Das hörende Herz

Ein Ratschlag, gegeben vor wahrscheinlich ca. 12000 Jahren!

Das Erste, oder Alte Testament zeigt manchmal eine erstaunliche Aktualität. Die Darstellung der beiden Königsbücher (die ursprünglich ebenfalls nur ein Buch waren) reicht vom Beginn des Königtums Salomos bis zum babylonischen Exil. Das umfasst eine Periode von 4 Jahrhunderten. An verschiedenen Stellen wird wiederum auf ältere, uns nicht erhaltene Geschichtswerke zurückgegriffen.

Dennoch es ist lange her, dass David und ein Sohn Salomon gelebt habe. Davidisch-salomonisches Großreich bezeichnet einen Staat im östlichen Mittelmeerraum in der Zeit des 10. Jahrhunderts v. Chr. Jerusalem im 10. Jahrhundert v. Chr. war das Verwaltungszentrum eines großen Staates sowie ein Ort kultureller Blüte. Das kulturelle Leben am Hof Salomos wird von manchen als „Salomonische Aufklärung“ bezeichnet, und es wird davon ausgegangen, dass Teile des Alten Testaments in diesem Umfeld verfasst wurden. Aus Sicht mancher, waren David und Salomo zwar historische Personen und Herrscher, hatten aber nur regionale Bedeutung. Die Regierungszeit Davids und Salomos in der Bibel wird mit je 40 Jahren angegeben, das entspricht eher einer symbolischen Zahl einer Generation. Diese Zeit wird in der historischen Kategorie der Eisenzeit gesehen.

Ob Salomo als historische Person gelten kann, ist wie bei seinem Vater David umstritten. Wäre ihr Reich wirklich so groß gewesen, sollten sich im Kulturraum von Ägypten bis Mesopotamien deutlich mehr Spuren finden lassen als die 1993 entdeckte Tel-Dan-Inschrift, die ein „Haus Davids“ erwähnt. Auf der anderen Seite lässt bereits der Text der Bibel erkennen, dass der Staat Salomos auf die Hilfe des Königs Hiram von Tyros angewiesen war, ohne den weder der Tempel noch die Seefahrt möglich gewesen wären. Es gibt Indizien sowohl für die historische Existenz von Salomo selbst als auch von Hiram und der Königin von Saba. So lebte um 740 v. Chr. ein König Sa-la-ma/-nu in Moab, ein König Ahiram in Tyrus und eine arabische Königin mit Silbenschreibung Za-bi-be (als Buchstabenschreibung ZBB = Zabba/Sabba). Auch soll diese arabische Königin „Geschenke“ in Form von Tributzahlungen an einen assyrischen König überbracht haben. Inschriften des assyrischen Königs Tiglat-Pilnessar beschreiben dies ausführlich.

Im Talmud, im Koran und anderen späteren Überlieferungen finden sich viele Berichte über Salomo. Im Koran heißt es, dass der König Salomo die Herrschaft über die Dschinn hatte, die für ihn Schätze aus dem Meer beschafften und sogar den Tempel von Quds (d. h. Jerusalem) bauten. Er hatte einen Talisman, auf dem der wahre Name Gottes stand und mit dem er alles beherrschen konnte. Auch soll ihm von Allah die Macht über die Tiere übertragen worden sein, und er soll die Sprache der Vögel gesprochen haben.

Im orientalischen Volksglauben, namentlich in Tausendundeine Nacht, wird Salomo (Sulaiman, Soliman, Süleyman) dargestellt als erster namhafter König, der Allah dient, als Inbegriff der Weisheit, der Menschen, Tieren und Geistern befiehlt und der die Dschinn in Flaschen einsperrt und kurzfristig sogar Iblis, den Teufel selbst, als Aufseher über die Dschinn einsetzt. Er wird dort auch als „Herr der Ifrit“ (Totengeister) bezeichnet. Süleyman war daher ein sehr beliebter Vorname, den auch mehrere Kalifen und Sultane trugen.

Für die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche – und dadurch auch für die Rastafari-Religion Jamaikas – spielt Salomo eine besondere Rolle, da ihnen die alten äthiopischen Kaiser als Nachfahren von Salomo und der Königin von Saba gelten.

Im Mittelalter galt Salomo neben David als Ideal eines christlichen Herrschers. Ersterer stand für den gerechten, Letzterer für den gottgefällig-kriegerischen König. Beispielsweise stellte Karl IV. seine Herrschaft unter das Leitbild der Beiden. Vom Anfang (Rede seiner Gesandten im November 1346 im Papstpalast Avignon) bis zum Ende (Titulierung als zweiter Salomo im Landbuch Kaiser Karls IV., niedergeschrieben 1376) prägte dies seine Amtszeit als römisch-deutscher König. Durch den Tempelbau hat Salomo auch für die Freimaurerei eine besondere symbolische Bedeutung.

Den Text den ich konkret meine, erzählt vom Beginn der Regierungszeit des Königs Salomo. Er hat seinen Halbbruder und Rivalen Adonija und die ehemaligen Widersacher seines Vaters David getötet. Seine Herrschaft ist gefestigt. Nun bringt Salomo Gott in Gideon ein Brandopfer dar und träumt anschließend von einem Gespräch mit Gott.

In jenen Tagen erschien der HERR dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll! Salomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große Huld erwiesen; denn er lebte vor dir in Treue, in Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld bewahrt und ihm einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt.

Und Salomo sprach: HERR, mein Gott, du hast deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein.  Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann.  Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren?  Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach.  Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.

Und was für uns heute Bedeutung hat, ist m.E.  der Wunsch Salomos, nach einem „hörenden Herzen“. Es stünde nicht nur den Regierenden an, diesen Wunsch für sich selbst zu berücksichtigen, sondern auch vielen (von uns), im täglichen Umgang mit den „anderen“, die anderen mit dem Herzen zu verstehen. Es bedürfte dann z.B. keine Black-Lives-Matter Bewegung ….

Das hörende Herz

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