Wir sind eine verwöhnte Generation

Ein großer österreichischer Politiker (nicht mehr im Amt) hat in einem Interview für eine Zeitung darauf hingewiesen, wie gut es uns im Vergleich zu früheren Generationen geht. Er meint: “Selbst einfache Leute leben wie Fürsten“ früherer Tage. Es sagte dazu auch. „wir leben länger, wir leiden weniger, wir wissen mehr“.

Ich meine, dass wir wohl die verwöhnteste Generation sind, die es je gegeben hat. Wenn man alte Burgen besucht – wie viele Stufen hat man z.B. dort zu bewältigen? Viele von uns leben in Häusern mit einem Aufzug, manche von uns meiden diesen Lift – aus Gesundheitsgründen, und gehen halt dann die Stufen hinauf. Selbst für jene von uns, die in Eigenheimen wohnen, gibt es einen Treppenlift, den man problemlos einbauen lassen kann.

Und wenn Sie diese stattlichen Burgen besucht haben: haben sie vielleicht Badzimmer gesehen? Baden, das war schon ein besonderer Luxus, den man sich selten gönnte und der eigentlich höchsten Herrschaften zustand. Da wurde dann ein Zuber ins Schlafzimmer gebracht, heißes Wasser musste herbeigekarrt werden …  Und das fand sicher nicht täglich statt.

Ich selbst habe am Land erlebt, dass einmal in der Woche gebadet wurde, in der – im Winter eiskalten – Waschküche. Wenn mehrere Kinder da waren, wurde für sie dasselbe Wasser verwendet. An die Möglichkeit eines täglichen Duschens mit heißem Wasser (im Sommer sogar zwei Mal am Tag) dachte damals noch kaum jemand. Wahrscheinlich rochen die Menschen früher auch anders, aber wahrscheinlich störte das niemanden.

Auch Ungeziefer spielte früher noch eine Rolle, Bettwanzen waren nicht so ungewöhnlich. Meine Großmama zeigte mir einmal einen „antiken“ Flohbeutel; der wurde früher unter dem Gewand getragen, war mit einer Flüssigkeit gefüllt, die Flöhe anzog…

Und nicht zu vergessen: wir bleiben weitgehend von den ganz großen Seuchen früherer Zeiten verschont, wie z.B. Pest, Cholera Aussatz.

Von einer hygienischen Toilette war man in den Burgen auch recht weit entfernt, bestenfalls gab es irgendeinen Balkon oder Söller, wo in Loch drinnen war, wodurch der Unrat dann ins Bodenlose – um die Burg – fiel. Bei Bauernhäusern gab es das etwas abseits gelegenen „Häusl“, mit einem Brett übe einer Senkgrube und altem Zeitungspapier – so auch meine Erinnerung als Kind am Land.

Ein eigenes Schlafzimmer hatten meist auch noch der Burgherr und seine Frau. Alle anderen schliefen auf aufgeschüttetem Stroh im großen Rittersaal, wo vorher und nachher dann die Malzeiten stattfanden.

Kochen erforderte sogar in nicht ganz so ferner Vergangenheit noch erheblichen Aufwand. Zuerst musste der Herd geheizt werden, wer machte dazu das Holz – meistens wurde es in großen Stücken geliefert, zuerst wurde es gestapelt, dann gesägt, dann gehackt und dann erst in die Küche gebracht. Dann konnte Feuer gemacht werden, indem die kleinen Stücke – meist in der Küche noch gespalten wurden und mit Papier und diesen kleinsten Holzstücken konnte dann endlich Feuer gemacht werden. Erst dann konnte das Wasser für den Kaffee aufgesetzt werden. Selbst der musste vorher gerieben worden sein, dann wurde er mehrmals aufgekocht, abgeseiht, naja -und die Menge, die nicht zum Frühstück getrunken wurde, wurde dann tagsüber aufgewärmt. Das Kaffeereiben das hat mein Vater immer in der Früh gemacht, auch als der Kaffee mit der Karlsbader „Maschine“ und kochendem Wasser (natürlich schon mit Gas erwärmt) aufgegossen wurde. Ein langsamer, beschaulicher Prozess. Naja, heute haben wir Kaffeemaschinen, entweder mit Kapseln oder für Bohnen, die dann automatisch gerieben werden, die Milch dazu wird selbstverständlich aufgeschäumt.

Wir haben ein hervorragendes öffentliches Verkehrsnetz. Überlegen Sie einmal: römische Soldaten marschierten z.B. von Gallien (Westfrankreich) bis Thrakien (östlicher Balkanhalbinsel) -also zu Fuß. Die Tagesmärsche waren lang, Gepäck musste getragen werden und bevor abends die Zelte errichtet wurden musste noch ein Graben um das Lager ausgehoben werden. Offiziere durften reiten. Jetzt wären das für uns zwei bis drei Flugstunden. Aber sehen wir nicht ganz soweit zurück: wir alle haben in Dokumentationen du Filmen gesehen, wie z.B. Mozart (1756 – 1791) gereist ist – durchgeschüttelt in einer Kutsche, auf schlechten Straßen quer durch Europa. Uns stehen Flugzeuge, Züge oder das Auto zu Verfügung, dieses Auto selbstverständlich geheizt oder gekühlt – je nach Wetterlage, ausgestattet mit einem GPS, damit wir den Weg nicht verfehlen, mit einer Servo-Lenkung, damit wir uns nicht anstrengen müssen, mit einer Automatik, damit wir nicht mehr Schalten müssen. Früher gab’s vielleicht auf jedem Flughafen bzw. Bahnhof Träger (Dienstmänner) die den betuchten Reisenden die Koffer abnahmen, heutzutage rollt jeder seinen Koffer quer durch Bahnhöfe, Flughäfen aber auch durch die Straßen.

Uns stehen grandiose Kommunikationsmöglichkeiten zur Verfügung. Es war ein langer Weg ab der Einführung der Post. Die moderne Postgeschichte beginnt in der Frühen Neuzeit mit der Einführung des Stafettensystems mit Reiter- und Pferdewechsel zur schnelleren Nachrichtenübermittlung und der Öffnung für die Allgemeinheit. Heute schicken wir bequem – von zu Hause – Mails in die ganze Welt. Wie hat es sich früher ohne Mobiltelephon gelebt? Wir wären (zumindest kurzfristig) recht hilflos ohne Radio, Fernsehen, Telephonie.

Ich hoffe zwar, dass wir in Zukunft ohne Kriege auskommen können, aber wie haben sich Kriege durch die technischen Möglichkeiten verändert? Oft werden nur mehr Drohnen losgeschickt, die von Menschen gesteuert werden, die sich sehr weit weg von der von ihnen ausgelösten Detonation befinden.

Es gäbe noch viele weitere Beispiele, aber ich glaube, Sie stimmen mir zu, dass wir eine verwöhnte Generation sind. Diejenigen jedenfalls, die in der Ersten Welt leben und nicht zu den Ärmsten gehören, die es hier aber auch gibt.

Wir sind eine verwöhnte Generation

2 Gedanken zu “Wir sind eine verwöhnte Generation

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s