Da zünd ich mir ein kleines Zigaretterl an

Das Rauchen wird in diesem Lied als probates Mittel beschrieben, um seelisches Unglück besser ertragen zu können. Geschrieben wurde dieses Lied von Bruno Granichstaedten. * 1. September 1879 Wien, † 30. Mai 1944 New York, Operettenkomponist. Ursprünglich Operettentenor, trat er später mit eigenen Brettl-Liedern in Kabaretts auf, komponierte Operetten; Auf Befehl der Kaiserin, 1915; Der Orlow 1925), aber auch Lieder und Filmmusik (beispielsweise „Zuschaun kann i net“ als Einlage für „Im Weißen Rößl“) sowie Libretti (für Oscar Straus). Emigrierte 1938 nach Luxemburg und weiter in die USA.

Dieses Raucher-Lebensgefühl ist jetzt endgültig zu Ende! Einst galt Rauchen als weltmännisch. Sänger wie Dean Martin und Frank Sinatra zeigten sich lässig mit einer Zigarette im Mundwinkel und Marlene Dietrich machte das Rauchen zu einem reizvollen, mysteriösen Wesen. Zigarettenmarken wurden im Fernsehen und Radio beworben, das Rauchen war in Restaurants und auch sonst überall  erlaubt.

Ich selbst hab‘ nie geraucht – das kam wohl daher, dass meine ältere Cousine und ihre Freundinnen es einmal ausprobierten – im Dachkammerl in deren Haus in Pernitz. Ich war meiner Cousine zugeteilt, sie musste auch mich aufpassen. Also war ich dabei, als sie das Rauchen ausprobierten (womit, das weiß ich nicht), und um mein Stillschweigen zu erkaufen, durfte ich auch ein paar Züge machen, ich fand es absolut grässlich, mir war ziemlich schlecht hinterher, daher wollte ich auch später nicht rauchen. In manchen Gesellschaften kam ich mir dann doch als Außenseiter vor, aber die Erinnerung an dieses erste Erlebnis mit Rauchen hat mich davon abgehalten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Österreich begann die Zigarette (die von der Tabakregie erstmals 1843 erfolglos angeboten worden war, von der aber bei einem zweiten Versuch 1866 bereits 16 Millionen Stück abgesetzt wurden) als Zeichen einer schnelllebigen Zeit die Zigarre zu überflügeln; man ging von der Füllung mit Pfeifentabak ab und kreierte zahlreiche Sorten aus feingeschnittenen Tabakpflanzen, die mit verheißungsvollen Namen angeboten wurden. Der Verkauf stieg sprunghaft an. Der erste öffentliche Zigarettenautomat wurde in Wien am 19. April 1899 aufgestellt. Bis in die 20er und 30er Jahre dominierten Orientzigaretten (1937 Anteil 70%), ich kann mich nur an eine Sorte erinnern: sie hieß „Nil“. Nach dem Zweiten Weltkrieg sank der Orientanteil auf unter 10% des Konsums; die erste Sorte mit amerikanischem Tabak war die „Jonny“, besonders beliebt war damals die „Austria 2″ beziehungsweise ab 1949 die „Donau“ (1953 3 Milliarden, 1959 nur noch 574 Millionen Stück), die von der „Austria Drei“ und der „Austria C“ abgelöst wurde.

Der früh verstorbene Großvater hatte Pfeife und zuweilen Virginias geraucht, man anderer Großpapa war meist (Zeitung) lesend, mit Zigarette und Kaffee anzutreffen. Mein Vater hat geraucht, meine Mutter hasste es, da er ein schweres Lungenleiden hatte. Er hat teilweise seine Zigaretten selbst „gewuzelt“, er hatte dazu eine Art „Maschine“, in den man den Tabak einfüllte, sie abschloss, den Tabak herausschob und dann in ein Papier wickelte. Das war besonders wichtig, als es während des Krieges kaum Zigaretten gab (sie dienten wohl während als auch nach dem Kreig quasi als Währung). Also wurde (da wir damals am Land lebten) Tabak angepflanzt, nach der Ernte wurden die Blätter getrocknet und dann wurden sie fein geschnitten und man verfügte über Tabak. Später, als wir wieder in Wien leben ersetzten dann die „ausgeweideten Tschiks“, die meist von den US-Soldaten weggeworfenen Zigarettenstummel, den selbstgezogenen Tabak.

Ich verfüge noch über eine wunderschöne Tabatiere, aus Silber, graviert mit Initialen, die meine Mutter meinem Vater in frühen Jahren geschenkt hatte. Jetzt belässt man die Zigaretten im Packerl, denn aufgrund der Filter sind sie viel zu lang für eine ältere Tabatiere (leider weiß ich nicht, wofür man dieses schicke Ding sonst noch verwenden könnte, außer es in der Vitrine liegen zu lassen).

Damen, die rauchten, verwendeten oft einen so genannte Zigarettenspitz. Ich fand das damals sexy, aber das sagte man nicht, eigentlich galt es als „verrucht“. Zigarettennamen an die ich mich erinnere waren die „Chesterfield“ und natürlich die „Malboro“, denn uns Älteren ist der Malboro Man aus der Werbung (anfänglich nur im Kino zu sehen, später selbstverständlich ein Teil der Fernsehwerbung) noch ein Begriff.

Aber auch französische Marken wurden durch Filme berühmt, Gauloises, Gitanes: Yves Montand, Alain Delon  und Gian Maria Volonté, etc. rauchten sie. Heutzutage kann man bei Filmen davon ausgehen, dass jene, die rauchen dann letztendlich die „Bösen“ sind.

Ich kann mich auch an endlose Debatten im Büro erinnern, in der Raucher und (militante) Nichtraucher wirklich fast auf Mord und Brand gestritten haben, die einen die Fenster aufgerissen haben (das konnte man früher auch in Büros) die anderen protestiert haben, weil ihnen kalt war. Ich erinnere mich an die Prozesse, die in den USA lange erfolglos gegen Zigarettenfirmen geführt wurden.

Mein Mann rauchte nicht, aber sein Bruder. Wir beide, mein Mann und ich, waren in Bezug auf Rauchen eher Anhänger der „Laisser-faire“ Partie, bei uns durfte auch zu Hause geraucht werden (ich war zwar nicht glücklich damit, weil dann tagelang der Geruch hängen blieb). Als dann die Raucherbereiche eingeführt wurden und wir bei Einladungen meines Schwagers in diesem Abteilen sitzen mussten, war ich dann schon sehr unzufrieden. Ich war auch etwas weniger tolerant gegenüber Rauchern geworden, nachdem eine Schwiegertochter, die geraucht hatte, einem Lungenkrebs erlegen war.

Da wir oft in die USA fuhren, wunderten wir uns anfangs bei einer Reise, warum so viele Leute auf der Straße standen und rauchten, bis uns das Rauchverbot in Lokalen klar wurde. Ich fand das eine unfreundliche Geste – jetzt ist es auch bei uns selbstverständlich geworden.

Adieu – blauer Dunst!

Da zünd ich mir ein kleines Zigaretterl an

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