Reisen! Heuer wahrscheinlich nur im Kopf

Es wird Ferienzeit, und im Grunde möchte ich gerne ans Meer – wie viele andere auch. Unsere für heuer geplanten Urlaube bzw. Reisen sind abgesagt.

Um den für Ende Juli geplanten Urlaub in den Cinque Terre tut’s mir besonders leid. Aber wenn man so die Karte Italiens betrachtet, könnte man zwar unter Vermeidung der Lombardei dorthin kommen. Aber heutzutage weiß man nie, wann für eine Region wieder ein Reiseverbot verhängt wird, wie schnell sich Spitäler in bestimmten Gegenden wieder füllen und welche Grenzen dann plötzlich gesperrt sein könnten. Aber natürlich in meinem Alter sagt man nicht so leicht – vielleicht später, ich bin nicht sicher, wie lange es ein „später“ noch geben wird.  

Die andere Reise hätte uns nach Belgien geführt, aber in einem Autobus. Und wenn ich jetzt lese, dass z.B. für Nordrhein-Westfalen eine Reisewarnung besteht, scheint auch diese Unternehmung stark zu „wackeln“. Schade, es wäre eine Reise „für Fortgeschrittene“ gewesen, wie mein Schwager immer gesagt hat, wenn man nicht zu den Hauptsehenswürdigkeiten gefahren ist, sondern die heimlicheren Juwele einer Gegend besucht hat.

Aber jetzt ganz abgesehen, von diesen abgesagten Reisen, wohin würde ich einfach gerne fahren.

Zuallererst ist mir Abbazia/Opatje eingefallen. Ich war leider nie lange genug dort, dass mir eventuelle Nachteile dieses Ortes aufgefallen wären. Es ist noch immer mein Traum, dort in einem (altmodischem) Hotel direkt am Meer auf dem Balkon meines Zimmers zu sitzen und unten das klare Meer plätschern zu hören. Es wäre für mich sogar auch öffentlich erreichbar. Dagegen spricht, dass zwei Grenzen zu Österreich bestehen, die unter den gegebenen Umständen recht plötzlich gesperrt sein könnten. Selbst wenn ich noch ein eigenes Auto hätte wäre es eine „riskante G’schicht“.  Also nein.

Und das folgende gehört jetzt zu den „Träumen“: 

Gerne würde ich wieder nach Apulien fahren. Ich könnte mir gut vorstellen, mich am Gargano an irgendeinem nicht mondänen Strand niederzulassen, und mich in die Geschichte dieses Gebiets zu versenken und hin und wieder die ein oder andere Sehenswürdigkeit zu besuchen. Das Castel del Monte kann man nicht oft genug betrachten. Als wir – mein Mann und ich – damals die Gegend bereist haben, war es Ostern – und es war kalt und windig. Dennoch habe ich mich dort sehr wohl gefühlt, sei es in Bari, Tarent oder Lecce gewesen.

Wie ich schon öfter erwähnt habe, faszinieren mich die Reste der Bronzezeit, wie Menhire, Hypogäen. Selbstverständlich haben die Griechen diese Gegend kultiviert und die Römer zivilisiert. Zeitweilig herrschten die Germanen – im Rahmen der Völkerwanderung dort – während der Zeit der Herrschaft der Langobarden blieb Apulien unter byzantinischem Einfluss. Dann aber kamen die muslimischen Sarazenen. Emirate wurden gegründet und die Byzantiner aus fast allen ihren Besitzungen vertrieben.

Eine neuerliche, grundlegende Wende, die für die gesamte Geschichte Süditaliens bis ins 19. Jahrhundert richtungweisend war, kam mit dem Erscheinen der Normannen am Beginn des 11. Jahrhunderts. Zuerst handelte es sich nur um kleine Gruppen landloser Ritter aus der französischen Normandie, die in ihrer Heimat keine Zukunftsperspektive hatten und so als Abenteurer „in der Fremde ihr Glück machen“ wollten. In den ungeordneten, kriegerischen Verhältnissen Süditaliens ergriffen sie die Chance, im Sold der verschiedenen einheimischen Kriegsparteien aus ihrer Kampfkraft Ruhm, Beute und Landbesitz zu gewinnen. Ihre Erfolge zogen rasch weitere Gruppen von Landsleuten nach, die wachsende Zahl von normannischen Kriegern verstärkte ihren militärischen und politischen Einfluss, bald wurden ihre Anführer zu Vasallen heimischer Fürsten und gelangten in den Besitz eigener Lehen. Sie griffen die letzten byzantinischen und sarazenischen Besitzungen planmäßig an, Robert Guiscard brachte zuerst Kalabrien und dann ganz Apulien in seinen Besitz. Die Existenz eines selbständigen normannischen Machtbereichs wurde nach misslungener Gegenwehr von Kaiser Heinrich III. und dem von ihm protegierten Papst Leo IX. anerkannt, Robert Guiscard wurde als Herzog von Apulien und Kalabrien bestätigt. Der Kontakt zur byzantinischen und muslimischen Welt des östlichen Mittelmeers um die Wende zum 12. Jahrhundert gerade von Apulien aus mächtig intensiviert, als in den beginnenden Kreuzzügen die apulischen Adriahäfen den Kreuzfahrergruppen günstige Einschiffungs- und Landemöglichkeiten – zum Teil mit Hilfe der Venezianer – boten.

Dann kamen die Staufer – durch Eheschließung des Sohnes des Stauferkaisers Friedrich Barbarossa, mit Konstanze, der um elf Jahre älteren Tochter Rogers II. und Erbin des Königreichs Sizilien. Gegen Ende seines Lebens ließ Friedrich II. die Burg Castel del Monte errichten, weltberühmt als „Krone Apuliens“. Bemerkenswert und schon von den Zeitgenossen als Sensation und mit Abscheu betrachtet ist die Tatsache, dass Friedrich II. sich mit muslimischen Gelehrten und Literaten umgab, eine sarazenische Leibwache hielt und die apulische Stadt Lucera mit unterworfenen Sarazenen besiedelte, in denen er seine treuesten Untertanen und Anhänger fand, ehe er schließlich in Castel Fiorentino in der Nähe von Lucera starb.

Sie alle haben ihre Spuren in diesem Apulien hinterlassen!

Entschuldigen Sie bitte meinen Ausflug in die äußerst abwechslungsreiche Geschichte dieser Region, die die Landschaft und die Menschen dort geprägt hat.

Vielleicht können Sie meine Sehnsucht, dorthin vielleicht einmal zurückzukehren verstehen?

Reisen! Heuer wahrscheinlich nur im Kopf

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