Urlaub an den Stränden der nördlichen Adria?

Viele Österreicher haben Erinnerungen an Jesolo. Nun, hoffentlich nach der Corona-Krise, wirbt Jesolo neuerlich um Touristen aus Österreich.  Jesolo hat am 23. Mai 2020 einen Brief an Bundespräsident Alexander Van der Bellen gerichtet, wo sie für die Sicherheit der österreichischen Gäste garantieren.  Jetzt folgen die Appelle von weiteren Badeorten, die hoffen, dass Österreich die Grenzen bald öffnet. Die norditalienischen Adria-Badeortschaften bangen um die Sommersaison 2020 und werben um österreichische Touristen. Man weist drauf hin, dass die Zahl der der Infektionen in Friaul-Julisch Venetien gering ist. Durch sehr hohe Testraten konnte auch Venetien Infektionen eindämmen. Man weist drauf hin, dass Schutzmaßnahmen an den Stränden ergriffen worden sind, die Badeanstalten garantieren ein Beibehalten der Preise gegenüber dem vergangenen Jahr. Die Italiener erhoffen sich ab 3. Juni 2020 mehr Reisefreiheit innerhalb der italienischen Grenzen. Ab diesem Datum können auch Ausländer wieder nach Italien reisen, ohne sich einer zweiwöchigen Quarantäne zu unterziehen.

Ich habe viel Erinnerungen an die Badeorte an der nördlichen Adria. Beschrieben habe ich jene von Jesolo in den sechziger Jahren: https://christachorherr.wordpress.com/2017/08/14/jesolo-in-den-1960er-jahren/

In Grado waren wir auch mehrmals – schon viel später, als wir nicht mehr von kleinen Kindern begleitet waren, sondern mein Mann schon im Rollstuhl saß. https://christachorherr.wordpress.com/2016/09/19/grado/

Aber eine Geschichte über Grado, bei der ich selbst nicht dabei war, habe ich bisher nicht erwähnt. Wir waren damals in Kärnten/Hermagor auf Urlaub, meine Tochter war gerade 6 Wochen alt, als wir dort eine Sommerfrische bezogen haben. Es hat viel geregnet in diesem Sommer. Kein Badewetter für den Pressegger See. Und weil mein Mann schon etwas rastlos geworden war, wurde ein Ausflug nach Grado geplant. Ich konnte und wollte nicht mitfahren, das Baby war besser in Hermagor aufgehoben, Stillen in der „Öffentlichkeit“ war damals noch tabu. Meine Mutter begleite meinen Mann und meinen damals vierjährigen Sohn.  Die Erzählung nach der Rückkehr war dramatisch: irgendwie hatte es der Bub geschafft, „abzupaschen“. Er war einfach weg. Die Aufregung bei Großmutter und Vater war sehr groß – wie sollte man das Kind in Grado im Ferientrubel denn finden? Der Knabe war aber dennoch schlau, er stellte sich neben das geparkte Auto, in der Annahme, dass seine Familienmitglieder dorthin ohnedies wieder zurückkommen würden.  Ende gut, alles gut.

Über Bibione, wo wir auch einen Sommer – in reiferem Alter (also mit Rollstuhl) verbracht haben, habe ich wohlweislich nicht geschrieben, denn dort hat es uns dann doch nicht so gut gefallen. Es war in der Nachsaison, das Hotel war ziemlich voll, mit vielen Familien mit sehr kleinen Kindern, oft noch begleitet von den Großeltern. Ich habe es voller Wut als germanische geriatrische Anstalt mit Kleinkindern bezeichnet. Die Kombination aus vier Erwachsenen und einem Kind war nicht gerade selten. Und gerade diese Kinder waren dann die besonders lauten (oft brüllenden).  Selber schuld – wir hatten dieses Hotel ausgewählt. Und eigentlich bin ich kein Fan von breiten Sandstränden, in denen in Reih und Glied in mehreren Reihen Sonnenschirme aufgestellt sind und Legestühle dicht an dicht stehen.   Ich konnte zwar den Rollstuhl auf den schmalen Holzstegen schieben, aber die waren halt oft sehr schmal, die Räder sind seitlich abgerutscht, und schon stand ich mit dem Rollstuhl im Sand. Der erhöhte Spazierweg in der Gegend des Strandes war sehr angenehm, aber auf die Dauer doch ein wenig zu eintönig.

Was mir in dieser Gegend wirklich gefällt, sind nicht notwendigerweise die Strände, sondern z.B. Aquileia. Wenn wir in der Gegend waren (also Grado) sind wir immer hingefahren, immer ist Neues ausgegraben worden, immer war vorher Unbekanntes zu besichtigen. Ich mag diese frühchristliche – spätrömische Kultur sehr, daher war auch Ravenna öfter unser Ziel, zuletzt war es allerdings schon ziemlich überlaufen.  Der Einfluss des byzantinischen Reichs, so kurzfristig er war, ist hier doch noch deutlich spürbar.

Torcello – also bei einem Venedig Besuch gehört zu den „unbedingt-Destinationen“ und wenn’s leicht geht – auch Pomposa, schon in einer anderen Provinz: die ehemalige Abtei des Benediktiner-Ordens an der Mündung des Po.  Sie ist ein Meisterwerk der romanischen Baukunst, Vorgängerbauten schon seit dem 6. Jahrhundert bestehend.

Wenn Sie mich nun direkt fragen, ob ich heuer nach Italien auf Urlaub fahren werde, sage ich nein (wir hatten bereits in den Cinque Terre für Juli gebucht – und schweren Herzens wieder abgesagt). Ich kann Ihnen auch die Gründe sagen: ich gehöre der Hochrisikogruppe – altersmäßig – an, und wenn ich mir eines nicht wünsche, dann ist es, in Italien in ein Spital kommen zu müssen. Sosehr ich mir auch wünsche, wieder – ans Meer – zu fahren, geht das für mich heuer noch nicht. Aber ich gebe auch zu, dass „Meer“ für mich eher der Atlantik als das Mittelmeer wäre.

Heuer im Sommer bleiben wir in Österreich.

Urlaub an den Stränden der nördlichen Adria?

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