War es falsch, wie ich gehandelt habe?

Es tut mir irgendwie leid. Das war so, gestern mitten am Nachmittag – es läutet am Haustor – dieses ist untertags eigentlich offen. Ich erwarte niemand. Ich frage nach dem Namen. Die Antwort ist „Fabio“.  Ich erkundige mich weiter: „was wünschen Sie?“ Der Unbekannte drauf: ich möchte zu Ihrem Mann. Ich teilte ihm daraufhin mit, dass dieser vor 1 ½ Jahren gestorben ist. Kurzes Schweigen: „dann bringe ich ihnen die Flasche Raki für ihn und sie schütten den Inhalt über sein Grab“. Ich zögere kurz: wissen Sie was, trinken Sie die Flasche dann lieber selber aus. War dann meine Antwort. Ende!

Ich überlege noch immer, ob ich falsch gehandelt habe. Gefolgert habe ich, dass dieser Fabio einer der Pfleger meines Mannes gewesen ist – dann sollte ich ihn eigentlich kennen. Mein Mann hat gerne ein Gläschen Schnaps getrunken, zuweilen auch mit seinen Pflegern. Und eigentlich ist es doch sehr nett von Fabio, sich daran zu erinnern und eine Flasche aus seiner Heimat mitzubringen. Vielleicht hätte ich ein Schwätzchen mit ihm abhalten sollen. Um den Raki geht’s nicht, ich trinke keine „harten Getränke“, auch sonst kaum mehr etwas, seit ich allein bin.

Jetzt tut’s mir leid, dass ich ihn vor der Türe stehen hab lassen. Jemand in die Wohnung lassen, den ich nicht kenne- wäre das richtig? Im Zweifelsfall würde ich kaum Hilfe bekommen. Alte Mauern schirmen – normalerweise zum Glück – Geräusche gut ab. Und rundherum sind meist Büros.

Bin ich so misstrauische geworden, so auf meine Sicherheit bedacht? Misstrauen ist der Gegensatz von Vertrauen. Hatte ich Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Fabio?  Jaja, ich kenn das schon: viele würden sagen, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wie hätte ich was kontrollieren können?

Eigentlich versuche ich ein positiver denkender und handelnder Mensch zu sein. Es wäre es doch notwendig, jedem gegenüber offen zu sein. Aber andererseits – die Wohnung ist ein sehr intimer Rückzugsort, man kann doch nicht „jeden“ da hineinlassen Die Pfleger und Pflegerinnen meines Mannes kamen zwar alle aus dem Ausland waren aber von einer Firma vermittelt, die doch hoffentlich den „Background“ ihrer Angestellten überprüft haben.  Aber wer garantiert mir in diesem Fall, dass er wirklich ein Pfleger meines Manne s gewesen ist, und nicht an irgendeinem Lagerfeuer oder sonst wo von unserer Situation gehört hat, sich nach der Adresse erkundigt hat. Aber er kannte die Vorliebe meines Mannes für „lokale Schnapssorten“.

Aber was geschieht mit uns, wenn wir misstrauisch, ja argwöhnisch sind?  Jedenfalls habe ich ein Kennenlernen, ein Gespräch weitere Kommunikation vermieden. Das ist wiederum schade. Vielleicht wäre es sinnvoll, mir eine Strategie für ähnliche Fälle für die Zukunft zu überlegen? Naja, Situationen sind letztendlich nie wirklich ähnlich.

Was hätten Sie an meiner Stelle getan?

Jedenfalls von meiner Seite: bitte verzeihen Sie mir mein Misstrauen, Fabio – und Prost!

 

War es falsch, wie ich gehandelt habe?

6 Gedanken zu “War es falsch, wie ich gehandelt habe?

  1. Gertrude Pils schreibt:

    Liebe Frau Chorherr, Sie haben völlig richtig gehandelt ! Machen Sie nie jemandem auf, den sie nicht kennen ! Vertrauen kann man jemandem, den man kennt. Sonst wäre es Vertrauensseligkeit, und die ist naiv. Außerdem ist es unhöflich, ohne Voranmeldung vor der Wohnungstür zu stehen. Wer mit Ihnen in Kontakt treten möchte, soll Sie anrufen. Im gegenständlichen Fall, wo Sie ev. Interesse haben, die Person kennenzulernen, könnte man allenfalls vorschlagen, sich in 10-15 Minuten in einem Café um die Ecke zu treffen. Liebe Grüße !

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