„Mein“ Kosovo

der Präsident des Kosovo wird angeklagt

Gestern am Abend habe ich in den Nachrichten gehört, dass Hashim Thaçi angeklagt werden soll. Hashim Thaçi ist mir seit Jahren „vertraut“, nein, nein, nicht wie Sie vielleicht glauben, ich kenne ihn nicht persönlich. Ich habe vor Jahren ein Buch über die Zerfallskriege von Jugoslawien geschrieben. Dort ist er als Führer der UCK prominent vorgekommen und ich viel über ihn gelesen. Es war mein erstes Buch, das ich geschrieben habe und hieß: „Wenn Kreuz und Halbmond brennen – Religion und Balkankrieg“.

Die Anklage des Haager Sondertribunals für das Kosovo legt dem kosovarischen Präsidenten Hashim Thaçi Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last. Die Anklageschrift muss noch von einem Richter bestätigt werden, bevor es zu einem Prozess kommen kann.

Thaçi war zur Zeit des Kosovo-Krieges 1999 politischer Sprecher und Verhandlungsführer der „Befreiungsarmee Kosovo“ (UCK). Die Anklage bezichtigt Thaçi sowie mehrere weitere Personen, für nahezu 100 Morde verantwortlich zu sein. Die Opfer der anderen Thaçi zur Last gelegten Verbrechen seien „Hunderte“ von Albanern, Serben, Roma und Angehörige anderer Ethnien. Unter anderem geht es um Mord, Folter und Verfolgung.

Erhoben wurde die Anklage bereits am 24. April; sie wurde aber zunächst nicht öffentlich gemacht. Wenn man sich nun doch zur Veröffentlichung entschlossen habe, so deshalb, weil Thaçi versucht habe, die Arbeit des Gerichts „zu blockieren und zu untergraben“. Man glaube, Thaçi habe eine „geheime Kampagne“ gegen das Kosovo-Tribunal geführt mit dem Ziel, es abzuschaffen. Das 2015 in Den Haag eingerichtete Sondertribunal befasst sich speziell mit Verbrechen, die Mitglieder der UCK während des Krieges begangen haben sollen.

Hashim Thaçi (* 24. April 1968) studierte Geschichtswissenschaft an der Universität Pristina. 1989 war er Mitorganisator der albanischen Studentenproteste im Kosovo. Während seiner Arbeit als Studentenaktivist bis 1991 wurde Thaçi erster Vorsitzender der albanischen Studenten-Untergrundbewegung an der Universität Pristina. 1992 reiste er zunächst nach Albanien aus. Dort arbeitete er in konservativen Gruppierungen, die sich für eine Vereinigung aller albanischen Siedlungsgebiete einsetzten. 1993 wurde er in Albanien wegen illegalen Waffenbesitzes angeklagt.

Thaçi wanderte über Österreich in die Schweiz aus, wo er sich als Student der Politischen Wissenschaften an der Universität Zürich einschrieb. 1995 erhielt er in der Schweiz den Status eines anerkannten politischen Flüchtlings. Hashim Thaçi arbeitete in der Schweiz weiter in politischen Exilgruppen, etwa seit 1993 als Führungsmitglied der im Entstehen begriffenen „Befreiungsarmee des Kosovo“ (albanisch Ushtria Çlirimtare e Kosovës), der UÇK, die den bewaffneten Aufstand gegen das damals serbisch dominierte Jugoslawien durchführte. Von dort organisierte er den Waffenschmuggel ins Kosovo sowie Finanzierung und Ausbildung der UÇK; dabei bewegte er sich zwischen der Schweiz, Albanien und dem Kosovo. Wegen Überfällen auf jugoslawische Polizeieinheiten und Kasernen in den Jahren 1993 bis 1996 verurteilte ihn 1997 ein Bezirksgericht in Priština wegen terroristischer Anschläge in Abwesenheit zu zehn Jahren Gefängnis.

Während der bewaffneten Auseinandersetzungen 1998 war er UÇK-Kommandeur in der Region Mališevo/Malisheva. Am 13. August 1998 wurde Thaçi zu einem der politischen Vertreter des Generalstabs der UÇK ernannt. In der Folgezeit war er faktisch politischer Führer der UÇK. Im Februar 1999 wurde er wegen mehrerer terroristischer Anschläge auf jugoslawische Polizisten zur Fahndung ausgeschrieben.

Für mich schien der Befreiungskrieg der damaligen Region Kosovo auf zwei Ebenen geführt zu werden, einerseits fand ein Luftkrieg der USA gegen Serbien statt, die Bodentruppen, die diese Lufttruppen unterstützten war die UÇK.

Im Februar 1999 führte Hashim Thaçi die kosovo-albanische Delegation bei den Verhandlungen von Rambouillet. Die Vereinigten Staaten galten als wichtigster Verbündeter Kosovos. Am 2. April ernannte ihn die UÇK zum Ministerpräsidenten einer Übergangsregierung; von dieser Zeit an galt Thaçi als neuer politischer Führer der UÇK. Als solcher unterzeichnete er auch die Erklärung zur Entwaffnung und Demobilisierung der UÇK nach dem Einmarsch der NATO im Kosovo.

Vom Juni 1999 bis zur Auflösung im Dezember 1999 bezeichnete sich Hashim Thaçi als Chef einer UÇK-geführten Regierung des Kosovo – in Konkurrenz zu einer weiteren kosovarischen und einer jugoslawischen Regierung, die alle drei von der für das Kosovo maßgeblichen UN-Mission UNMIK nicht anerkannt wurden. Im Gegensatz zu den beiden anderen Konkurrenten konnte sich Hashim Thaçi allerdings auf eine breite und weitgehend bewaffnete Anhängerschaft der ehemaligen UÇK stützen; viele UÇK-Anhänger versuchten eigenständige Regionalverwaltungen zu errichten. Von Dezember 1999 an war er Mitglied im von der UNMIK eingerichteten provisorischen Verwaltungsrat des Kosovo.

1999 erfolgte die Gründung der Nachfolgeorganisation der UÇK, die Partia Demokratike e Kosovës (PDK); seither ist Hashim Thaçi deren Vorsitzender. Bei den ersten Wahlen um das Kosovarische Parlament am 17. November 2001 erhielt die PDK 25,7 Prozent der Stimmen und 26 Parlamentssitze und übernahm mit Ibrahim Rugovas Lidhja Demokratike e Kosovës die Regierung. Nach den Wahlen 2004 (28,9 Prozent und 30 Sitze) ging die PDK als zweitstärkste Partei in die Opposition.

Bei den kosovarischen Parlamentswahlen 2007 wurde die PDK mit 34 Prozent der Wählerstimmen Wahlsiegerin und ein Machtwechsel fand statt. Thaçi wurde neuer Ministerpräsident.

Hashim Thaçi, das damalige Staatsoberhaupt Fatmir Sejdiu, Parlamentspräsident Jakup Krasniqi und viele andere Politiker erklärten am 17. Februar 2008 im kosovarischen Parlament in Pristina die Unabhängigkeit der Republik Kosovo. Thaçi, Sejdiu und Krasniqi waren die Mitunterzeichner der Unabhängigkeitserklärung.

Am 24. Oktober 2010 wurde Hashim Thaçi als Vorsitzender seiner Partei wiedergewählt. Das Kosovo hat wie der gesamte westliche Balkan eine europäische Perspektive, das heißt die Aussicht, eines Tages der Europäischen Union beizutreten. Der Weg dahin wird noch lange dauern.

„Mein“ Kosovo

Noch ein nostalgischer Nachtrag: der Bleistift und sein Spitzer

Ein Bleistift ist ein Schreibgerät mit einer Mine, die in einem Schaft eingebettet ist. Der bis ins späte 18. Jahrhundert zur Herstellung der Mine verwendete Graphit wurde irrtümlich für das Bleierz Galenit (Bleiglanz) gehalten. Davor wurden Bleigriffel mit Spitzen aus echtem Blei verwendet und die Bezeichnung „Bleistift“ hat bis heute überdauert. Seit dem 19. Jahrhundert wird die Mine aus einem Graphit-Ton-Gemisch gebrannt. Der Schaft wird in der Regel aus Holz gefertigt, häufig aus dem Zedernholz genannten Holz des Virginischen Wacholders.

Blei hinterlässt auf Papier eine ähnliche Spur wie Graphit und wurde schon früh zum Schreiben benutzt. Vor 5000 Jahren sollen die Ägypter Schilfrohr, Bambusrohr oder Papyrusrohr mit flüssigem Blei ausgegossen und als Schreibwerkzeug benutzt haben. Von Plinius ist überliefert, dass in der Antike auf Grund der günstigen Abriebeigenschaften des Metalls reine Bleigriffel verwendet wurden. Gegen Ende des 18. Jh. wurden Bleigriffel bzw. echte Bleistifte aus Blei und Silberstifte durch Graphitstifte abgelöst.

Hauptsächlich wird der Bleistift für Zeichnungen, technische oder künstlerische Skizzen, zum Stenografieren oder für Notizen sowie als ausschließliches Schreibgerät von Schreibanfängern verwendet. Seine Vorteile liegen in der einfachen Handhabung, der Möglichkeit, auch mit der Spitze nach oben zu schreiben, einer vergleichsweise hohen Lichtechtheit, der relativen Wischfestigkeit sowie in der Möglichkeit, das Gezeichnete oder Geschriebene mit einem Radiergummi wieder zu entfernen.

Eine kleine Abweichung zum Stenographieren: wer verwendet das heute noch, wer kann das noch lesen oder gar schreiben? Ich musste es noch lernen, einerseits als Freifach in der Schule. Und es gab einen Kurs in den Sommerferien (!). Dort musste ich mich einschreiben und Maschinschreiben und Stenographieren lernen. Am Ende dieser Veranstaltung – die mir so gar keinen Spaß machte – gab’s einen Wettbewerb – in welcher Zeit konnte man wie viele Zeichen von einem vorher erfolgten Diktat korrekt „tippen“. Ich hab’s grad geschafft, Meister wurde ich darin nie – und wollte es auch nicht. Ich wollte auch keine Sekretärin werden, habe in meiner Arbeitszeit nie etwas für jemanden anderen geschrieben, oder gar Kaffee gekocht.  Anfänglich habe ich meine Briefe, Memoranden, Protokolle immer mit der Hand geschrieben und sie von einer Schreibkraft schreiben lassen – bis dann die Computer kamen.

Dann gab’s auch noch den Kopierstift. Durch das Allgemeine Deutsche Handelsgesetzbuch war seit 1862 allen Kaufleuten aufgegeben, eine „Kopie oder Abschrift“ der von ihnen versandten Handelsbriefe aufzubewahren. Die Erfindung der Kopierpresse 1780 durch James Watt erlaubte die Anfertigung von Kopien mit Hilfe von speziellen Schreibtinten. Nach der Synthese des Anilinfarbstoffs Methylviolett 1856 durch William Henry Perkin wurde es möglich, einen kopierfähigen Farbstoff in eine Schreibmine einzuarbeiten. Die Bleistiftfabrik Schwan (heute Schwan-Stabilo) nimmt für sich in Anspruch, im Jahre 1875 den ersten Kopierstift auf den Markt gebracht zu haben. Kopierstifte erlauben dokumentenechtes Kopieren der Handelsbriefe. Der Kopierstift war vor der Erfindung des Kugelschreibers als dokumentenechtes Schreibgerät sehr weit verbreitet. Doch durften um das Jahr 1955 bei der Deutschen Bundespost zwar Einschreibebriefe, jedoch keine Bar-Auszahlungen mit Kopierstift quittiert werden. In meiner Familie wurden Korrespondenzkarten – auch so ein Relikt, Ansichtskarten ohne Ansicht – mit Kopierstift geschreiben.

Und so umweltfreundlich sind Bleistifte heute auch nicht mehr: Die für Bleistifte benutzten Hölzer werden von den meisten Herstellern in eigens dafür eingerichteten Plantagen angepflanzt. Die Lackierung des Stifts ist oft umweltschädlich, weshalb viele namhafte Hersteller mittlerweile als umweltschonend geltende Wasserlackfarben einsetzen oder auf eine Lackierung ganz verzichten. Die Graphitmine hingegen ist völlig unbedenklich. Bei den in Europa produzierten Bleistiften wird das verwendete Holz wird meist per Schiff aus Südamerika importiert, der Graphit hingegen aus Minen in Asien.

Und Bleistifte muss man spitzen: dazu verwendet man den Bleistiftspitzer, kurz auch Spitzer genannt. Das ist ein mechanisches Gerät, mit dem man einen aus Mine und Holzmantel bestehenden Stift anspitzen kann. In der Regel sind dies Bleistifte und Buntstifte. Wir alle haben ihn in der Schultasche getragen, oder – da er doch eher klein war und nicht gefunden werden konnte, haben wir ihn von unseren Nachbarn in der Schule ausgeborgt. Wenn man zu intensiv spitzte, dann brach die Mine des Bleistifts neuerlich ab, die man doch so gerne gespitzt haben wollte. Wie weit man einen Bleistift spitzen konnte, hing auch davon ab, welche „Stärke“ die Mine hatte. Weiche Minen „schmierten“, harte Minne kratzten.

Einen Spitzer habe ich gefunden, auf einer Tasse, auf der mein Mann Brieföffner, und ähnliches Gerät aufbewahrte. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich ihn das letzte Mal verwendet habe.

Ursprünglich wurden die im 17. Jahrhundert erfundenen Bleistifte mit einem Messer gespitzt. Benutzt wurden dafür sehr häufig Federmesser, die eigentlich zum Anspitzen der Federkiele dienten und Alltagsgegenstände waren. Auch in meiner Jugend spitzten manche Leute ihre Bleistifte mit einem Messer – das musste man aber gut können, damit es funktionierte.

Mit zunehmender Anzahl von Schreibstuben Anfang des 19. Jahrhunderts erhöhte sich auch der Gebrauch an Bleistiften, wobei der Zeitbedarf zum Anspitzen dieser Stifte einen wirtschaftlichen Verlust darstellte. In Anbetracht der aufkommenden Industrialisierung entstand der Bedarf an einem speziellen Werkzeug zum Spitzen.

Die Entwicklung von Bleistiftspitzern begann in Frankreich. Im Jahr 1822 wurde in Frankreich über die Erfindung des Parisers C. A. Bocher zu Vorrichtungen zum Bleistiftspitzen berichtet. Er arbeitete mit Pantographen (ein Gerät, auch als Storchschnabel bezeichnet, ist ein mechanisches Präzisionsinstrument für das Übertragen von Zeichnungen im gleichen, größeren oder kleineren Maßstab) und benötigte offensichtlich eine Vorrichtung zum exakten Anspitzen der Zeichenstifte. Das Gerät von Boucher war technisch sinnvoll und funktionell. Seine Idee war auch international bekannt und anerkannt, Boucher hat für seinen Bleistiftspitzer jedoch kein Patent angemeldet. Es gab weitere Erfinder in verschiedenen Ländern, die dann doch Patente anmeldeten. Später kamen „Bleistiftspitzmaschinen“ auf, eine stand bei uns im Büro und diente zeitweilige als „Treff- und Tratschpunkt.

Bürokratische Pedanten waren dadurch gekennzeichnet, dass sie, fein säuberlich ausgerichtet, ihre scharf gespitzten Bleistifte auf ihrem Schreibtisch ausgerichtet hatten.

Aber all das wurde dann durch die allgegenwärtigen Kugelschreiber ersetzt – eigentlich schade.

Noch ein nostalgischer Nachtrag: der Bleistift und sein Spitzer

Was Trump fehlt, aber alle politisch Tätigen haben sollten: Anstand!

Nur ein Vorwort: Ich kann das Wort „Ibiza“ (und damit meine ich nicht die Insel) nicht mehr hören. Österreich scheint derzeit besessen davon zu sein. Ich will nichts mehr über zwei Männer hören, die ihre Zukunft schon hinter sich haben, und für dieses Land nicht mehr relevant sind. Wir stehen mitten in einer ziemlich üblen, unverschuldeten internationalen  Wirtschaftskrise, die für sehr viele Menschen existenzbedrohend ist, und was bewegt die meisten unserer Politiker, Parlamentarier und Journalisten (nicht zu reden von ziemlich vielen in den sozialen Medien) ausschließlich , wie es sich mir darstellt: Ibiza. Es gibt in Österreich, und darauf vertraue ich, eine kompetente unabhängige Justiz, wenn Strafbares getan wurde, sollte diese sich damit beschäftigen und möglichst rasch bitte, damit wir endlich zu den für uns Staatsbürger wirklich relevanten Themen zurückkehren können.  

Ich lese in der Washington Post: “The missing factor in Trump’s presidency? Decency.” Es war John McCain, der das äußerte, als er 2017 die „Liberty Medal“ überreicht bekam.

Wer ist John McCain: McCain III war ein amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und von 1987 bis zu seinem Tod 2018 Senator für den Bundesstaat Arizona. Er war Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2008, bei der er Barack Obama unterlag. Vor seiner politischen Karriere war McCain bis 1979 Berufssoldat bei der United States Navy. Am Vietnamkrieg nahm er als Jagdbomberpilot teil, wurde 1967 abgeschossen und war fünfeinhalb Jahre Kriegsgefangener in Nordvietnam. (Donald Trump hingegen war nie beim Militär, im Gegenteil, er konnte erreichen, fünf Mal „zurückgestellt zu werden“)

Und zur Liberty Medal: Die Freiheitsmedaille ist eine jährliche Auszeichnung, die vom National Constitution Center der Vereinigten Staaten vergeben wird, um die Führungsrolle beim Streben nach Freiheit anzuerkennen. Es wurde von der Philadelphia Foundation gegründet. Einige frühere berühmte Träger waren und sind: Dalai-Lama, Malala Yousafzai, Muhammad Ali, Tony Blair, Steven Spielberg.

Ich stimme zu, Trump fehlt der Anstand. Er ist ein Populist, der sich durchaus mit den extrem rechten Parteien in Europa vergleichen lässt. Er hat das alte „völkische“ Denken wiederbelebt. Damit einher gehen eine „Anti-Establishment“ Haltung, ein Ethno-Nationalismus, Autoritarismus (eine diktatorische Form der Herrschaft, welche zwischen Demokratie und dem diktatorischen Totalitarismus liegt).  Dazu kommt, dass er beratungsresistent zu sein scheint, und wenn man ehemaligen Mitarbeitern glauben kann, auch weitgehend unwissend (wenn es wirklich stimmt, dass er gefragt hat, ob Finnland zu Russland gehört). Mir scheint er noch wankelmütig, er äußert eine Meinung, und wenn Widerstand kommt, zieht er sie zurück. Ihm ist alles Multikulturelle zuwider, und er verabscheut Multilateralismus.

Als Anstand wird ein als selbstverständlich empfundener Maßstab für ethisch-moralischen Anspruch und Erwartung an gutes oder richtiges Verhalten bezeichnet. Der Anstand bestimmt die Umgangsformen und die Lebensart.

Trump verletzt mein Verständnis von Anstand, indem er lügt, andere, deren Meinung ihm nicht passt, öffentlich beschimpft, nicht pakt-treu ist, also sicherlich keine Handschlagqualität hat, vor allem Fakten leugnet (z.B. in Corona-Zeiten, aber auch insbesondere was den Klimaschutz betrifft), bei bestimmten Menschen niedere Instinkte weckt,  und nicht einmal versucht eine Vorbildwirkung zu erzielen (z.B. Maskentragen).

Er hält sich als etwas (viel) Besseres, als andere Menschen (ich erinnere, dass ihm die Polizei durch Einsatz von Tränengas Demonstranten aus dem Weg geräumt hat, damit er zu einem passenden Photo-Termin gelangen konnte – vor eine Kirche, mit der Bibel in der Hand).

Er hängt – aus meiner Sicht – einem Nepotismus an, der fast jenem der Renaissance-Päpste gleicht, indem er wichtige Ämter seinen Familienmitgliedern überträgt.

Er erscheint mir nicht nur unehrlich, da er seine Steuererklärung der Öffentlichkeit vorenthält, sondern auch – und ich verwende ein hartes Wort – geldgierig, da er sein Amt dazu verwendet, Geld aus seinen Unternehmungen auch während seiner Amtszeit herauszuschlagen (Hotels in Washington und Florida). Er scheint die eigenen Bedürfnisse vor jene des Landes zu stellen, das er gerecht regieren soll. Ich fand es erschreckend, dass er das Militär gegen sein eigenes Volk einsetzen wollte.

Eitel, das gestehe ich ihm zu, darf ein Politiker schon sein – aber überall die dritte Steigerungsstufe (greatest ever) für sich in Anspruch zu nehmen, ist für mich einfach unerträglich.

Sein Motto, „make America great again” hat nicht dazu geführt, dass die USA an Ansehen oder Macht gewonnen hätten, im Gegenteil, durch sein Verhalten, hat er anderen ermöglicht, „greater“ zu werden (z.B. China). Er hat sich und wird sich wieder bei Wahlen von ausländischen Mächten helfen lassen, er wird alles tun, auch wenn es schon fast außerhalb der Legalität steht, um die nächste Wahl wieder zu gewinnen (z.B. er probt das ja jetzt schon z.B. im Zusammenhang mit der Briefwahl – die er verdammt). Man spricht schon von einer möglichen Verschiebung der Wahl, die er anstrebt.  Aber dass er nach einer verlorenen Wahl (das muss er aber erst anerkennen) das Weiße Haus verlassen wird, davon gehe ich dann schon aus – soviel Anstand wird er dann doch noch haben – oder doch nicht?

Wenn Sie lesen wollen, wie die Aussichten für die Wahl in den USA im November 2020 jetzt stehen:

Was Trump fehlt, aber alle politisch Tätigen haben sollten: Anstand!

Glaube, Aberglaube und Geschichte(n) zum 24. Juni

Gratulation an alle Johannes‘, Johns, Hanseln, Jos etc. den heute ist Johannestag!

 Es ist das Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers am 24. Juni. Er steht in enger Verbindung zur zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindenden Sommersonnenwende. Die Johannisnacht ist die Nacht auf den Johannistag, vom 23. auf den 24. Juni.

Das Datum der Geburt Johannes’ des Täufers wurde entsprechend einer Angabe des Lukasevangeliums vom liturgischen Datum der Geburt Jesu her errechnet, nämlich drei Monate nach Mariae Verkündigung und sechs Monate vor Weihnachten: Im Kirchenjahr ergab sich daraus sehr passend übrigens das (antike) Datum der Sommersonnenwende (22~24. Juni) und der Wintersonnenwende (25. Dezember). Denn nach der Christianisierung versuchte die Kirche, die heidnische Sonnenwend-Tradition abzuschaffen. Da alle Versuche scheiterten, legte die Kirche schließlich im 5. Jahrhundert den Gedenktag für Johannes den Täufer auf den 24. Juni und übernahm zahlreiche Bräuche.

Zu den Bräuchen zählte in der Johannisnacht der Tanz um das Johannisfeuer. Das Johannis- oder Würzfeuer steht in einem Zusammenhang mit der Symbolik von Feuer und Sonne wie auch der Sonnenwende. Dem Volksglauben nach sollte das Johannisfeuer Dämonen abwehren, die Krankheiten hervorrufen oder Viehschaden und misswachsene Kinder bewirken. Mancherorts springen Burschen und Mädchen über das Johannisfeuer. Dies ist eine Mutprobe mit abergläubischem Hintergrund: Der Sprung über das Feuer soll reinigen und vor Krankheit schützen. Je mehr Personen gleichzeitig darüber springen, desto größer soll die Wirkung sein, und wenn ein Paar Hand in Hand über das Feuer springt, soll bald Hochzeit gefeiert werden.

Weit verbreitet war früher das Backen von Johanniskuchen. Im Elsass wurde er am Festtagsmittag in noch warmem Zustand nach Hause getragen, woher die Redensart „Hans Dampf in allen Gassen“ stammt. Besonders bei naturnah bewirtschafteten Wiesen ist der Johannistag als frühester Beginn der Heuernte und des Abmähens der Wiesenpflanzen normalerweise vorgeschrieben. So können Wiesenblumen und Gräser ungestört aussäen und am Boden brütende Vögel ihren Nachwuchs aufziehen. Es wird auch Insekten und Spinnen ausreichend Zeit für ein erfolgreiches Vermehren gelassen. Das alles ist ein bedeutender Beitrag zum Artenschutz und dem Erhalt der Artenvielfalt in Europa.

Aber abgesehen von Kirche und Aberglauben fand am 24. Juni 217 v. Chr. die bedeutende Schlacht am Trasimenischen See statt. Der Karthager Hannibal besiegte die Römer. Vielleicht haben Sie darüber in der Schule in ihrem Titus Livius gelesen.  Hannibal hatte den Römern eine Falle gestellt, dichter Nebel kam ihm zu Hilfe und so konnte er die Gegner – wie es so schön heißt – vernichtend schlagen. Angesichts der schweren Niederlage, die Rom am Trasimenischen See erlitten hatte, erklärte der römische Senat, die Republik befinde sich in einem Staatsnotstand. Ein Konsul war tot, der andere nicht erreichbar; die Hälfte des Römischen Heeres war vernichtet und der Feind bedrohte die Stadt Rom. Aber es heute nicht die Zeit, die punischen Kriege im Detail darzulegen.

Viel später, nämlich 1859 besiegt Napoleon III. Österreich In der Schlacht von Solferino, auf österreichischer Seite geleitet von Kaiser Franz Joseph I.  Die Schlacht von Solferino war die Entscheidungsschlacht im Sardinischen Krieg zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Sardinien und dessen Verbündetem Frankreich unter Napoleon III. Durch die Niederlage der Österreicher wurde der Krieg von Sardinien gewonnen und der Weg zur Einigung Italiens eröffnet. Unter dem Eindruck der Zustände nach der Schlacht gründet Henry Dunant das Internationale Komitee der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege, das spätere Rote Kreuz.

Und bald darauf, in der Schlacht bei Custozza 1866 scheitert im Dritten Italienischen Unabhängigkeitskrieg der Versuch, Venetien und das Trentino vom Kaisertum Österreich zu erobern. Das Kriegsglück der Österreicher war nur ein scheinbares; Italiens Heer verlor zwar diese Schlacht, konnte aber infolge eines Geheimabkommens mit Preußen nach der Niederlage Österreichs im Deutschen Krieg trotzdem die begehrte Provinz Venetien in sein Territorium eingliedern.

Mit der Unterbrechung der Stromversorgung West-Berlins, des gesamten Straßen- und Schienenverkehrs sowie der Binnenschifffahrt zwischen Berlin und den Westzonen durch die Sowjetunion beginnt 1948 die Berlin-Blockade. Als Folge dieser Blockade konnten die Westalliierten West-Berlin, das als Enklave in der sowjetischen Besatzungszone lag, nicht mehr über die Land- und Wasserverbindungen versorgen. Die Blockade war Druckmittel der sowjetischen Seite mit dem Ziel, über West-Berlin schließlich Deutschland in das eigene wirtschaftliche und politische System einzuordnen. Das entsprach ein Monat zuvor entwickelten Strategie der sowjetischen Seite und kann als „erste Schlacht des Kalten Krieges“ verstanden werden. Begründet wurde die Blockade zunächst mit dem Tag zuvor von den Westalliierten in „Westdeutschland“ eingeleiteten Währungsreform. Die Deutsche Mark wird auch mit Aufdruck „B“ in den drei Westsektoren Berlins eingeführt. Die Westalliierten begegneten der Blockade mit der berühmten Berliner Luftbrücke und mit einer Gegenblockade. Diese Blockade dauerte bis September 1949, in dieser Zeit konnte die Berliner Bevölkerung nur aus der Luft versorgt werden – es war die Zeit der so genannten Rosinenbomber.

Da man in Wien mit einer ähnlichen Aktion rechnete, überlegten die Westalliierten den Bau von Landungsmöglichkeiten innerhalb der Stadtgrenzen in der amerikanischen und englischen Zone. (Die erwogenen Örtlichkeiten war in Schönbrunn und in Heiligenstadt).

Es waren unsichere Zeiten damals ….

Glaube, Aberglaube und Geschichte(n) zum 24. Juni

Etwas nostalgisch: der Radiergummi

Heute habe ich in der ganzen Wohnung einen Radiergummi gesucht. Ich wollte ihn dazu verwenden, um einen Fleck in einer Tapete auszuradieren. Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, wann ich einen Radiergummi das letzte Mal verwendet habe. Ich habe es mit einem, auf einem Bleistift montierten Gummi versucht, hat aber nicht wirklich gut funktioniert.

Als ich noch in die Schule gegangen bin, das ist zugegebenermaßen schon ein ganzes Weilchen her, war der Radiergummi Bestandteil des Inhalts des Pennals jedes Schülers. Sie wissen nicht was ein Pennal ist? Das war ein Federkasten oft aus Holz, später aus Leder oder Lederersatz, indem Bleistifte und Federn von Schülern aufbewahrt wurden, eigentlich Federhalter und einzelne Federn verschiedener Stärke. Auf dem Pult jedes Schülers befand sich noch eine Vertiefung, indem ein Tintenfass steckte, darin musste man die Feder samt Halter eintauchen.  Erst als man schon etwas „erwachsener“ war, bekam man als bemerkenswertes, großzügiges Geschenk einen Füllfeder. (Kugelschreiber wurden erst nach meiner Schulzeit populär). Ein Pennal fehlte in keiner Schultasche. Schüler besonders wohlhabender Eltern hatten zwei Pennale, eines für Bleistifte und Federn, das andere für Buntstifte.

Der oder das Radiergummi, oft auch Radierer (manchmal sogar Radetzky genannt), ist ein besonders formulierter Gummi, mit dem Bleistift- oder Tintenstriche von Papier und anderen Trägermedien entfernt werden können. Es wird zwischen Kautschuk- und Kunststoffradierern unterschieden.

Im Jahr 1770 entdeckte der Brite Edward Nairne, dass sich Kautschuk zum Entfernen von Bleistiftstrichen eignet. Der britische Naturforscher Joseph Priestley machte diese Beobachtung im selben Jahr publik und galt deshalb lange Zeit als der Erfinder des Radiergummis. Bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts soll Brot zum Entfernen von Graphitstrichen verwendet worden sein.

Kautschukradierer werden aus dem Milchsaft (Latex) des Kautschukbaumes und Faktis, einer aus Pflanzenölen hergestellten weißgelben Masse, gefertigt. Nach Zugabe von Schwefel wird das Gemisch unter Druck bei etwa 150 Grad Celsius vulkanisiert. Die knetbare Kautschukmasse wird dadurch zu einem elastischen Stoff. Um dessen Abrieb zu verstärken, werden der Gummimasse oftmals Quarzmehl und Füllstoffe wie Kreide sowie Farbstoffe beigegeben.

Kunststoffradierer bestehen meist aus plastiziertem Polyvinylchlorid (PVC-P), das durch den Zusatz von Weichmachern elastisch wird.

Die vom Bleistift abgetragenen Graphitteilchen haften auf Papier durch Adhäsion. Die Adhäsionskraft zwischen Graphit und dem Kautschuk des Radiergummis ist stärker als zum Papier. Daher nimmt der Kautschuk das Graphit auf, während er über Papier gerieben wird (lat. radere: kratzen, schaben). Der Radiergummi muss sich dabei abnutzen, damit der freigelegte Kautschuk neues Graphit aufnehmen kann. Wenn die Kautschukoberfläche mit Graphitteilchen gesättigt ist, werden die Partikel auf dem Papier verteilt, statt abgehoben zu werden. Dazu haben wir in der Schule gesagt, dass der Radierer schmiert. Das Papier sollte beim Radieren mit zwei Fingern gespannt werden, damit es nicht einreißt. Ich erinnere mich, den Radierer oft in der Zeichenstunde eingesetzt zu haben, und wenn man mit dem Bleistift heftig aufgedrückt hatte, konnte man das nicht wegradieren, sondern es entstand das gefürchtete Loch im Zeichenpapier.

Als man in der Volksschule schon mit Tinte schreiben durfte, kam der Tintenradierer zum Einsatz.  Dann besaß man nämlich schon einen Kombiradierer, auf einer Seite zum Wegradieren von Bleistiftzeichen, auf der anderen Seite zum Entfernen von Tintenspuren. Tintenradiergummis sind mit gemahlenen, harten Stoffen wie Glas, Bimsstein oder Quarz versetzt, um Farbstoffe und -pigmente abzuschleifen. Das Schleifradieren trägt die Papieroberfläche ab und ist auf vielen Papieren erkennbar. Wenn der Farbstoff tief in das Papier eingedrungen ist, werden beim Ausradieren leicht Löcher ins Papier geschliffen. Peinlich, peinlich!

In den Vereinigten Staaten kam es seit dem Frühjahr 2011 in Mode, Radiergummis in Tier- und anderen Formen zu sammeln, besonders unter Schulkindern. Der Trend stammt aus Japan, wo entsprechende Radiergummis schon früher auf den Markt gebracht worden waren.

Als ich in der Nachkriegszeit ein spezielles CARE-Paket mit Schulutensilien erhalten hatte, war ich stolze Besitzerin von Bleistiften mit aufgestecktem Radiergummi – das war damals bei uns noch nicht bekannt. Aber auch alle anderen Schulutensilien waren sehr willkommen, denn für unsere damaligen Hefte wurde ein eher graues Papier verwendet, auf dem die Tinte „zerlief“. Und dann verfügte ich über Hefte mit glattem, weißen Papier – das Geschriebene schaute gleich viel schöner aus.

Jetzt muss aber ein Radiergummi ins Haus kommen. Ich überlege gerade, wo es noch eine richtige Papierhandlung gibt (alle in unserer Umgebung haben nämlich leider endgültig zugesperrt), damit ich diesen Einkauf tätigen kann. Ob Schüler noch immer einen Radiergummi in ihrer Schultasche haben? Ich muss meine kleinen Enkel fragen!

Etwas nostalgisch: der Radiergummi

Zur Deutungshoheit der Geschichte

Gedanken zur derzeit wütenden „Bilderstürmerei“

Ich weiß jetzt schon, dass mir viele von Ihnen widersprechen werden. aber die jetzt ausgebrochene „Bilderstürmerei“, das Umwerfen, Anzünden, im-Wasser-Versenken von Denkmälern finde ich eher barbarisch. Ich verstehe schon: jede Zeit hat ihre eigenen Helden und die Helden der Altvorderen sind nicht mehr willkommen. Was früher ein Vorbild war, ist heute ein verachtungswürdiges Subjekt. Wirklich?

Als ich ein Kind war, ist meine Mutter mit mir durch Parks, über Plätze durch Straßen gegangen und hat mir erzählt, wer die Personen waren, denen man hier Denkmäler errichtet hatte. Manche der Denkmäler sind aufgestellt worden, als ich kein Kind mehr war, dennoch, wie sich mir das darstellte, waren sie vielleicht keine Helden, aber sie waren Vorbilder, sie hatten Außerordentliches auf ihrem Gebiet geleistet, ja, sie hatten vielleicht „für das Vaterland gekämpft“. Das war die Sicht der Menschen in der Zeit, als man die Statuen aufstellte.

Dann etwas später, als ich ins Gymnasium ging bzw. studierte, also hauptsächlich in der Besatzungszeit, haben wir uns darüber lustig gemacht, dass in der Sowjetunion in relativ kurzen Abständen die Geschichte neu geschrieben bzw. interpretiert wurde. Und erstaunt musste ich feststellen, dass Putin heute das wieder einführt. Ich lese, dass er versucht, das geheime Zusatzprotokoll im Hitler-Stalin-Pakt mit der Aufteilung Osteuropas dadurch reinzuwaschen, dass er behauptet, es sei keinesfalls erwiesen, dass nicht auch andere Länder solche Geheimpakte geschlossen hätten. Hier richtete er den Verdacht explizit auf Großbritannien, das immer noch seine Archive geschlossen hält. Und Putin rechtfertigt auch die Annexion des Baltikums. Er postuliert: die „Inkorporation“ Lettlands, Litauens, und Estlands und der anschließende Beitritt der Länder zur Sowjetunion seien auf „vertraglicher Basis und Zustimmung der gewählten Obrigkeiten“ zustande gekommen. Das allerdings steigert derzeitige Ängste in Vilnius, Riga und Tallin, was ich durchaus nachvollziehen kann.

Eines ist für mich jedenfalls sicher, zur Zeit der Errichtung vieler dieser jetzt in Diskussion stehenden Denkmäler, dachten die Menschen viel weniger in den Dimensionen der „political correctness“. Und unter manchen jungen Menschen herrscht auch eine Begriffsverwirrung. Z.B. hat mir ein an sich interessierter und auch – zumindest nach heutigem Standard – historisch gebildeter junger Mensch erklärt, dass Karl Lueger in Nazi war (und dass sein Denkmal zu entfernen wäre). Ist das wirklich das einzige Kriterium, das junge Menschen heute als „negativ“ kennen? Und mit Nazi wird gleich Holocaust etc. verbunden. Wurden diese Jugendlichen wirklich nicht gelehrt, dass man noch lang kein Nazi ist, wenn man in früheren Zeiten ein Antisemit war. Es gab auch Faschisten, die keine Nazis waren – z.B. in Italien oder sogar in Großbritannien in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Natürlich waren deren Ziele nicht edel, aber sie waren keine Nazis.

Bei uns hat es eine damals durchaus umstrittene Historiker-Kommission gegeben, die die Wiener Personen-Straßennamen überprüft hat. Manche haben es begrüßt, andere hat es geärgert, weitere haben es belacht. Aber das Ergebnis: einige Umbenennungen, aber bei anderen: die Anbringung von Tafeln mit einer kurzen Information zu diesen Personen. Das halte ich für eine sehr sinnvolle Lösung!

Mir hat jemand gesagt, dass der Anblick der Denkmäler von Südstaatengenerälen eine Bürde für die heutige Jugend in den USA wäre. Ich bin derzeit über die gespaltene Gesellschaft in den USA entsetzt. Ich weiß selbstverständlich, dass Nicht-Weiße diskriminiert werden, dass sie ärmer als der Durchschnitt sind, dass sie derzeit – genau ob dieser Situation – „Corona-anfälliger“ sind, als die „weiße“ Bevölkerung. Aber bringt es wirklich etwas, Denkmäler zu stürzen?

Im amerikanischen Bürgerkrieg ging es vordergründig sich um Sklaverei, aber es sollte auch bedacht werden, dass es eine tiefe wirtschaftliche, soziale und politische Spaltung zwischen Nord- und Südstaaten gab, die sich zum damaligen Zeitpunkt immer mehr ausprägte. Gekämpft wurde primär um Sezession! Jetzt sieht man halt in Südstaatenhelden „die Bösen“, deren Standbilder dringend entfernt werden müssen. Die Bilder aus Raleigh (North Carolina) und San Francisco haben mich ziemlich erschreckt.

Und dann haben noch Demonstranten in der US-Hauptstadt Washington versucht, eine Statue in einem Park (Lafayette Park) in unmittelbarer Nähe des Weißen Hauses zu Fall zu bringen. Das Monument stellt den siebenten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Andrew Jackson, auf einem Pferd dar. Unter ihm wurde der „Indian Removal Act“ zur Vertreibung und Umsiedlung der Ureinwohner aus Gebieten im Süden des Landes erlassen.

Jede Zeit, jede Gesellschaft versucht, die Geschichte nach ihrer Sicht zu deuten. Aber das Beschmieren oder die Zerstörung von Monumenten halte ich nicht für den richtigen Weg, aus dieser unseren gemeinsamen Geschichte zu lernen, was uns allen miteinander gut anstünde.

Zur Deutungshoheit der Geschichte

Wieder einmal: Großmuttergeschichten

Ein Anzug war zu besorgen

Heute war ich mit einem meiner „großen“ Enkeln – nicht mehr im Spielwarengeschäft, sondern Anzug kaufen. Das wurde deshalb schon recht dringend notwendig, da in ca. einem Monat der „große Bruder“ des jungen Mannes heiraten wird. Naja, die geplante „große“ Hochzeit wurde Corona-bedingt abgesagt, aber eine kleine Variante, nur mit Familie und engsten Freunden, wird als standesamtliche Hochzeit nun doch stattfinden.

Und bisher war es möglich gewesen, dass zwei Brüder dieser Familie einen dunklen Anzug teilen konnten. Aber nun werden beide Brüder des Bräutigams an der Zeremonie teilnehmen, und da können sie DEN dunklen Anzug kaum teilen.

Also musste heute einer angeschafft werden. Wir gingen schnurstracks zum Peek & Cloppenburg in der Kärntner Straße. Einerseits hatten wir dort schon lange gute Erfahrungen mit Bekleidung der jungen Herren gemacht, und das Geschäft liegt nahe, andererseits hatte man mir einen Gutschein mit einer 20 – prozentigen Reduktion auf alles geschickt (unglücklicherweise stellte sich dann allerdings heraus, dass dieser Gutschein schon abgelaufen war und überhaupt nur drei Tage lang gültig gewesen ist.)

Meine braven Enkel schauen immer zuerst bei den als „Sales“ angeschriebenen Objekten, aber ein schlichter schwarzer oder dunkelblauer Anzug wandert halt nicht so leicht in den Abverkauf. Glück ist, dass meinem Enkel – wenn man endlich die richtige Größe gefunden hat, extra-slim Version – alles hervorragend passt.

Natürlich hat die Verkäuferin ziemlich teure Anzüge angeschleppt, dann aber auf insistente Rückfrage auch etwas Billigeres.  Während mein Enkel probierte, schaute ich mir ein wunderschönes Buch über die bebilderte Geschichte Londons an, in der ich allerhand faszinierende Bilder und Fakten fand (z.B. auch über die Britische Union of Fascists).

Letztendlich bestand nur mehr die Wahl zwischen zwei Anzügen – beide passten vorzüglich – jetzt waren Kriterien zu finden, um die Auswahl zu erleichtern. Ich lehnte den Preis ab und bevorzugte das Material (reine Wolle). Das war dann auch ausschlaggebend.

Hinterher hätte ich meinen Enkel gerne auf ein Frühstück eingeladen, er aber bevorzugte: Eis. Zielstrebig nahmen wir den Weg zum Gerstner, das Eisfenster hatte noch nicht offen. Aber mein Enkel ließ sich nicht aufhalten, wir betraten das Geschäft und er bekam sein Eis.

Jetzt fehlte nur noch eine Sache: unglücklicherweise war der Haargummi gerissen. Mein Enkel, der sehr schöne Haare hat, hat sich auf eine „moderne“ Frisur eingelassen, mit der ich zugegebenermaßen nicht recht einverstanden bin (Anstreben des Mens Bun). Aber in die Haartracht habe ich mich schon bei meinen Kindern geweigert, einzumischen. Also nun erstanden wir noch einen Satz Haargummis. Ich hoffte im Stillen, dass es noch irgendwann zu einer auch für mich hübschen Frisur kommen sollte, bevor dann unweigerlich die Glatze naht …. Aber das ist ja hoffentlich noch lange Zukunftsmusik.

Wieder einmal: Großmuttergeschichten

Man geht wieder auswärts essen

eine Lokalempfehlung

Nach und nach, sehr zögerlich, kommt mein soziales Leben wieder in Schwung. Es ist schon g’spaßig. Während der Corona Krise hat man plötzlich mit Leuten telephoniert, von denen man die längste Zeit nichts mehr gehört hatte. Und nach der Krise – da gab es nur mehr mit den engsten Freunden Kontakt.

Jetzt melden sich wieder jene lieben Bekannten, ehemaligen Kollegen etc. und man plant, einander wieder zu treffen.  Heute war es soweit gewesen. Es handelt sich diesmal um jene Freunde, die immer die besten Reisziele kennen und die besten Lokale in Wien empfehlen.

Sie hatten vorgeschlagen, dass wir einander im Liebsteinsky treffen sollten. Ich war noch vorher nie drinnen gewesen, obwohl ich oft daran vorüber gegangen bin. Das Lokal befindet sich direkt am Schubertring, 6. Heute regnet es nicht, und es drohen auch keine schwarzen Wolken am Himmel, meine Freunde hatten dennoch „drinnen“ reserviert. Es gibt ein „Draußen“, aber nur teilweise unter Sonnenschirmen und die direkte Sonne ist heute, am 22. Juni doch zu stark, um gemütlich länger zu sitzen. Drinnen war es angenehm kühl, und die riesigen Scheiben waren zur Seite geschoben. Der Lärm des Rings dringt nur gedämpft herein, man kann sich trefflich unterhalten ohne gestört zu werden. Es ist genug Platz, um den „Babyelephanten“ zwischen den anderen Gästen zuzulassen und selbst am Tisch kommt man einander nicht allzu nahe.

Das Personal ist sehr freundlich (natürlich „maskiert“) und kompetent.  Meine Freunde empfahlen eines der Mittagsmenüs zu nehmen. Wir nahmen einen gelbem Muskateller – einerseits als Aperitif andererseits zur Begleitung des Essens. Zu Mittag mehr als ein Glas Wein zu trinken, verpatzt mir den Nachmittag.  

Wir begannen mit einer Suppe (ausgezeichnet – Kaltschale Gurke/Melone) bzw. einem kleinen Salat. Meine Freunde nahmen einen Kartoffelpuffer – mit allerhand lustigen Beilagen, bzw. Blunzn’n auf Erdäpfelpüree, ich nahm – um meine häusliche vegetarische Küche zu unterbrechen, einen Kalbstafelspitz mit ein paar Gnocchi, gemischtem Gemüse und gebackenen Eierschwammerln. Wirklich köstlich.

Hinterher gönnten wir uns noch eine Nachspeise, meine Freunde teilten sich einen Schokoladetorte, die überaus köstlich ausschaute (aber ich bin kein Freund von Schokoladetorten) ich gönnte mir Sorbet, es kamen dreierlei Sorten – mit Erdbeeren.  Hinterher tranken wir dann noch einen Espresso ristretto.

Zwischenzeitlich brachten wir einander up-to-date, was denn in der langen Periode alles so passiert war, wie man in Wien sagte: es rannte der Schmäh!

Ich kann das Etablissement nur empfehlen, reservieren Sie, und ich erfuhr, dass auch die „Gastrogutscheine“, das Geschenk der Gemeinde Wien an alle Haushalte, dort entgegengenommen würden.

Noch ein Grund mehr ins Liebsteinsky am Schubertring zu gehen.

Man geht wieder auswärts essen

Mein Leben ohne die heute verfügbare Technologie

Als ich angefangen habe zu arbeiten, so zu Ende der fünfziger Jahre, schrieb man Briefe oder auch andere Texte noch mit der Schreibmaschine, und um Kopien zu erhalten, nutzte man Kopierpapier und legte weitere Seiten dünnes Papier dahinter. Bis zu 5 manchmal sogar 6 Kopien wurden auf diese Art gemacht. Vom Kopierpapier bekam man schmutzige Hände, Tippfehler durften einfach nicht gemacht werden, das Original konnte man mit „Tippex“, einer Flüssigkeit die man auf das Papier mit dem falschen Buchstaben pinselte noch korrigiert werden, aber bei Kopien ging da s gar nicht. Auf weggeworfenem Kopierpapier konnte man die Texte ebenfalls lesen.

Dann kamen die Kopiermaschinen.  Als Kopierer-Erfinder gilt Chester Carlson (1906-1968). Er war es leid, jedes seiner Dokumente wie ein Mönch im Mittelalter mühsam abzuschreiben, wenn er ein Duplikat brauchte. Am 22. Oktober 1938 glückte dem amerikanischen Physiker und Patentanwalt Carlson die „Elektrophotografie“: Ein Verfahren, mit dem sich weltweit erstmals Schriftzeichen auf elektrostatischem Weg kopieren ließen. Carlson nannte es Xerographie, aus den griechischen Wörtern „xeros“ für trocken und „graphein“ für schreiben. Das Datum der Erfindung in US-Schreibweise ziert auch die erste Kopie: „10-22-38 ASTORIA“ ist darauf zu lesen.

Erst 1949 kam das erste Gerät auf den Markt. Für eine Kopie benötigte man damals noch 39 Schritte und mehrere Minuten. Zehn Jahre später begann der Siegeszug des weitgehend automatisierten Xerox-914. Nach einer Aufwärmzeit von einer Minute schaffte er sieben Kopien pro Minute. Sehr lange „hielt“ dieses „Papier“ nicht, nachdem es bedruckt worden war. Aber es wanderte in die Ablagen, die dann mit der Zeit dick und dicker wurden. Die Kopierer wurden mit der Zeit funktional immer vielfältiger, dennoch, durch die Digitalisierung wurden sie langsam überflüssig – Fotokopierer werden heute allerdings kaum noch hergestellt.

Natürlich stand damals, als ich zu arbeiten begann, auf jedem Schreibtisch ein Telephon. Privat sollte es selbstverständlich nicht benützt werden. Erreicht wurden wir über eine Telephonzentrale, es sei denn der Anrufer kannte unsere „Klappe“. Und selbstverständlich hatten die Telephone damals Wählscheiben. Und im Gegensatz zu unseren derzeitigen Apparaten „sah“ man nicht, wer anrief. Zu Hause hatten wir schon ein so genanntes „ganzes“ Telephon, d.h. nicht ein Vierteltelephon, an dem 4 Teilnehmer hingen, von denen nur jeweils einer telephonieren konnte.

Da ich eine Zeitlang in der „Gehaltsabrechnung“ gearbeitet hatte, musste ich zu Monatsende an einem Monstrum einer Maschine arbeiten, die die Gehaltszettel für jeden Angestellten herstellte. Ich weiß nicht mehr, wie sie eingestellt wurde, ich weiß nur, dass wir Daten eingeben mussten die dann auf den monatlichen Gehaltszetteln aufschienen. Ich weiß aber noch gut, dass wir alle in dieser Gruppe diese Arbeit hassten.  Jedenfalls ging diese Information auch an die „Kassa“, die anfänglich noch das monatliche Gehalt – wohl abgezählt – in ein Sackerl verstaute, das dann, innerbetrieblich verteilt, an den Gehaltsempfänger kam. Es war dann ein großer Fortschritt, als diese Listen nicht mehr an die Kassa, sondern an die Bank (die sich damals im Haus befand) gingen, wo alle Angestellten ein Konto aufmachen mussten.

Sie werden wohl verstehen, dass ich mich umgehend zu jener Gruppe (freiwillig) meldete, die dann die Automatisierung dieses Prozesses vornahm. Da ich bis dahin von Computern herzlich wenig gehört hatte, wurden für uns, die wir diese Arbeit übernehmen wollten, Kurse seitens der IBM angeboten. Im Hause selbst gab es Leute – die meisten davon Amerikaner – die bereits mit Computern gearbeitet hatten.  Damals wurde IT noch nicht an Universitäten gelehrt, wir mussten es als „Training on that Job“ lernen. Das war ja noch nicht das Mühsame. Wirklich lästig war, dass wir die Programme, die wir schrieben, selbst in Lochkarten stanzen mussten. Ein „Programmdeck“ war ein Satz von Karten, der dann eingelesen wurde. Wenn man übersehen hatte – oft in der Hitze des Gefechts, die Karten zu nummerieren, und das Deck fiel auf den Boden … dann konnte man von vorne beginnen.

Anfangs waren wir jedenfalls „Allrounder“, wir analysierten was zu machen war (vieles wussten wir, weil wir jeweils aus diesen Jobs kamen), aber so systematisch dachten wir dann auch nicht, um alle Regeln und dazugehörige Ausnahmen problemlos in Computersprache übersetzen zu können. Außerdem hatten die Maschinen noch geringe Kapazitäten, sodass immer wieder „gespart“ werden musste.  Wir begannen mit der IBM 1401 – mit Endlospapier der Drucker …. Die IBM 360 Serie war dann für uns schon ein großer Fortschritt, wir programmierten unsere Anwendungen (Personalverwaltung und Gehaltsabrechnung) in der Programmiersprache COBOL.

Es waren aufregende, heroische Zeiten. Die technologischen Änderungen kamen in kurzen Abständen, das Gebiet wurde umfassender, die Spezialisierung immer differenzierter …

Heute kann ich mir ein Leben ohne Laptop, Drucker, Scanner, Internet, Mail, Google, Handy etc. etc. gar nicht mehr vorstellen. Ein Netzausfall beeinträchtigt meinen Tagesablauf. So gemütlich, wie es manchmal dargestellt wird, war aber das Leben ohne alle diese Hilfsmittel dann früher auch wieder nicht.

Mein Leben ohne die heute verfügbare Technologie

Leseempfehlungen

Jeffrey Archer: Tell Tale

Nachdem Sie es kaum mit Gene Kelley halten wollen – „singin‘ in the rain“ – ich hab’s heute am Vormittag versucht und haben ziemlich nasse Füße bekommen – werden Sie wahrscheinlich ein anderes Programm für diesen Lazy (Sunday) Afternoon haben.

Meine Empfehlung ist: Lesen. Ich lese nämlich gerade mit wirklich großem Genuss Jeffrey Archer: „Tell Tale“. Nicht nur dieses Buch von ihm hat mir gut gefallen.

Jeffrey Howard Archer, Baron Archer of Weston-super-Mare (* 15. April 1940) ist Schriftsteller von Bestsellern und britischer Politiker. Er ist zwar „Life Peer“ (Angehöriger des britischen Hochadels) und damit Mitglied des House of Lords, aber während der Wahl zum Oberbürgermeister von London, bei der er zunächst Kandidat der Conservative Party war, wurde er Anfang 2000 wegen Meineides angeklagt und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Er wurde auch aus der Conservative Party ausgeschlossen.

Er hat nicht nur Romane, sondern auch Kurzgeschichten, sondern auch Theaterstücke und Drehbücher geschrieben.

Ich habe einiges von ihm gelesen u. A.  die gesamte Clifton Saga. Was mir an seinen Büchern besonders gefällt, sind die Charaktere, die nicht immer „nur böse“ oder nur gut“ sind. Es sind realistisch gezeichnete Menschen mit verschiedenen Eigenschaften, über die man letztendlich auch lachen kann. Hintergründe sind hervorragend recherchiert und manchmal sind die Geschichten allein deswegen lesenswert.  Und immer wird Spannung aufgebaut, grad so, dass man das Buch nicht aus der Hand legen will. Bei den Kurzgeschichten ist dann die Überraschung über die letzte Pointe dann doch immer wieder gegeben.

Es braucht keines regnerischen Nachmittag um Bücher von Jeffrey Archer zu lesen.

PS: manche der Geschichte mögen einen „wahren“ Hintergrund haben, denn sie könnten von Mithäftlingen während des Gefängnisaufenthaltes von Jeffrey Archer erzählt worden sein.

Leseempfehlungen