Zum Thema Unkraut

Um es ausreissen zu können, muss man es erkennen!

Ich muss gestehen, ich bin eine miserable Gärtnerin. Viele Pflanzen, die ich selbst gekauft hatte oder die mir von lieben Freunden geschenkt worden waren, sind relativ bald eingegangen, oder haben sich gar nicht so entwickelt, wie sie “versprochen“ hatten. Das war noch die Zeit, als ich im großen Garten von Pernitz alle möglichen Pflanzen unterbringen konnte. Eine meiner Lieblingspflanzen, ein Magnolienstrauch hat sieben Jahre gebraucht, bis er geblüht hat, später dann fallweise mit maximal ganz wenigen Blüten. Das hat er jetzt mit dem Ausreißen bezahlt, nachdem ich nicht mehr nach Pernitz komme. Der rote Jasmintrompetenstrauch, den ich mir so gewünscht hatte, weil er für mich „Sommer – Sonne – Baden“ bedeutet hatte (er schmückte das Restaurantgebäude in Bad Fischau), ist nie ordentlich gewachsen. Ähnlich erging es einen englischen Teerosenstock – prachtvoll – der die Erde, das Klima, meine Pflege einfach ablehnte und den Geist aufgab. Ich wollte ein Mäuerl mit Veitschi begrünen, von zehn Pflanzen hat eine überlebt. Bougainvillea-Sträucher, die man mir geschenkt hat, ertrugen das Klima nicht.  Und sogar der letzte Versuch missglückte. Gleich nach dem Tod meines Mannes wollten wir einen Zwetschkenbaum setzen, weil mein Mann sehr gerne seinen Sliwowitz getrunken hat. Aber wahrscheinlich hat er es nicht vertragen, dass wir ihn mit dem letzten Sliwowitz gegossen haben. Naja.

Sehr erfolgreich war ich wirklich nicht. Dass im Garten überhaupt etwas gewachsen ist und geblüht hat, verdanke ich einerseits meiner Mutter und später dann dem Gärtner. Meine Mutter hatte z.B. Schwertlilien, die ein Gärtner in dem kleinen Park vor der Nationalbibliothek weggeworfen hat, in unseren Garten gesetzt. Sie blühten getreulich Jahr für Jahr.

Meine Mutter hat sich dort sehr mit einem Gemüsegarten geplagt. Es war halt auch schwer, wenn man hauptsächlich an Wochenenden und bestenfalls in den Ferien dort gewohnt hat. Das war mit dem regelmäßigen Gießen nicht kompatibel. Jedenfalls sind die Paradieser nie rechtzeitig – vor dem ersten Frost – reif geworden. Die frischen Erbsenschoten waren schon recht köstlich und auch die Fisolen gediehen recht gut. Auch die Zucchinis sind prächtig gediehen, aber tagelang Zucchinis essen, weil sie gerade reif waren, war dann doch nicht so lustig. Aber im Spätsommer wurden Endivien gepflanzt, damit wir auch im Herbst frischen Salat aus dem Garten essen könnten. Naja, die Endivien gediehen prächtig und knapp vor der Ernte, entdeckte sie der Dachs – der wahrscheinlich auch im Garten wohnte – und fraß alle Herzen daraus. Meine Mutter war zerstört und wirklich böse auf den Dachs, aber er zeigte sich zu seinem Glück nicht.

Wahrscheinlich hat einfach auch die Natur geholfen bei unserem Garten, z.B. die wunderschönen Akeleien fanden selbst den Weg zu uns. Aber dieser Garten ist für mich Geschichte. Jetzt werken dort meine Enkelkinder, sie haben Bienenstöcke aufgestellt, mähen nur wenige Teile der Grasflächen, damit die Bienen Futter finden.  Spielen dort Fußball und heiraten demnächst auch dort. In dem kleinen Salettl (Lusthaus), das sich mich Mann hat bauen lassen, mit dem wunderschönen Blick ins Gutensteiner Tal.

Jetzt habe ich nur einen Balkon, den es im Sommer mit blühenden Pflanzen zu begrünen gibt. Na heuer war ich nicht besonders erfolgreich, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, und ein Fensterbrett mit Kräutern – am besten wächst dort das Basilikum.

Aber egal was und wo Sie pflanzen – und hoffentlich auch ernten – wesentlich ist es, diesen Garten oder dieses Gärtlein von Unkraut frei zu halten. Und selbst da habe ich versagt, einfach weil ich Unkraut, von dem, was das wachsen und blühen und reifen sollte, nie habe wirklich unterscheiden können. Letztlich habe ich den Löwenzahn, den ich sogar in der Wiese erkannt hätte, nicht ausgestochen, weil ich dieses fröhliche Gelb so mag, wenn er blüht. Aber Löwenzahn im „Rasen (den wir eh nie hatten) einfach Unkraut!

Diese Unterscheidung zwischen Unkraut, und dem was wachsen soll, ist schwer genug, aber im Grunde betrifft das nicht nur Pflanzen. Im heutigen Evangelium konnte man hören, dass man das Unkraut nicht ausreißen soll, denn sonst besteht die Gefahr, dass mit dem Unkraut auch der Weizen ausgerissen würde. Man solle beides bis zur Ernte wachsen lassen, denn dann erst, würden die Schnitter das Unkraut und den Weizen trennen, das Unkraut bündeln und es verbrennen.

Auch wenn wir nicht „garteln“, haben wir es immer wieder mit Menschen zu tun, von denen wir manche mehr als andere mögen.   Sind diese „anderen“ wirklich „Unkraut“, das wir am liebsten ausreißen möchten? Wer kann wirklich entscheiden, wer in seiner näheren und weitern Umgebung nun „Unkraut“ ist oder nicht?

Ich glaube mit ein wenig Toleranz bei der Beurteilung anderer Menschen würde unsere Gesellschaft wesentlich besser funktionieren! Sie möchten doch auch für andere nicht „Unkraut“ sein?

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