Familientreffen und Kulturrelativismus

Das war ein Familientreffen „der anderen Art“. Mein Schwiegerenkel hat unsere und seine Familie (jeweils die Kleinversionen) eingeladen, ihn zu einem Vortrag ins AudiMax zu begleiten, über ein Thema, das ihn sehr interessiere. Getroffen haben wir uns bei mir – diese Kleinfamilienausgabe (10 Personen und ein Baby) zu einer Jause um dann zu dem Vortrag zu gehen.

Wie schon einmal erwähnt: wenn man alt wird, vergrößern sich die Clans durch die Einbringung neuer Familien. Das ist sehr erfreulich, denn man trifft dabei interessante und sehr nette Menschen. Es mögen einander also nicht nur die Enkelkinder, auch deren Altvordere können allerhand miteinander anfangen. Der einzige Wermutstropfen bei diesem Treffen ist, dass meine Geschirrwaschmaschine „spinnt“, das muss ich versuchen beheben zu lassen.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal im Audi-Max gewesen bin, der Eingang dorthin ist jetzt modernisiert und sehr übersichtlich. Der riesige Raum war bis auf den letzten Platz gefüllt, wir saßen allesamt sehr weit vorne. Der Titel der Veranstaltung war: „Leben mit den letzten Jägern und Sammlern“.

Während wir ankamen, wurde auf der Riesenleinwand – Werbung gezeigt, naja, jeder muss sich finanzieren. Und dann kam eine Einleitung von „Allesleinwand“ wobei über die zukünftigen Veranstaltungen berichtet wurde, z.T.im AudiMax, im Alten AKH und in der Stadthalle. Auch Reisemöglichkeiten wurden aufgezeigt, „weit abseits touristischer Pfade“.

Dann gehörte das Podium dem begnadeten Vortragenden Khaled Hakani, er sprach völlig frei, und er ist in der Lage Ernstes und Wesentliches witzig vorzutragen. 95% der Menschheitsgeschichte haben wir als Jäger und Sammler zugebracht meint Hakani. Aber wie lebt man in einer Gesellschaft ohne festen Wohnsitz, ohne Geld und Eigentum, ohne Hierarchie? Wie unterhält man sich ohne Kunst, Musik und Literatur? Wie erziehen Menschen ihre Kinder ohne formale Bildung? Woran glaubt man in einer Gesellschaft ohne Religion oder Humanismus? Wie denkt man ohne Vergangenheit und Zukunft?

Gemeinsam mit einem Forscherkollegen verbrachte Hakani viele Monate im Dschungel. Wurde von den Maniq zwar respektiert und angenommen, aber von den Jägern und Sammlern im Regenwald zumeist ausgelacht und war die meiste Zeit mit dem Überleben im Regenwald beschäftigt. Derzeit gibt es weltweit vermutlich nur noch rund fünf bis zehn Jäger- und Sammlergesellschaften, die weitgehend unberührt leben. In 10-15 Jahren wird es auch die Maniq in dieser Form wohl nicht mehr geben. Der Umgebungsdruck, die Abholzung des Regenwaldes, lassen dieser Gesellschaftsform keine Chance.

Hakani ist sehr bemüht, die allgemein bekannten Vorstellungen von Steinzeitmenschen, die auch jetzt noch in den Schulen gelehrt werden, zu widerlegen. Er meint, dass wir – wahrscheinlich durch unsren Fortschrittsglauben diese Vergangenheit bewusst negativ – „primitiv“ darstellen. Er meint, dass Menschen nie in Höhlen gelebt haben und daher der Begriff Höhlenmensch einfach falsch wäre. Wir erachten uns als „zivilisiert“ und daher diesen Jägern und Sammlern überlegen. Uns hinwieder betrachten jene wenigen, noch existieren, den, durch die Abholzung der Regenwälder extrem bedrohten Jäger und Sammler als „weird“- komisch. Bei der Jagd, so mussten die Forscher erfahren, waren sie nicht willkommen, denn sie wären zu langsam, zu laut und sie würden stinken (denn westliche Menschen schwitzen im Dschungel, während die Jäger und Sammler dies eben nicht tun).

Diese Jäger und Sammler leben nur „in der Gegenwart“, sie sind mit ca. 6-7 Jahren „erwachsen“, d.h. sie haben alles gelernt, das in diesem Lebensraum für sie erforderlich ist. Sie leben in egalitären Gesellschaften, es gibt keinerlei Hierarchie, weder zwischen Mann und Frau noch zwischen Älteren und Jüngeren, aber es gibt nicht codierte Regeln des Zusammenlebens, die ohne, die von uns so geschätzte Privatsphäre abläuft. Es gibt kein Privateigentum, jeder nimmt sich, man gibt nicht. Wenig Arbeitsteilung ist im Gegensatz zu unseren Gesellschaften erforderlich Man lebt in Kleingruppen zusammen, so ca. 150 Personen, jeder kennt jeden und weiß alles über ihn oder sie.

Die Lebenserwartung dieser Menschen, die eher kleinwüchsig sind, ist relativ hoch, 60 – 70 Jahre, sie sind sehr früh reif und bekommen – für uns sehr frühzeitig Kinder. Sie sind nicht neugierig auf westliche Kultur oder Menschen, wohl aber interessiert an der Lebensweise anderer Jäger und Sammler. Sie scheinen für uns nicht ehrgeizig zu sein, denn das Konzept des „Gewinnens, Rankings etc.“ ist ihnen komplett fremd. Es wird nicht gelobt.

Es gibt nur wenig „Zahlen“, also es gibt eins, es gibt zwei und es gibt dann nur mehr viele.  Aber ganz stimmt das auch nicht mit unserem Zählsystem zusammen. Denn ein großer Fisch ist eins, aber im Vergleich dazu können zwei Kleine Fische auch eins sein. Es gibt auch in der Sprache weder Vergangenheits- noch Zukunftsformen. Wenn, geht man überhaupt nur eine „Einheit“ zurück und voraus – morgen und gestern. In größeren Dimensionen werden „Generationen“ verwendet – „Dein Vater“, aber weiter geht Vergangenheit nicht.

Geschlafen wird „intermittierend“, jeweils 2 Stunden am Stück – auch um das Feuer (gegen Insekten etc.) am Brennen zu erhalten. Gearbeitet wird nur, wenn es notwendig ist, meist nur 2 – 3 Stunden am Tag, erst wenn keine Nahrung mehr vorhanden ist, wird wieder gejagt. Gejagt wird je nach Beute mit unterschiedlichen „Waffen“, z.B. auch mit Blasrohren – mühsame Herstellung – und Giftpfeilen. Gejagt wird nicht jeden Tag, gesammelt schon. Es gibt keine fixe Geschlechterzuordnung bei Sammeln bzw.  Jagen.

Aber die Menschen sind gepflegt, sich waschen sich, die Haare werden geschnitten, man rasiert sich Aber dann gibt es wieder keine Rituale, es wird nicht gesungen oder getanzt.

Dass sich eine nomadisierende Gesellschaft – die immer wieder zur Nahrungssuche aufbrechen muss, nicht mit Behinderten belastet, ist irgendwie verständlich, daher tritt zuweilen selektive Kindestötung – bis zum Alter von 3 Wochen auf. Es kann auch zu Pädophilie kommen, eben weil es eine vollkommen egalitäre Gesellschaft ist. Es gibt keinen Jenseitsglauben, kein Begräbnis, aber auch keine Angst vor dem Tod. Wesentlich ist es, als gemeinsames Anliegen, die Gruppe zu schützen, wird die Gruppe durch ein Mitglied verletzt: wird zuerst ausgelacht, dann ausgeschlossen und in Ausnahmefällen getötet.

Es wurde noch viel mehr und sehr launig erzählt und „bebildert“.

Jedenfalls eines weiß ich sicher: ich lebe lieber in unserer Gesellschaft, auch wenn ich noch so abhängig von anderen bin – was sich spätestens zeigt, wenn man gleichzeitig die Schlüssel, das Geld/die Bankomatkarte und das Handy verliert.

 

Familientreffen und Kulturrelativismus

Zur frühen Zeit der Ersten Republik – die gar nicht so goldenen Zwanziger Jahre

Ich möchte auf die Rede unseres Herrn Bundespräsidenten verweisen, der im Zusammenhang mit 75 Jahre Auschwitz gesagt hat, wir sollen uns nicht nur mit der Nazizeit beschäftigen, sondern mit der Zeit vorher und sie interpretieren, um zu erkennen welche Umstände denn zu solchen Handlungen führen können. Man kann ihm nicht genug danken.

Wenn heute von den „goldenen Zwanzigerjahren“ geredet wird, ist das wohl nur ein Teilaspekt der Verhältnisse – ja es wurde Charleston getanzt, es gab schicke – für damalige Zeit kurze – Kleider, Mieder waren ab nun verpönt, die Frauen trugen Bubikopf – und überhaupt, wir denken an den Film Cabaret.

Aber realistisch gesehen, besonders Österreich betreffend: die Welt der Menschen damals war plötzlich auf den Kopf gestellt. Die militärische Niederlage der Mittelmächte (Österreich-Ungarn, Deutsches Reich, Osmanisches Reich, Bulgarien) im Ersten Weltkrieg führte zum Auseinanderbrechen der Habsburger Monarchie und der Schaffung von unabhängigen Nationalstaaten als Nachfolgestaaten. Der Kleinstaat Österreich wurde eine parlamentarische Republik. Der Kaiser war somit weg, das Reich war weg, man lebte in einem winzigen Teil des ehemaligen Reiches und hielt das damalige Österreich nicht für lebensfähig. Der „Friedens“-Vertrag von Saint-Germain-en-Laye, einem der Pariser-Vororte-Verträge nach Kriegsende, hatte letztendlich noch die letzten deutschsprachigen Territorien den Nachfolgestaaten zugeteilt und dieses neue, kleine Österreich als „Kriegsverursacher“ erkannt und ihm eine gewaltige Schuldenlast auferlegt. Der Anschluss, als Rettung aus der derzeitigen Misere, an das nunmehr ebenfalls demokratische Deutschland wurde verboten.

Die Menschen hungerten, da die Nahrungszufuhr nicht mehr funktionierte, viele Männer waren nicht aus dem Krieg zurückgekehrt, hinterließen mittellose Witwen und Waisen, andere waren verwundet worden und mussten als Invalide leben, das Heer war aufgelöst worden und viele, die im Heer ihre Zukunft gesehen hatten, mussten sich nach etwas anderes umsehen. (Da betraf auch meinen Schwiegervater, der bei der stolzen Österreichischen Marine gedient hatte).

Regierung und Nationalversammlung standen vor großen Herausforderungen. Der verlorene Weltkrieg, die Kriegsschulden und zu Beginn der 1920er Jahre überaus schwierige wirtschaftliche Situation sowie die damit einhergehende Arbeitslosigkeit und Armut verschärften die Not vieler Menschen, von denen immer mehr an der Überlebensfähigkeit der jungen Republik zweifelten. Zudem trug der ideologische Gegensatz zwischen den beiden großen politischen Lagern (Christlichsoziale und Sozialdemokraten) zur innenpolitischen Polarisierung bei und verschärfte so die gesellschaftlichen Spannungen.

Nur mit finanzieller Unterstützung aus dem Ausland (Völkerbundanleihe, geregelt in den „Genfer Protokollen“) gelang zunächst ab 1922 die wirtschaftliche Konsolidierung des Landes. Sparmaßnahmen waren die Folge, etwa durch einen dramatischen Stellenabbau im öffentlichen Dienst. Dier Inflation, die erst 1924 zur Änderung von der Krone durch den Schilling geführt hatte, verursachte eine wesentliche Verarmung weiter Teile der Bevölkerung. Das in Kriegsanleihen investierte Geld war verloren! Die jährliche Verbraucherpreisinflation eskalierte nach Kriegsende: 1919 lag sie bei 149 %, 1920 bei 99 %, 1921 explodierte sie auf 205 % und 1922 auf 2.877 %.  Kurzfristige politische Sachzwänge hatten als Rechtfertigung für eine ultralockere Geldpolitik gedient, obwohl bekannt war, dass dies letztendlich die Währung entwerten und Chaos und Zerstörung zur Folge haben würde, wenn auch mit einigen Jahren Verzögerung. Während die Hyperinflation die staatliche Schuldenlast reduzierte, bewirkte sie gleichzeitig die Verarmung der Inhaber der Kriegsanleihen und damit der Mittelschicht. Nur jene, die über Sachwerte -Grund und Boden, Immobilien, Edelmetalle verfügten, konnte ihre Vermögen retten.

Die Hyperinflation konnte dann gestoppt werden: nicht zuletzt durch ein internationales Hilfsprogramm des Völkerbunds. Konkret organisierte der Völkerbund Garantien einer Reihe von Ländern für eine internationale Anleihe des österreichischen Staates („Völkerbundanleihe“). Die Vergabe er Anleihe war an die Umsetzung durchgreifender Währungs- und Fiskalreformen sowie an eine strenge internationale Überwachung der österreichischen Wirtschaftspolitik geknüpft – genau genommen wurde die Souveränität dieses neuen kleinen Österreich  in wirtschaftlichen Belangen erheblich eingeschränkt. Und diese Anleihen wurden später zurückgezahlt, wenn das auch dauerte.

Die Spannungen zwischen den regierenden Parteien aber auch die vielen arbeitslosen ehemaligen Militärs führten dazu, dass beide Parteien paramilitärische Verbände gründeten. Schon unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in mehreren österreichischen Bundesländern paramilitärische Formationen, die zunächst als Ortswehren, Bürgergarden, Kameradschafts-, Frontkämpfer und überparteiliche Selbstschutzverbände v.a. im Abwehrkampf auftraten. Diese Verbände wurden bald zu „Heimwehren“ zusammengefasst, die der Christlichsozialen Partei nahestanden, von obersteirischen Großindustriellen, aber auch vom faschistischen Italien als Gegengewicht zu den Organisationen der Arbeiterschaft gefördert und ausgerüstet wurden. Die Sozialdemokraten begegneten dieser Entwicklung mit der Bildung einer bewaffneten Arbeiterwehr, die seit Mai 1923 „Republikanischer Schutzbund“ genannt wurde. Zunächst als Ordner- und Schutzorganisation für sozialdemokratische Veranstaltungen gedacht, trat das Ziel der Verteidigung der Republik und ihrer Errungenschaften immer mehr in den Vordergrund.

Und anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz-Birkenau und anderer Konzentrationslager warnte der UNO-Generalsekretär António Guterres vor einer „globalen Krise des antisemitischen Hasses“. Erinnern wir uns und bleiben wachsam. Nur wer aus der Geschichte lernt kann eventuell dazu beitragen, dass sie sich nicht wiederholt.

Zur frühen Zeit der Ersten Republik – die gar nicht so goldenen Zwanziger Jahre

Uns geht’s gut – aber so rundherum?

So gut es uns hier geht, so schön unsere Stadt und unser Land (und die EU) sind, können wir doch die Augen vor Problemen, vor denen die Welt steht, nicht die Augen verschließen. Hier nur zwei davon

Ad Putin

Mit Geschichte (aber nicht nur) beschäftigt sich auch Vladimir Putin. Er meint, man müsse den Geschichtsklitterern „das Maul stopfen“. Ich finde das deshalb so interessant, weil gerade im sowjetischen n Russland immer wieder „die Geschichte umgeschrieben wurde“.  Derzeit versucht Putin Stalin in besserem Licht erscheinen zu lassen, aber dieser ließ nicht nur Millionen Ukrainer, Kasachen und andere Sowjetbürger in den Tod treiben – durch vorsätzlich herbeigeführte Hungerkatastrophen Anfang der 30er-Jahre, um die Kollektivierung der Landwirtschaft zu erzwingen. Stalin entfesselte auch mit dem Großen Terror 1936 bis 1938 in Russland selbst eine geradezu apokalyptische Säuberung, die jeden treffen konnte, der denunziert wurde. Mindestens eine Dreiviertelmillion Sowjetbürger erschossen Mordtrupps des sowjetischen Geheimdienstes NKWD auf direkten Befehl aus dem Kreml. Stalin entfesselte auch mit dem Großen Terror 1936 bis 1938 in Russland selbst eine geradezu apokalyptische Säuberung, die jeden treffen konnte, der denunziert wurde. Mindestens eine Dreiviertelmillion Sowjetbürger erschossen Mordtrupps des sowjetischen Geheimdienstes NKWD auf direkten Befehl aus dem Kreml. Die hohe Generalität aber auch das mittlere Offizierskorps wurden dezimiert. Das schwächte das sowjetische Heer derart, dass es den Deutschen dann möglich war, rasch bis fast vor Moskau vorzurücken. Ich finde halt es geht nicht, Hitler zu verdammen und die Taten Stalins dann zu rühmen, die beiden hatten ja auch einen Nicht-Angriffspakt (Molotow-Ribbentrop-Pakt vom 23. August 1939) vereinbart, um Polen zu teilen. Die Deutschen haben ihn dann halt gebrochen, als es ihnen opportun erschien.

Ad Trump

In Davos prahlte Donald Trump über seine Verdienste als US-Präsident. Aber wie erfolgreich war seine erste Amtszeit tatsächlich? Kein Zweifel: Vielen Amerikanern geht es wirtschaftlich gut unter Trump. Nicht nur die Unternehmen zahlen weniger Steuern als früher. Auch die Privatpersonen haben am Ende des Monats mehr Geld auf dem Konto. Die Börsen eilen von einem Rekord zum nächsten.

Die Aktienmärkte haben absolut während seiner Amtszeit immer neue Höchststände erreicht. Das ist beachtlich, weil viele Experten davon ausgegangen waren, dass die Aktienmärkte einbrechen würden, falls er ins Weiße Haus einziehen sollte. Doch die Märkte sind prozentual gesehen unter Trump weniger stark gestiegen als unter Barack Obama und Bill Clinton. Ähnliches gilt für den Arbeitsmarkt: Tatsächlich sind unter Trumps Regierung deutlich mehr Menschen beschäftigt als zuvor. Aber der Trend war auch unter Obama positiv. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 3,5 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit 60 Jahren. Dank seiner Steuerreform können „arbeitende Familien mehr von ihrem hart verdienten Geld behalten“.

Der Preis für die Steuersenkungen: ein Defizit des Bundeshaushalts, das im US-Haushaltsjahr 2019 auf 4,6 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts anstieg – 0,8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Der größte Haken an dem Geldsegen für die Unternehmen: Er hat insgesamt nicht in der Höhe zu Investitionen in neue Fabriken und Unternehmen geführt, wie es die Regierung gehofft hatte. Stattdessen ist das Geld vielerorts in den Rückkauf eigener Aktien geflossen, mit denen die Unternehmen künstlich ihren Aktienkurs beflügeln.

Jeder vierte Amerikaner gab in einer Gallup-Umfrage an, medizinische Behandlungen für schwere Krankheiten für sich oder ein Familienmitglied aufzuschieben, weil die Kosten so hoch sind. Das ist der höchste Stand aller Zeiten. Die Krankenversicherungskosten steigen schneller als Inflation und Löhne.

Und selbst mit seiner, für die Weltwirtshaft desaströsen Handelspolitik war Trump nicht ganz so erfolgreich im eigenen Land, wie er behauptet. Die Grundlage für diese Politik ist: mögliche Abschaffung von multilateralen Verträgen und Regelwerken wie dem der Welthandelsorganisation WTO. Dafür schätzt Trump bilaterale Abkommen, in denen die USA als größte Volkswirtschaft den Handelspartnern ihren Willen aufzwingen können. Tatsächlich hinterlässt Trumps aggressiver Kurs Spuren in der amerikanischen Handelsbilanz – auf den ersten Blick durchaus im Sinne des Präsidenten. Das US-Handelsbilanzdefizit mit China sank 2019 um 50 Milliarden Dollar, nachdem es 2018 mit 421 Milliarden Dollar einen neuen Rekord erreicht hatte. Aber: der Rückgang des Handelsdefizits mit China ist teuer erkauft, weil Drittstaaten wie die Europäische Union die Lücke füllen.

Wenn man die US-Außenpolitik betrachtet, befindet sich die Zahl der Konflikte auf einem Allzeithoch, aber die Zahl der in Konflikten getöteten Menschen nähert sich dem vor zehn Jahren erreichten Rekordtief an. Aber Trump hat mit seiner nationalistischen Außenpolitik dazu beigetragen, dass die Welt gefährlicher geworden ist. Und zwar vor allem, weil Trumps Amerika sich nicht mehr als Führungsnation des Westens begreift und sich aus der Rolle der Ordnungsmacht verabschiedet hat, die das regelbasierte internationale System stützt. Er folgt jetzt seinen Instinkten – oder den außenpolitischen Eingebungen seiner Lieblingsmoderatoren beim konservativen Fernsehsender Fox News. So kommt es, dass die USA den nordkoreanischen Despoten Kim Jong Un beim Aufbau eines Kernwaffenarsenals gewähren lassen, den Iran aber mit Sanktionen und Drohnenschlägen unter Druck setzen. Amerikas Außenpolitik hat jede Konsistenz verloren. Trump hält das für seine große Stärke. Für Trump ist die Unterscheidung zwischen Freund und Feind ohnehin hinfällig. Alle haben es in seinen Augen darauf abgesehen, Amerika über den Tisch zu ziehen. Allein gegen den Rest der Welt – dieses Denken bestimmt sein Handeln. Die Kosten von Trumps Politik bleiben bisher oft verborgen, doch sie sind real. Das Vertrauen, das wichtigste Kapital einer Weltmacht, die sich bisher als wohlwollender Hegemon verstand, ist nachhaltig erschüttert. Mit seinem Slogan „America first“ hat Trump eine falsche Fährte gelegt. Nationale Interessen stehen bei ihm nicht an erster Stelle – sondern persönliche, vor allem die Wiederwahl und sein eigener wirtschaftlicher Gewinn. Ihnen ordnet er die Außenpolitik unter.

Wenn man die US-Innenpolitik betrachtet, dann fällt mir eigentlich nur ein Satz dazu ein: Anfachen des Hasses. Trump lebt von der Polarisierung. Und er liebt Mauern!

Zusammenfassend: In seinem gesamten politischen Handeln hat Trump die Methoden des ausgebufften New Yorker Immobilienspekulanten nie hinter sich gelassen. Die typischen Elemente seines Handelns: gezielter Einsatz von Drohungen oder Schmeicheleien, um Gegner abzuschrecken oder für sich einzunehmen. Der flexible Umgang mit der Wahrheit und mit Rechtsnormen.

Beim Impeachment Verfahren wird, egal, wie erdrückend die Beweislast gegen den Präsidenten sein mag, die republikanische Mehrheit im Senat ihn rauspauken. Und aufgrund des Wirtshaftsaufschwunges wird er – meiner Meinung nach – auch wiedergewählt werden. Leider!

 

 

Uns geht’s gut – aber so rundherum?

Ein empfehlenswertes Lokal im Servitenviertel

Ein gemeinsames Essen mit Freunden war vereinbart. Ich freue mich immer sehr drauf. Das Datum, die Uhrzeit und der Ort waren fixiert.

Aber dann rief mein Freund an: „Du weißt schon, dass an diesem Abend der „Akademikerball“ stattfindet“. Das ist ein Burschenschafterball, leider in der Hofburg, der immer zu Protesten „gegen Rechts“ führt. Manchmal zu Protesten mit Ausschreitungen. Und deshalb werden vorsichtshalber große Teile der Innenstadt – besonders aber Teile des Rings abgesperrt.

Verständlicherweise wollten meine Freunde nicht „in die Stadt“ kommen. Zur Diskussion gestellt wurde eine Verschiebung unseres Termins oder ein Lokal – weitab von den erwarteten Protestdemonstrationen. Ich entschied mich für zweiteres. Ich mag es nämlich gar nicht, wenn mir ein Vergnügen von Leuten verleidet wird, die ich ohnedies nicht besonders leiden kann – nämlich Extremisten – auf beiden Seiten. Am liebsten wäre es mir, wenn dieser Ball überhaupt an einen anderen Ort verlegt werden könnte. Warum muss wirklich ein Burschenschafterball in der Hofburg stattfinden? Das Austria-Center wäre doch eine nette Alternative und dort gäbe es massenhaft Platz für Demonstrationen – sogar die Donauinsel wäre auch nicht weit? Aber das ist eine Diskussion die andere führen müssen.

Dieser Ball mitsamt den Demonstrationen ist nämlich auch geschäftsstörend. Denn potentielle Kunden bleiben am Nachmittag vor dem Ball aus, die Geschäfte schließen früher und verrammeln den Eingang und eventuell die Auslagen. Es gab schon einmal zerschlagene Auslagenscheiben und entzündete Feuer – zugegeben, das ist schon ein Weilchen her, aber halt auch nicht auszuschließen.

Jetzt erhob sich die Frage: wohin kann man ausweichen, ohne in die Nähe von Demonstrationen zu kommen.  Zum Glück fand das diesbezügliche Telephongespräch zu einem Zeitpunkt statt, an dem ich gerade – in Klosterneuburg – mit Bekannten zusammen war. Ich wurde gefragt, wo meine Freunde denn wohnten – also im Alsergrund worauf umgehend die Antwort kam, geht’s doch ins Servitenviertel. Schnell waren zwei Telephonnummern zur Hand und die Frage des Lokals war dann prompt gelöst.

Normalerweise hab‘ ich eine fast Haus-zu-Haus Strassenbahn-Verbindung in diese Gegend, aber gerade an diesem Abend war wieder einmal alles anders und die Straßenbahnen am Ring verkehrten nur „auf Abwegen“ für mich. Auch die sonst verkehrenden Stadtautobusse waren eingestellt. Die U-Bahn wäre eine Alternative, gewesen, aber ich entschied mich dafür, zu Fuß durch die Stadt zu gehen, natürlich musste ich den direkten Weg vermeiden, denn der hätte ja eventuell durch „gefährdete“ Gebiete geführt. Aber der Umweg war nicht groß und das Leben lief hier „as usual“ ab. Und ich gehe gern durch die Stadt und schaue in die Auslagen. So kalt war’s auch nicht, dass ich dabei gefroren hätte.

Das Servitenviertel ist ein Grätzl im 9. Wiener Gemeindebezirk Alsergrund im Bezirksteil Rossau. Diese Bezeichnung geht auf das 1639 gegründete Servitenkloster geht. Einst bestand diese Gegend aus mehreren Inseln, die von Seitenarmen der damals unregulierten Donau getrennt wurden. Die Bevölkerung verdiente ihren Lebensunterhalt vor allem mit der Fischerei und Schifffahrt. Zu den Sehenswürdigkeiten des Servitenviertels zählen die in seinem Zentrum stehende Servitenkirche mit ihrem Kirchenplatz, die Peregrini-Kapelle sowie der Jüdische Friedhof Rossau, der älteste jüdische Friedhof Wiens. Besonders in den letzten Jahren haben einige hippe Cafés und Lokale dem Grätzl ihren eigenen Charme verliehen. Manche meinen, dass das Servitenviertel das pariserischste Eck in Wien wäre.

Die Geschäfte bieten  hier allerlei – auch Kulinarisches – an (z.B. eine Nudelmanufaktur, eine Käsegeschäft) aber auch hübschen Schmuck oder schickes Gewand, waren schon geschlossen, die vielen Gast- und Wirtshäuser waren selbstverständlich offen. Viele davon „besternt“. Wir hatten uns für den Servitenwirt entschieden und waren dann wirklich sehr zufrieden. EMPFEHLENSWERT!

Man sitzt gemütlich, das Lokal hat eine gute Akustik, das ist mir wichtig, wenn ich mag es nicht, wenn man die Gespräche der Nachbarn mitverfolgen kann. Vorweg tranken wir Crémant bzw. Bier. Man kann ein Menü bestellen oder einfach aus den „Schmankerln“ der Speisekarte aussuchen. Die Gerichte sind originell, aber geschmacklich bestens kombiniert. Für uns interessant: es gibt hier köstlich zubereitete Innereien aber selbstverständlich auch „alles andere“ – wie Fleisch, Fische und Vegetarisches. Die Weine die wir dazu tranken – auf eine Sorte konnten wir uns nicht einigen – haben uns geschmeckt (ich bin aber beileibe kein Weinkenner). Meine obligate Palatschinke zum Nachtisch war mit selbstgemachter Marmelade gefüllt – der Kaffee am Ende stark. Wir werden sicher wiederkommen, spätestens im Sommer, wenn der Garten zur Servitenkirche hin, dann wieder offen haben wird.

Nach Hause bin ich auf dringendes Anraten meiner Freunde mit dem Taxi gefahren, Es waren noch ein paar Zufahrten zum Ring gesperrt, der freundliche „Taxler“ meinte, die Demonstranten hätten sich in Gruppen eingeteilt, die an verschiedenen Orten aufgetaucht wären, konnte aber dann direkt bis zu meinem Wohnhaus fahren.

Ich empfehle einen Besuch im Servitenviertel, besonders aber bei dem Servitenwirt.

 

 

Ein empfehlenswertes Lokal im Servitenviertel

Zu unseren Familiennamen

Wie ich gestern schon berichtet habe, war ich im Stift Klosterneuburg. Und dabei habe ich einiges erfahren, das ich bis dahin nicht gewusst hatte. Z.B., dass die Brüder in diesem Stift keine Mönche sind, sondern Herren, Chorherren. Das sie selbst keine „niedrigen“ Arbeiten machen, wie es oft durch die Nicht-Priester in den Orden ausgeführt werden. Auch deshalb hat das Stift ca. 300 Angestellte.  Es wird auch weniger Zeit für das Gebet aufgewendet im Stift, als in einem Kloster, aber dafür sind viele der Brüder – oder Herren – als Priester (29) in diversen Pfarren, wo sie dann auch wohnen tätig. Selbstverständlich gibt es auch „Hierarchien“, bestimmt durch die Länge der Zeit seit dem Eintreten in das Stift.

Mir wurde auch bewusst, wie ehrfurchtsvoll diese Augustiner Chorherren von den Laien dort behandelt werden. Die Augustiner-Chorherren sind ein Zusammenschluss mehrerer katholischer Kanonikerorden, die nach der Regel des heiligen Augustinus leben. Sie sind in der Mehrzahl Priester, die das feierliche Stundengebet pflegen und zugleich in der Seelsorge tätig sind.

Im 11. Jahrhundert wurden Reformen bei den Kanonikern durchgeführt, die zu regulierten Chorherrenstiften führten. Auf 1059 und 1063 in Rom stattfindenden Synoden wurden so die unterschiedlichen geistlichen Gemeinschaften der Kleriker ermahnt, eine einheitliche Regel einzuführen. Bis Mitte des 12. Jahrhunderts wurde bei fast allen dieser Gemeinschaften die Regel des heiligen Augustinus von Hippo eingeführt, die offiziell durch das Laterankonzil 1215 bestätigt wurde. Augustinerchorherren legen danach ein Gelübde auf ihr Stift ab und wählen unter den beiden überlieferten Augustinusregeln entweder die Version Praeceptum / ordo antiquus oder die strengere Version Ordo monasterii / ordo novus aus. Während der Reformation im 16. Jahrhundert und der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden im deutschsprachigen Raum die Augustiner-Chorherrenstifte überwiegend aufgelöst.

Am 4. Mai 1959 gründete Papst Johannes XXIII. mit dem Apostolischen Schreiben „Caritas Unitas“ zur Erinnerung an den 900. Jahrestag der Ostersynode vom 13. April 1059 die „Konföderation der Augustiner-Chorherren“. Den Bund der Chorherren fasste er – nach seinen Worten – deshalb zusammen, damit sich diese gegenseitig unterstützen und gemeinsam wohltätig sein können. Der Abtprimas der Konföderation wird auf Vorschlag der Konföderationsmitglieder für den Zeitraum von sechs Jahren gewählt. Er koordiniert die Beziehungen der einzelnen Kongregationen untereinander und regelt die liturgischen Feste. Er macht Vorschläge für Stipendien und kann neue Chormitglieder bestimmen. Abtprimas war vom 19. Oktober 2010 bis zum 11. Oktober 2016 Bernhard Backovsky, Propst des Stiftes Klosterneuburg und Generalabt der Kongregation der österreichischen Augustiner-Chorherren. Eine Erinnerungstafel an sein Wirken haben wir im Kloster gesehen.

Es gab früher, jetzt nicht mehr – schade – auch Chorfrauen, im Mittelalter entstandener, kanonischer Orden der Augustinerinnen (mehr ließ sich darüber nicht finden) oder die Augustiner-Chorfrauen B.M.V. oder auch Congregatio Beatae Mariae Virginis, sind ein römisch-katholischer Frauenorden. Sie sind in Frankreich unter dem Namen Congrégation de Notre-Dame de chanoinesses de Saint Augustin, kurz Congrégation Notre Dame, bekannt. In Deutschland wurden sie zur Zeit ihrer ersten deutschen Niederlassungen auch als Welschnonnen oder Lotharinger Chorfrauen bezeichnet.

Und jetzt noch der Vollständigkeit halber: es gibt den Ort Chorherrn – im Süden des Tullerfeldes gelegen, eine Katastralgemeinde der Marktgemeinde Tulbing. Der Ortsname Chorherrn ist eine Herleitung aus der mittelhochdeutschen Bezeichnung für Karren, Wagen karech und somit ein Hinweis auf die traditionell verkehrsgünstige Lage der Gemeinde. Als Charcharen wird der Ort 1143/47 erstmals urkundlich genannt. In den Jahren 1529 und 1683 verwüsteten osmanische Streifscharen Chorherrn, infolge des Erdbebens 1590 entstanden Schäden an den Gebäuden des Ortes. Von schweren Bränden war Chorherrn 1860 und 1873 betroffen.

Nach alldem ist zu bemerken, dass ich ja eine „Chorherr“ bin, nein, nicht eine Chorfrau, obwohl ich zu meinen aktiven Zeiten von manchen Kollegen so genannt worden bin. Und zu dem Namen bin ich durch Heirat gekommen, in meiner Generation war es halt noch undenkbar für eine Frau, nicht den Namen ihre zukünftigen Gatten anzunehmen.

Jetzt ist nur noch zu ergänzen, dass mein Mädchenname Lambacher war. Nun gibt es ein Stift Lambach, es ist ein an der Traun liegendes Kloster der Benediktiner in Oberösterreich. Es gehört zur Österreichischen Benediktinerkongregation. Das Kloster wurde um 1046 als Säkularkanonikerstift durch Graf Arnold II. von Wels-Lambach gegründet. Dessen Sohn, Bischof Adalbero von Würzburg, wandelte es 1056 in ein Benediktinerkloster um. Beim Bayerneinfall 1233 – Herzog Otto II. von Bayern bricht in das Herrschaftsgebiet der österreichischen Babenberger ein – wurden das Kloster und die Kirche Großteils zerstört.

Aber unser Name „Lambacher“ geht nicht auf das Stift zurück, sondern auf Bauern im Vinschgau in Südtirol, nicht weit vom Ortlergebirge. Und „Lambacher“ ist bereits eine Verballhornung des Namens, denn in den alten Kirchenbüchern scheint „Lanpacher“ auf – und Lan sagt man dort zu einer Lawine.

Soviel zu unseren Familiennamen.

Zu unseren Familiennamen

Die MR Symphonie

Aufgrund von Rückenschmerzen war ich beim Orthopäden. Natürlich will ich Sie nicht mit Krankheiten langweilen, das tun ohnedies viele andere – wie auch in den on-line Foren geklagt wird. Nach eingehender Untersuchung wurde eine Magnetresonanztomographie eines Teils meiner Wirbel gefordert.

Jetzt ganz kurz: was ist diese Magnetresonanztomographie? Das ist ein bildgebendes Verfahren, das vor allem in der medizinischen Diagnostik zur Darstellung von Struktur und Funktion der Gewebe und Organe im Körper eingesetzt wird. Es basiert physikalisch auf den Prinzipien der Kernspinresonanz. Mit der MRT können Schnittbilder des menschlichen (oder tierischen) Körpers erzeugt werden, die eine Beurteilung der Organe und vieler krankhafter Organveränderungen erlauben. Sie basiert auf – in einem Magnetresonanztomographiesystem erzeugten – sehr starken Magnetfeldern sowie magnetischen Wechselfeldern im Radiofrequenzbereich, mit denen bestimmte Atomkerne (meist die Wasserstoffkerne/Protonen) im Körper resonant angeregt werden, wodurch in einem Empfängerstromkreis ein elektrisches Signal induziert wird. Da somit das zu beobachtende Objekt „selbst strahlt“, unterliegt die MRT nicht dem physikalischen Gesetz zum Auflösungsvermögen optischer Instrumente, nach dem die Wellenlänge der verwendeten Strahlung umso kleiner sein muss, je höher die geforderte Auflösung ist. In der MRT können mit Wellenlängen im Meterbereich (energiearme Radiowellen) Objektpunkte im Submillimeterbereich aufgelöst werden. Eine wesentliche Grundlage für den Bildkontrast sind die Protonendichte und unterschiedliche Relaxationszeiten verschiedener Gewebearten. Daneben trägt auch der unterschiedliche Gehalt an Wasserstoff-Atomen in verschiedenen Geweben (z. B. Muskel, Knochen) zum Bildkontrast bei. Ein kompliziertes Gerät!

Nun zum Procedere: Ganz einfach ist das nicht, denn (aufgrund wahrscheinlich der Kosten einer derartigen Untersuchung oder der zu geringen Verfügbarkeit geeigneter Apparate) ist eine derartige Untersuchung „chefarztpflichtig“, d.h. man muss zu eine der Krankassenstellen gehen und dort die Verschreibung vorlegen, die dann – hoffentlich – vom Chefarzt bewilligt wird. Das dauert gemeinhin, denn viele Menschen benötigen für ihre Verschreibungen die Bewilligung des Chefarztes. Man zieht Nummer, die dann aufgerufen werden. Warum ich mich dieser Prozedur nicht mehr unterziehe ist die Tatsache, dass der Chefarzt den Patienten gar nicht zu Gesicht bekommt, oder Fragen stellen könnte, warum etc. Daher nutze ich jetzt die Möglichkeit, diese Prozedur jetzt „elektronisch“ abzuwickeln. Ich scanne die Verschreibung in, schicke dies Kopie an die Krankenkasse und nach einiger Zeit kommt dann die bewilligte – bestätigte – Kopie per Post zurück. Das ist erheblich weniger zeitaufwändig, dauert halt ein paar Tage. Aber wahrscheinlich haben sie diese Prozedur auf ein- oder die andere Art ohnedies schon erlebt.

Nun galt es noch einen Termin auszumachen, den ich dann doch relativ zeitnah bekam – allerdings um 19 Uhr abends (also die Maschinen werden sehr gut genützt). Ausgestattet mit der ursprünglichen Verschreibung, der bestätigten Kopie und der E-Karte begab ich mich in ein Labor wo man mindestens eine viertel Stunde vor der angesetzten Untersuchungszeit anzukommen hat (dann kommt man aber auch sehr zügig dran!)

Also nachdem man sich aller metallischen Dinge und vieler Kleider entledigt hat, wird man in eine Röhre geschoben, man bekommt einen Knopf in die Hand – um jederzeit die Prozedur stoppen zu können sowie Ohrenschützer.

Und dann geht es los. Diese Maschine ist in der Lage eine derartige Vielzahl von lauten, aber sehr vielfältigen Geräuschen zu erzeugen, die nach kurzen stillen Pausen immer wieder vehement einsetzen. Es dauert nicht allzu lange aber laut ist es schon.

Ich schlage vor, diese Geräusche einmal aufzuzeichnen und in Radiosendungen wie z.B. Zeit-Ton als MR-Symphonie aufgeführt zu werden.

Die MR Symphonie

News aus dem Grätzl

Grätzl sind in Wien Teile von Wohnbezirken. Ein Grätzl umfasst meist mehrere Häuserblöcke, jedoch gibt es für diese kleinsten städtischen Einheiten keine offiziellen Grenzziehungen. Ein Bezirksteil kann mehrere Grätzl umfassen. Die Identität eines Grätzls wird durch die Unterscheidung von benachbarten Gegenden oder ein eigenes Lebensgefühl bestimmt. Grätzln findet man hauptsächlich in den Bezirken in und rund um den 1. Bezirk (der die ursprüngliche Größe Wiens innerhalb der Stadtmauern widerspiegelt), da sich die verschiedenen Dörfer rund um Wien in Stadtnähe platzierten.

Ich ging zum Friseur – natürlich im Grätzl. Von dem aber ich schon einmal an dieser Stelle erzählt.  Auch das dort ausgestellte Krönchen für den Opernball durfte ich heuer bewundern – es unterscheidet sich wesentlich von jenem des letzten Jahres, das eher eine Krone für ein Dowager-Queen geeignet gewesen ist. Mein Friseur frisiert nämlich die Debütantinnen für den Opernball.

Auch heute war es recht „busy“ dort und ich stellte fest, dass es wieder neue Lehrlinge gibt. Die Ausbildung wird hier sehr ernst genommen. Von dem in seiner Ausbildung schon weit fortgeschrittenen Momo – einem Afghanen, habe ich schon berichtet. Unter den neuen Lehrlingen gibt es nun einen jungen Syrer, er ist 15 Jahre alt, hat eine Reihe von Brüdern, die alle Arbeit haben oder suchen, seine Eltern waren zu Hause Unternehmer gewesen, die aber in Wien “arbeitsmäßig“ noch nicht Fuß fassen konnten.

Dieser junge Syrer hat seine „Aufnahmeprüfung“ gut bestanden, dabei wird er einen Tag lang bei der Arbeit beobachtet, es wird geschaut, ob er flink ist, höflich zu Kunden, Arbeit „sieht“ und aufgreift etc.  Also dieser junge Syrer hat das bestanden und wird nun ausgebildet. Die ersten Aufgaben sind ja meist „Haarewaschen“. Aber das kann mit einer Kopfmassage „aufgewertet“ werde. Der junge Lehrling hat das gelernt und dann auch angewendet. Dafür bekam er von einer Dame Trinkgeld. Nun fand er aber, dass das Trinkgeld doch jenem gehöre, der ihn ausbildet hat und ging zum „Chef“ um ihm dieses Geld – stolz – zu überreichen.

Zur Ausbildung und letztlich guten Integration gehört es auch, die Funktion des Trinkgelds kennen zu lernen.

Ich wünsch dem jungen Mann das Allerbeste für seine Zukunft und weiß, dass er in guten Händen ist.

 

News aus dem Grätzl

Einiges zur Kirche im Stift Klosterneuburg

Ich empfand es als Privileg, dass ich mitkommen durfte. Es ging um einen Ausflug nach Klosterneuburg, nicht die Stadt, sondern das Stift.

Schon allein die Hinfahrt ist prächtig, der Blick von der Stadtautobahn auf den Kahlenberg und den Leopoldsberg und etwas später auf die beiden Löwen bei der Schleuse zum Donaukanal, und dann noch auf das Stift, also den barocken Teil und die Kirche. Die Sonne schien, ein prächtiger (Winter?)-Morgen. Wir fahren in die Garage – riesig und gar nicht besonders voll.  Von dort gings mit Lift in den „Eingangsbereich“.

Vorauszuschicken ist vielleicht noch, dass die Gruppe, die mich mitnahm, schon sechs Mal in Klosterneuburg gewesen ist und wahrscheinlich mit fast jedem Winkel dieses Stifts und seiner Geschichte vertraut ist. Ich war – ich muss es zu meiner Schande gestehen – seit meiner Jugend nicht mehr hier gewesen, meine Erinnerung bestand aus – dem Verduner Altar und dem Brunnen im Kreuzgang. Beides stand heute nicht auf der Agenda.

Wir wurden aus dem Eingangsbereich abgeholt, und nicht auf verschlungenen Wegen aber dennoch über lange hohe Gänge mit rohen Wänden geführt. Darunter, so lernten wir, gibt es 6 Stockwerke, die der Weinlagerung dienen. Auf allen diesen Ebenen herrscht eine gleichmäßige Temperatur, die vorteilhaft für den Wein ist, der in großen Fässern gelagert wird. Aber unser Ziel war heute – zuerst die Sakristei, wo wir bereits erwartet wurden, von jenem Bruder, der die Festorgel spielen kann.  Die Stiftskirche besitzt zwei Orgeln. Die Festorgel hat drei Manuale mit 35 Registern und 2179 Pfeifen. Errichtet wurde sie in den Jahren 1636 bis 1642 und kommt aus der Werkstatt der Passauer Orgelbaufamilie Freundt. Das dreimanualige Instrument wurde 1984 und 1990 durch die schweizerische Orgelbau Kuhn AG restauriert. Sie wird auch regelmäßig von Fachleuten aus dieser Firma gestimmt.

Die Festorgel ist die größte und bedeutendste Denkmalorgel des 17. Jahrhunderts in Mitteleuropa. Wir lauschten gebannt der barocken Musik, die uns dargeboten wurde, denn für diese Orgel (um sie spielen zu können benötigt man eine spezielle Einschulung, auch als ausgebildeter Organist). Am besten eignet sie sich für Musik aus der Zeit, in der die Orgel gebaut worden ist. Ich ließ meine Augen inzwischen in der frühbarocken Kirche schweifen und war an die „biblia pauperum“ erinnert, denn hier werden sowohl die Geschichten des Alten und des Neuen Testaments in Bildern (Fresken) erzählt.

Auf das Deckengemälde hat ich nicht geschaut, da – so wurde uns erklärt – kann man die Türkenkriege erkennen und den Entsatz von Wien durch Sobieski. Und dieser wäre ohne Klosterneuburg nicht möglich gewesen, denn dieses Stift hat sich den Türken entgegengestellt.

Aber besonders erläutert wurde uns der Chorraum vor dem Hochaltar. Hier kann man die besondere Bindung zwischen dem jeweiligen Herrschergeschlecht und der Kirche erkennen. Aber noch kurz zur Kirche, die ihren romanischen Ursprung nicht verleugnen kann:  denn der Vorgängerbau der Stiftskirche dürfte eine urkundlich 1108 erwähnte Marienkirche gewesen sein. Die Grundsteinlegung der Stiftskirche fand am 12. Juni 1114 unter dem Stifter und Babenberger Markgrafen Leopold III. (genannt der Heilige) statt, der den Gesamtkomplex des Stiftes Klosterneuburg, dessen Gründung mit einer Schleier-Legende verbunden ist, 1133 den Augustiner Chorherren übertrug. Am Tag ihrer Vermählung sollen Markgraf Leopold III. und seine Gemahlin Agnes von Waiblingen am Söller ihrer Burg am Leopoldsberg gestanden haben, als ein plötzlicher Windstoß den Brautschleier der Agnes erfasste und davontrug. Erst neun Jahre später soll der fromme Markgraf den Schleier seiner Frau während einer Jagd in den Wäldern Klosterneuburgs unerwartet wiedergefunden haben – in unversehrtem Zustand auf einem blühenden Holunderbaum verfangen. Dies soll als göttliches Zeichen verstanden worden sein, weshalb Leopold III. an dieser Stelle ein Kloster errichten ließ. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde diese Legende noch zusätzlich durch eine Marienerscheinung bereichert. Verbaut wurden in dieser frühen Kirche auch Steine und Säulen aus dem darunter befindlichen Römerlager. Die Geschichte Klosterneuburgs geht wesentlich länger in die Geschichte zurück, als die genannten 1000 Jahre. –

Im Chorraum befindet sich die Herrscherloge, erhöht, rundum verglast, damit die Herrscher wirklich gesehen werden konnten und sie kamen auch, früher mehrmals im Jahr nach Klosterneuburg – wie die jetzigen Bundespräsidenten auch (die allerdings nicht in der Kaiserloge Platz nehmen). Und in Richtung diese Loge schauen auch die vier großen goldenen Figuren am Hochaltar und ermahnen die Herrscher:

  • König David mit der Harfe (Verweis Kirchenmusik)
  • Abraham, der seinen Sohn Isaak opfern will (Sinnbild für das Messopfer, bzw. Gehorsamkeit der Herrscher)
  • der mit einem Engel ringende Jakob (Verweis auf das Gebet) und
  • König Josaphat mit dem Gesetzbuch (Sinnbild für Regeltreue).

Fast noch mehr fasziniert hat mich das Chorgestühl – jeder Platz mit einem Wappen gekennzeichnet. Das war ein Auftrag von Karl VI., geboren in Spanien, mit dem er sein Leben verbunden blieb, obwohl es im Erbfolgekrieg an die Bourbonen verloren gegangen ist. Und über jedem Sitz ein Wappen eines Teils des Habsburgerreiches. Neben Steiermark, Kärnten, Tirol auch z.B. Krain, aber auch Milan, Hennegau, Schlesien, wie selbstverständlich Böhmen, Ungarn, Kroatien, Dalmatien …..

Das Habsburgerreich war schon – wie uns ins Gedächtnis gerufen wurde, ein Vorgänger der Europäischen Union, fast all der Länder, die durch Wappen dort vertreten sind, sind heute Mitglieder der Union. Ja, den Norden   – z.B. die skandinavischen Länder – oder den Westen – z.B. Großbritannien umfasste das Habsburger Reich nicht, aber GB verlässt ja auch demnächst die EU!

Dass wir alle miteinander noch hinterher fein speisen waren (im Schüttkasten) braucht ja nicht erwähnt zu werden.

Vieles wäre noch über dieses Stift zu berichten, aber wie’s so ausschaut, werde ich wohl demnächst wieder hinkommen und kann Ihnen weiter darüber berichten.

Einiges zur Kirche im Stift Klosterneuburg

Wenn man so ein bisserl marod ist ….

Wenn man ein bisserl marod ist, nicht wirklich krank, dennoch lieber im Bett bleiben will – dann erinnert man sich an alte Zeiten.

Wie war denn das früher, wenn man Anzeichen einer Krankheit zeigte: da lief es an: Fieber wurde mehrmals gemessen (jetzt müsste ich aufstehen, um ein Fieberthermometer zu suchen, und dann wäre es digital, und nicht mehr das vorherige Herunterschütteln der Quecksilbersäule erforderlich). Dann würde ein Kamillentee gekocht, na jetzt müsste ich suchen, ob ich so etwas überhaupt zu Hause habe. Denn eigentlich mag ich keinen „Kramperltee“, wie man früher gesagt hat.  Die Lust darauf wurde mir durch den Tausendguldenkrauttee als Kind ausgetrieben und dann später in den „Abnehme-Anstalten“, also Kuranstalten, in die ich meinen Mann begleitet habe, wo es außer alte Semmeln und eben Kramperltee nichts, aber wirklich nichts gab. Und aus Solidarität aß und trank ich auch nichts anderes. Na, besonders gut getan hat mir das nicht, und ich hätte als „Modell für den Jo-Jo-Effekt“ auftreten können, denn innerhalb kürzester Zeit war dann das Gewicht zurück. Also: kein Kamillentee im Haus, ein Teesackerl mit der Aufschrift „Zitrone mit Ingwer“ hat sich dann doch gefunden, ich hab’s auch getrunken, aber naja, der Effekt von einem ans Bett gebrachten Kamillentee hatte es nicht.

Besorgt wurde man damals oft gefragt, wie es einem denn so ginge, naja, das war dann doch ein wenig störend, denn eigentlich wollte man schlafen oder, sobald es einem schon ein wenig besser ging, auch wieder lesen. Belästigt wurde man auch, je nach Krankheitsbild, mit Wärmeflaschen, Halswickeln, Inhalieren über einen Topf mit heißem Wasser mit Latschenkiefernöl, mit einem Handtuche über dem Kopf, Hustensaft, Essigpatscherln etc. Das war dann die negative Seite des Krankseins früher halt. Ganz früher, als ich noch ein kleines Kind gewesen bin, wurde der Arzt gerufen, es kam Dr. Orel, jener der dann zu Anfang der Nazizeit verschwunden war, bei uns zu Hause Doktor Allesgut genannt, dem meine Mutter umgehend ein Lavoir mit warmen Wasser und ein frisches weißes Handtuch brachte, bevor er mich untersuchte.

Ja, und wenn man dann so leidend im Bett gelegen ist, wurde schnell ein Apfelkompott zubereitet, das man im Bett essen durfte. Selbstverständlich wurde eine weiße Stoffserviette auf die Decke gelegt. Äpfel habe ich sogar heute zu Hause, allerdings keine – wie man früher so sagte, Kompottäpfel, und mich in die Küche stellen, Äpfel schälen und entkernen, nur um das Kompott zu kochen, war keine so nette Vorstellung, da blieb ich lieber ohne Apfelkompott im Bett. Aber sobald ich wieder ganz gesund sein werde, werde ich mir ein Apfelkompott machen, das ich dann allerdings nicht im Bett, sondern am Esstisch verspeisen werde.

Sowie das Apfelkompott wurde für einen Kranken auch eine Hühnersuppe gekocht, selbstverständlich zubereitet aus einem Suppenhuhn. Also ein Suppenhuhn habe ich schon lange nicht am Markt oder im Supermarkt gesehen. Wenn ich mir jetzt eine Hendlsuppe koche, nehme ich Hühnerteile wie z.B. Flügerln, oder Hühnerherzen und Mägen – so das angeboten wird, ja, und viel Suppengemüse. Aber ich hatte am Vortag anderes eingekauft, nicht ahnend, dass ich mich demnächst gar nicht wohl fühlen würde, das sich so gar nicht als Krankenkost eignete – abgesehen davon, dass ich nicht aus dem Bett heraus kommen wollte um jetzt selber zu kochen. Aber so ein gutes Hühnersupperl mit handgemachten Nudeln, wie sie meine Mutter früher selbst gemacht hat, kann schon viel zur Gesundung beitragen. Aber ich habe kürzlich gelesen, dass es nicht die Hühnersuppe selbst ist, die die Heilung beschleunigt, sondern die Liebe, mit der sie gekocht und serviert wird, die dann diese Funktion ausüben.

Und wenn ich schon am Gesunden war, mussten ja meine Kräfte aufgebaut werden. Daher wurde ein Weinchaudeau für mich zubereitet. Eigentlich hat mir das nicht sonderlich geschmeckt, aber jetzt, unter dem Namen Zabaione, mag ich das sehr gerne als Dessert. Manchmal mache ich es selbst – aber für eine Person ist wieder einmal der Aufwand dafür viel zu groß.

Jedenfalls kann ich Ihnen eines sagen, wenn alle diese fürsorglichen Tätigkeiten ausbleiben, dauert das Kranksein viel kürzer. Man hat auch keine Zeit, viel über die Ursachen des Krankseins nachzudenken, man beschließt einfach, wieder gesund zu sein.

Denn spätestens jetzt kauft man Kompottäpfel, die Zutaten für eine Hendlsuppe. Man überlegt, ob man sich vielleiht doch so eine gute Zabaione machen soll, die man dann mit viel Zimt oben drauf, so genüsslich verspeisen könnte. Denn eigentlich rekonvaleszent ist man doch – oder nicht?

Wenn man so ein bisserl marod ist ….

Akademietheater: nicht „Der Traum ein Leben“

Im Akademietheater ist nun „die Traumdeutung von Sigmund Freud“, von Dead Centre zu sehen. Vorher schon wurde der Abonnentin von den „Freunden des Burgtheaters“ dankenswerterweise ein „Gespräch mit dem Regie- und Autorenduo Dead Centre“ übermittelt. Es ist dann auch so auch im Programmheft abgedruckt. Auch anderes Interessantes und Erhellendes ist da zu lesen, zumindest in jenen Teilen des Programmes, die in Schwaz-Weiß gestaltet sind.

Ich gebe zu, dass ich die Traumdeutung von Sigmund Freud nicht gelesen habe. Es wäre, um diese Aufführung zu verstehen, vielleicht von Nutzen gewesen? Hinterher sage ich: zu diesem Zweck nein! Aber ist das wirklich eine Notwendigkeit, wenn man ein Stück im Theater sieht? Sagen die Autoren nicht selbst in ihrem Gespräch zu dem Stück „Wir nähern uns gerne großen literarischen Vorlagen, bei denen völlig unklar ist, wie man sie auf die Bühne bringen könnte“.

Warum sie gerade dieses Werk gewählt haben, schuldet sich der Tatsache, dass sie es für Wien produzierten. “ Wir möchten mit der Stadt, in die wir kommen, und deren Kultur und Einwohner*innen kommunizieren“ (diese neuartige Genderei stammt nicht von mir!). Das scheint uns spannender zu sein, als etwas mitzubringen, das einen zwar interessiert, aber zur Kultur, Geschichte und Umwelt, in der man arbeitet, keinen Bezug hat“.

Das Ziel des Duos Ben Kidd und Bush Moukazel (= Dead Center) ist es, wie man die Freud’sche Sichtweise auf eine gegenwärtige Erfahrung übertragen kann. Und Freud soll das Publikum in und durch das Unbewusste führen. In diesem Stück wird die Wirklichkeit genommen, auf den Kopf gestellt und in einem anderen Rahmen gezeigt.

Aber jetzt zu meinen Impressionen von dem Stück. Erstens war das Theater voll, zweitens, es ist niemand während der fast zweistündigen Aufführung weggegangen, drittens es wird wieder viel Videotechnik eingesetzt. Und meines Wissens: eine absolute Neuheit: es wird eine weibliche Person aus dem Publikum aufgefordert, mitzuspielen. Ob es dann wirklich eine Zuschauerin war, wie hochheilig versichert wird, oder eine Schauspielerin aus dem Publikum, kann ich nicht sagen.

Aber der Abend war dann durchaus kurzweilig, es wurde verhältnismäßig viel gelacht – das Stück macht sich auch über Freud und seine Freunde ziemlich lustig. „Gespielt“ wurde, wie immer ausgezeichnet, gesprochen wurde deutlich, wenn auch ausschließlich mit Hilfe von Mikrophonen. Die Sprache ist nicht hochdeutsch, sondern stark durch in Deutschland gesprochenes Deutsch gefärbt. Aber daran gewöhnen wir uns (leider) schon langsam. (Das Vorbild Peter Matic verblasst zusehends).

Dass Rollen immer wieder getauscht werden, Bärte und Perücken auf- und abgenommen werden stört nicht so sehr. Dass Freud von (zwei Frauen) dargestellt wird, auch daran haben wir uns schon gewöhnt (schließlich war im Faust der Teufel auch eine Frau).

An diesem Stück scheint dennoch viel improvisiert, muss wohl so sein, wenn man sich einen bis dato unbekannten Laien auf die Bühne holt, der dann seinen Traum erzählen – und die restlichen Schauspieler darauf reagieren müssen. Und dieser Laie, eine junge Frau, muss dann das ganze restliche Stück „mitspielen“. Einige Szenen sollen „den Freud“, der zu diesem Zeitpunkt von der Laiendarstellerin – mit Bart – verkörpert wird, schildern, das geschieht durch Vorwürfe seiner Frau, dass sie schon genug Kinder hätte und Freud sich ab jetzt besser zurückhalten solle.

Nun kommen auch die Freunde von Freud ins Spiel, vom Kokaingenuss etwas abhängig, empört darüber, dass sie in Freuds Buch nicht ausreichend anonymisiert sind. Eigentlich wäre Tarock der Grund des Zusammenkommens.

Etwas unzusammenhängend wird ein Video abgespielt, das Freuds Vater zeigt, dessen Mütze in den Schmutz geworfen wird und der den Gehsteig räumen muss – und es wird gezeigt, dass Freud sich dessen schämt.  Ob des Vaters oder ob der Tatsache des Antisemitismus?

Dann wird es aus meiner Sicht recht seltsam, es treten (videoproduziert) zwei riesige Elephanten auf, auf denen Hannibal – Freud? – reitet, in Kämpfen wird ein Arm abgetrennt.

Am Ende tritt ein kleines Mädchen auf, das seinen Traum erzählt, der jenen aller anderen, die ihn bereits erzählt haben, gleicht. Fazit: Alles liegt in der Kindheit begraben und alle Menschen sind gleich.

Ja, kurzweilig – wie schon gesagt – war’s, über Freud und die Traumdeutung habe ich wenig dazugelernt. Aber: Theater ist halt heue anders. Aber genügt „anders“ sein?

 

 

Akademietheater: nicht „Der Traum ein Leben“