Die Grauen Wölfe heulen jetzt auch in Österreich

Aber eigentlich ist das verboten!

Jetzt, im Rahmen unserer Wohngemeinschaft, erfahre ich von Dingen, die sonst an mir vorübergegangen wären.  Gut so!  Derzeit gibt es in Wien einen „Hotspot“, in Favoriten. Hier treffen Kurden, unterstützt von Linken Gruppierungen auf Türken, die den Grauen Wölfen nahestehen unterstützt von rechten Gruppierungen aufeinander. Die Polizei versucht sie auseinander zu halten. Ganz klar lassen sich die Gruppen nicht zuordnen. Hier steht auch das Ernst-Kirchweger-Haus, ein seit 1990 besetztes Haus in Wien-Favoriten. Das Gebäude ist ein weit über die Grenzen Wiens hinaus bekanntes Zentrum der autonomen Szene und beherbergt einige politisch, kulturell und sozial engagierte Gruppierungen und Projekte. 2008 wurde die Besetzung für beendet erklärt, nachdem alle im Haus vertretenen Gruppen Mietverträge unterzeichnet haben. Fast täglich finden Veranstaltungen verschiedener Art wie Konzerte, Lesungen, Diskussionsrunden, Info- und Beratungsabende statt. Das Haus wurde nach dem antifaschistischen Widerstandskämpfer und Kommunisten Ernst Kirchweger benannt, der 1965 bei einer antifaschistischen Demonstration von einem rechtsextremen Gegendemonstranten tödlich verletzt wurde. Viele der sozialen und politischen Aktivitäten der im Haus angesiedelten Gruppen und Organisationen, wie etwa der anarchistischen „Schwarzen Distel“, stehen immer wieder unter Beobachtung des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT).

Eigentlich, ganz genau genommen handelt es sich bei den Demonstrationen um ein innertürkisches Problem. Aber in Österreich gibt es eine große türkischstämmige Community, deren Integration doch nicht so erfolgreich verlaufen zu sein scheint, dass man sich jetzt – als österreichische Staatsbürger – um türkische Angelegenheiten prügelt. Mir scheint eines der Probleme in diesem Zusammenhang zu sein, dass es eine Reihe von türkischen Vereinen in Österreich gibt, die von der Türkei finanziert, Sammelbecken für türkischstämmige österreichische Bürger sind.

Spätestens jetzt sollte überlegt werden, wer diese Grauen Wölfe sind. Graue Wölfe ist die Bezeichnung für türkische Rechtsextremisten wie Mitglieder der Partei der Nationalistischen Bewegung oder der Partei der Großen Einheit. Sie haben in der Vergangenheit und besonders in den 1970er Jahren zahlreiche Gewalttaten und Morde begangen. Sie bezeichnen sich selbst als „Idealisten“.

Nach der Präsidenten- und Parlamentswahl in der Türkei 2018 besteht der Eindruck, dass die Türkei versucht, die Extremistengruppe Graue Wölfe in Europa hoffähig zu machen. Z.B. Cemal Çetin, Vorsitzender des Dachverbandes der Grauen Wölfe in Europa und frisch gewählter Abgeordneter der MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung), gehörte der türkischen Delegation beim NATO-Gipfel im Juli 2018 an.

Bei Bildern der derzeitigen Demonstrationen sieht man zuweilen ihre Flagge, den Wolfskopf, sie wird von den Grauen Wölfen und anderen panturkistischen Gruppen verwendet. Der Wolf ist an die Wölfin aus der türkischen Mythologie angelehnt. Es geht um die Ergenekon-Legende:  Die Ergenekon-Sage ist eine neuzeitliche, zu Beginn des 20. Jahrhunderts propagierte national-türkische Legende, die auf eine Kompilation teils sehr alter zentral-asiatischer Motive und Versatzstücke zurückgeht. Sie handelt vom Zerfall und Wiederaufbau des türkischen Reiches (gemeint ist das Osmanische Reich und dessen im Entstehen begriffenen Nachfolgestaat, die moderne Türkische Republik), wobei das Geschehen in die Zeit der sagenhaften Vorgeschichte der Kök-Türken in Zentralasien zurückversetzt wird. Es wird gemeinhin als Ursprungsmythos der türkischen Stämme bzw. der heute existierenden Turkstaaten betrachtet. Die Gök-Türken hatten sich nach der Niederlage gegen die Chinesen im 8. Jahrhundert dorthin zurückgezogen. In der Geschichte der türkischen Völker spielt der Wolf eine bedeutende Rolle. So ist die Wölfin Asena Teil der historischen Abstammungslegende der Türken, aber ursprünglich möglicherweise eine skythisch-iranische Legende.

Mir fällt dazu noch der Energenekon Skandal ein: ein sechseinhalbjähriger Mammutprozesses (Anfang 2007 bis Mitte 2013) in der Türkei, in dem hunderte (Ex-)Militärs, Juristen, Geschäftsleute, Politiker und Journalisten als mutmaßliche Mitglieder einer angeblichen Verschwörergruppe verhaftet und am 5. August 2013 zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden. Diese nationalistische Untergrundorganisation namens Ergenekon sollte ein wichtiger Bestandteil des so genannten „tiefen Staates“ darstellen und angeblich ab 2003 durch Terror und Desinformation den Sturz der islamisch geprägten Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan betrieben haben.

Als Feindbilder sehen die Grauen Wölfe die kurdische Arbeiterpartei PKK, welche auf einschlägigen Webseiten als „Babymörder“ bezeichnet wird, und jegliche Kurden, welche eine „Gefahr“ für die Türkei darstellen. Ebenfalls als Feindbilder gelten des Weiteren Juden, Christen, Armenier, Griechen, Kommunisten, Freimaurer, Israel bzw. „Zionisten“, die EU, der Vatikan und die Vereinigten Staaten. (Wenn ich es so bedenke – ohnedies wir alle!)

Der „Wolfsgruß“ ist die Grußform der Grauen Wölfe, die einen Wolf darstellt. Das ist die Bedeutung: der kleine Finger symbolisiert den Türken, der Zeigefinger den Islam. Der beim Wolfsgruß entstehende Ring symbolisiert die Welt. Der Punkt, an dem sich die restlichen drei Finger verbinden ist ein Stempel. Das bedeutet: Wir werden den Türkisch-Islamischen Stempel der Welt aufdrücken.“

Ein „Idealist“ wird folgendermaßen definiert: er ist in der Regel kein Mann des Denkens, sondern immer ein Mann der Tat […] Alle Denkweisen, Handlungen und Meinungen, die von Handlungs- und Denkweise der Idealisten abweichen, sind ungültig.“ (Von Frauen ist in diesem Zusammenhang keine Rede!) Ziel der Grauen Wölfe ist eine sich vom Balkan über Zentralasien bis ins chinesische Autonome Gebiet Xinjiang erstreckende Nation, die alle Turkvölker vereint, diese Ideologie wird auch als Panturkismus bezeichnet. Zentrum der von ihr beanspruchten Gemeinschaft aller Turkvölker ist eine starke, unabhängige und selbstbewusste Türkei. In diesem Streben nach „Turan“, der zentralasiatischen Urheimat der Türken, konkretisieren sich die pantürkischen Ziele der „Idealisten“, die sämtliche türkischstämmigen Völker Asiens in einem großtürkischen Reich vereinigt sehen möchten.“

Die AKP (Partei Recep Tayyip Erdogans) ist für die Parlamentswahlen 2018 eine Allianz mit der MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung), einer vom Gründer der Grauen Wölfe, Alparslan Türkes, gegründeten Partei eingegangen.

Seit 1. März 2019 sind in Österreich sowohl Zeichen der Grauen Wölfe als auch der Wolfsgruß verboten. Das türkische Außenministerium protestierte gegen das Verbot und fand es insbesondere skandalös, dass die Grauen Wölfe in einer Liste mit der PKK genannt werden.

Österreichische Werte werden von den „Grauen Wölfen“ sichtlich nicht vertreten, und m.E. haben sie damit in Österreich auch nichts verloren. Bitte, kümmern Sie sich darum, Frau Bundesministerin für Frauen und Integration, Susanne Raab! Und gegen ausartende Demonstrationen bin ich auch, das brauchen wir hier nicht, aber das ist Sache der Polizei.

Die Grauen Wölfe heulen jetzt auch in Österreich

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