75 Jahre Potsdamer Konferenz – Konsequenzen bis heute

Ein Treffen, das unser aller Schicksal lange Zeit bestimmt hat.

Die Potsdamer Konferenz fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof bei Potsdam statt. Offiziell wird sie als Dreimächtekonferenz von Berlin bezeichnet. Es handelte sich um ein Treffen der drei Hauptalliierten des Zweiten Weltkriegs nach dem Ende der Kampfhandlungen in Europa zur Beratung auf höchster Ebene über das weitere Vorgehen. Die Ergebnisse wurden, insoweit es Deutschland und auch Österreich betraf, im Potsdamer Abkommen festgehalten. Hinsichtlich Japans gaben die Regierungschefs der Vereinigten Staaten von Amerika, Nationalchinas und des Vereinigten Königreichs die Potsdamer Erklärung heraus. Teilgenommen hatten die „Großen Drei“: der britische Premierminister Clement Attlee, der US-Präsident Harry S. Truman, der sowjetische Diktator und Generalissimus Josef Stalin und ihre Stäbe. Später haben diese drei nie wieder an einem gemeinsamen Treffen teilgenommen. Interessant ist auch, dass an früheren Treffen dieser Art Churchill und Roosevelt teilgenommen hatten. Churchill war anfänglich zusammen mit seinem Außenminister Eden in Potsdam noch dabei gewesen, aber während dieser Konferenz abgewählt worden und Roosevelt war verstorben. Das unterstützte die Position von Stalin erheblich.

Frankreich war an dieser Konferenz nicht beteiligt, stimmte den Potsdamer Beschlüssen jedoch in verschiedenen Schreiben unter Vorbehalten zu. Der Wert dieser Vereinbarungen besteht darin, dass hierdurch einerseits eine Gesamtverantwortung aller Alliierten (die Vier Mächte) für Gesamtdeutschland festgestellt wurde, andererseits vereinbart wurde, dass in Deutschland demokratische politische Parteien und Gewerkschaften von den Besatzungsbehörden zu gestatten waren.

Beginnend mit der Konferenz von Teheran 1943 hatten sich die Hauptalliierten der Anti-Hitler-Koalition des Zweiten Weltkriegs bereits mehrfach auf unterschiedlichen Ebenen getroffen, um eine Einigung über das Vorgehen für die Zeit nach dem Sieg über das nationalsozialistische Deutsche Reich zu erzielen. Zuvor wurde in der Konferenz von Casablanca ebenfalls 1943 die Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation erhoben. In der Konferenz von Jalta vom Februar 1945 wurde eine Einteilung in Besatzungszonen sowie eine koordinierte Verwaltung und Kontrolle durch eine Zentrale Kontrollkommission beschlossen.

Nach dem militärischen Zusammenbruch des Großdeutschen Reiches, einhergehend mit dem Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Streitkräfte am 8. Mai 1945 und der Verhaftung der Geschäftsführenden Reichsregierung, hatten die Siegermächte am 5. Juni mit der Berliner Deklaration und der Feststellung der Besatzungszonen sowie der Einsetzung eines Alliierten Kontrollrates offiziell die Regierungsgewalt in Deutschland übernommen. Eine Konferenz im Juni, wie von Winston Churchill vorgeschlagen, wurde von Josef Stalin verzögert. Dies geschah im Rahmen sowjetischer Bestrebungen, die Westmächte in Bezug auf die deutsche Ostgrenze vor vollendete Tatsachen zu stellen. In der Periode vom 17. bis 25. Juli fanden neun Sitzungen statt. Darauf wurde die Konferenz für zwei Tage unterbrochen, an denen in Großbritannien die Wahlergebnisse verkündet wurden.

Auf der Konferenz sollten die Grenzziehungen in Europa und die Reparationsleistungen, die Verwaltung des besetzten Deutschlands sowie der noch andauernde Pazifikkrieg besprochen werden.

Für Österreich war dann maßgebend: Das Potsdamer Abkommen regelte u.a. die militärische Besetzung Deutschlands und Österreichs, die Entmilitarisierung, Entnazifizierung, Verfolgung von Kriegsverbrechern, Reparationszahlungen und die alliierte Kontrolle der deutschen und österreichischen Wirtschaft. Gemäß dem Abkommen konnte jede Besatzungsmacht ihre Reparationsansprüche nur aus der von ihr besetzten Zone befriedigen. Während die Westmächte gegenüber Österreich auf ihre Ansprüche mit Ausnahme des „Deutschen Eigentums“ verzichteten, übernahm die USIA („Verwaltung des sowjetischen Vermögens in Österreich“) innerhalb der von ihr besetzten Zone fast die gesamte Erdölindustrie und die DDSG (Donaudampfschifffahrtsgesellschaft), ca. 300 Industriebetriebe, 150.000 Hektar Grundbesitz sowie Gewerbe- und Handelsbetriebe. Gemäß dem Staatsvertrag wurden diese Vermögenswerte später gegen Ablösezahlungen an Österreich übergeben.

In rechtlicher Hinsicht handelt es sich dabei nicht um einen internationalen Vertrag, sondern um ein gemeinsames Konferenzkommuniqué, eine gemeinsame Willens- beziehungsweise Absichtserklärung. Seine inhaltliche Bindung und Reichweite waren umstritten, da zwischen politischer und rechtlicher Wirkung deutlich zu unterscheiden ist.

Zur Vorbereitung einer internationalen Nachkriegsordnung und von Friedensverträgen richteten die drei Mächte einen Rat der Außenminister ein, zu dem auch Frankreich und National-China einen Vertreter entsenden sollten. Dieser Rat traf sich bis 1949 achtmal zu Konferenzen. Nur einmal, in London 1945, waren alle fünf Großmächte vertreten. Die Sowjetunion protestierte jedoch gegen die Beteiligung von China und Frankreich an der Friedensregelung für Osteuropa. Die Aufgabe, auf diesen Außenministerkonferenzen eine Einigung über die Nachkriegsordnung zu erzielen, wurde nur in geringem Umfang erfüllt, weil die Planungen der Großmächte unvereinbar waren. Die sowjetische Politik in Ostasien, im Nahen Osten und in Osteuropa lief den Interessen der USA zuwider, was schließlich zu einer Konfrontation des westlichen und östlichen Lagers führte.

Wesentlich für die späteren Entwicklungen waren auch die territorialen Entscheidungen. Das Gebiet Kaliningrad wurde als nördliches Ostpreußen mit der Provinzhauptstadt Königsberg durch die Sowjetunion erobert und bereits mehrere Monate vor der Potsdamer Konferenz durch eine Verfassungsnovelle in ihr Staatsgebiet integriert.

Die Oder-Neiße-Grenze wurde festgelegt, der Besitz von Stettin und der Odermündung in das Stettiner Haff stellte eine wirtschaftliche Forderung Polens nach der Besitznahme des Oberschlesischen Industriegebiets dar.

Über die Flüchtlinge wurde verhandelt. Zusammen mit den seit 1944 vor der vordringenden Roten Armee westwärts Geflohenen verloren mehr als zwölf Millionen Menschen ihre Heimat infolge Flucht und Vertreibung durch polnische Miliz und örtlich gebildete polnische Verwaltungsbehörden. Die angebliche Legitimierung der zu dieser Zeit andauernden Vertreibungen der deutschen Zivilbevölkerung aus den Ostgebieten wurde später scharf kritisiert. Auch war der Westen verärgert über die Plünderungen, den Abtransport von Gütern, die Massenverhaftungen und schließlich die sexuellen Übergriffe sowjetischer Truppen, denen in dieser Zeit etwa 240.000 Frauen zum Opfer fielen.

In Bezug auf den Pazifikkrieg legte die Potsdamer Erklärung die offiziellen amerikanisch-britisch-chinesischen Bedingungen für die Kapitulation des Kaiserreichs Japan fest. Die Potsdamer Erklärung wurde von Präsident Harry S. Truman und Premierminister Winston Churchill im Rahmen der Potsdamer Konferenz formuliert, von Generalissimo Chiang Kai-shek telegrafisch mitunterzeichnet.

Geblieben sind die Grenzen, gefallen ist die Zoneneinteilung Deutschland – aber erst 1989.

75 Jahre Potsdamer Konferenz – Konsequenzen bis heute

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s