalls die exotischeren. Selbstverständlich hatte die Einstufung auch etwas mit der für später geltenden Firmenpensionsregelung zu tun.

Das Ganze änderte sich ein wenig, als wir in das Großraumbüro gezogen waren. Aber selbst da hatte der Chef noch seinen eigenen abgeschlossenen Raum oder Glaskobel. Je nach seiner Geisteshaltung stand seine Türe immer offen – oder bleib immer geschlossen. Selbst sein Stellvertreter durfte seinen Schreibtisch und sonstige Büromöbel mit Paravents umgeben. Und als dann Dienstreisen häufiger wurden, gab es auch Unterschiede in der Klasse bei der Bahn und im Flugzeug. Höhere Dienstgrade hatten Anspruch auf eine höheres „per Diem“ (Tagsätze) und ihnen wurde vom firmeneigenen Reisebüro die „besseren“ Hotels gebucht.

Und wie gelang es nun, diese lange, lange Leiter etwas hinaufzuklettern. Wenn man sich ganz am unteren Ende befand war regelentsprechendes „Wohlverhalten“ sehr nützlich. Man war selbstverständlich sehr pünktlich (es gab keine Home-Office-Zeit), anfänglich auch keine verschobenen Dienstzeiten.  Man war jederzeit zu Überstunden bereit, man war den Bekleidungsregeln entsprechend gekleidet (selbstverständlich Sakko und Krawatte für die männlichen Mitarbeiter, ja keine Hosen für weibliche). Ich wurde einmal gerügt, weil meine Ohrringe zu groß und zu auffällig waren, dabei habe ich bei meiner Arbeit nie einen Kunden gesehen, sondern arbeitete immer nur im Backoffice. Manche, besonders eifrige gaben vor, mehr Arbeit zu haben und machten unbezahlte Überstunden, um die Chefs zu beeindrucken. Und selbstverständlich durfte, wenn man bei Dienstschluss seinen Arbeitsplatz verließ nichts, aber schon gar nichts auf dem Schreibtisch liegen bleiben. Sein Telephon hob man immer aber, meldete sich mit der hierfür vorgesehenen Formel (Firmenname, Abteilungsname, eigener Name – und der Frage womit man „dienen“ könnte). Von sich sprach man von „meine Wenigkeit“.

Damit kam man recht gut durch, aber um höher zu steigen musste man schon irgendetwas „außerordentliches“ leisten, um dem Chef aufzufallen. Entweder mehr als die anderen arbeiten, das war nicht bei allen Tätigkeiten nachweisbar. Oder man machte Vorschläge, für die Verbesserung des Arbeitsprozesses, an dem man beteiligt war. So etwas half anfänglich.

In damals oft sehr rasch wachsenden Unternehmungen wurden neue Abteilungen geschaffen, und wenn man Glück hatte, rechtzeitig davon erfahren zu haben, konnte man eine höhere Position in dieser neuen Abteilung auch ergattern. Es war schon einerseits Leistung, die man erbringen musste, aber andererseits auch Geschick sich den richtigen Leuten zur richtigen Zeit zu präsentieren. Führungsqualitäten waren damals nicht unbedingt ausschlaggebend. Oft, wenn der Chef sehr unsicher war, unterdrückte er lieber die Kompetenteren, um seine Position nicht in Gefahr zu bringen.  Ich sage bewusst, seine Position, Chefs waren damals fast ausschließlich Männer. Frauen „warf man vor“, Kinder zu bekommen und dann zu Hause zu bleiben, daher „zahlt sich die „Ausbildung“ für sei nicht aus, was auch nicht gerade karriereförderlich war. Ausbildung wurde dann später überhaupt großgeschrieben, auch für Führungspositionen. Als besondere Auszeichnung galt nach Fontainebleau geschickt, zu werden.

Ich weiß – aus eigener Anschauung – dass die Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaftsfraktion/Partei sehr nützlich war, die Nichtzugehörigkeit eher schädlich. Und dann gab es noch das so genannte „Vitamin-B“, also „Beziehungen“. Wenn jemand „Wichtiger“ aus Wirtschaft oder Politik ein Wörterl einem Chef gegenüber fallen ließ, konnte das schon recht hilfreich sein. Es war selbstverständlich auch nützlich irgendwelchen Vereinen anzugehören, wo sich Chefs herumtummelten (Rotarier, österreichischer Kartellverband etc. – die natürlich alle rein männlich besetzt waren). Es konnte auch karrierefördernd sein, im „richtigen“ Tennisclub zu spielen, wo auch der Chef aktiv war.  Man musste schon findig sein, um die richtigen Wege zu gehen. Manchmal half auch die richtige Sauna – damals, Jagen gehen, war ein sehr wesentliches Merkmal für Führungsposten.

Selbstverständlich gab es viele Karrieren, die allein dem Können geschuldet waren.

Aber heute ist das ja alles ganz anders, ich höre von flachen Strukturen und keinen Privilegien für Chefs, die ausschließlich aufgrund ihrer Fähigkeiten in diese Position gekommen waren.

Hierarchien, wie das so früher war

Gedanken zu einem Sozialmarkt

Heute habe ich eine ehemalige Kollegin aus dem Umfeld der Bank getroffen. Wir haben einander lange nicht gesehen, und anfänglich „plätscherte“ Small-Talk so vor sich hin. Aber dann erwähnte diese Kollegin, dass sie jetzt – in der Pension – zeitweilig in einem Sozialmarkt arbeitet. Ich war sofort sehr interessiert. Sie erzählte auch, dass es in Mödling, wo sie jetzt wohnt, eine „Freiwilligenbörse“ gäbe.  Ich halte das für eine hervorragende Idee.

Also zum Sozialmakt. In dem gäbe es wirklich „alles“, was so andere – Firmen und/oder Private – nicht mehr brauchen würden. Das reiche von Möbeln, Kleidern und selbstverständlich zu Lebensmittel. Sie selbst würde dort alles tun, was gerade erforderlich wäre, vom Sortieren der Waren bis zum Verkauf. Berechtigt dort einzukaufen wären Menschen, deren Einkommen bestimmte Grenzen nicht überschritten. Das würde überprüft, bevor eine diesbezügliche Berechtigung ausgestellt würde.

Sie berichtete, dass sie dort Dinge, die ihr gefielen für sich selbst kaufen könnte. Manchmal, bei besonderen Markenwaren, würde sie diese überprüfen, eventuell etwas ausbessern – wenn erforderlich – oder sonst herrichten und dann im Second-Hand Shop verkaufen. Die Differenz zwischen dem Einkaufspreis im Sozialmarkt und dem Verkaufspreis im Second-Hand-Shop würde sie dann als Spende zum Sozialmarkt bringen.

Da ich noch immer sehr viele Bekleidungsstücke meines verstorbenen Mannes aufgehoben habe, habe ich sie befragt, ob sie das sinnvollerweise übernehmen könne. Sie meinte nur lapidar: Herrnsachen wären bei ihnen nicht sehr gefragt. Dann muss ich halt einen anderen Weg finden.

Definiert wird so ein „Sozialmarkt“ als Kaufhaus, in dem meist gebrauchte und/oder gespendete Waren angeboten werden. Sie sollen eine erschwingliche Einkaufsmöglichkeit bieten für Gebrauchsgüter, Haushaltswaren und Textilien. Das Angebot umfasst auch Kinderwägen, Kinderfahrräder etc. – aber nicht immer! Häufig werden die Sozialkaufhäuser von der kommunalen Sozialhilfe oder den großen Wohlfahrtsorganisationen (z.B. Rotes Kreuz, Caritas) getragen. Wesentlich ist, dass das Angebot auch den finanziellen Möglichkeiten der weniger Begüterten entspricht.

Das Personal setzt sich meist aus Langzeitarbeitslosen zusammen, da es oft zum Konzept des Sozialkaufhauses gehört, deren Wiedereingliederung in das Berufsleben zu fördern. Sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze sind jedoch selten. Neben der Verkaufstätigkeit werden auch Dienstleistungen wie Haushaltsauflösungen oder Gütertransporte angeboten.

Von der „Carla“ am Mittersteig in Wien habe ich schon viel Gutes gehört. Dort schauen meine Enkelkinder gerne vorbei, bevor sie eventuell Neues einkaufen. Dort bekommt man Kleidung, Spielzeug, Geschirr, Möbel, … alles Second-Hand. Elektronische Geräte werden meist vor Ort durchgetestet und gegebenenfalls repariert. Carla ist die Second-Hand Drehscheibe der Caritas – Spenden und Einkäufe helfen mit, zahlreiche Hilfsprojekte zu finanzieren. Z.B. Kleidungsstücke zu stark herabgesetzten Preisen bieten sich für Menschen mit geringem Einkommen, an, außerdem gibt es  stundenweise Beschäftigung für sehr arbeitsmarktferne Personen oder Freiwillige, inkl. Beratung, Arbeitsplätze für langzeitarbeitslose Frauen und Männer, Hilfslieferungen zu Partnerorganisationen im Osten, die dort Menschen in Not versorgen.

Vorigen Herbst gab es eine Überfülle von privaten Spenden, das kam von dem Hype des Ausmisten Müssens her, basierend auf einem Buch Maria Kondos. Aufräumen in den eigenen vier Wänden hilft der Seele bei der Entspannung. Für Marie Kondo ist Ordnung aber mehr, als ab und an mal wischen. Ihr Buch „Magic Cleaning“ war in den Lifestyle-Kanälen der sozialen Netzwerke ein Hit. Und ihre Netflix-Serie erfreut sich größter Beliebtheit. Doch warum eigentlich fällt vielen Menschen das Ausmisten so schwer? Wie hilft die Trennung von altem Besitz der Psyche? Und was sollte man besser nicht wegwerfen? Ob Postkarten, Fotos oder alte Liebesbriefe: Macht etwas keine Freude mehr, muss es weg – zumindest, wenn es nach Marie Kondo geht. Die Japanerin wird im Internet als „Aufräumkönigin“ gefeiert. Mit ihrer Hilfe verwandeln Millionen Menschen auf der Welt ihre eigenen Wohnungen in Hochglanz-Kulissen für Instagramphotos. Kein Wunder, dass auch Kondos Serie auf dem Streamingportal Netflix ein Hit ist.

Na jedenfalls hat sich der Hype hoffentlich wieder gelegt, und man kann wiederum seine nicht mehr gebrauchten Kleider zur Carla bringen und dort vielleicht gleich etwas finden, das man dann schon immer unbedingt gebraucht hat!

Interessant ist von meiner Kollegin zu hören, dass es auch Situationen gibt, die Verwunderung hervorrufen. Da kommt einer, der die Mindesteinkommsanforderung erfüllt, aber er fährt in seinem Mercedes vor. Naja, so denkt sie sich, vielleicht ist das ein Überbleibsel aus besseren Tagen. Auch jene eher ärmlich wirkende Frau mit kleiner Tochter, die immer das vorhandene „stille“ Mineralwasser aufkauft. Befragt, warum sie nicht Wasser aus der Leitung trinkt, antwortet sie, dass ihr das nicht schmecke. Na wenigstens schmeckt ihr dann halt das Wasser aus der Flasche!

Vielleicht sollten wir uns – denen es gut geht – daran erinnern, dass es Menschen gibt, die jeden Cent umdrehen müssen um mit dem Einkommen eines Monates durchkommen zu können. Denken wir an die Familien, die jetzt doch erhebliche Ausgaben zu Schulbeginn haben, und da ist noch nicht einmal neues Gewand (einschließlich Schuhe) für die Kinder dabei.

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Gedanken zu einem Sozialmarkt

Ach, Italien

Ich liebe Italien: seine Hügel (Colli), seine Strände, seine Städte, seine Ausgrabungen, seine Museen. Italien war das erste „Ausland“, in das ich gefahren bin (Venedig). Wir warten Schifahren in Südtirol, wir waren auf Urlaub in Taormina…  Und ich liebe die italienische Kunst, aber auch das italienische Essen. Ich koche auch gern „italienisch“. Ich bin einfach gerne dort, und mit meinem Kuchelitalienisch komme ich auch ganz gut durch.  Italien ist für mich -so wie Österreich, ein Teil Europas.

Aber was ich trotz aller Liebe gar nicht verstehe, ist die italienische Politik. Und da fange ich mich an zu fragen: Warum gibt es in Italien so viele Regierungskrisen?  In den letzten drei Dezennien hatte Italien 13 Premierminister und im Vergleich andere (noch) EU-Staaten: Deutschland 3, Frankreich 5 und Großbritannien 7. Der einzige Premier in Italien, der in dieser Zeit seine volle Amtsperiode ausübte (5 Jahre), war Silvio Berlusconi. Gar so glücklich waren wir mit ihm ja auch nicht.

Italien hat seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein rein-proportionales Wahlsystem. Das heißt, dass die Anzahl der Sitze im Parlament den abgegebenen Stimmen entsprechen. Das führte zu einer großen Anzahl von Kleinparteien, zu fast immer Koalitionsregierungen und häufig zu einem kompletten Stillstand. Das führt auch dazu, dass sich unsereins und viele andere über italienische Regierungskrisen nur mehr marginal aufregen.  1994 war es zu einer Reform des Wahlrechts gekommen, und zwar aufgrund weitestreichender Korruptionsskandale und dabei sind die wenigen stabilisierenden Elemente der italienischen Partei untergegangen, wie die großen Partien: z.B. Christdemokraten.

Guiseppe Conti, im Amt als Premier seit 2018 hat aufgegeben. 14 Monate war diese Regierung – die von Anfang an experimentellen Charakter hatte, im Amt. Sie war die erste populistische Regierung in West-Europa und sie vereinte zwei Parteien mit gegensätzlichen Extremen: einerseits die „Anti-Establishment“ Fünf-Sterne Bewegung und andererseits die extrem Rechte Lega Nord. Dieser Gegensatz hat diese Regierung von Anfang an schwer belastet.

Salvini, der Innenminister, von der Lega Nord, ist bei weitem der populärste Politiker Italiens. Er hat sich besonders in der Anti-Immigrationspolitik hervorgetan. Für mich stellt er sich als extrem unsympathischer Politiker dar. Grausam und menschenverachtend verhält er sich Flüchtlingen gegenüber, er tritt „volkstümlich“ auf, lässt sich am Strand – mit Mitbürgern – weitestgehend unbekleidet photographieren.

Matteo Salvini (* 9. März 1973) war ein italienischer Journalist und Politiker der Lega Nord. Seit dem 1. Juni 2018 ist er Innenminister im Kabinett Conte sowie stellvertretender Ministerpräsident Italiens. Er hat sein Studium der Geschichte abgebrochen, er ist geschieden und hat zwei Kinder. Schon im Jahr 2009 hatte Salvini eine Rassentrennung von Einwanderern und Italienern in Eisenbahnwagen vorgeschlagen. Er sprach sich für die Wiedereinführung eines Straftatbestandes zur Bekämpfung illegaler Einwanderung aus. Im Juli 2013 kommentierte Salvini die Rede des Papstes auf Lampedusa dahingehend, dass Franziskus nicht die „Globalisierung des Verbrecherischen“ fördern solle. Über Roma und Sinti meinte Salvini, dass, wenn diese in der Öffentlichkeit als „Diebe“ wahrgenommen würden, es dafür auch einen Grund geben müsse.

Salvini hat weiters den Euro 2014 als „kriminelle Währung“ bezeichnet. Gemeinsam mit der neofaschistischen CasaPound (definiert sich als nationalistische und sozial) plädierte er 2014 für die Aussetzung des Schengen-Abkommens, wobei er mit der Unterstützung des russischen Präsidenten Wladimir Putin rechnen konnte, den er im Herbst 2014 in Moskau traf. Nach einem Tötungsdelikt in Mailand wies Salvini die Schuld der italienischen Integrationsministerin Cécile Kyenge zu, die durch ihre Politik zu Straftaten aufstachele. Zu jener Zeit führte die Lega Nord eine Kampagne gegen die afroitalienische Politikerin. Als sich der damalige italienische Präsident, Giorgio Napolitano, im Juli 2013 zu rassistischen Wortmeldungen über Kyenge äußerte, forderte Salvini ihn auf, den Mund zu halten.  Salvini ist schlicht als rüpelhaft zu bezeichnen. Nach dem Tod des früheren italienischen Präsidenten Carlo Azeglio Ciampi im September 2016, bezeichnete Salvini ihn als „einen der Verräter Italiens und der Italiener“. Aufgrund seiner Position im Zuge der Krimkrise im März 2014 kann man ihn als prorussischen Sympathisanten bezeichnen.  Salvini steht für einen Neo-Eurasismus.

Das ist eine in den 1920er Jahren von russischen Emigranten formulierte geopolitische Ideologie. Der Eurasismus behauptet, dass ein von Russland dominierter, zwischen Europa und Asien befindlicher „Kontinent Eurasien“ in einem fundamentalen Gegensatz zur „romano-germanisch“ geprägten westlichen Welt stehe. Dieser Neo-Eurasismus hat zum Ziel, eurasisches Imperium von Dublin bis Wladiwostok unter der Führung Russlands zu schaffen, weil, so Dugin – sein Erfinder -, „die wahren, geopolitisch gerechtfertigten Grenzen Russlands bei Cadiz und Dublin liegen und Europa dazu bestimmt ist (…) der Sowjetunion beizutreten“. Der Unterschied ist, dass klassische Eurasier das „romanogermanische Europa“ als Gegner ansahen wohingegen Neo-Eurasier sich einen Kampf vorstellen, zwischen hierarchisch organisierten „eurasischen“ Landmächten unter der Führung Russlands und liberalen „atlantischen“ Seemächten unter der Führung der Vereinigten Staaten Da, nach dieser These, Europa von den Amerikanern okkupiert wird, müsse nun die Rolle des Befreiers annehmen. Der Erfolg „Eurasiens“ hänge von der Wiedergeburt des imperienbildenden russischen Volkes ab.

Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich Salvini unsympathisch finde, und mein geliebtes Italien nicht unter seiner Führung sehen möchte.

Ach, Italien

Ich gehe nicht nur einkaufen, ich lese auch gerne und viel

Ich hatte nicht so viele eigene Bücher, früher. Selbstverständlich waren da die Kinderbücher – immer wieder gelesen: das erste – selbstgelesene – war: die Schneemänner (Anneliese Umlauf-Lamatsch), und dann noch weitere Bücher von ihr, wie das geliebte „Hannerl in der Pilzstadt“, oder „der kleine Peter in der Katzenstadt“. Natürlich faszinierte mich Hatschi Bratschis Luftballon (Franz Karl Ginzkey), damals noch in der unbereinigten Fassung mit den Kannibalen.  In diese Zeit fielen auch der Struwwelpeter, Max und Moritz ….

Dann kam die Phase mit den Jungmädchenbüchern. Manche davon fand ich bei meiner etwas älteren Cousine, aber besonders liebte ich die Pucki-Serie von Magda Trott, ich weiß nicht, ob ich alle 12 Bände bekommen habe. Das Frauenbild das damals mit dieser Lektüre transportiert wurde, hat mich sicher lange beeinflusst. Daher bin ich auch heute sehr kritisch, wenn meine kleinen Urenkelinnen Büchern mit „Prinzessinnen“ erhalten. Es dauert, bis man sich davon befreien kann.

Aber ich kann mich auch an ein Buch erinnern, das ich immer wieder gelesen habe: „seine Tochter ist der Peter“, von Edith Zelweker. Ich glaube nicht, dass ich den Film gesehen habe, der auf Basis dieses Buches gedreht worden ist. In meiner späteren „Kinderzeit“ noch unter dem Naziregime kamen die nordischen Sagen unter den Christbaum oder auf den Gabentisch zum Geburtstag. Aber immer wieder las ich Grimms oder Andersons Märchen; in wunderhübsch illustrierten Ausgaben.

Später kam die Zeit der Leihbüchereien und da waren die Zukunftsromane meine Vorliebe (Jules Verne z.B.). Aber bald griffen wir damals zu Literatur, moderner Literatur, die wir in den Bibliotheken der Besatzungsmächte vorfanden. Die „Klassiker“ kauften wir m Reclam-Format.

Und dann kamen doch schon die Taschenbücher – und die gab es auch in Englisch, Französisch und Spanisch. Mein Mann kaufte Bücher und ich kaufte Bücher, in unserem Haushalt gab es viele Bücher, nicht alle haben wir gelesen, es gab so genannte Lese- und Habenbücher. Habenbücher sind solche, die man HABEN muss, um sie vielleicht irgendwann einmal, bei Bedarf zu lesen. Bücher weggeben (oder gar wegwerfen) das konnten wir beide nicht. (Das kommt gleich nach dem Wegwerfen von Brot – das halt gar nicht geht). Es gab weitere Kategorien von Büchern: so genannte „Buchis“, etwas schmalzige Romane oder auch Schmarrnbücher, das sind „Bum-Tschninn, also so genannte Action Romane. Das waren Bezeichnungen von meinem Mann. Die gaben wir dann doch manchmal weiter, an Flohmärkte, an die Bibliothek des Seniorenverbandes in Pernitz … Natürlich gab es auch in unserem Wochendhäusl viele Bücher. Diese haben jetzt die Kinder aussortiert – selbstverständlich habe ich einiges wieder nach Wien zurückgenommen – das harrt noch des Einordnens.

Mein Mann wusste immer, wo ein Buch bei uns zu Hause zu finden war. Aber seine Ordnung war nicht immer aufrechtzuerhalten, weil die jeweilige Sektion zu klein geworden war und ausgewichen werden musste. Wir haben in fast jedem Raum der Wohnung Bücherwände. Also wurde entschieden, dass die Bücher registriert werden sollten. Es wurde ein Student der Publizistik beauftragt, die Bücher zu erfassen, das ursprüngliche Konzept war dann doch zu aufwändig, gespeichert wurden nur Titel, Autor und eine „Ortsangabe“ in der Bibliothek. Das wurde dann auf unseren Computern gespeichert und für meinen Mann ausgedruckt. Darin war alles enthalten außer der Reiseliteratur, den Lexika, selbstverständlich gab es den Brockhaus und die umfangreiche Encyclopedia Britannica (die halt gar nicht mehr benutzt werden), meinen Kochbüchern und Bildbänden. Die elektronische Datei umfasst mehr als 6000 Bände.

Als wir dann irgendwann entschieden, Bücher nur dann zu kaufen, wenn andere irgendwie entsorgt werden konnten (wir hielten uns natürlich doch nicht daran) stieg ich auf E-Bücher um. Ein weiterer Grund dafür war, dass meine nächstgelegene Buchhandlung zugesperrt hatte. Jetzt ist dort eines der vielen scheußlichen Souvenirgeschäften. Die Geschichte der Buchgeschäfte in unserer Umgebung ist überhaupt eine traurige: in unserem Haus war eine – jetzt ist ein Büro dort, an der Ecke zur Kärntner Straße war eine: dort ist jetzt ein ziemlich teures Modegeschäft. Überall kannte ich die Verkäufer, sie kannten mich, reservierten Bücher für mich, von denen sie annahmen, dass ich sie gerne lesen würde – tempi passati.  Diese hervorragenden Buchhändler üben jetzt alle andere Berufe aus – ich treffe sie zuweilen noch.

Jetzt lese ich fast alle auf einem „Reader“.  Und letztlich wollte ich einige „alte“ Bücher lesen, die es nicht als E-Books gibt. Naja, ich bin in eine Buchhandlung gegangen, habe sie bestellt – und auch bekommen (nach wenigen Tagen). Aber ich finde, dass das Lesen mit dem E-Reader doch bequemer ist. Z.B. derzeit lese ich (wieder nach vielen, vielen Jahren) „die Quelle“ von Michener, mehr als 1000 engbedruckte Seiten, kein Hardcover. Das Buch ist schwer. Ich lese nicht sitzend bei einem Tisch, sondern lieber auf dem Sofa oder im Bett – also muss das Buch mühsam gehalten werden. Ich kann die Schrift nicht vergrößern (derzeit überhaupt ein Problem, weil meine Brille nach dem Sturz vorige Woche kaputt ist). Ein Buch am E-Reader kann man halt nicht in die Bibliothek stellen …

Und jetzt werden so viele Bücher publiziert, dass man den Überblick sehr schwer bewahren kann.  Ich freu mich immer über Buchempfehlungen.

Über die Zukunft unserer Bibliothek werde ich Ihnen demnächst berichten, sobald die Zukunft Gegenwart werden wird.

Ich gehe nicht nur einkaufen, ich lese auch gerne und viel

Ich mag nicht manipuliert werden?

Influencer erfreuen sich bei vielen Unternehmen als Werbebotschafter wachsender Beliebtheit, entnehme ich einer einflussreichen Tageszeitung.

Da gibt es z.B. das Influencer-Marketing, auch Multiplikatoren-Marketing genannt, das ist eine Disziplin des Online-Marketings, bei der Unternehmen gezielt Meinungsmacher und damit Personen mit Ansehen, Einfluss und Reichweite in ihre Markenkommunikation einbinden. Als sogenannte Influencer werden Akteure im Social Web bezeichnet, die durch Content-Produktion (Content: informierende, beratende und unterhaltende Inhalte einer Webbotschaft, die  eine bestimmte  Zielgruppe ansprechen soll), Content-Distribution und Interaktion mit ihren Followern eine relevante Anzahl an sozialen Beziehungen zu und Einfluss auf ihre Follower aufgebaut haben. Aufgrund ihrer Kompetenzen und Eigenschaften versuchen Organisationen Influencer im Rahmen ihrer eigenen Kommunikationsaktivitäten einzusetzen. Erfolgreiche Beeinflusser verfügen über soziale Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Sie zeigen Hingabe, verhalten sich konsistent, sind engagiert und wirken fachlich kompetent. Sie werden von ihren Followern als Experten angesehen und gelten dort als vertrauenswürdige Vorbilder, deren Meinungen und Empfehlungen beachtet werden. Dadurch können sie die Wahrnehmung und den Abverkauf von Marken sowie Waren und Dienstleistungen beeinflussen.

Im Gegensatz zu werbenden Techniken wie Anzeigen, Bannern oder Werbespots stellen die Inhalte des Content-Marketings seitens der Influencer nicht die positive Darstellung des eigenen Unternehmens mit seinen Produkten in den Mittelpunkt, sondern bieten nützliche Informationen, weiterbringendes Wissen oder und vor allem Unterhaltung.

Influencer stellen ihre Inhalte (oft in Form von kontinuierlichen Blogs) auf Social Media Plattformen wie Twitter, Facebook oder Google+, dar, oder auf Plattformen für nutzererzeugte Inhalte wie YouTube, Pinterest oder Flickr.

Beim Influencer-Marketing nutzen Unternehmen die Reputation von reichweitenstarken Meinungsmachern, um Kommunikations- und Markenziele zu erreichen. In der Regel zielt Influencer-Marketing auf Abverkauf, Bekanntheit oder eine Verbesserung des Images einer Marke ab. Influencer machen eine Marke oder ein Produkt zum Gesprächsgegenstand, empfehlen dies ihrer Zielgruppe weiter und kreieren passende Inhalte zu den präsentierten Marken. Der Vorteil des Influencer Marketings liegt dabei in der Multiplikatorfunktion, d. h. neue Zielgruppen werden auf eine Marke aufmerksam. Im nächsten Schritt verbreiten die Abonnenten des Influencers diese Botschaft weiter. Dieses Empfehlungsverhalten kann online – über Blogs, in Foren oder über Social Media – genauso wie offline – auf Events und im privaten Umfeld – geschehen. Damit basiert Influencer Marketing auch auf dem wirksamen und weit verbreiteten Mechanismus der Mundpropaganda. Studien belegen einen größeren Einfluss persönlicher Empfehlungen auf das Konsumentenverhalten und -vertrauen im Vergleich zu allen anderen Werbeformen. (In Deutschland wurden rund 4,6 Millionen Konsumenten als Influencer identifiziert.)

Wann wird der Blogger zum Influencer? „Influencer werden definiert als Personen, die aufgrund ihrer medialen Präsenz und ihrer Bekanntheit in einem oder mehreren sozialen Netzwerken auch werbliche Dienste anbieten können.“ Leider gibt es darauf keine eindeutigere Antwort. Ein Influencer, der sich in einer Nische bewegt, kann für eine Firma, für eine Partei ebenso interessant sein, wie ein Influencer mit Celebrity-Status. Die Remuneration der Influencer besteht nicht immer in Geld, sondern z.B. in Reisen, Restaurantbesuchen, Ausrüstung für bestimmte Tätigkeiten.

Die Zeitung „Die Presse“ hat ein Ranking der 10 einflussreichsten Influencer Österreichs veröffentlicht. Ich habe auch einen Guide für „Influencer werden“, gefunden. Was wird da versprochen: „Kostenlos tolle Produkte bekommen, begehrter Gast auf Events und Veranstaltungen sein und schicke Urlaube gesponsert bekommen – und das nur, weil man Tausende Follower bei Instagram hat?“ Hohe Reichweite ist ganz sicher eine der Voraussetzungen, um zum Influencer zu werden. Auf Instagram, YouTube und Co. gibt es inzwischen unzählige von ihnen: Influencer. Sie bekommen teure Klamotten geschenkt, reisen um die Welt und feiern die besten Partys. Meist begeistern sich Influencer für eines oder mehrere Themen, wie Mode, Reisen, Ernährung oder Fitness. Selbstverständlich gehören dazu auch hervorragende Photographie oder Videos, die wahrscheinlich mühselig bearbeitet werden müssen.

Gefahren für Auftraggeber bestehen allemal, sie können Opfer von Erpressern werden, die drohen, ihre Produkte negativ zu beschreiben.

Ich sehe ein vielversprechendes Feld für Tourismus Manager. Wie nicht nur ich, sondern auch viele andere in Wien und anderen Tourismus Zielen klagen, dass sich Touristen auf „Hauptsehenswürdigkeiten“. Konzentrieren.  Das belegen in Wien z.B. die langen Schlangen vor dem Café Sacher und dem Café Zentral, wobei jeweils wenige Gehminuten entfernt, weitere „typische“ Caféhäuser, die wirklich nicht überfüllt und gemütlich sind, zur Verfügung stünden, und sogar die berühmte Sachertorte servieren würden. Man könnte doch diese Touristenagglomerationen etwas entzerren, indem in Führern, auf Blogs etc. weitere Standorte angepriesen würden.   Ich sehe schon ein, dass man weder den Stephansdom, noch die Hofburg oder Schönbrunn klonen kann, aber auch hier könnten in Blogs etc. andere Destinationen beschrieben werden, damit „der Andrang“ der Touristen doch etwas besser verteilt würde.

Ich hoffe, nicht ein Opfer dieses Influencer-Marketings zu werden, bin aber sich auch kein Influencer, selbst wenn ich einen Blog betreibe. Ich betrachte dieses Verhalten nur mit einiger Skepsis und großer Zurückhaltung (besonders im politischen Bereich). Aber ich fürchte, dass es nicht nur ein Hype (in Massenmedien aufgebauschte Nachrichten)  ist.

Ich mag nicht manipuliert werden?