Portland: hier musste Trump einen Rückzieher machen

Wird man den Präsidenten dann mehr “lieben“, wie er sich das wünscht?

Ich war sehr überrascht, als ich von den Unruhen in Portland gelesen habe. Wir (damals mein inzwischen verstorbener Mann und ich) waren – es ist schon ein gutes Weilchen her – in Portland gewesen. Anlässlich einer unserer US-Reisen an die Pazifikküste der USA.

Portland gilt als eine der „grünsten“ Städte Amerikas, nicht nur aufgrund von Bepflanzung, das auch, aber ob der Maßnahmen im Hinblick auf verbessertes Klima. Die Stadt verfügt über eine große Anzahl an Gärten, Parks und Grünanlagen. In Portland hat der Umweltschutz einen hohen Stellenwert. Die Nutzung der Straßenbahn Portland Streetcar, der MAX Light Rail (einer Art Stadtbahn) sowie der Busse war innerhalb der Free Rail Zone, die die Innenstadt und das Lloyd Center umfasst, bis September 2012 kostenlos. Nachfolgend musste wieder auf die Erhebung von Fahrpreisen umgestellt werden, da die durch die kostenfreie Zurverfügungstellung des öffentlichen Nahverkehrs in der Innenstadt entstehende Finanzierungslücke nicht mehr gedeckt werden konnte und sich zudem die Fahrzeit der Busse durch viele Kurzstreckennutzer stark verlängert hatte. In Portland gibt es auf die Einwohnerzahl bezogen die meisten Brauereien der Vereinigten Staaten. Diese Stadt entstand als Siedlung erst zu Beginn der 1840er Jahre und wurde zunächst The Clearing (Die Lichtung) oder Stumptown (Baumstumpfstadt) genannt. Letztere Bezeichnung geht auf die zahlreichen Baumstümpfe zurück, die eine Zeit lang Teile des Ortsbilds prägten. Aufgrund des raschen Wachstums wurden zahlreiche Bäume gefällt, um Platz für den Ort und Baumaterial zu beschaffen. Dabei beließ man die Baumstümpfe zunächst für längere Zeit im Boden.

Die Entscheidung über die Namensgebung erfolgte damals angeblich durch Münzwurf, zur Auswahl standen die Namen „Boston“ und „Portland“. Viele Jahre stand Portland im Schatten der damaligen Hauptstadt Oregon City. Im Jahr 1850 hatte Portland etwa 800 Einwohner. Heute sind es ca. 640 000 (steigend) in der Stadt selbst, im Umfeld ca. 2,3 Millionen. Im Umland kommt man in eine liebliche Weingegend, wo hervorragender Wein gekeltert wird.  Wir waren auch dort, um ihn zu kosten.

Und Portland war für mich ein besonderer Anziehungsort. Dort gibt es eine Buchhandlung, die sich über einen gesamten Häuserblock dieser Stadt ausdehnt, mitsamt einem faszinierenden Antiquariat – etwas, das in den USA eher selten zu finden sind. Aber natürlich haben wir auch einige Museen dort besucht, z.B. das Portland Art Museum, 1892 eröffnet und das älteste Kunstmuseum des Pazifischen Nordwestens. Portland verfügt über eines der lebhaftesten Nachtleben der USA, wozu wir aber keine Zeit fanden.

Portland ist zwar die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum des Bundesstaates. Die Hauptstadt von Oregon ist allerdings Salem. Dort haben wir selbstverständlich auch Oregon State Capitol aufgesucht. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir damals die Tatsache, dass wir ohne Kontrolle (oder Eintritt zu bezahlen) dieses Gebäude betreten konnten. Ich gebe zu, wir mussten einen Seiteneingang benutzen, da der Haupteingang für Rollstühle nicht geeignet war. Aber wir spazierten durch verschiedene Gänge, auf den Türen waren die Namen und Funktionen derer angeschrieben, die dort arbeiteten … Als Terroristen hätten wir dort ein leichtes Spiel gehabt. Erst nach einiger Zeit sind wir dann in der „Rotunda“ angekommen, wo man wahrscheinlich normalerweise hineinkommt.

Aber zurück nach Portland.

Also habe ich eigentlich nur positive Erinnerungen an Oregon und Portland. Daher meine Überraschung, als ich von den Unruhen gehört habe.  Diese Demonstrationen dauern bereits seit zwei Monaten an. Die Spannungen erhöhten sich schlagartig, als Washington Anfang Juli eine unbekannte Zahl von Bundespolizisten verschiedener Dienste entsandte. Sie wurden schnell beschuldigt, sie schürten im Auftrag Präsident Donald Trumps mit provokativem, martialischem Auftreten die Gewalt, um es diesem zu erlauben, sich im Wahlkampf als Hüter von Recht und Gesetz in Szene zu setzen. Seitens Trump und Umgebung hieß es wiederum oft, dass die linken Behörden der Stadt und des Gliedstaats Gewalt gegen die Polizisten und Bundeseinrichtungen verharmlosen oder sogar begünstigen.

Nun, im monatelangen Konflikt zwischen Demonstranten und Polizeikräften in Oregon zeichnet sich überraschend eine friedliche Lösung ab. Die Regierung in Washington und die demokratische Gouverneurin des Gliedstaats haben sich laut getrennten Presseerklärungen in Verhandlungen auf einen Plan geeinigt, um den mit Gewalt verbundenen Ausschreitungen rund um ein Gerichtsgebäude in der Stadt Portland ein Ende zu bereiten. Die beiden Seiten stellten die Einigung aber recht verschieden dar.

Aus der Umgebung der Gouverneurin hört man: die Bundesbehörden willigten in einen schrittweisen Abzug ihrer Polizeikräfte aus der Stadt ein. An ihrer Stelle werde die Polizei Oregons den Schutz des Gerichtsgebäudes übernehmen. Portland beschuldigte die Bundespolizisten in ihrer Mitteilung wie schon früher, sie hätten sich wie eine Besetzungsmacht aufgeführt und sich geweigert, Rechenschaft über ihre Aktivitäten abzulegen, wodurch sie Gewalt und Konflikt in die Stadt gebracht hätten.

Auf Bundesebene erklärte man hinwieder, dass die Kräfte der Bundesregierung erst abziehen würden, wenn die Organe des Gliedstaats bewiesen hätten, dass sie den Schutz der Bundeseinrichtungen garantieren könnten. Also ziehen sich die Bundespolizisten zunächst ins Innere des Gebäudes zurück. Damit würden sie, ganz nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“, eine Entspannung der Lage ermöglichen.

Immerhin – es ist wieder ruhiger geworden, in Portland.

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