Über (das Haarnetz) zum Einkaufsnetz zum Plastiksackerl und retour

Ja, ich bekenne: ich verwende Plastiksackerln. Gut: ich „wiederverwende“ auch Plastiksackerln, hauptsächlich für den Müll.

Aber ich habe mir überlegt, wie wir früher ohne Plastiksackerln ausgekommen sind? Also ich habe „Netze“ verwendet, geknüpft aus Spagat. Wikipedia meint dazu: Ein Einkaufsnetz ist ein Netz in Form eines Beutels und dient zum Tragen der Einkäufe. Es besteht meistens aus strapazierfähigem Nylon oder Naturfasern, wie Baumwolle. Die Griffe sind häufig aus Leder, Kunstleder oder verstärkten Fasern. Mit einem Gewicht von 30 bis 50 Gramm und einer Traglast von 15 bis 20 Kilogramm ist es belastbarer als ein Plastiksackerl. Leer lässt es sich sehr leicht und platzsparend verstauen. Einkaufsnetze von guter Qualität halten oft mehrere Jahre und sind durch ihre Langlebigkeit gute Alternativen zum Plastiksackerl. Sie können auch gewaschen werden. Neben den Tragenetzen gibt es spezielle Einkaufsnetze zur Befestigung an Kinderwagen oder Rollstühlen. Letztere waren mir eine große Hilfe, als ich meinen Mann noch im Rollstuhl führte, denn für Sackerln oder Taschen und Körbe hat man ja die Hände nicht frei.

Der tschechoslowakische Geschäftsmann Vavřín Krčil (1895–1968) erfand in den 1920er Jahren das Einkaufsnetz, indem er Haarnetze umfunktionierte. Letztere waren wegen der Haarmode jener Zeit (Bubikopf) nicht mehr gefragt. Haarnetze wurden von Frauen (oft) in Heimarbeit aus Kunstseidengarn gefertigt und an Krčil geliefert. Die Veränderung der Funktion von Netzen vom Haarhalten zum Transport war naheliegend und mit wenigen Materialänderungen zu erreichen. Durch den geringen Preis, das geringe Gewicht und die kompakte Form wurden sie schnell populär. Krčil fand bald weitere Ausgestaltungen zum Tragen am Ellbogen oder über die Schulter, es gab Netze zum Tragen der Sportsachen. Er ließ Ende der 1920er Jahre in der Schweiz und Italien produzieren und lieferte weltweit aus: so in die Schweiz, nach Deutschland und Österreich, nach Kanada, Frankreich und nordafrikanische Länder. Manche besonders Sparsame oder Handarbeitsaffine häkelten oder knüpften sich ihre Netze selber.

Wenn man wirklich einkaufen ging, tat man das mit einem Einkaufskorb. Aber: Da gab es noch keine Supermärkte, da ging man zur Milchfrau (mit mitgebrachter Flasche, die gefüllt und mit einem Pappendeckel verschlossen wurde), man ging zum Fleischhauer, man ging zur Gemüsefrau, man besuchte den Geflügelhändler, eventuell das Fischgeschäft (damals eher selten). Ich betone: man ging. Alle diese Geschäfte lagen in einem „begehbaren“ Umfeld, man brauchte kein Auto, in dem man seine Einkäufe verstauen konnte.  In bäuerlichen Haushalten wurde vieles selbst produziert, es musste nur wenig zugekauft werden. Man ging auch jeden Tag einkaufen, denn es gab zwar Kühlschränke, ab er die wurden mit Eisblöcken befüllt- der Eismann kam alle paar Tage vorbei und brachte frisches Eis. Wo kein Kühlschrank vorhanden war, stellte man die Lebensmittel – z.B. Milch – im Winter zwischen die Fenster. Im Sommer gab’s keine Alternativen, außer man brachte alles in den Keller und holte es dann später.

Apropos Keller: man lagerte früher auch ein: z.B. Obst (z.B. Äpfel). Erdäpfel, Zwiebel. Die manchmal recht schweren Säcke wurden ins Haus geliefert. Dieser Keller befand sich meist nächst dem Kohlenkeller, wo das Heizmaterial gelagert war. Da es nur selten Aufzüge gab, musste das Zeug bei Bedarf geholt und in die Wohnung geschleppt werden. Die gelagerten Äpfel waren mit fortschreitender Jahreszeit manchmal etwas verschrumpelt.

Es war überhaupt üblich, Nahrungsmittel haltbarer zu machen.  Ich kann mich noch an die großen Gläser erinnern, in denen „Eier in Kalk“ gelagert wurden, oder man kochte vieles ein, also man (frau) machte haltbare Kompotte oder Marmeladen, „eingelegt“ wurde Gemüse: Gurken, Paprika etc.

Verständlich, dass „eine Hausfrau“ sein, wesentlich mehr Aufwand bedeutete als heute, wo uns in jedem Supermarkt Fertiggerichte angeboten werden.

Wenn man berufstätig war, konnte man keinen Einkaufskorb mit sich herumführen, also hatte man sein Netz in der Handtasche, und abends, beim Nachhause Gehen, kaufte man halt schnell etwas „für’s Nachtmahl“ und wahrscheinlich das nächste Frühstück, wenn man keine Hilfe hatte, die in der Früh Milch und die frischen Semmerln mitbrachte. Für Berufstätige war das mitgeführte Netz unumgänglich, auch dann später, als es schon so genannte Supermärkte gab, die allerdings auf dem Weg liegen mussten.

Später, als man am Samstag nicht mehr (halbtags) arbeiten musste, konnte man dann auf den Markt gehen oder fahren, in Wien gab es immer schon größere oder kleinere Märkte in der näheren oder weiteren Umgebung. Man verfügte über ausreichende Kühlmöglichkeiten und man tätigte einen „Wocheneinkauf“.

In meiner Jugendzeit benötigte man keine Plastiksackerln zum Einpacken der Jause für die Kinder, die in die Schule gingen, dafür verwendet man Papiersackerln, die schon vorher für etwas anderes gedient hatten und für diese Zwecke aufgehoben worden waren. Unangenehm war nur, wenn sich noch Reste des Vorhergehenden im Sackerl befanden. In Erinnerung sind mir blaue Papiersackerln, die ursprünglich für Kristallzucker verwendet worden waren und in denen jetzt ein Schmalzbrot (mit Grammeln) steckte, leicht „angezuckert“.

Aber heutzutage sind es ja nicht nur die Plastiksackerln, in die man die so genannten „losen“ Stücke verpackt. Nein, es gibt auch Obst oder Gemüse auf Papierschalen, die dann mit Plastik überzogen sind. Manchmal frage ich wozu? Und dann gibt es noch die Plastikschalen, z.B. für Zwetschgen oder Weintrauben oder auch für Eier. Auch nicht ganz leicht zu entsorgen.

Ich fürchte, das Vermeiden – oder Wiederverwenden – der Plastiksackerln allein oder drei Cents für jedes Sackerl verrechnen wird nicht viel helfen, man müsste die Situation schon gründlicher überdenken.

Sicher wird jetzt jemand sagen, wir paar Österreicher „werden das Kraut nicht fett machen“ (das heißt nicht den Ausschlag geben), die großen Verursacher sitzen anderswo! Stimmt, aber ich finde jeder sollte nach seinen Möglichkeiten beitragen und warum sollen wir nicht auch einmal Vorbild sein, für die Plastiksackerlvermeidung?

Also: kaufen Sie jetzt umgehend ein Einkaufsnetz!

Über (das Haarnetz) zum Einkaufsnetz zum Plastiksackerl und retour

3 Gedanken zu “Über (das Haarnetz) zum Einkaufsnetz zum Plastiksackerl und retour

  1. Ich nutze schon seit Jahrzehnten zum Einkaufen einen „Frikadellenbeutel“, eine rechteckige Stofftasche, die in die Büro-Tasche passt und bei Bedarf herausgeholt wird.“Frikadellenbeutel“ nannte man die Dinger deshalb, weil in ähnlichen Taschen die Fabrikarbeiter ihr Mittagessen transportierten, das häufig aus einer kalten Frikadelle, Brot und etwas Obst bestand. Auch die Thermosflasche mit Kaffee oder aber eine Bierflasche passten hinein.

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