Zu Unrecht wird die Löwelstraße in Wien nur mit der SPÖ assoziiert

Bei meinen Spaziergängen und Wegen durch meine Wiener Stadt komme ich oft durch die Löwelstraße. In der politischen Berichterstattung der Zweiten Republik wurde und wird die Löwelstraße immer wieder als Synonym für die SPÖ-Zentrale verwendet, die sich hier befindet. Diese Assoziation trifft bei keiner anderen Partei derzeit noch in diesem Maße  zu. Aber eigentlich wird man damit der Löwelstraße gar nicht gerecht.

Hier verlief die mittelalterliche Ringmauer (die gerade nummerierten Häuser lagen noch Anfang 16. Jahrhundert „gegenüber der Ringmauer“), die 1596/1597 dem Bau der Kurtine (als Kurtine bezeichnet man seit dem 16. Jahrhundert im Festungsbau den – in der Regel – geraden Wall zwischen zwei Bastionen) weichen musste (Löwelbastei).

Die Löwelbastei wurde 1544-1547 als Erdwerk (mit gemauerter Katze) errichtet und reichte von der Hofburg bis zum späteren Franzenstor. Die Bastei wurde auch „Römische königliche Majestät Bastei“ genannt, 1548 Neue Bastei, 1577 Landbastei und 1596/1597 Landschaftsbastei (da der Bau aus Mitteln der Landstände finanziert worden war). Die Löwelbastei wurde 1630 umgebaut, 1649 nach dem Stadtguardiaobristen Hans Christoph Freiherr von Löbl (1629-1638 Kommandant der Stadtguardia) „Löblbastei“ genannt und 1639-1656 ummauert.

Die Familie von Hans Christoph Freiherr von Löbl, (* 1578; † 1638), stammte aus Schwaben und wurde im 16. Jahrhundert in Österreich ansässig. Sein Großvater Hans Jakob I. († 1560) war Burgvogt von Enns und erwarb 1553 die Herrschaft Grein (Oberösterreich), Löbls Vater Hans Bernhard († 1609) war Rat des niederösterreichischen Regiments, Oberstkämmerer des Erzherzogs Matthias dann Hauptmann zu Forchtenstein und Eisenstadt (1604 erwarb er die Herrschaft Erlaa bei Wien). Löbl diente in der kaiserlichen Armee, trug am 1620 als Oberst und Kommandant der leichten Reiterei entscheidend zum Sieg auf dem Weißen Berg bei Prag bei, kämpfte 1621 gegen Gabriel (Gabor) Bethlen in Ungarn, wirkte 1626 bei der Niederschlagung des oberösterreichischen Bauernaufstands mit, war Stadtkommandant von Wien und Kommandant der Wiener Stadtguardia sowie als Generalmajor auch Präsident des Hofkriegsrats.

Während der Zweiten Türkenbelagerung (1683) konzentrierten sich die türkischen Angriffe auf die Löwelbastei. Es gibt dort eine Gedenktafel am Haus Löwelstraße 20: „Dem ehrenden Gedenken der heldenmütigen Handwerksmeister und ihrer Söhne, die 1683 beim Ansturm der Türken für ihre Vaterstadt Wien und für das ehrsame Handwerk ihr Leben opferten“. Ravelin (Wallschild) und Bastion wurden in einen Trümmerhaufen verwandelt, ein Teil der Anlagen durch türkische Minen zum Einsturz gebracht. Wegen ihrer Uneinnehmbarkeit wurde sie von den Türken „Zauberhaufen“ genannt. Nach der Sprengung der Löwelbastei durch die abziehende französische Besatzung (1809) wurde sie 1811-1816 wiederhergestellt, danach entstand 1817/1818 auf ihr das (jüngere) Paradeisgartel.

Dieser Name hat mich schon immer begeistert. Er hat nichts mit Paradeisern (=Tomaten) zu tun, sondern mit dem Paradies. Das ältere Paradeisgartl entstand 1755–60, und mit ihm 1784 bereits ein beliebtes Kaffeehaus. 1817 entstand nach Sprengung der Bastei (1809) und Erstellung einer neuen Kurtine (1811–16) das jüngere Paradeisgartl, das ab 1823 zum Volksgarten wurde.

Die Errichtung des Volksgartens bedingte für das Paradeisgartel wesentliche Veränderungen. Die Gartenfläche auf der Kurtine wurde aufgelassen und mit der allgemeinen Promenade vereinigt und als Allee gepflanzt. Das Gartengebäude (Burgbasteigebäude) wurde 1821 zu Kaffeehaus umgebaut. Dies wurde nach seinem Besitzer, dem aus Bergamo stammenden Italiener Peter Corti, als Erstes, jenes neue, 1822/1823 im Volksgarten errichtete als Zweites Corti’sches Kaffeehaus bezeichnet. Die bislang freie Fläche der Löwelbastei wurde als Gastgarten adaptiert. Vor diesem Kaffeesalon auf der Kurtine, der 1855 renoviert wurde, konzertierte des Öfteren Josef Lanner mit seiner Kapelle. Der Paradeisgarten entwickelte sich zum Treffpunkt der gehobenen Bürgerschaft und der aristokratischen Gesellschaft Wiens. Gegen die Mölker Bastei zu entwickelte sich ein großer Korso. 1872 wurde das Kaffeehaus demoliert. Auf einem Teil des Paradeisgartens entstand das neue Burgtheater, der Rest verbreiterte den Volksgarten.

Übrigens gab es in Wien auch zuvor schon einige andere Gärten, die den Namen Paradeisgartl trugen. Das Paradeisgartl kennen wir als oft gesungenes Lied von Ralph Benatzky: „Im Paradeisgartel ist heut Feuerwerk“.

Die stadtseitige Häuserzeile wurde ab 1786 Löwelbastei genannt, die Löwelbastei in ihrer späteren Breite und Ausdehnung entstand jedoch erst, nachdem Napoleon I. 1809 die alte Löwelbastei zerstören hatte lassen. Die Stadtmauern wurden im Auftrag Kaiser Franz Josephs I. ab 1858 demoliert. 1874 wurde mit der Fläche, auf dem die Befestigung mit dem Paradeisgartel gestanden ist, der Volksgarten vergrößert.

Und wenn ich so die Löwelstraße entlang gehe, zurückblickend auf den Amtssitz des Bundespräsidenten, am Bundeskanzleramt entlang, erblicke ich das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz, die Gedenkstätte für Deserteure des NS-Regimes. In die Metastasiogasse hineinschauend hat man einen prächtigen Blick auf die Minoritenkirche. Von den eleganten Häusern hier hat man einen wunderschönen Blick auf den Volksgarten. Gleich daneben, an der Ecke zur Bankgasse, befindet sich das neu hergerichtete prächtige Stadtpalais Liechtenstein, es gilt als erstes bedeutendes Bauwerk des Hochbarocks in Wien. Wir befinden uns- mit dem Ende des Volksgartens am Josef Meinrad Platz.

Nun kommen wir schon zu der Rückseite des Burgtheaters, Bürogebäuden auf der anderen Seite, und zum Sitz der Sozialistischen Partei Österreichs.

Vielleicht sollten wir jetzt kurz oder auch länger im Café Landtmann einkehren!

Zu Unrecht wird die Löwelstraße in Wien nur mit der SPÖ assoziiert

Musil von Arabien / Scheich Musa

Wie bei den „39 Spionen“ schon angekündigt, möchte ich diesmal über einen großen Österreicher berichten. Über Alois Musil, auch Musil von Arabien, einen bedeutenden Orientalisten, von denen es in Österreich doch einige gab (z.B. auch Freiherr Joseph von Hammer-Purgstall, (*1774; † 1856) österreichischer Diplomat und Orientalist. Er wurde bekannt als Übersetzer orientalischer Literatur und gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Osmanistik und als österreichischer Pionier der Orientalistik).

Alois Musil war nicht nur ein „Spion“, also Gegenspieler des britischen Archäologen, Offiziers und politischen Gesandten „Lawrence von Arabien“. Vielleicht wird jetzt jemand einwenden, dass Alois Musil ja eigentlich ein Tscheche war, aber das war damals auch das Gebiet der Habsburger Monarchie. Alois Musil (* 30. Juni 1868 in Rychtařov, Österreich-Ungarn; † 12. April 1944 in Otryby, Tschechoslowakei) war ein österreichisch-tschechischer Orientalist, Theologe, Kulturanthropologe und Geograph.

Wie ich mich nun erinnerte, hatte mir mein Mann, mich wohl kennend, ein Buch über „Musil von Arabien geschenkt, es ist von Erich Feigl geschrieben worden. Ich habe es herausgesucht (ich benötigte nicht einmal das Register aller unserer Bücher dazu) und werde es noch einmal lesen. Unsere Bibliothek steht ja noch in unserer gemeinsamen Wohnung. Nicht mehr lange, mein Sohn will die Bibliothek seines Vaters in seiner Bäckerei aufstellen, die er demnächst eröffnen wird. Allerdings werde ich einen Teil davon hierbehalten, vor allem, alles was den Nahen Osten einschließlich Israel, Islam und Judentum betrifft, werde ich vorläufig nicht abgeben. Das kann ja dann in die Bäckerei nachfolgen, sobald ich gestorben sein werde.

Alois Musil wuchs als ältester Sohn einer armen, mährischen Bauernfamilie auf dem Land auf. Er war ein Cousin zweiten Grades des Schriftstellers Robert Musil. Ihre Großväter Franz und Matthias waren Brüder. Dank eines Stipendiums des Erzbischofs von Olmütz konnte Musil ab 1887 an der dortigen Palacký-Universität katholische Theologie studieren und seine Studien später im Nahen Osten fortsetzen. Nachdem er sich zunächst mit den religiösen Verhältnissen im Böhmen und Mähren des 17. und 18. Jahrhunderts beschäftigt hatte, konzentrierte er sich später auf grundlegende Fragen des Monotheismus in Judentum, Christentum und Islam. 1891 wurde er zum Priester geweiht und 1895 zum Doktorgrad der Theologie promoviert. Im selben Jahr 1895 begann er das Studium der orientalischen Sprachen an der École biblique der französischen Dominikaner in Jerusalem. Von 1897 bis 1898 studierte er an der Jesuiten-Universität Beirut, 1899 in London, Cambridge und Berlin. Von 1902 bis 1909 war er Professor für alttestamentliche Bibelstudien an der Universität Olmütz und von 1909 bis 1920 Professor für biblische Hilfswissenschaften und Arabisch an der Universität Wien. Von 1920 bis 1938 war er Professor für Orientalistik an der Universität Prag, wo er das orientalische Institut begründete. Das alles klingt nun noch nicht wirklich nach Abenteurertum.

Das vielleicht schon eher: Musil unternahm nach 1895 eine Reihe ausgedehnter Forschungsreisen durch Arabien und das Heilige Land. Sein Kartenwerk Arabia Petraea von 1907 bildete eine erste, auf einer genauen Vermessung beruhende, wissenschaftliche Beschreibung des Gebietes östlich des Jordans. Es enthielt eine Bestandsaufnahme der nabatäischen Altertümer, unter anderem der Ruinen von Petra. Wichtig war auch die Entdeckung der Umayyaden- oder Wüstenschlösser östlich von Amman. Von großer Bedeutung war insbesondere das Schloss Qusair ‚Amra, weil die dortigen, damals noch gut erhaltenen Malereien zeigten, dass die frühe islamische Kunst keineswegs bilderlos gewesen war, sondern auch Menschen- und Tierdarstellungen kannte. (Wir konnten sie anlässlich einer Jordanienreise besichtigen). Die hohe Genauigkeit der Karten in seinen Werken verdankte Musil dem Feldwebel Rudolf Thomasberger, einem Kartographen, der ihn auf vielen seiner Reisen begleitete. 1906 schrieb er auf Bitten des britischen Außenministers Edward Grey ein Gutachten zur Frage des Grenzverlaufs zwischen dem seit 1882 britisch besetzten Ägypten und dem Osmanischen Reich.

Die Forschungsreisen und die Publikationen Musils erschlossen einen bis dahin kaum bekannten Landstrich Ostjordaniens und Arabiens sowie die Lebensverhältnisse und Bräuche der dort lebenden arabischen Stämme. Bei ihnen genoss Musil großes Vertrauen. Als Scheich Musa wurde er in den Stamm der Rwala-Beduinen aufgenommen. Von 1898 bis 1935 war Musil, der Schriften in tschechischer, deutscher und arabischer Sprache veröffentlichte, als Professor an verschiedenen Hochschulen in Olmütz, Wien und Prag tätig.

Während seiner Zeit in Wien (ab 1909) entwickelte Musil eine enge Beziehung zum Haus Habsburg. 1912 unternahm er mit Prinz Sixtus von Bourbon-Parma, dem Bruder der Thronfolgergemahlin und späteren Kaiserin Zita, eine gemeinsame Orientreise. Musil galt als „graue Eminenz“ am Hof.

Während des Ersten Weltkrieges unternahm Musil im Auftrag des österreichischen Kaisers Franz Joseph in den Jahren 1914/15 und 1917 Reisen ins Osmanische Reich. Er sollte zwischen der Hohen Pforte in Konstantinopel, die mit Österreich-Ungarn und dem Deutschen Reich verbündet war, und den arabischen Fürsten vermitteln, die mit den Engländern sympathisierten.

Die Briten hatten Thomas Edward Lawrence beauftragt, die Beduinen zum Aufstand gegen das Osmanische Reich anzustiften. Um dieses Bündnis zu vereiteln, schickte das Österreichische Außenministerium Musil in den Orient. Ihm gelingt es zunächst, die nordarabischen Stämme vom direkten Aufstand abzuhalten. Letztlich folgen sie aber Lawrence in die Revolte. Großbritannien geht als Sieger aus dem Ersten Weltkrieg hervor. Allerdings erhalten die Beduinen nur einen Teil von Lawrence versprochenen Gebieten. Großmächte halten sich halt nicht an Versprechungen, das ist bis heute so geblieben. Musil wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Gegensatz zu Lawrence nicht zur gefeierten Legende.

Ursprünglich beabsichtigte Musil nach dem Ersten Weltkrieg in Wien zu bleiben. Aufgrund seiner klaren Zuordnung zur tschechischen Kultur wurde ihm eine Fortführung des Dienstverhältnisses an der Universität durch die Republik Österreich nicht in Aussicht gestellt. Damals, in den Nachkriegswirren wurden viele, gravierende Fehler gemacht! Als dies korrigiert wurde, war Musil bereits in die Tschechoslowakei übersiedelt. Seine enge Verbindung zu den Habsburgern stand seiner weiteren wissenschaftlichen Karriere dort eher im Wege. Dennoch war Musil von 1920 bis 1935 Professor für orientalische Hilfswissenschaften und Arabisch an der Philosophischen Fakultät der Universität Prag. Zwischen 1923 und 1928 reiste er mehrfach in die USA, um die Veröffentlichung seiner Werke in englischer Sprache voranzutreiben. Musil blieb zeitlebens ein Beobachter der Verhältnisse im Vorderen Orient, reiste aber nicht mehr dorthin. Er publizierte aber immer wieder darüber.

Österreich und Tschechien können jedenfalls stolz auf ihren großen Sohn sein!

 

Musil von Arabien / Scheich Musa

Spionage 39 Fälle, eine Ausstellungsempfehlung

Es gibt Ausstellungen, die mich interessieren und die sind – von meinem Standpunkt aus, leider nicht mehr in Wien. Bevor das Museum Niederösterreich im Jahr 2002 nach St. Pölten übersiedelte, hatte das Museum, das im Jahr 1902 vom Verein für Landeskunde gegründet wurde, einige Standorte in Wien. So war es in der Zeit von 1912 bis 1923 in der Wallnerstraße und von 1923 bis 1997 im Palais Mollard-Clary in der Herrengasse untergebracht. Das wäre dann kommod für mich gewesen. Durch die Entstehung der neuen Landeshauptstadt in St. Pölten wurde das Landesmuseum in den dortigen Kulturbezirk verlegt. Also habe ich mich nach St. Pölten aufgemacht. Das ist schon zeitaufwändig. Straßenbahn in Wien zum Hauptbahnhof, Bahnfahrt und dann Orientierung in St. Pölten, Finden des richtigen Busses und dann Busfahrt ins Regierungsviertel – Kulturbezirk, dieser Begriff war den Buschauffeuren fremd. Also: in Summe habe ich ein–dreiviertel Stunden gebraucht, das ließe sich etwas optimieren …

Im Zug habe ich etwas erlebt, das es in den öffentlichen Verkehrsmitteln Wien nicht mehr gibt (wofür ich dankbar bin). Nicht weit entfernt von mir saß ein junger Mann, der seine Pizza aus der Schachtel verzehrte. Der Geruch durchzog en gesamten Waggon, er stieg dann aber in Tullnerfeld aus. Ich fahre gern mit der Bahn, weil ich die Landschaft an mir vorüberziehen lassen kann. Aber an dieser Strecke sah ich wenig von der Landschaft, weil auch hier Schallschutzeinrichtungen dominieren. So lang war die Fahrt mit der ÖBB dann auch wieder nicht.

Das Wetter war strahlend schön, nur für meine Begriffe etwas zu warm für den Oktober, aber besser als Eis und Schnee, was es früher zu dieser Jahreszeit auch schon gegeben hat. Das Regierungsviertel ist mir auch wieder ziemlich verlassen vorgekommen, nur sehr vereinzelte Raucher standen vor den Toren, aber wahrscheinlich wurde drinnen fleißig gearbeitet.

Endlich war ich am Ziel angekommen. Vorgesehen war ein geführter und begleiteter Rundgang durch die Sonderausstellungen „Spionage! 39 Fälle“ und „Stechen. Kratzen. Beißen. Mit den Waffen der Natur“. Zweiteres interessierte mich zugegebenermaßen weniger.

Ich begebe mich mit einer Gruppe von Leuten auf einen Rundgang durch die Spionage Ausstellung. Wir werden begleitet von einem Kuratorenteam (asugezeichnet), von dem Architekten der Ausstellung, und von Personen, die Bezug zu einzelnen Objekten, zu einzelnen Personen und zum Gegenstand der Ausstellung haben. Das war einerseits großartig, andererseits etwas mühsam, weil sich manche der „besonderen Personen“ in ihrem Eifer, Persönliches weiterzugeben, kaum bremsen ließen.  Es bleibt kaum mehr Zeit für die übrigen Teile der Ausstellung.

Der Architekt erläutert, dass für ihn – dem Thema entsprechend – Grautöne, verwinkelte – nicht übersichtliche – Gänge, die manchmal sogar ins nirgendwo gehen, eine adäquate Umgebung für dieses Thema darstellen. Die Ausstellung umfasst eine lange Zeitperiode – vom Geheimdienst des römischen Imperiums bis zum Whistleblower unserer Tage, es ist vieles zu sehen. Große und kleine Objekte. Wir werden belehrt, dass es einer geordneten staatlichen Infrastruktur bedarf, damit sich ein effektiver Geheimdienst entwickeln kann, Straßen, Kommunikationseinrichtungen – und in späterer Zeit, subtile Technik. Das wurde von einem österreichischen Berufsdetektiv erläutert. Er hatte auch einige „Werkzeuge“ aus seiner „Werkstatt“ mitgebracht, um die Ausstellungstücke zu ergänzen. Man kann das heutzutage alles um verhältnismäßig wenig Geld im Internet bestellen – z.B. einen Jammer (=Störsender), der alle elektronischen Geräte der Umgebung ineffektiv macht. Recht fasziniert lauschte die Gruppe seinen Ausführungen über Ausbildung und Zulassung von Berufsdetektiven, in Österreich ist das sehr viel strenger geregelt, als z. B. in unserem nördlichen Nachbarland. Es geht dabei auch um Einhaltung von Datenschutzregelungen- die halt für Berufsdetektive manchmal schon ein bisserl hinderlich sind.

Und schon kommen Fragen auf, wie: dient all das dem Schutz der Bürger, oder vielleicht eher dem Machterhalt der Eliten oder sogar der Unterwerfung der Bevölkerung? Heiligt der Zweck die Mittel?

Berührt hat mich z.B. das Schicksal des Heiligen Koloman (†1012 bei Stockerau), der als schlichter Pilger durch das Land zog und ob seines etwas fremdländischen Aussehens für einen Spion gehalten – und halt dann umgebracht wurde. Jetzt gilt er als Schutzheiliger.

Auch die Uhr des Oberst Redl hat so ihre Geschichte: erzählt wurde sie noch dazu von ihrem Vorbesitzer, dem Großneffen von Redls Liebhaber. Diese Taschenuhr hate einen „Glücksspielmechanismus“ eingebaut (ich gebe zu, ich habe‘ die Methode nicht verstanden), Glücksspiele waren Stabsoffizieren aber verboten.  Metternichs Tasche hat mir schon sehr gut gefallen, wenn man die Ausmaße so betrachtet, würde ein Laptop heutzutage schon hineinpassen.

Codemaschinen wurden schon sehr früh erdacht: von Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 – 1716), ausgeführt wurden sie dann erst viel später – im 20. Jahrhundert spielten sie dann eine große Rolle.-

Gezeigt wird auch, dass Industriespionage schon sehr früh einsetzte. Und angetroffen habe ich auch den bemerkenswerten Orientalisten Alois Musil, hier werden „nur“ seine Aktivitäten gegen  Lawrence von Arabien betont (aber diesen Mann werde ich dann einen eigenen Blogeintrag schreiben, er war bei weitem nicht nur „Spion“).

Selbstverständlich kommen auch Agentinnen vor. Und viele später berühmte Spione aus der Zeit des Zweiten Weltkrieg, der Zeit nachher, des Kalten Krieges. Es gibt verhältnisviele Objekte aus der Stasi-Zeit, das – so erklärt man uns – kommt daher, dass es die Stasi nicht mehr gibt. Bestehende Geheimdienste rücken ihre Schätze nicht ganz so bereitwillig heraus. In diesen Kreisen kam es auch zu Folter, dargestellt anhand eines Verhörstuhls für politische Häftlinge.

Die Ausstellung endet mit moderner Rüstungsspionage.

Die Rückfahrt nach Wien dauerte dann ein wenig kürzer, ich ging zu Fuß zum Bahnhof (schneller als auf den Bus zu warten), der Zug fuhr fast sofort ein, es war die Westbahn diesmal, die Fahrkarte war um 50% teurer, als jene der ÖBB auf dem Weg hin, aber wir kamen – ohne Halt in Tullnerfeld – recht bald am Wiener Westbahnhof an, von wo ich mit der U-Bahn nach Hause fuhr.

Ich empfehle: machen Sie sich die Mühe, fahren sie nach St. Pölten ins Niederösterreich Museum und schauen Sie sich diese Ausstellung an, sie ist hervorragend beschildert, und letztlich wirklich sehr informativ – und kurzweilig.

 

Spionage 39 Fälle, eine Ausstellungsempfehlung

Die Welt steht auf kan Fall mehr lang

Über den Brexit und den Zustand von Großbritannien möchte ich hier gar nicht schreiben, denn er ist so verworren – und leider hasserfüllt – dass man im Moment noch gar nicht klar sieht, wie’s überhaupt weitergehen kann.

Über die Tatsache, dass 39 Leichen in einem Lastwagen gefunden wurden, sollten wir uns nicht allzu sehr alterieren, denn auch bei uns gab es bei Parndorf vor nicht so langer Zeit einen Leichenfund mit noch mehr Toten. Schlimm ist es da wie dort, und dieser (wahrscheinlich) Menschenschmuggel sollte uns allen zu denken geben und als Ergebnis dieses Denkens sollten Lösungen für Migrationsprobleme stehen. Wohl ein frommer Wunsch

Nur schaut es gar nicht danach aus, dass Flüchtlingsprobleme weniger werden:  Im Nahen Osten gärt es: Kaum waren die Demonstrationen in Ägypten abgeflacht, begannen Demonstrationen im Irak, jetzt also gibt es Unruhen in Beirut, von Marokko oder Algerien ganz schweigen. Im Libanon befinden sich viele, viele Flüchtlinge, sie machen derzeit dort ein Viertel der Bevölkerung aus. Es sind Hundertausende in Beirut, die demonstrieren, sie prangern die Unfähigkeit und Korruption ihrer Politikerkaste an. Die Opposition ist überall ohne Führung, es gibt keine politischen Alternativen, gleichzeitig ist das politische System inklusive seines Personals in all diesen Ländern hoffnungslos überfordert, inkompetent und korrupt. Proteste richten sich gegen Vertreter des alten Nahen Ostens, zu dessen reaktionärer Verkörperung die Islamische Republik Iran in ihrem 40. Jahr längst geworden ist. Ihre Schlägertrupps und schiitischen Milizen schießen auf Demonstranten und versuchen die Menschen mit purer Gewaltandrohung von der Straße zu bekommen, ob gerade in Beirut oder im September in Bagdad. Ist das die Konterrevolution?

Erdogan hat mit seiner Militärdemonstration bekommen was er wollte, einen so genannten Sicherheitskorridor – auf fremden Territorium, verloren haben – wieder einmal – nur die Kurden.

Assad hat aufgrund des Fehlverhaltens vieler sein ganzes Land zurückerhalten – inklusive des kurdischen Territoriums. Allerdings, es ist ein völlig zerstörtes Land, er wird nicht in der Lage sein, es aufzubauen und die Flüchtlinge, die ja primär vor seiner Herrschaft geflohen sind, werden nicht sehr bereitwillig dorthin zurückkehren wollen.  Ich fürchte, dass es wir Europäer sein werden, von denen man erwartet, dass sie den Wiederaufbau bezahlen – aber soweit ist es noch lange nicht, erst muss Ruhe in dem Land herrschen – wird es eine Friedhofsruhe sein?

Und wo bleiben die so genannten Ordnungsmächte? Europa hat sich leider schon lange aus dem Nahen und Mittleren Osten zurückgezogen. Trump benützt die Außenpolitik ausschließlich für seine innenpolitischen Manöver (nur die Ölversorgung von dort ist ihm noch wichtig), besonders um mit markigen Sprüchen sich selbst zu loben. Dass er jetzt twittert, dass der Deal zwischen Erdogan und Putin ein großer Triumpf für die USA ist, zeigt seine verdrehte Geisteshaltung. Aber was will man von einem Präsidenten, der nicht einmal die Grenzen seines eigenen Landes kennt, und davon faselt, eine „schöne“ Mauer in Colorado zu errichten, das nicht einmal an Mexiko grenzt – er hat wahrscheinlich den Staat Colorado mit dem Fluss Colorado verwechselt.

Aber vielleicht wird Trump ja doch des Amtes enthoben, ich kann es mir zwar kaum vorstellen, ich glaube viel eher, dass es dazu führen könnte, dass sich seine Anhänger verstärkt hinter ihn stellen und dann doch den Ausschlag für seine Wiederwahl geben werden.  Und wenn er des Amtes enthoben wird kommt: Pence – der erzkonservative Evangelikale, wär’s dann besser?

Putin hat für Russland das zurückerobert, was mit dem Untergang des Sowjetimperium verloren gegangen ist. Er ist wieder Weltordnungsmacht, und was den Nahen Osten betrifft, sogar die einzige. Russland hat Amerika dafür nicht einmal verdrängen müssen. Trump hat nur mehr 200 Soldaten diesseits der Grenze in Syrien, genauso wie den winzige Außenposten im syrischen Süden, in Al-Tanf.

Aber was nützt die Großmachtstellung nun: im Nahen und Mittleren Osten gibt es hauptsächlich nur mehr so genannte „failed states“. Dorthin werden keine Flüchtlinge zurückgehen, sie könnten höchstens „zwangsangesiedelt“ werden, das kann aber nicht besonders erfolgreich sein.

Und in der einzigen Demokratie im Nahen Osten, in Israel – wie sieht es da aus?  Nach der bereits zweiten Wahl heuer (April und September) hat Netanyahu das Regierungsbildungsmandat sogar vor der Zeit zurückgelegt. Nun hat Benny Gantz 4 Wochen Zeit eine neue Regierung zu bilden. Und es wird schon von einer dritten Wahl geredet! Aber noch ist es nicht soweit: um eine halbwegs stabile Regierung zu bilden, könnten Gantz und Netanjahu zusammengehen – naja, sie haben sich eigentlich nicht besonders gut verstanden, oder Gantz müsste Libermann mit seiner „Israel – Unser Haus“ oder die arabische „Gemeinsame Liste“ in die Regierung holen. Das wäre äußerst problematisch, denn Libermann stellt als Koalitionsforderung grünes Licht, um den Gazastreifen zu erobern und die Herrschaft der Hamas-Terrororganisation zu zerschlagen. Auch die Konsequenzen davon möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Aber einfach ist es nie und nirgends, Koalitionen zu basteln, das wissen wir als Österreicher wohl sehr gut.

Also was meinen Sie:  stimmt es, dass die Welt auf kann Fall mehr lang steht?

Die Welt steht auf kan Fall mehr lang

Zur Edda, im Burgtheater

Auf das, was ich da zu sehen und hören bekam, war ich nicht vorbereitet, dabei hatte ich einige Kritiken, das Programm und einen gescheiten Artikel im Kulturmagazin gelesen. Gleich am Anfang hat man mich vergrämt: Da wallt Nebel, (den wir sowieso jeden Tag in der Früh aus dem Fenster sehen) nicht nur auf der Bühne, sondern gleich ordentlich, auch in den Zuschauerraum, da wird deutsch und ich nehme an alt-isländisch (?) gleichzeitig gesprochen, und all das mit Musik untermalt! Nicht einmal höchste Konzentration erlaubt, das Dargebotenen zu verstehen. Der Text: zum Nachlesen steht im Programm, deutscher Sprache! Dabei werden der Anfang und das Ende des Menschengeschlechts rezitiert.

Was mich schon gewundert hatte, im Burgtheater waren zu Beginn der Vorstellung eine ganze Reihe von Plätzen frei, dabei habe ich aber viel Jugend vorher im Foyer gesehen. Gestört hat mich auch, als -zwischen den Darstellungen der Verhältnisse zwischen Göttergeschlechtern, Zwergen und Riesen etc. plötzlich das Licht angeht, und erklärt wird, was „die Edda“ eigentlich ist, jedenfalls kein zusammenhängender Ablauf. Eigentlich sollte man den Zusammenhang mit uns vertrauten Mythen – aus z.B. der griechischen Sagenwelt erkennen, ist mir aber ziemlich schwergefallen, obwohl ich mich bemüht hätte.

Schwierig ist für mich auch, dass ich die Mehrzahl der agierenden Schauspieler (noch) nicht kenne. Früher (ja früher)! habe ich sie an ihrer Gestalt, ja an ihrer Stimme erkannt, Balser, Skoda, Lindner, Gessner, Meinrad, die Hörbigers, um nur einige wenige zu nennen.  Heute sind mir die meisten fremd, un da sie auch unterschiedliche Rollen spielen, bin ich zuweilen etwas verwirrt. Ganz verstehe ich auch nicht, warum es erforderlich ist, dass man sich auf der Bühne so oft umkleidet – naja.

Ich gebe zu, die Streitereien der Götter untereinander waren mir im ersten Teil etwas fad, obwohl sie durchaus an heutiges Verhalten erinnern und damit das Publikum zum Lachen gebracht haben – na, nicht alle haben gelacht. Ich war dann recht froh, als die Pause kam und ich im Programm weiterlesen konnte. Es sei allen empfohlen, das zu tun, man versteht dann die ganze Geschichte etwas besser. Allerdings war ich beim Lesen etwas gestört, da viele meiner Bekannten (und auch andere – und nicht nur die Älteren!) das Theater in der Pause verlassen haben und mir ihre Begründung mitteilen wollten.

Also zum zweiten Teil: Was das Gerüst auf der Bühne soll, weiß ich leider nicht, ich verstehe auch nicht, warum manche der Schauspieler ein „Nacktkostüm“ tragen mussten, es ging auch primär   meiner Meinung nach um die Befindlichkeit des zweiten Autors dieses Stücks (Mikael Torfason). Er scheint große Probleme mit seinem Vater gehabt zu haben und dazu müssen halt wieder die Götter bemüht werden. Denn der Vater dürfte mit Judentum und Christentum nicht zurande gekommen sein und sich dann auf dann auf die isländischen Sagen eingelassen haben, um hier eine geistige Heimat zu finden. Das ist gut und schön, aber interessiert das auch das Publikum des Burgtheaters?

Gespielt wurde gut, gesprochen wurde verständlich, aber leider hat die dauernde Musik das Verstehen erheblich gestört. Muss das jetzt im Burgtheater sein? Vor allem war der Einsatz der Pauken wieder sehr laut (sind die von den Bakchen noch übriggeblieben?). Wenn ich nämlich Musik zu germanischen/nordische Sagen hören will, gehe ich die Oper und schaue mir Wagners Ring der Nibelungen an.

Die Schauspieler haben wieder gute akrobatische Fertigkeiten – das scheint jetzt erforderlich zu sein – die Kostüme sind originell, der Umbau der Bühne geht zügig vor sich. Das Schlusswort in Leuchtschrift habe ich wiederum nicht verstanden. Sorry!

Ob ich Ihnen den Besuch empfehle? Ich überlasse s Ihnen, wenn Sie es besser verstanden habe, als ich, dann schreiben Sie bitte einen Kommentar zu diesen meinen Eindrücken!

Zur Edda, im Burgtheater

Nachtrag zu Ecuador, als Reiseland

Meine Freundin hat 1983 Kolumbien und Ecuador besucht und 7 lange Tage auf Galapagos-Inseln verbracht. Heute hat sie mir ihren Film darüber gezeigt. In Ambato, wo mein Enkel derzeit lebt und arbeitet, war sie damals nicht. Und ich gehe davon aus, dass sich das Land zwischenzeitlich erheblich verändert hat.

Besonders beeindruckt haben mich die Zeugnisse der San-Agustín-Kultur – allerdings in Südkolumbien. Sie existierte ab dem 33. Jahrhundert v. Chr. bis ins 16. Jahrhundert. Im 7. Jahrhundert v. Chr. erfuhr die Kultur eine bedeutende Fortentwicklung, wie sie an Ackerbau, Keramik, Goldschmiedekunst und Bildhauerei abzulesen ist. Die monumentalen Steinskulpturen mit anthropomorphen Götter- und Dämonendarstellungen stammen vorwiegend aus der klassischen Periode und entstanden im Zeitraum 200 v. Chr. bis ca. 700 n. Chr. Die Gräber erinnern stark an welche die man in Korsika oder auch in der Bretagne sehen kann – oder besser, die ich dort gesehen habe. Nur In Südamerika sind die Trägerelemente bzw. Grabdeckel beeindruckende Steinskulpturen.

Aber zu Ecuador: Aufgefallen ist mir, in wie vielen Bereichen – also damals 1983 – noch Handarbeit im Einsatz war, ich kann mir kaum mehr vorstellen, dass heute auf diese Art Baumwolle gekämmt und gesponnen, Zuckerrohr verarbeitet wird, dass auf Märkten genäht wird, dass es so viel strohgedeckte Häuser gibt. Ich hoffe auch, dass nicht so viele Kinder in den Arbeitsprozess eingebunden sind, sondern dass sie jetzt doch schon in die Schule gehen. Gewundert hat mich auch dass viele Flüsse z.B. Namen von Heiligen tragen, dafür hätte ich indigene Namen erwartet, aber vielleicht wurden sie seit 1983 auch umbenannt. Auf den Bildern sah mein sehr viel Einheimische, meist mit Ponchos bekleidet, fast alle diese Frauen auf Märkten und in Dörfern trugen Kopfbedeckungen. Ob das wohl heute noch so ist?

Selbstverständlich: die Naturschönheiten bleiben unverändert. Da ist vor allem die Alle der Vulkane – oder auch Straße der Vulkane, eine Reihe von Vulkanen in den Anden von Ecuador. Ihr Name geht auf Alexander von Humboldt zurück. Auf einer Strecke von ungefähr 300 km zwischen liegen 22 der insgesamt 73 Vulkane von Ecuador, sie sind alle über 300 Meter hoch, viele viertausend und manche 5000 einzelne über 6000 Meter hoch. Von den Namen her kannte ich nur den Chimborazo. Er gilt als inaktiv, ist der höchste Berg in Ecuador. Sein Gipfel ist der vom Erdmittelpunkt am weitesten entfernten Punkt der Erdoberfläche. Der obere Teil des Berges ab zirka 5100 m ist vergletschert. Einen ersten richtigen Besteigungsversuch wagte bereits Alexander von Humboldt zusammen mit Aimé Bonpland und Carlos Montúfar am 23. Juni 1802.

Mit so vielen Vulkanen in der Umgebung sind auch Erdbeben häufig. Selbst die Gebäude der Kolonisatoren stürzten ein, Kirchen, Klöster, Rathäuser und Paläste wurden zumeist wiederum aufgebaut.

Am schwersten mit Worten zu beschreiben sind die Bilder von den Galapagos Inseln, die Vielfalt vor allem der Fauna ist atemberaubend. Mir scheint, dass man sich damals vielleicht auch noch freier bewegen durfte, als das heute der Fall ist. Jetzt ist ja der Zugang beschränkt (das finde ich richtig), denn nur so kann dieses Naturparadies erhalten bleiben. Die Inseln bilden eine Provinz Ecuadors und liegen etwa 1.000 km vor der Küste. Durch die isolierte Lage konnte hier eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten überleben, die zum Großteil nirgendwo sonst auf der Erde vorkommen. Charles Darwin besuchte die Inseln im Jahr 1835 und stützte sich später bei der Entwicklung seiner Evolutionstheorie auf seine hier gemachten Beobachtungen.

Die Galapagosinseln sind vulkanischen Ursprungs. Auf der Insel Fernandina brach der Vulkan Cumbre zuletzt im April 2009 aus, auf Isabela der Wolf im Mai 2015. Auf den Galapagosinseln gibt es sieben unterschiedliche Vegetationszonen, in Abhängigkeit von der Höhenlage. Es bestehen jedoch erhebliche Unterschiede in der Ausprägung der Vegetationszonen zwischen den verschiedenen Inseln.

Ich bedauere, dass ich dieses Juwel nicht „live“ sehen konnte, aber ich darf nicht undankbar sein, ich durfte vieles sehen und manche Sehnsüchte bleiben halt unerfüllt – und das ist auch gut so.

Nachtrag zu Ecuador, als Reiseland

Der leidige Fetz’n (oder die Anstößigkeit des islamischen Kopftuchs)

30 Jahre ist es her, dass Schülerinnen in Frankreich mit Kopftuch zum Unterricht kamen. Nach wochenlangen Verhandlungen zwischen Schule und Eltern der drei Mädchen, in die sich, auf Bitte der französischen Regierung, sogar Marokkos König Hassan II. einschaltet, akzeptieren die Schülerinnen einen Kompromiss: Kein Kopftuch im Klassenzimmer, überall sonst wird es toleriert. Ist das Kopftuchtragen eine anti-laizistische Kampfansage? Der Vorfall hatte im laizistischen Frankreich Aufruhr und landesweite Diskussionen zur Folge. Drei Jahrzehnte und zahlreiche Gesetze später hat sich die damals angestoßene Debatte radikalisiert. In Frankreich, stärker als andernorts, wurden damals die Gastarbeiter mit muslimischer Kultur auf einen Schlag nicht mehr als Gastarbeiter, sondern als Muslime wahrgenommen. Nun stand nicht mehr ihre jeweilige Staatsangehörigkeit im Vordergrund – sondern ihre religiöse Zugehörigkeit. Und ab damals wurden die Praktiken, Eigenheiten, die Kleidung dieser muslimischen Minderheit hinterfragt.

Es gibt erschwerenden Umstände in dieser Debatte: das gesetzlich verankerte Laizitäts-Prinzip wurde mit dem neu aufgekommenen Thema Frauenrechte verknüpft. Die Fusion dieser beiden Themen macht es fast unmöglich, jemals eine befriedigende Lösung zu finden.

Die gesetzliche Lage in Frankreich: Seit 2004 dürfen Schüler keine deutlich sichtbaren religiösen Symbole mehr tragen. 2010 wurde, per „Anti-Burka-Gesetz“, so der Volksmund, die Vollverschleierung im öffentlichen Raum untersagt. Dennoch, seit nunmehr dreißig Jahren unterwerfen sich mehr und mehr Muslime orthodox ausgelegten Vorgaben des Islam zu Kleidung, Essen, Ehe. 1989 hingegen war die Mehrheit der Muslime im Land säkularisiert: Sie hatte sich von religiösen Geboten und Moralvorstellungen befreit.

Der Streit ums Kopftuch ist keineswegs ein rein französisches Phänomen, sondern ein weltweites. In Frankreich jedoch wirken die Fronten verhärteter als in manch anderem Land. Umso mehr, als seit Januar 2015, dem Anschlag auf die Pariser Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt, das Land mehrfach von blutigen islamistischen Attentaten erschüttert wurde. Zuletzt dieser Tage in der Pariser Polizeipräfektur.

Immer mehr Franzosen, verführt von rechtsextremen Rädelsführern und gewissen Medien, machen sich ein immer radikaleres Bild vom Islam. Da geht es nicht um Religionskritik, die völlig legitim wäre. Da fallen dann schon „Schachtrufe wie: „Die Muslime sind unsere Feinde!“

Auf der Gegenseite, bei den Muslimen, sagt sich mancher: „Wenn ihr so über uns denkt, ein solches Bild vom Islam hegt, dann reagieren wir, indem wir uns auf unsere eigene Gesellschaft zurückziehen. Oder indem wir uns immer offener dazu bekennen, Muslim zu sein“. Dreißig Jahre nach der sogenannten Kopftuch-Affäre ist so ein politischer Raum entstanden, der sich immer mehr radikalisiert, vor allem aber polarisiert.“

Heute: Ein französischer rechtsnationaler Politiker fühlt durch die Gegenwart einer Frau mit Kopftuch auf der Zuschauertribüne eines Regionalparlaments gestört. Nun streitet man darüber, ob Mütter auf Schulausflügen ihr Kopftuch ablegen müssen. Dürfen Mütter, die einen Ausflug der zur Neutralität verpflichteten Institution Schule begleiten, religiöse Symbole wie ein Kopftuch tragen?

Bereits 2013 hatte sich der Conseil d’Etat, Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht, die Entscheidung den einzelnen Schulen überlassen. Die Argumente der Richter lauteten, dass die begleitenden Eltern keine Bediensteten oder Mitarbeiter, sondern reine „Nutzer“ des Staates seien. Deshalb seien sie rechtlich nicht den Regeln der religiösen Neutralität unterstellt.

Das zu Frankreich – in Österreich hat das mit dem neuen Schuljahr in Kraft getretene Kopftuchverbot für Kinder unter zehn Jahren auch Auswirkungen auf den Turnunterricht. In einem neuen Rundschreiben des Bildungsministeriums zu Richtlinien für den Unterricht im Fach „Bewegung und Sport“ werden religiös geprägte Verhüllungen auch im Turnen untersagt, darunter fällt etwa der Burkini im Schwimmunterricht. Klargestellt wird auch, „dass eine Befreiung vom Unterricht im Pflichtgegenstand Bewegung und Sport aus religiösen Gründen schulrechtlich nicht vorgesehen ist. Daher ist die Teilnahme am Unterricht im Pflichtgegenstand ‚Bewegung und Sport‘ bzw. am Schwimmunterricht ausnahmslos verpflichtend.“

Laut einer Studie vom September 2019 gehört für die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung der Islam eher nicht zu Österreich. So glaubt fast die Hälfte der Befragten, dass Muslime nicht die gleichen Rechte haben sollten „wie alle in Österreich“. Dass dies nicht den Menschenrechten entspricht, scheint diesen Befragten nicht bewusst zu sein. 80 Prozent der Österreicher wollen laut der Studie, dass islamische Einrichtungen stärker beobachtet werden. 70 Prozent denken, dass der Islam nicht in die westliche Welt passt, und 60 Prozent fürchten, dass unter Muslimen Terroristen sind. Personen über 75, Absolventen einer Lehre und Personen in niedrigen Einkommensklassen äußerten die stärkste Kritik am Islam. Eine überwiegend positive Haltung gegenüber Muslimen zeigen junge Erwachsene, Personen mit hoher Bildung und Personen, die generell ein hohes Vertrauen in Mitmenschen aufweisen und das Gefühl haben, im Vergleich zu anderen mehr als den gerechten Einkommensanteil zu bekommen. Das Ausmaß der Vorurteile über Muslime ist im Vergleich zu anderen religiösen Gruppen am stärksten.

Die Vielschichtigkeit der Muslime werde zu wenig betont und dabei übersehen, dass der Großteil der Muslime in Österreich durchaus nach Anpassung und Aufstieg strebe. Das würden Migrationsstudien zeigen. Tendenzen der Radikalisierung von muslimischen Zuwanderern seien nicht zu erkennen.

Zu beachten ist, dass Studien über Muslime oft nur zur Durchsetzung politischer Agenden dienen. Es scheint in Österreich (und nicht nur hier) ein antimuslimischer Rassismus zu bestehen, viel öfter wird aber über den steigenden Antisemitismus berichtet. Fremdenfeindlichkeit ist in Österreich ja überhaupt ziemlich ausgeprägt.

Auch diese Phänomene sollten Platz auf der „to-do-Agenda“ der neuen Regierung haben.

Der leidige Fetz’n (oder die Anstößigkeit des islamischen Kopftuchs)

Es gibt schon wieder neue Hotspots der Gewalt: Chile

Die Lage in Chile ist dramatisch. Die Proteste entzünden sich an der gewaltigen sozialen Ungleichheit. In Chile hat der gleiche Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht wie in anderen südamerikanischen Ländern: die gewaltige soziale Ungleichheit, die auch in guten Jahren nicht wesentlich geringer geworden ist. So wie in Chile jetzt eine Erhöhung der Ticketpreise zum Aufstand führt, so war es in Ecuador kurz zuvor die Anhebung der Benzinpreise. In Argentinien spielt in der aktuellen Krise eine Anhebung von Strom- und Wasserpreisen eine Rolle. Und selbst in Bolivien muss ein sozialistischer Staatschef, der eigentlich viele Sozialprogramme aufgelegt hat, um sein Amt bangen.

Die Lage ist nicht in jedem Land vergleichbar. Aber es ist evident, dass viele Gesellschaften der Region immer noch in eine kleine, sehr reiche Oberschicht, eine dünne Mittelklasse und eine große, in bedrückenden Verhältnissen lebende Unterschicht zerfallen. Die Diktaturen der Vergangenheit sind verschwunden, sieht man von Kuba und Venezuela ab, aber das Elend der Armut nicht.

Zwischenzeitlich ein paar persönliche Erinnerungen an Chile:

Ich war in Chile zur Zeit Pinochets (1973 bis 1990 Diktator Chiles), ich war in Begleitung meines Mannes dort und man machte für mich ein Damenprogramm. Shoppen, schickes Lunch im Jockey-Club. Ich meinte dazu, dass ich lieber etwas vom Land sehen wollte und kündigte an, mich mit dem Autobus nach Valparaíso und hinterher nach Vina del Mar – also ans Meer, an den Pazifik begeben zu wollen. Das stieß auf erheblichen Widerstand; lieber packte man mich mit zwei „Damen der Gesellschaft“  in eine große schwarze Limousine, wir fuhren durch einige recht martialisch aussehende Straßensperren Richtung Valparaiso, die wir ohne Probleme passieren konnten, schon allein der Name der Stadt weckte romantische Kindheitsassoziationen, aber dort fuhren wir nur am Hafen vorbei – Aussteigen durfte ich nicht, von Besichtigen war keine Rede. In Vina del Mar fuhren wir in eine sehr ruhige Zone, in ein sehr schickes Restaurant.  Es war „nicht-Saison“ dort, dennoch wäre ich gerne bloßfüßig am Meer entlang gegangen, aber die Damen sahen das anders. Sehnsüchtig blickte ich vom Fenster des fast leeren Restaurants auf den Pazifik. Bald fuhren wir wieder an einigen Checkpoints haltend nach Santiago zurück – und gingen Shoppen. Naja, Immerhin habe ich mir dort eine schöne Lapislazuli Kette kaufen können.

Ich erinnere mich auch noch gut an die Probleme Österreichs mit der Lieferung von Panzern nach Chile im Jahr 1980.

Jetzt zurück zum Heute:

Das Land am südlichen Zipfel des amerikanischen Kontinents galt in den vergangenen Jahren – nach Abschaffung der Diktatur – stets als Musterbeispiel für einen gelungenen marktwirtschaftlichen Kurs. Das Pro-Kopf-Einkommen ist hoch, die Wirtschaft exportstark; Inflation, Arbeitslosigkeit und öffentliche Verschuldung sind niedrig. Nichts davon ist in den Nachbarländern selbstverständlich. Und trotzdem hat nun gerade eine wirtschaftliche Frage zu schweren Unruhen geführt. Zum ersten Mal seit Ende des Pinochet-Regimes werden wieder Soldaten in der Hauptstadt eingesetzt!

Offenbart der Ausbruch sozialen Unmuts den Realitätsverlust der politischen Elite? Es war der Slogan „Uns geht es gut, morgen noch besser“ (Vamos bien, mañana mejor), der in den Jahren der chilenischen Diktatur erfunden wurde, zwar anfänglich eine Art Glaubensbekenntnis für das neoliberale Model des Diktators Augusto Pinochet, auf den sich diese Eliten noch bis heute stützen. Doch die Realität schaut ganz anders aus, das lässt sich nicht mehr verhehlen. In nur wenigen Tagen hat sich Chile von einer Oase der Stabilität zu einem weiteren Krisenherd in der Region gewandelt.

Wir sind jetzt mit Bildern konfrontiert, die wir hofften niemals mehr sehen zu müssen: Autowracks, geplünderte Supermärkte, ausgebrannte U-Bahn-Stationen, geschlossene Geschäfte, Panzer auf den Straßen und schwerbewaffnete Soldaten, bis 21.10. schon elf Tote. Begonnen hat es vor einer Woche als Schülerprotest gegen eine Erhöhung der U-Bahn-Preise um umgerechnet vier Cent. Nicht viel, so scheint es, doch damit kostet ein Ticket bis zu einem Euro – bei einem Mindestlohn von umgerechnet 378 Euro. Die Entscheidung, den direkten Auslöser der Proteste, die Erhöhung der Metro-Tarife, zurückzunehmen, kam zu spät. Die Unzufriedenheit der Protestierenden war nicht mehr zu stoppen und geht auch weit über den Auslöser hinaus. Viele Menschen hatten den Eindruck, dass die Regierung die eigentlichen Probleme der Bevölkerung nicht wirklich verstand.

Und der Präsident verhängte den Ausnahmezustand und die Ausgangssperre. Und danach geschah auch etwas Überraschendes: Die zumeist jungen Demonstranten missachteten die Ausgangssperre. Diese jungen Menschen haben die Diktatur nicht miterlebt und kennen nicht mehr das beunruhigende Gefühl, das die älteren Chilenen beschleicht, wenn ein General den Auftrag bekommt, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

Jetzt kommen Antiterrorgesetze zur Anwendung: sie wurden bisher vor allem gegen die indigene Minderheit der Mapuche angewendet und setzten rechtsstaatliche Garantien außer Kraft. Aber die Protestbewegung umfasst auch andere – benachteiligte – Gruppen: Rentner, Kranke, Studenten, Angestellte und Arbeiter, deren Lohn nicht bis zum Monatsende reicht und die oft zwei Jobs haben. Wie bei vielen Demonstrationen weltweit mischen sich früher oder später auch Randalierer unter die demonstrierenden Massen.

Die Tragödie des Kontinents besteht darin, dass bürgerliche Regierungen nun zu scheitern scheinen. Vor ein paar Jahren sah es so aus, als ob Südamerika den linken Populismus abschütteln könne, der die Massen mit Staatsgeld ruhigzustellen pflegt, aber letztlich nur auf Pump lebt. Kehrt er jetzt zurück?

 

Es gibt schon wieder neue Hotspots der Gewalt: Chile

Gedenktage kontroversieller Persönlichkeiten: Erwin Rommel

Gestatten Sie mir, dass ich auf Geburtstage, Todestage von Persönlichkeiten hinweise, die heute umstritten sind, das aber nicht immer waren. Dieser Tage jährt sich der Todestag (1944) von Erwin Rommel zum 75. Male, der Geburtstag (1844) von Karl Lueger zum 175. Male, und jener (1919) von Mohamed Reza Pahlewi (gestorben 1980) zum 100 Male. Gemeinsam haben sie, dass sich ihr Bild im Laufe der Geschichte erheblich verändert hat.

Erwin Rommel

Als Kind, während des Zweiten Weltkriegs, war Rommel ein Held für mich. Ich assoziierte ihn mit dem (anfänglich) erfolgreichen Wüstenfeldzug. Schon allein „Wüste“ inspirierte meine Phantasie. Wenn ich so darüber nachdenke, wo her ich denn damals meine Informationen bezog, fällt mir auf, dass sie nicht aus Zeitungen waren – bei uns zu Hause gab’s den „Völkischen Beobachter“ nicht. Aber es wurde sehr viel Radio gehört. Über den erfolgreichen Wüstenfuchs, wie er genannt wurde, wurden laufend so genannte Sondermeldungen verlautbart, angekündigt durch die Preludes von List (Siegesfanfare). Ob ich wirklich alles verstanden habe, was da verlautbart wurde, kann ich nicht sagen, denn z.B. das öfter verwendete Wort „gewährleisten“ wurde von mir damals als Leisten (Kolben) eines Gewehrs interpretiert.

Zusätzlich wurde mein Interesse am Wüstenfeldzug gesteigert, da mein Onkel Rudi, der Bruder meiner Mutter, an diesem Feldzug teilgenommen hat. Im Familienkreis hat er damals erzählt, dass man auf dem Panzern Eier braten konnte, so heiß schien die Sonne. Rommel war auch Generalfeldmarschall – darunter kann sich ein Kind nicht wirklich viel vorstellen, aber es klingt doch außerordentlich „bedeutend“. Sein Einsatz als Befehlshaber des Deutschen Afrikakorps und der Panzerarmee Afrika in Nordafrika, mit deren Truppen er im Juli 1942 bis El Alamein (mir war dieser Begriff als Kind sehr vertraut!) vorstieß, brachte ihm große Popularität in der Heimat und offenen Respekt im Ausland ein. Später diente er als Oberbefehlshaber der Heeresgruppe B erneut in Frankreich, wo er am 17. Juli 1944 bei einem Luftangriff verwundet wurde. Nach dem Attentat des 20. Juli 1944 wurde er von Adolf Hitler der Beteiligung beschuldigt und zum Selbstmord gezwungen.

Rommel, der eigentlich Flugzeugingenieur werden wollte, wurde von seinem Vater vor die Wahl gestellt, entweder Lehrer oder Offizier zu werden. Rommel entschied sich für eine Militärlaufbahn. Mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 kämpfte er an der Maas und westlich von Verdun. Im September 1914 erhielt er das Eiserne Kreuz zweiter Klasse, im Januar 1915 folgte das Eiserne Kreuz erster Klasse. Ab Oktober 1915 war Rommel schon Kompanieführer, er kämpfte zunächst im Stellungskrieg in den Hochvogesen und 1916 dann an der rumänischen Front. Ende September 1917 wurde Rommels Bataillon an die Isonzo-Front verlegt und nahm am Gebirgskrieg teil. Unter Rommels Beteiligung gelang in der Schlacht von Karfreit Ende Oktober 1917 die Erstürmung des Monte Matajur. In Karfreit (heute Kobarid) gibt es ein eindrucksvolles Museum über die Kämpfe im Ersten Weltkrieg, das wir einmal besucht haben.  Besonders beeindruckt hat mich damals, die Darstellung der Kämpfe mit Giftgas. Für seinen Einsatz erhielt Rommel im Dezember den Orden Pour le Mérite.

Von den Massenentlassungen nach dem Ersten Weltkrieg blieb Rommel verschont: er konnte beim Militär bleiben, er wurde auf die neue Weimarer Verfassung vereidigt. Wie viele andere Mitglieder der Reichswehr nahm auch Rommel die Machtergreifung der Nationalsozialisten positiv auf, da Adolf Hitler die Revision des Versailler Vertrags forderte und auch durchsetzte. Die Aufwertung, Vergrößerung und Modernisierung des Militärs durch Hitler stießen auf die Zustimmung der Soldaten. Mit Unbehagen reagierten Rommel und andere Offiziere jedoch auf die Rolle, welche die als Konkurrenz empfundene SA unter dem neuen Regime spielte. Die vom NS-Staat vorangetriebene Aufrüstung der Wehrmacht ließ auf bessere Karriereperspektiven für Offiziere hoffen.

Rommel war beim Anschluss Österreichs im März 1938 und kurz danach während des Einmarsches in das Sudetenland im Oktober 1938 eingesetzt. In der Folge war Rommel vom 10. November 1938 bis 22. August 1939 kurzzeitig Kommandeur der Kriegsschule in Wiener Neustadt. Als mein Vater im Jahr 1939 eingezogen worden war, kam er ebenfalls nach Wiener Neustadt.

Rommel nahm am Überfall Polens teil, auf seinen Wunsch wurde er zu einer Panzerdivision überstellt, die er in Frankreich dann sehr erfolgreich leitete. Die Unvorhersehbarkeit und Geschwindigkeit seiner Operationen irritierten nicht nur seine Gegner, sondern auch das deutsche Oberkommando.

Im September 1940 hatte Italien von Italienisch-Libyen aus, eine Invasion in das mit Großbritannien verbündete Königreich Ägypten begonnen. Die britische Gegenoffensive ab Anfang Dezember 1940 ließ die italienische 10. Armee zusammenbrechen und führte bis zum 8. Februar 1941 zum vollständigen Verlust der Cyrenaika. Unter diesem Eindruck einigten sich Benito Mussolini und Hitler im Verlauf des Januars auf eine direkte deutsche Unterstützung in Libyen. Diese sollte neben zusätzlichen Luftwaffenverbänden aus einem Panzerkorps mit zwei Divisionen bestehen. Am 12. Februar 1941 erreichte Rommel im Rahmen des Unternehmens Sonnenblume Tripolis und wurde mit Wirkung zum 15. Februar zum Befehlshaber der deutschen Truppen in Nordafrika ernannt. Sein Auftrag war, Italien bei der Verteidigung zu unterstützen, einen britischen Vorstoß auf Tripolis zu verhindern und bis zum 20. April einen Plan für die Rückeroberung der Cyrenaika vorzulegen.

Insgesamt war der deutsche Einsatz in Nordafrika von Nachschubproblemen geprägt. Während Rommel zeitweise am Rand einer völligen Niederlage stand, gelang es ihm Mitte Juni, die gesamten britischen Panzerkräfte vor Tobruk zu besiegen. Am 21. Juni 1942 eroberte Rommels Armee schließlich die Stadt. Dafür wurde er am folgenden Tag zum Generalfeldmarschall befördert. Naja, und sicher wurde er als Held zum Vorbild für uns Kinder (auch wenn wir Mädchen waren). Am 23. Oktober begannen die Alliierten unter General Montgomery ihre Gegenoffensive und zwangen Rommel in der Schlacht von El Alamein zum Rückzug. Rommel, der nicht mehr an einen Sieg in Nordafrika glaubte, widersetzte sich einem Führerbefehl und zog seine Armee zurück.

Rommel kämpfte noch in Italien, (das zwischenzeitlich die Seiten gewechselt hatte), später am Atlantikwall, er glaubte nicht mehr an den sogenannten Endsieg. Er wurde bei einem Tieffliegerangriff schwer verwundet. Im Oktober 1944 wurde Rommel vermeintlich belastendes Material vorgelegt und er wurde vor die Alternative gestellt, sich selbst zu töten oder sich vor dem Volksgerichtshof zu verantworten. Rommel wählte den Suizid. Diese Umstände hinderten das Regime jedoch nicht daran, die tatsächlichen Umstände seines Todes zu verschleiern, um auch noch den toten Rommel propagandistisch wirkungsvoll für sich zu nutzen. Der Nimbus des unbesiegbaren Soldaten sollte nicht getrübt werden. Die Trauerfeier fand im Rahmen eines Staatsaktes statt. Hitler sagte: „Sein Name ist im gegenwärtigen Schicksalskampf des deutschen Volkes der Begriff für hervorragende Tapferkeit und unerschrockenes Draufgängertum.“ Ich habe es in der Deutschen Wochenschau gesehen.

Von all dem wussten wir im Krieg nichts. Wir glaubten weiterhin der Propaganda und an das Heldentum von Erwin Rommel. Bis nach dem Krieg ….

Gedenktage kontroversieller Persönlichkeiten: Erwin Rommel

Gedenktage kontroversieller Persönlichkeiten: Karl Lueger

Gestatten Sie mir, dass ich auf Geburtstage, Todestage von Persönlichkeiten hinweise, die heute umstritten sind, das aber nicht immer waren. Dieser Tage jährt sich der Todestag (1944) von Erwin Rommel zum 75. Male, der Geburtstag (1844) von Karl Lueger zum 175. Maler, und jener (1919) von Mohamed Reza Pahlewi (gestorben 1980) zum 100 Male. Gemeinsam haben sie, dass sich ihr Bild im Laufe der Geschichte erheblich verändert hat.

Beginnen wir mit dem Ältesten dieser drei. Das ist Dr. Karl Lueger. Sie erinnern sich, relativ kürzlich hat er sein „Ringstück“ verloren, der Lueger Ring wurde zum Universitätsring.   Zum Glück hat er das nicht erleben müssen.

Noch als Kind hat mir meine Mutter stolz sein Denkmal gezeigt und mir erzählt, dass das der Wiener Bürgermeister war, der sehr viel für diese Stadt getan hat. Wir hatten so ein altes sehr prächtiges Buch zu Haus – über die letzten Jahre der Monarchie, mit Bildern von Kaiser Franz Josef, seiner Familie und seinen Aktivitäten, in denen der Wiener Bürgermeister auch – im Gespräch mit dem Kaiser – abgebildet war. Bewundert darin habe ich immer ein Bild über den Hofball, (ich glaube es war nicht der Ball bei Hof -vorbehalten für die Hocharistokratie), wo auf einem durchsichtigen darüberliegenden Blatt die Namen der Teilnehmer gedruckt waren.  Auch da fiel mir Lueger auf.

Aber jetzt was waren seine Verdienste? Er nahm sich in seiner politischen Laufbahn besonders der Kleinbürger an. Erst im fünften Anlauf 1897 wurde er Bürgermeister, er blieb es, bis zu seinem Tod 1910. Ein wesentlicher Schwerpunkt der nun folgenden 13-jährigen Amtszeit galt dem Kampf gegen das „Großkapital“. Er suchte durch die Kommunalisierung der wichtigsten Versorgungsleistungen die Stadt Wien von in- und ausländischen monopolartigen Gesellschaften unabhängig zu machen. Nun versorgten städtische Unternehmungen die Stadt mit Gas und Elektrizität.  In engem Zusammenhang mit der Elektrifizierung der Stadt stand die Übernahme der Straßenbahn, die 1900 bis 1902 von der Stadt erworben und schrittweise auf elektrischen Betrieb umgestellt wurde. 1907 kommunalisierte die Stadt die Dampftramway-Gesellschaft und 1908 den Stellwagenbetrieb mit einem Liniennetz von rund 39 Kilometern. Erste Pläne gab es auch zur Errichtung einer U-Bahn. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwies sich eine neue, über die Donau gerichtete Stadterweiterung als sinnvoll. Die Stadt Wien richtete 1898 ein städtisches Arbeitsvermittlungsamt ein. Als ständiger Ausschuss zur Förderung der Armenpflege konstituierte sich 1901 der Zentralrat für das Armenwesen. Ein städtisches Waisenhaus löste das bisherige Asyl für verlassene Kinder ab. 1904 wurde das Versorgungsheim Lainz − damals das größte und modernste seiner Art − eingeweiht. Auf dem Gebiet der Gesundheitspflege wurde die Zahl der öffentlichen Brausebäder deutlich erhöht. Die Errichtung von Strombädern schloss sich an. Der Spitalsnot versuchte die Stadtverwaltung durch die Errichtung des „Jubiläumsspitals“ (Grundsteinlegung 1908) beim Lainzer Tiergarten, den Bau neuer Kliniken im 9. Bezirk und eine Modernisierung des Sanitäts- und Rettungswesens in den Griff zu bekommen. 1905 wurde die Schaffung eines Wald- und Wiesengürtels, der selbst einer 4-Millionen-Stadt noch genügen und ungesunde Wohnverhältnisse bei steigender Bevölkerungsdichte vermeiden sollte, beschlossen. Auch eine Reihe innerstädtischer Grünanlagen wurde errichtet. Der immense Wasserbedarf, vor allem durch die Eingemeindung der Vororte wenige Jahre zuvor, führte zum Bau der zweiten Wiener Hochquellenwasserleitung. 1899 im Gemeinderat beschlossen, wurde sie 1910 in Betrieb genommen. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Schulwesen gewidmet: 1908 erfolgte die feierliche Eröffnung der 100. Schule, die von der christlichsozialen Stadtregierung errichtet worden war. Auf kulturellem Gebiet wurde die Errichtung eines städtischen Museums auf dem Karlsplatz beschlossen − ein Projekt, das nach vielen Neukonzeptionen erst 1959 Realität wurde. Jetzt wird es wieder umgebaut und erweitert! Schneller ging es mit dem „Kaiser-Jubiläums-Theater“ (heute als „Volksoper“ bekannt), das 1898 eröffnet wurde. Die „Wiener Urania“ nahm ihren Betrieb 1910 auf. 1907 wurden das städtische Leichenbestattungs-Unternehmen mit dem Ziel, auch armen Bürgern ein würdiges Begräbnis zu sichern, gegründet, 1899 der Rathauskeller als städtische Unternehmung eröffnet. Der schon bestehende Zentralfriedhof musste nach Süden und Osten erweitert werden; zugleich wurde die „Lueger-Gedächtniskirche“ errichtet. Mit der Errichtung der „Städtischen Kaiser Franz Josefs-Jubiläums-Lebens- und Rentenversicherungsanstalt“ (Beschluss 1898) und der Gründung der „Zentralsparkasse“ (Beschluss 1905) dehnte die Stadt Wien ihre wirtschaftliche Tätigkeit in weite Bereiche des täglichen Lebens aus.

Es gibt wohl kaum einen Wiener Bürgermeister, dessen Anhänger und Gegner ein so unterschiedliches Bild von seiner Persönlichkeit entwarfen, wie dies bei Lueger der Fall ist. Glorifizierung auf der einen stand und steht oft pauschalisierende Ablehnung auf der anderen Seite gegenüber. Außer Zweifel steht, dass der „schöne Karl“ und „Herrgott von Wien“, wie ihn manche seiner Anhänger in grenzenloser Bewunderung nannten, eine in vielerlei Hinsicht außergewöhnliche Persönlichkeit war. Volkstümlich und in weiten Kreisen der Bevölkerung außerordentlich populär, war er der erste bürgerliche Politiker, der mit Massen rechnete, Massen bewegte“.

Aber er wandte sich zunehmend stärker gegen das „liberale Finanzjudentum“ und machte sich bereits vorhandene antisemitische Strömungen zunutze, wobei er mehr wirtschaftlich als religiös und wahrscheinlich nicht rassistisch motiviert war. Bei aller Betonung des „deutschen Charakters“ Wiens war er ein Gegner des Großdeutschtums. Ob er persönlich überzeugter Antisemit war, oder ob er lediglich populistisch agierte, wird bis heute unterschiedlich gesehen, doch sprechen verschiedene Indizien für letzteres. Berühmt geworden ist der kolportierte Ausspruch „Wer ein Jud’ ist, bestimme ich!“. Er verstärkte den Antisemitismus jedenfalls und wurde zu einer Schlüsselfigur für die Wandlung Adolf Hitlers zum Antisemiten.

Ich meine halt, dass derzeit seine positiven Seiten zu wenig und sein Antisemitismus zu stark betont werden.

Gedenktage kontroversieller Persönlichkeiten: Karl Lueger