Gedanken anlässlich des Films „Die Verlegerin“

Sehr persönlicher Rückblick in ein turbulentes Amerika rund um den Beginn der Siebziger Jahre

Gestern, das war ein faszinierender Filmabend für mich,  aus verschiedenen Gründen. Ja, es war nur im Fernsehen, ja, es war leider nicht in der Originalsprache – aber trotzdem. Es handelte sich um den Film „Die Verlegerin“ (Originaltitel The Post, Arbeitstitel: The Papers) von Steven Spielberg, das im Dezember 2017 in ausgewählte US-amerikanische Kinos und im Februar 2018 in die deutschsprachigen Kinos kam.

Mein Mann, ein Journalist mit Leib und Seele, wollte diesen Film unbedingt sehen. Aber es waren die Monate vor seinem Tod und ein Kinobesuch wäre ziemlich kompliziert gewesen, nicht nur wegen des Rollstuhls und so ist es nicht mehr dazu gekommen, dass wir ihn gemeinsam gesehen hätten. Ein wenig schlechtes Gewissen meinerseits ist, dabei, dass ich ihm das nicht ermöglicht hatte! Ich habe dann gestern, beim Sehen des Films, unentwegt an meinen verstorbenen Mann gedacht. Denn es wurde eine Welt gezeigt, in der er immer sehr glücklich gewesen ist.  Bei Besuchen in der „Presse“ habe ich es selber auch sehen können,  Das Setzen, die Buchstaben aus Blei, die zusammengesetzt werden, der „Umbruch“, wie letztlich eine Seite aus diesen Bleibuchstaben erstellt wurde, und der Andruck, das war, wenn die Maschinen angeworfen wurden, in denen die riesigen Papierrollen abliefen die bedruckt und  zusammengestellt wurden Das Fließband, auf denen die Zeitungen gebündelt wurden und die Hektik, wie sie auf Lastwagen verladen wurden, um rechtzeitig zu allen Destinationen zu kommen. Damals gab es sie auch noch, die Korrektoren, die jeden Text sprachlich und grammatikalisch überprüften (ich würde mir manchmal schon so einen Korrektor für meinen Blog wünschen – mir bleibt nur der Spell-Check). All das kann man in dem Film sehen. Ebenso wie die riesigen News-Rooms und das teilverglaste Zimmer des Chefredakteurs. Da waren noch die Telephone mit den runden Wahlscheiben, die Autotypen, die Kleider aus dieser Zeit der frühen 70er Jahre.

Sehr faszinierend war es auch die Kultur zu sehen, in der die Männer so stark dominierten – das konnte man sehen, im Aufsichtsrat der Zeitung, beim Börsegang der Washington Post. Und in einer winzigen Szene, in denen die Verlegerin, Kathrin Graham, erzählte, wie sie in diese Position gelangt war. „Ich habe nie gedacht, dass ich arbeiten müsse“. Ich habe Kathrin Graham einmal ganz kurz persönlich treffen können, als es ein großes Essen zu ihren Ehren in der amerikanischen Botschaft in Wien gegeben hat. Damals war sie dann schon eine Legende!

Der Film zeigt aber auch die Macht der Presse, der Vierten Gewalt, neben Exekutive, Legislative und Judikative gibt es danach die Medien, die zwar keine eigene Gewalt zur Änderung der Politik oder zur Ahndung von Machtmissbrauch besitzen, aber durch Berichterstattung und öffentliche Diskussion das politische Geschehen beeinflussen können. Es bedarf aber einer gehörigen Portion Mut und Entschlossenheit, zu der „Wahrheit“ zu stehen.  In dem konkreten Fall hat es bedeutet, dass z.B. die Zeitung „eingehen“ könnte bzw. die Verantwortlichen ins Gefängnis gehen müssten, denn es wurde der Inhalt von Geheimpapieren abgedruckt, die die Lügen der Mächtigen entlarvten. Es ist dabei aber auch um persönliche Konflikte gegangen, ein enger Freund der Verlegerin ist Minister – und hat schamlos gelogen. Opfert sie diese Freundschaft?

Es war eine turbulente Zeit damals in den USA. Es war die Zeit des Aufbruchs der Jugend, sie rebellierten gegen die Gesellschaftsordnung, sie demonstrierten gegen Vietnam – es gab damals noch den Zwang, dem Militär beizutreten – und sich unter grässlichen Umständen im Vietnam abschlachten zu lassen (der Anfang des Films zeigt so eine Szene), Woodstock – das Festival hat 1969 stattgefunden.   Diese Pentagon Papers haben einfach aufgezeigt, dass dieser Krieg in Vietnam einfach nicht zu gewinnen war, aber nach außen hin wurde ausschließlich von Erfolgen geredet, also, das Volk wurde glatt belogen.  Es war die Zeit des großen Aufbruchs der Schwarzen in den USA, 1968 war Martin Luther King (Sie wissen schon „I have a Dream“) erschossen worden, aber ebenso Robert Kennedy.  Es war auch die Hippie Zeit, die Zeit der Flower Power. Die Mächtigen logen und die Jungen glaubten und vertrauten ihnen einfach nicht mehr.

Aber nicht genug all dessen, da waren auch noch die wirklich brillanten Schauspieler, wie Meryl Streep und Tom Hanks und viele andere an diesem Film beteiligt.  Er war sehr spannend und kam ohne Sex und Gewalt aus.

Für mich war es halt auch eine Darstellung einer sehr bewusst erlebten Zeit, besonders weil ich doch ein Jahr in den USA verbracht hatte – in deutlich ruhigeren Zeiten (zu Anfang der Fünfziger Jahre)  – und daher auch laufend Anteil an den Geschehnissen dort genommen hatte – soweit das bei uns möglich war. Vielleicht war es eine besonders elegische Erinnerung an andere Zeiten in den USA, wenn auch damals schon, wie die Geschichte zeigt, so wie heute, Politiker gelogen und betrogen haben.

Gedanken anlässlich des Films „Die Verlegerin“

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