Al-Baghdadi ist tot – ist Al-Baghdadi tot?

Denn Al-Bagdadi, der Kalif des Islamischen Staates  ist schon öfter für tot erklärt worden, und dann gab’s es ihn immer noch. Aber wer ist Al-Bagdadi?

Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri (auch Ibrāhīm ʿAwād Ibrāhīm al-Badrī; Kunya Abu Bakr al-Baghdadi, Abū Bakr al-Baġdādī;) * 1. Juli 19711 in Samarra, Irak, ist ein irakischer Terrorist und seit Mai 2010 Anführer der dschihadistisch-salafistischen Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Er stammt aus einer Bauernfamilie und ist der drittälteste von vier Söhnen. Für die vom IS behauptete Abstammung vom Stamm der Quraisch des Propheten Mohammed gibt es keine Belege. Einer seiner Brüder ist als Soldat in Saddam Husseins Armee gefallen. 1991 bestand al-Baghdadi das Abitur mit 481 von 600 möglichen Punkten. Aus „medizinischen Gründen“ wurde er nicht zum Wehrdienst eingezogen. Zum Studium ging al-Baghdadi in die Hauptstadt Bagdad, wo er ab seinem 19. Lebensjahr für zehn Jahre in einem Zimmer, das zu einem privaten Moscheegebäude gehört, gelebt haben soll. Ursprünglich hatte er sich für ein Jurastudium beworben, doch war sein Schulabschluss dafür nicht gut genug. Er studierte an der „Universität für Islamisches Recht“ anfangs in der Abteilung für Islamische Rechtsprechung und wechselte später zur Koranwissenschaft. 1999 schloss er sein Magisterstudium ab, danach soll er als Moscheeverwalter gearbeitet haben.

Nach der US-Invasion des Irak im Jahr 2003 schloss sich al-Baghdadi der sunnitischen Widerstandsgruppe Ansar as-Sunna an. Im Februar 2004 wurde er verhaftet und bis Dezember 2004 im Camp Bucca der US-Streitkräfte im Irak interniert. Zuvor befand sich al-Baghdadi in dem berüchtigten Gefängnis in Abu Graib.

Im März 2007 legte er seine Dissertation mit dem Titel „Die einzigartigen Perlen bei der Erläuterung des Schatibi-Gedichts“ vor. Am 14. März 2007 verteidigte er seine Arbeit. Er erhielt bei 82 von 100 Punkten die Note „sehr gut“. Angeblich ist seine Doktorarbeit unauffindbar, alle drei Ausgaben seien gestohlen worden. Der Universitätsdirektor urteilte 2015 über den Werdegang al-Baghdadis: „Er hatte bescheidene Noten, war ein ruhiger Student. Er ist nicht qualifiziert für eine Führungsposition, wie er sie jetzt beansprucht. Er hat den Koran studiert: dabei geht es in erster Linie darum, auswendig zu lernen, nicht um Analysen oder Interpretationen.“ Al-Baghdadi hingegen rechtfertigt den Terror seines „Islamischen Staates“ mit seiner theologischen Expertise – und sieht seine Taten als gottgegeben an.

Camp Bucca wurde zum Wendepunkt in seinem Leben. In dem Gefangenenlager wurden alte Saddam-Gefährten, Generäle und Geheimdienstler gemeinsam mit Islamisten interniert. Im Mai 2010 wurde al-Baghdadi Nachfolger von ISIS-Führer Abu Abdullah ar-Raschid al-Baghdadi, der zusammen mit dem al-Qaida-Führer des Irak, Abu Ayyub al-Masri, bei Tikrit getötet wurde. Al-Baghdadi wurde zum Emir der Terrororganisation Islamischer Staat gewählt. Al-Baghdadi übernahm die Führung des Al-Kaida-Ablegers im Irak, der damals noch „Islamischer Staat im Irak“ hieß. Nach und nach begann die Gruppe, sich nach Syrien auszudehnen. Darüber brach Al-Baghdadi mit Al-Kaida, weil er nicht die Forderung der Führung des Terrornetzwerkes akzeptieren wollte, sich auf den Irak zu beschränken.

Mit der Ausrufung seines selbst erklärten Kalifats am 29. Juni 2014 auf syrischem und irakischem Gebiet ist er, nach Ansicht seiner Anhänger, als „Kalif Ibrahim“ fortan Befehlshaber der Muslime und oberster Führer des Islamischen Staates. Damit verbunden war der Anspruch, alle Muslime weltweit zu vereinen und zu führen. Nach und nach verlor der IS jedoch sein Herrschaftsgebiet im Irak und in Syrien wieder. Offiziell galt der IS mit dem Fall seines letztes Rückzugsorts im ostsyrischen Baghouz als besiegt.

Al-Baghdadi soll im Oktober 2015 eine Deutsche geheiratet haben; sie habe die Frauenabteilung des IS sowie ein Ausbildungscamp für Frauen in Kirkuk geleitet und sei Anfang 2016 aus dem vom IS kontrollierten Teil des Irak geflohen. Al-Baghdadi habe eine Eingreiftruppe entsandt, die seine entflohene Frau und ihre beiden Fluchthelferinnen festnehmen und zurückbringen sollte.

Am 3. November 2016 wurde erstmals seit Dezember 2015 eine Audiobotschaft al-Baghdadis veröffentlicht. Al-Baghdadi sprach von einem göttlichen Plan, nach dem der Krieg, in dem sich der IS derzeit befinde, ihn nur noch stärker machen würde, und dies sei ein Vorbote des Endsieges. Auch Durchhalteparolen wie „Wenn der Himmel auf die Erde stürzt, lässt Gott immer noch Raum für seine Soldaten“ äußerte er. Er forderte, erbitterten Widerstand zu leisten, und warnte sie davor, vom Schlachtfeld zu flüchten. Die Kämpfer sollten den Befehlen ihrer Kommandeure Folge leisten. Er erwähnte die Provinzen des IS in Libyen, auf dem Sinai, in Nigeria und dem Jemen. Er forderte Anhänger außerhalb des IS-Gebietes ausdrücklich auf, nach Libyen zu gehen und Anschläge in Saudi-Arabien und der Türkei durchzuführen.

Im August 2018 hielt er eine Rede, die weltweit verbreitet wurde und zum weiteren bewaffneten Kampf mit allen Mitteln aufrief. Ende April 2019 erschien ein IS-Propagandavideo mit einem sichtlich gealterten, jedoch körperlich unversehrt wirkenden al-Baghdadi.

Dieser Tage gab es einen streng geheimen Einsatz in der letzten von den Islamisten beherrschten Hochburg in Idlib, wobei sich Al-Baghdadi mit einem Sprengstoffgürtel selbst getötet haben soll.  Familienangehörige seien anwesend gewesen. Kinder seien nicht verletzt worden, aber zwei Frauen Al-Baghdadis seien getötet worden, möglicherweise durch die Explosion des Sprengstoffgürtels. Der Einsatz habe sich in der Nähe von Barisha nördlich von Idlib ereignet. In der Gegend seien Kämpfer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) sowie der islamistischen Miliz Hurras al-Din aktiv. Mit dem von den USA ausgesetzten Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ist oder war er einer der meistgesuchten Terroristen der Welt.

Aber dennoch gibt es noch zwischen 14.000 und 18.000 IS-Angehörige, die sich im früheren Herrschaftsgebiet der Islamisten zwischen Syrien und dem Irak aufhalten sollen. Mittlerweile sind IS-Ableger auch in zahlreichen Ländern aktiv.

Selbst wenn Al-Baghdadi wirklich getötet worden sein, den so genannten Islamischen Staat gibt es noch immer, besonders weil die gefangenen IS Kämpfer im Kurdengebiet jetzt freikommen können, und ich bin fast sicher, dass wir von dieser Terrororganisation oder einer umbenannten Nachfolgeorganisation wieder hören werden – Leider!

Al-Baghdadi ist tot – ist Al-Baghdadi tot?

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