Bin ich halt eine Umweltsau – na und?

Es scheint doch viele Menschen aufzuregen: Greta Thunberg hat gesagt: „Warum reden uns die Großeltern eigentlich immer noch jedes Jahr rein? Die sind doch eh bald nicht mehr dabei.“

Ein Standpunkt den wahrscheinlich viele Junge teilen, wenn sie ihn auch nicht notwendigerweise äußern. Greta hat das Asperger-Syndrom. Darüber lese ich, dass bei Menschen mit diesem Syndrom „das Kontakt- und Kommunikationsverhalten dadurch merkwürdig und ungeschickt erscheinen kann“. Und wir sollten alle nicht vergessen, das Mädchen ist 16 Jahre alt. Bei weniger in der Öffentlichkeit stehenden Kindern, würden wir das als pubertäre Äußerung abtun. Und sie hat es geschafft, dass wir ihr zuhören.

Ich selbst bin Großmutter und Urgroßmutter, also die betroffene Generation und ich weiß, dass ich „eh bald nicht mehr dabei sein werde“. Dieser Teil der Äußerung von Greta ist ja diesbezüglich inhaltlich richtig.  Allerdings finde ich durchaus, dass wir „dreinreden“ müssen, denn wenn wir etwas haben, dann ist es Erfahrung. Und die ist bei neuen Entwicklungen unerlässlich. Allerdings habe ich selbst an meinen Kindern und Kindeskindern erlebt, dass man Erfahrung nur in sehr beschränktem Umfang weitergeben kann.

Ich habe es mehrfach erlebt: viele Neuerungen werden nur mit ihren Vorteilen, selten aber mit ihren möglicherweise in der Zukunft liegenden Nachteilen wahrgenommen (und „verkauft“). In meiner Jugend waren wir von der Atomkraft schwer beeindruckt, selbstverständlich lehnten wir Atombomben ab, wie überhaupt Waffen, Krieg etc. Die zivile Nutzung? Da lagen doch die Vorteile auf der Hand. Wir, mein Mann und ich, wir haben für den Betrieb von Zwentendorf gestimmt, obwohl uns unsere Kinder damals sehr deutlich gemacht hatten, dass sie dagegen wären, und wir „ihre Zukunft“ nicht berücksichtigen würden. Unsere Argumentation: da steht ein sehr teures, fertiges Ding und nun soll es nicht genutzt werden?  „Sauberen“ Strom würde doch gebraucht, und man kann auch nicht jeden Fluss stauen. Dann aber kam Tschernobyl … Und wir sind mit der Tatsache vertraut geworden, dass im Grunde noch immer keine Lösung für die Endlagerung gefunden worden ist.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, als noch alles repariert und möglichst wiederverwendet wurde. Als Kind bekam ich Kleider, die eine Schneiderin aus ziemlich kaputten Kleidern meiner Eltern zusammenstoppelte, Mäntel wurden „gewendet“, weil sie schäbig erschienen aber noch tragbar waren. Selbstverständlich wurden Schuhe „gedoppelt“ bzw. deren Absätze gerichtet. Und an den Spitzen und an den Absätzen wurden „Eiserln“ angebracht, um das Abnutzen des Leders hintanzuhalten.

Viele Maschinen hatten wir nicht im Haushalt, aber Fahrräder wurden selbstverständlich repariert, auch bei den „frühen“ Autos wurden bei leichten Blechschäden „ausgeklopft“, und nicht wie jetzt ganze Teile ausgetauscht. Möbel wurden „fürs ganze Leben“ gekauft und man hatte gehofft, dass sie die nächste Generation weiterverwenden würde. Alles musste „solide“ sein.

Natürlich haben wir die Vorteile der „Nylon“-Produkte begrüßt, vor allem der Strümpfe, sie waren schön, sie waren viel billiger als Seidenstrümpfe, dennoch haben wir sie repassieren (also reparieren) lassen, bis sie nicht mehr verwendbar waren, und ich habe immer Strümpfe – die schon sehr unansehnlich waren, unter Hosen getragen. Dass sie Probleme bei der Verrottung machen, wussten wir damals nicht. Ebenso haben wir Nylon-, Perlonhemden und -blusen freudig begrüßt. Kein Bügeln! Bei uns allerdings war die Freude nur kurzfristig, weil sich die Nachteile sehr bald herausgestellt haben, ihre Trageeigenschaften waren nicht gut, man schwitzte leicht in diesen Kleidern, also tauschten wir sie wieder gegen Baumwolle aus. Aber es war nicht „Unverrottbarkeit“, die dazu führte, denn darüber wussten wir nichts.

Wir sind auch von Plastikhandtaschen z.B. bald zu Ledertaschen zurückgekehrt, allerdings werden diese uns jetzt auch madig gemacht, da sie ja von den Tieren stammen, die die Umwelt angeblich so belasten.

Wir alle tragen keine Pelzmäntel mehr – auch diese wurden verunglimpft, und was ist die Alternative: Plastik – mit Daunen gefüttert. Leichter ,angenehmer zu tragen, aber ist das so viel besser?  Denn auch sie werden weggeworfen, während Pelzmäntel – früher zumindest – für’s ganze Leben – gekauft wurden.

Nylonsackerl waren wirklich praktisch, vor allem, weil man sie für allerhand andere Zwecke wiederverwenden konnten. Ich habe Laden voll, jetzt halt mit Papiersackerln, wir hoben halt auch Plastiksackerln auf, bis sie zerrissen waren, und für die Verpackung des Mülls zur Entsorgung waren sie allemal gut genug. Aber Plastikarbeitshandschuhe tragen wir noch immer, ist das denn nicht auch „pfui“?

Ich bin sehr spät „das erste Mal geflogen“, es war eine Dienstreise nach Genf, zu einer Konferenz. Ich möchte diesen Flug in meinem Leben nicht missen, ich bin auch auf Kreuzfahrtschiffen gefahren (nicht durch Venedig!), und die Kreuzfahrtschiffe waren früher eher klein. Aber damals lag die Vorstellung mit dem „ökologischen Fußabdruck“ noch in weiter Ferne. Ich gebe zu, froh darüber zu sein, dass ich Sehenswürdigkeiten vor Einsetzen des Massentourismus besichtigen konnte.

Vieles, das heute als verwerflich gilt, haben wir früher aus Unwissenheit getan, manches hätten wir vielleicht hinterfragen können, aber es war halt „selbstverständlich“.

So, und jetzt habe ich Ihnen gebeichtet, warum, ich eine Umweltsau sein könnte – oder doch nicht? Ich finde dieses Lied einfach unnötig und nicht wert, sich drüber aufzuregen. Auch ich habe als Jugendliche „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ (und anderes, jetzt komplett politisch Unkorrektes gesungen) gesungen, und dabei sicher nicht an meine geliebte Großmama gedacht.

 

Bin ich halt eine Umweltsau – na und?

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