Baden in den kalten Bächen (die Piesting)

Jetzt kommt der Sommer, damit beginnt auch die Badezeit.

Und ich erinnere mich, dass zum Baden nicht immer nur Bäder gedient haben. Es waren auch die Bäche in denen man zwar nicht weit schwimmen, aber herrlich pritscheln konnte, die es auch erlaubten, Gatschknödelschlachten auszutragen, da man ja das alles gleich wieder abwaschen konnte.  Besonders beliebt waren Wehren, dort wo das Wasser gestaut wurde, um in einem Nebenarm ein Mühlrad oder ein Sägewerk zu betreiben. Dort war das Wasser tiefer, man konnte richtig schwimmen und dem Sog der Wehr entgegenwirken, und wenn es dann in der Gegend noch eine Brücke gab, konnten die Mutigen sogar ins Wasser springen (dazu gehörte ich eher nicht). Wenn das Wasser so über das Wehr herunterströmte, konnte man manchmal hinter diesem Wasser durchgehen – auch dazu gehörte ein gewisses Maß an Waghalsigkeit. Von dem herunterströmenden Wasser konnte man sich auch richtig duschen lassen.

Wir brauchten damals keine Rutschen, keine Trampoline, alles das boten uns die Bäche und kleinen Flüsse auch.  

Die Bäche, an die ich mich in diesem Zusammenhang besonders erinnere sind die Piesting und die Aist. Später – und das war dann nicht mehr ein Bach, sondern das war die Donau.

Die Piesting entspringt nördlich vom Schneeberg und trägt alternativ den Namen Kalter Gang (stimmt!). Diese Bezeichnung ist bereits in der Josephinischen Landesaufnahme sowie im Franziszeischen Kataster zu lesen. Eine frühere Bezeichnung für den Oberlauf lautet Klosterbach. Nach Durchqueren des Klostertals kommt es im Ortsgebiet von Gutenstein zum Zusammenfluss mit der in den zentralen Gutensteiner Alpen entspringenden Steinapiesting und der Längapiesting, die am Gobenzsattel nordwestlich der Dürren Wand entsteht.

Wichtig für uns Kinder war der in Pernitz mündende Myrabach. Wir alle kannten seinen Ursprung, die Myraluckn, das ist eine Höhle am Unterberg in Niederösterreich. Diese ist eine episodisch aktive Wasserhöhle und weist zwei Siphonstrecken auf, die nur durch Tauchen und teilweise mit einem Schlauchboot zu überwinden sind. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt über 306 m, der Gesamthöhenunterschied 19 m.

Denn vor der Mündung in die Piesting durchquert dieser Bach die Myrafälle. Da aber dort ein Elektrizitätswerk gebaut worden war, waren die Myrafälle (außer wenn sie „aufgedreht“ waren) nur ein kleineres Rinnsal und wir konnten die Myrafälle hinaufklettern – ohne die Brücken verwenden zu müssen. Das allerletzte Stück oben war dann für mich dann doch unüberwindlich.

Das Wasser der Piesting war nie wirklich warm, aber damals störte uns das überhaupt nicht. Auch meine Kinder liebten diesen Bach, allerdings benutzten sie ihn „weiter oben“, sie ließen sich in alten Autoreifen den Bach heruntertreiben.

Aber zurück zur Piesting: Zwischen der Hohen Mandling (967 m) im Norden und dem Großen Kitzberg (771 m) im Süden durchbricht die Piesting die Quarb, eine felsige Talenge. Der Flurname Quarb wird auf keltischen Ursprung zurückgeführt. Das Wort Quarb – abgeleitet von dem Wort „gwar“ (Aussicht, Obhut), lässt auf einen Wachtposten schließen, der sich vermutlich am Nordhang des Kitzenberges, gegenüber dem Eingang ins Feichtenbachtal, befunden hat. Nach dem Fund einer Scheibenfibel aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. die dortige Verbindung vom Piestingtal ins Triestingtal schon bekannt war. Und mich hat im Zusammenhang mit Quarb immer die Quick – in Gutenstein fasziniert. Um 1500 wurde der „Quickhammer“ in der Vorderbruck in Gutenstein gegründet. Im Hammerwerk wurde mit Wasser und Holzkohle als Energiequelle steirisches Eisenerz weiterverarbeitet. Die Enge der Quarb teilen sich der Fluss, die Straße, die Bahn und ein Radweg. Und dort kam es früher leicht zu Überschwemmungen, wobei dann das ganze Tal dahinter abgesperrt war und man, um nach Wien zu kommen, über den Hals und Pottenstein ausweichen musste.

Die Piesting fließt weiter ostwärts durch Markt Piesting und Wöllersdorf ins Wiener Becken, genauer ins Steinfeld, das zum Teil aus dem von der Piesting selbst geschütteten Wöllersdorfer Schotterfächer besteht. In der Feuchten Ebene bei Gramatneusiedl mündet die Piesting in die Fischa.

In der Piesting stehen auch die Forellen. Natürlich haben die verwegeneren Burschen meiner Jugend dort gefischt – was allerdings verboten war, denn nur die Eigentümer dieser Gewässer durften dort fischen.  Heutzutage werden „Karten“ ausgegeben, die das Fischen ermöglichen. Ich mag es aber noch immer gerne, am Ufer des Baches oder auf einer Brücke zu stehen, und den Forellen bei ihrem Tummeln durch das klare Wasser zuzusehen.

Über das Baden in der Aist und später in der Donau werde ich Ihnen demnächst berichten.

Baden in den kalten Bächen (die Piesting)

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