Bademützen, Badekappen, Badehauben

Jetzt, wo der Sommer kommt und die Bäder aufgesperrt haben

Neulich bei einem meiner Spaziergänge durch „die Stadt“, sah ich – sehr zu meinem Erstaunen im schnellen Vorübergehen – Bademützen. Ich war wirklich überrascht, und dachte bei mir: doch nicht schon wieder ein unnützes Objekt aufleben lassen.  Am Rückweg, habe ich mir diese Auslage denn genauer angeschaut und es handelte sich um Kosmetiktaschen aus Material, in Form und mit Dekoration von Bademützen. Also gut, wenn jemand so etwas haben will, mir soll’s recht sein. Angeboten wurden Modelle in rosa- geraffelt oder schwarz-weiß mit aufgesetzten Blumen. Für mich ist es Hauptsache, Badmützen, die grässlichen Dinger, kommen nie wieder in Mode.

Früher – da besaß man als Dame eine modische Bademütze. Einerseits war es geboten, und war aus hygienischen Gründen wohl durchaus sinnvoll, denn herumschwimmende Haare in Becken sind unangenehm. Außerdem hatte man damals noch einen „Friseur“ – sehr oft mit Dauerwelle, die ein komplettes Nasswerden nicht unbeschadete überstanden hätte. Heutzutage haben nur wenige Frauen eine derart komplizierte Frisur, meistens nur glatte lange Haare unterschiedlicher Qualität, mit denen sie im Wasser oft heftig herumwerfen – was mich aber ziemlich stört (das Herumwerfen nämlich). Am Rande: selbst die meisten unserer derzeitigen Ministerinnen habe lange glatte Haare, die zuweilen gar nicht so gepflegt ausschauen – meiner bescheidenen Meinung nach.

Badekappen werden aus Textilien (z. B. Lycra oder Polyester), aus Silikon, Latex oder Gummi hergestellt und sind in verschiedenen Formen (z. B. Long-Hair-Cap), Materialstärken, Farben und Mustern, mit oder ohne Dekor erhältlich. Im professionellen Schwimmsport erfüllen Badehauben eine weitere Funktion: die glatte, faltenfreie Oberfläche verbessert das Gleiten im Wasser. Wettkampfhauben sind meist aus dickerem Material und sitzen sehr eng.

Bis Ende der 1980er Jahre war es in vielen öffentlichen Badeanstalten Pflicht, eine Badehaube zu tragen, da die beim Schwimmen ausfallenden Haare in den technischen Installationen der Schwimmbäder leicht zu Verstopfungen führen konnten. Heute bedient man sich bei der Badewasseraufbereitung verbreitet einer verbesserten Filtertechnik, so dass es nur mehr selten eine Verpflichtung ist, beim Schwimmen eine Badehaube zu tragen. Also bei manchen war es sportliches Attribut, bei anderen ein modisches Accessoire.

Badekopfbedeckungen haben Geschichte: Im Mittelalter, als die Badehäuser aufkamen, gibt es die ersten Belege für eine Kopfbedeckung im Wasser. Um die Haare zu schützen benutzte man damals eine Art Turban. Im 18. Jahrhundert wurde die Baigneuse gebräuchlich. Die Baigneuse (französisch: Badende) wurden hauptsächlich zur Morgentoilette aufgesetzt. Später waren sie sogar Gesellschaftsfähig und die Frauen benutzten sie als modische Kopfbedeckung (Dormeuse). Mitte des 19 Jahrhunderts, als das öffentliche Baden für Frauen möglich war, trugen sie Netzhäubchen aus feinem Wachstaft. Später, ab 1863 wurden sie auch aus Wachskattun gefertigt. Auch trug man zu dieser Zeit, als Alternative, Badehüte (bei heftiger Sonneneinstrahlung durchaus angenehm zu tragen) aus Strohgeflecht.

Charles Goodyear (*1800; † 1860; Chemiker, Erfinder und Amateurforscher. Goodyear führte die Vulkanisation des Kautschuks in die Fertigung ein und schuf damit die Grundlagen für die heutige Kautschukindustrie. Er ist der Erfinder des Hartgummis) hat im Jahre 1839 durch Zufall entdeckt, dass sich der weiche und klebrige Naturkautschuk durch das Erhitzen und die Zugabe von Schwefel in ein elastisches Material Gummi verwandelt. Aber erst 1883 setzten sich Badekappen aus Gummistoff durch. In den 1890er Jahren wurde dann die Badekappen aus Kautschuk gefertigt. Die Form war bauschig gezogen, mit enganliegenden Rand und zuweilen war ein Nackenschutz angearbeitet. Um 1900 erschienen dann die mehr oder weniger anliegenden Kappen aus Gummi. Sie waren mit einer Stoffhaube überzogen oder mit einem Satin- oder Seidentuch drapiert. Daneben gab es noch Badekappen aus geöltem Wachstuch.

Die den Kopf fest umschließende Kappe mit Kinnband erschien etwa um 1920. Manche modischen, teuren Badekappen versuchten die Nachbildung der damaligen Frisuren aus Gummi. Ab den 30er Jahren wurde sie mit plastischer Musterung versehen.

Die Phoenix AG ist eine der ältesten Unternehmen der Gummiindustrie in Deutschland. 1950 schloss sich Phoenix mit dem Reifenproduzenten Firestone zusammen. Die Produktion von Badekappen wurde aufgenommen.

Anfang der 60’iger Jahre war die Badekappe noch in Mode. Man(n), beziehungsweise Frau, setzte sie noch freiwillig und ohne Zwang auf. Es gehörte einfach zum “Guten Ton” den Kopf im Wasser zu bedecken. Der allgemeine Zeitgeschmack war, dass Frauen mit Badekappe modisch und schick aussehen. Die glatten Kinnbandbadekappen verschwanden allmählich aus der Badekappen-Modewelt. Die Modelle wurden aufwendiger und bauschiger. Erste Modelle der später typischen Blümchen-Badekappen kamen auf. So wollte man nun unbedingt aussehen bzw. gesehen werden: Ein schlanker eleganter Frauenkörper in einem engen Badeanzug (noch nicht Bikini) mit Sonnenbrille am Pool liegend und der Kopf mit einem Blumenstrauß aus Gummi bedeckt. Daneben ein Drink mit Schirmchen. Naja!

Ab den 80er Jahren wurde die Badekappenpflicht weitgehend abgeschafft. In Italien und Russland gibt es heute noch an vielen Orten die Badekappenpflicht. Sie wird aber kaum noch eingehalten und vielleicht in nächster Zeit auch verschwunden sein.

Heute wird die Badekappe wird fast ausschließlich von Wettkampfschwimmern und sonstigen Wassersportlern getragen. Aber die Badekappe ist auch zu einem Sammlerobjekt geworden.

Ich bin nur sehr froh, dass ich nie wieder eine aufsetzen muss.

Bademützen, Badekappen, Badehauben

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