Jeder von uns wird einmal pflegebedürftig – hoffentlich gibt’s dann genug Pfleger!

Pflege, die geht uns alle an. Besonders allerdings uns Alte, die wir schon oft „alleinstehend“ sind. Und Pflege kann nicht nur von der Familie geleistet werden, denn die Jüngeren sind berufstätig, haben Kinder, leben wo anders … Und aufgrund vieler Umstände werden wir alle miteinander älter denn je!

Aber Pflege benötigen Menschen aller Altersklassen, denn krank kann jeder werden, und gepflegt will jeder auch werden, bis er/sie dann wieder gesund ist.

Und täglich hören und lesen wir vom Pflegenotstand. Wir hören und lesen auch vom herausfordernden Pflegeberuf, der sehr leicht zu einem Burnout und möglichen Berufswechsel führen kann. Und – ein erheblicher Teil des heutigen Pflegepersonals (meist jene in den Spitälern) gehen in der nächsten Zukunft in den – in diesem Falle wirklich – wohlverdienten Ruhestand.

Staatlicherseits hat man versucht, den Pflegeberuf aufzuwerten, immer mehr Frauen ergreifen das Bachelorstudium Gesundheits- und Krankenpflege und kombinieren Pflegewissenschaft mit der Berufsberechtigung für den gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege. Das bewährt sich derzeit schon und bei diesen Studien gibt es regen Zulauf. Aber damit wird der steigende Bedarf nicht ausreichend gedeckt.

Zwischenzeitlich kommen immer mehr Pflegerinnen aus dem Ausland, die meist rasch (und mit unterschiedlicher Ausbildung) einspringen. Ihr Kenntnisse der deutschen Sprache sind anfangs oft sehr mangelhaft, ein Faktum, das die Pflege oft ungeduldiger Alter nicht wirklich erleichtert.

Das ist grob gesprochen die derzeitige Situation. Nun wird staatlicherseits überlegt – bzw. auch schon implementiert – die Pflegeausbildung mit Matura. Schüler können dann nicht nur mit Matura, sondern auch mit dem Diplom der Pflegefachassistenz bzw. der Sozialbetreuung abschließen. Dass man, als die Pflege universitäres Fach implementiert worden war, die anderen Ausbildungen für Pflegeassistenz „heruntergefahren“ hat, sei hier nur am Rande erwähnt. Nun belebt man die Idee bedarfsbedingt halt wieder. Langfristige Ausbildungsplanung – so scheint mir – war noch nie eine Stärke des Staates – man denkt auch auf diesen Gebieten nur „innerhalb der Legislaturperiode“ und das führt zu den berüchtigten „Schweinezyklus“, z.B. bei Lehrern, Ärzten und nun auch beim Pflegeberuf.

Ein weiteres Manko (nicht nur) bezüglich Pflege ist, dass sie als „weiblich“ gilt – auch im gesellschaftlichen Denken, daher geringer bezahlt wird. Sehr wenige Männer streben diesen Beruf an, dabei wäre es oft der Einsatz von Männern, die manche emotionalen Probleme bei der Pflege lösen könnte. Das gilt auch für manche andere so genannte Frauenberufe, wie z.B. Kindergärtnerinnen.

Und wenn wir schon bei „Emotion“ und Bezahlung sind: ein Pflegeberuf wird ergriffen, weil junge Menschen anderen beistehen wollen, weil sie sich verantwortlich für das Wohl von anderen fühlen. Pflegerin oder Pfleger wird man sicher nicht um reich zu werden, oder weil man keine anderen Möglichkeiten für sein Leben sieht. Wenn man diesen Beruf ergreift, möchte man nahe am Menschen sein, auf ihn oder sie eingehen können … Und das ist aufgrund des Pflegenotstandes schwierig geworden. Jenen, mit der Bachelor Ausbildung wird, weil das heute in Spitälern halt so notwendig ist, sehr viel „Büroarbeit“ umgehängt, das heißt, alles was sie über Zuwendung emotionale Unterstützung der kranken oder pflegebedürftigen gelernt haben, können sie, einfach aus Zeitmangel, nicht zur Anwendung bringen. Die „Arbeit“ am Patienten, wird den Pflegeassistenten zugewiesen, die halt nicht die tiefer gehende Ausbildung haben, auf den Patienten eingehen zu können, ihn oder sie emotional zu unterstützen, sondern „nur“ das dringend Notwendige machen; für Gespräche, die so wichtig wären, hat somit keiner mehr Zeit. Das tut aber jenen weh, die es gerne täten, auch ausgebildet dazu sind. Und den Patienten fehlt dann diese Zuwendung, mit Hilfe derer sie vielleicht schneller heilen oder vielleicht eher selbstständig würden. Das ist leider ein Teufelskreis, der nur durch mehr, gut ausgebildetes Personal gelöst werden kann – und das geht derzeit leider gar nicht schnell! Die Situation wird auch dadurch verschärft, dass Ärzte fehlen, und auch dadurch fällt mehr der „Beziehungsarbeit“ auf die Pflegenden.

Und jetzt noch kurz zur Bezahlung: Pflegeberufe sind nicht „gut bezahlt“. Das kommt aber auch daher, dass Krankenschwestern oder Pfleger nicht streiken, einfach weil sie es nicht über sich bringen, die Patienten allein, sich selbst, zu überlassen. Können Sie sich an einen Streik erinnern, wenn, dann hat er bestenfalls in der Freizeit der Pfleger und Pflegerinnen stattgefunden. Ein Spital muss 24 Stunden, sieben Tage die Woche „funktionieren“, dazu bedarf es besonders der Pfleger und Pflegerinnen. Aber auch in der Hauspflege kann ein Pflegebedürftiger oder alter Mensch nicht alleine gelassen werden, wenn er z.B. nicht selbstständig aufstehen kann. Da kann keiner sage, sorry, heute streike ich, schauen Sie, wie sie alleine zurechtkommen.

Es ist eine schwierige Situation. Kurzfristig wird wahrscheinlich ein immer größerer Prozentsatz der Pflegenden aus dem immer weiter entfernten Ausland kommen. Längerfristig sollten junge Menschen, Frauen und Männer, ermutigt werden, diesen so wichtigen und erfüllenden Beruf zu ergreifen. Vielleicht kann auch etwas mehr Unterstützung von Freiwilligen kommen, die z.B. in Altersheimen, alte alleinstehende Menschen besuchen (das geschieht ja ohnedies schon).

Und wir (besonders Alte) müssen uns halt bemühen, möglichst lang gesund und „rüstig“ zu bleiben, um ohne rundum Pflege auskommen zu können.  Und wenn’s dann wirklich notwendig sein sollte: möglichst geduldig und freundlich zu bleiben (und Verständnis für überlastete Pfleger und Pflegerinnen aufbringen).

Und meine Bitte an Politiker: vielleicht auf diesem Sektor (und nicht nur diesen) etwas längerfristig zu denken und zu planen.

 

Jeder von uns wird einmal pflegebedürftig – hoffentlich gibt’s dann genug Pfleger!

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