„Nichts ist schwerer zu ertragen, wie eine Reihe von guten Tagen.“

Jetzt regnet es, zumindest zeitweilig, ich bin es zufrieden, denn die Trockenheit schien wirklich schon sehr bedrohlich.

Ich denke an meine Jugend zurück (sorry, eine Schwäche des Alters). Ich habe nicht nur sonnige Tage in Erinnerung. Aber wenn ich so „die verschiedenen Sommer“ so Revue passieren lasse, kommen schon auch Regen, Wind, kühle Luft vor.

Zuerst einmal Pfingsten: Pfingsten habe ich wirklich selten in Wien verbracht; in meiner Jugend habe ich wunderbare Wanderungen mit dem Alpenverein gemacht, wir waren z.B. auf der Hohen Veitsch, dem höchsten Bergmassiv der Mürzsteger Alpen in der Steiermark.  Das schöne Wetter hatte nicht angehalten, Gewitter zogen auf, wir versuchten so rasch als möglich ins Tal zu kommen – womit wir uns verirrten. Es goss in Strömen und der Druck auf der Wanderkarte löste sich langsam auf. Wir waren froh, irgendwo ins Tal gekommen zu sein.  Und wenn es doch „Pfingsten in Wien“ sein musste: ja dann war das Ziel das Krapfenwaldlbad. Das Ergebnis (auf das man damals noch mächtig stolz war) der erste Sonnenbrand der Saison. Ein bissel später dann waren es Autoausflüge zu zweit ins Maria- Zellerland. Damals blühten die Narzissen.

Und dann sehr lange: Pfingsten in Pernitz. Da war dann auch Gartenarbeit fällig, nicht immer gerne durchgeführt. Aber auch wunderbare Wanderungen in der Umgebung – auf den Kitzberg, aufs Waxenegg, auf die (der, das?) Mandling. Es war schon oft heiß, beim Aufstieg. Oder es kamen Freunde, man saß fröhlich im Garten (am Abend mussten wir damals noch immer in Haus umziehen, weil es bald kalt und feucht wurde. Das hat sich jetzt geändert.)

Heuer bin ich – weil auch Auto-los – in Wien, naja, die Wettervorschau ist ohnedies nicht so berühmt. Fad wird mir sicher nicht, es haben ja jetzt schon Museen offen und dafür scheint das Wetter sehr passend. Aber blühende Wiesen mit Narzissen kann auch ein Museumbesuch nicht ersetzen.

In meiner Teenagerzeit (allerdings sagte man das so nicht, damals) verbrachte ich oft Teile der Ferien in Wien. Ja, zwischenzeitlich ging ich mit der Jugendgruppe des Alpenvereins wandern und bergsteigen. Ich empfand es aber schon als mühsam, nach Bahn- und Busfahrt den Rucksack bis zur Hütte hinauf zu schleppen, da hatte ich nicht immer nur die „schöne Natur“ im Auge. Das Matratzenlager war auch nicht immer besonders bequem. Geld haben wir wenig ausgegeben, weil mir eben viel mitgeschleppt hatten, aber wir bezalten brav das Teewasser – so schien es in den Abrechnungen für meine Eltern auf. Jedenfalls habe ich in Erinnerung, dass wir in der Ankogelgruppe der Hohen Tauern unterwegs waren. Auch Aufstiege aus dem Lieser- und Mölltal sind mir in Erinnerung – steinig! Manchmal, wenn wir spät ins Tal hinuntergekommen waren, übernachteten wir dann in irgendeinem etwas abseits des Weges liegenden Heuschober – meist ohne die Bauern zu fragen, in deren Besitz sich der Heuschober befand.

Besonders freuten mich „Sommerlager“ mit Gleichaltrigen, sowohl in Österreich als auch im Ausland. Dunkel kann ich mich an ein Lager am Millstättersee erinnern, bei dem aber nicht nur Baden sondern auch Wandern angesagt war, was mich aber gar nicht freute, da ich doch zum Baden hergekommen war. Besonders positiv in Erinnerung ist mir ein Sommerlager in der Nähe von Nizza, wir schliefen in einer Schule, in der Feldbetten aufgestellt waren, wir wanderten täglich durch die Macchie zum Strand und badeten im azurblauen Wasser an Porphyr-roten Felsen. Davon habe ich nur positive Erinnerungen. Ein anderes Sommerlager fand in Südfrankreich statt, in der Baskengegend, wo ich zum ersten Mal vom baskischen Problem hörte, sonst ist mir wenig in Erinnerung geblieben, außer den Schuhen – aus Leinen, mit einer geflochtenen Sohle und Bändern, die man weit über die Wade hinauf band, und dass sich das Zelt-Lager in einem Koniferen Wald befand. Seltsam, woran man sich (nicht) erinnert.

Und dann bleib immer noch die Rest-Zeit der Ferien in Wien. Wenn man Glück hatte, waren noch andere Freunde in Wien, ansonsten fuhr ich halt allein ins Bad, mit einem Buch bewaffnet, als Proviant Brot, Eckerlkäs (Marke „Alma) und etwas Obst – je nach Jahreszeit. Um zu sparen, die Schülerkarte galt ja nicht in den Ferien und sicher nicht auf die Strecke zu den Bädern, hatte meine Mutter für mich eine Wochenkarte gekauft. Und um diese auszunützen, fuhr ich halt auch an „trüben, regnerischen“ Tagen ins Bad (meist Gänsehäufel oder Arbeiterstrandbad an der Alten Donau). Das war aber dann schon ein bissel trostlos, und wenn’s dann doch zu regnen anfing, fuhr ich gerne wieder nach Hause.

Es gab nicht nur sonnige, warme fröhliche Tage in den Sommern meiner Kindheit und Jugend.

„Nichts ist schwerer zu ertragen, wie eine Reihe von guten Tagen.“

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