Wir lernen nicht nur neue Begriffe, sondern auch neue Verhaltensweisen für die Zukunft

Wir lernen derzeit beständig dazu. Einerseits ergeben sich immer wieder neue Fakten über das Corona-Virus, über Krankheitsverlauf etc. Aber auch im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung der Versorgung mit „Lebenswichtigem“ haben wir gelernt wer wohl „systemerhaltend“ agieren muss. Als Helden haben wir diese Personen zeitweilige bezeichnet.

Wieder so ein Begriff, der jetzt, in Corona Zeiten eine neue Bedeutung erhalten hatte. Global Supply Chain – weltweite Versorgungskette. Selbstverständlich hatte ich davon gehört, wohl im Zusammenhang mit „just-in -time“, mit der Tatsache, dass es viel zu teuer ist, selbst Lager zu halten, da man ja die Güter beliebig und sofort geliefert bekommen konnte. Und der andere Aspekt, dass es viel billiger wäre, Produktionen in Billiglohnländer zu verlagern.

Und dann kam Corona, die Grenzen wurden geschlossen, die Länder, die die Produkte stets pünktlich – und billig – geliefert hatten, waren abgeschnitten. Plötzlich stellte man betreten fest, dass es an Medikamenten, an Schutzkleidung mangelte und die entsprechende Global Supply Chain – ziemlich unwiederbringlich – unterbrochen war. Blede G’schicht – wie man uns zu sagen pflegt. Nun war guter Rat teuer.

Die aktuelle globale Lieferkettenkrise ist in erster Linie auf die Pandemie zurück zu führen, die vorübergehende „Produktionswüsten“ schafft. Der Output einer Stadt, einer Region oder eines ganzen Landes versiegt wegen der Bedingungen des „Lockdown“, die die Gebiete zu einer No-Go-Zone werden lassen. Aus ihr kann man keinerlei (lebenswichtige) Güter wie z.B. Lebensmittel und Arzneimittel beziehen. Denn durch die rasche Eskalation der Reisebeschränkungen und die Schließung der Grenzen für den Personenverkehr wurde auch der Warenverkehr beeinträchtigt. Der Binnenmarkt der EU verflüchtigte sich ganz plötzlich. Beängstigend?

Ist die globale Versorgungskette wirklich so gefährdet, oder ist sie weiterhin funktionsfähig, wenn auch in einem sehr schwachen Zustand? Diese Unterbrechungen führen zu unerwarteten Schwierigkeiten: bereits spürbar sind beispielsweise Schließung von Autofabriken in Korea wegen fehlender Teile aus China bis hin zu Smartphone-Herstellern, denen gefährlich wenig Komponenten zur Verfügung stehen. Vorhandenen Bestände sind erschöpft. Unternehmen müssen sich darauf konzentrieren, Störungen in der Lieferkette zu minimieren und sich schnell an eine sich verändernde Landschaft anpassen. Das Risikomanagement in der Lieferkette ist wegen der aktuellen Lieferkettenkrise auf der Tagesordnung vieler Unternehmen nach ganz oben geklettert ist. Das wird voraussichtlich auch noch länger so bleiben, auch nachdem die unmittelbare Bedrohung durch COVID-19 zurückgegangen sein wird.

Längerfristig wird die Digitalisierung der Lieferketten zunehmend die Art und Weise für Unternehmen sein, um gegen Lieferkettenunterbrechungen widerstandsfähig zu bleiben. Große Datenanalysen können Unternehmen bei der Rationalisierung ihres Lieferantenauswahlprozesses helfen, während sie Cloud-Computing zunehmend einsetzen werden, um Lieferantenbeziehungen zu verwalten und zu erleichtern.

Gleichzeitig bemüht sich auch die Welthandelsorganisation (WTO – World Trade Organisation) den betroffenen Ländern durch Informationen zu helfen. Entscheidend, so tönt es von dort, sei es auch, bereits jetzt die wirtschaftspolitisch richtigen Weichen zu stellen. Im Idealfall sei eine schnelle und kräftige Erholung möglich. Und wenn die Länder kooperieren, wird eine schnellere Erholung erwartet, als wenn jedes Land für sich alleine agiert. Der weltweite Handel könnte nach WTO-Prognosen um bis zu ein Drittel einbrechen.

Hierzulande hat die Coronavirus-Pandemie die heimische Wirtschaftsleistung nach Berechnungen der Österreichischen Nationalbank (OeNB) bisher um elf Milliarden Euro schrumpfen lassen. Während der vergangenen fünf Wochen sei die Wertschöpfung aufgrund der Anti-Corona-Maßnahmen und durch den Einbruch von Exporten sowie Investitionen um 29 Prozent gesunken, teilte die OeNB mit. Der Rückgang macht laut Notenbank 11 Milliarden Euro oder 2,8 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts aus. Am stärksten betroffen seien die Branchen Beherbergung und Gastronomie, die Reisebranche, Dienstleistungen Sport/Unterhaltung sowie eine Reihe von weiteren Dienstleistungsbranchen.

Vielleicht sollte bei all diesen Überlegungen die Frage im Mittelpunkt stehen, inwieweit diese Produkte systemrelevant (auch so ein jetzt besonders häufig verwendeter Begriff) sind. Systemrelevanz wurde bisher Unternehmen (meist der Finanzdienstleistung) oder Berufen zugeordnet, die eine derart bedeutende volkswirtschaftliche oder infrastrukturelle Rolle in einem Staat spielen, dass ihre Insolvenz nicht hingenommen werden kann oder ihre Dienstleistung besonders geschützt werden muss. Vielleicht sollte man diesen Begriff jetzt schleunigst auch auf Produkte ausdehnen, die lebensnotwendig sind, dass es opportun ist, sie im Inland zu erzeugen (Medikamente, Schutzausrüstung).

Viel war die Rede in letzter Zeit von systemrelevanten Berufsgruppen, die beispielsweise aus dem Ausland kommen. Darunter fallen 24-Stundenpflegerinnen, aber auch – etwas unerwartet: Erntehelfer, die sich als Spezialisten herausgestellt haben.

Viele wünschen sich die „(gute) alte Zeit“ zurück. Das kann nicht die Antwort auf die neuen Herausforderungen sein. Wir müssen die Arbeit an unserer Zukunft beginnen, in dem jeder sein Tun und Lassen einer Prüfung unterzieht.

 

Wir lernen nicht nur neue Begriffe, sondern auch neue Verhaltensweisen für die Zukunft

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