Wir alle sind doch Kinder Abrahams?

Gedanken zum Opferfest der Muslime

Unsere muslimischen Mitbürger feiern derzeit ihr Opferfest. Begonnen hat es gestern am Abend, Donnerstag 30. Juli und dauert bis Montag, 3. August, ebenfalls abends. Da der islamische Kalender auf tatsächlichen Neumondsichtungen basiert, kann das Datum je nach Region um einen Tag unterschiedlich sein. Zusammen mit dem ʿĪd al-fiṭr, dem Fest des Fastenbrechens zu Beginn des Monats Schauwāl, dem Folgemonat des Fastenmonats Ramadan, gehört es zu den bedeutendsten Festlichkeiten im islamischen Jahreskreis.

Beim Opferfest wird des Propheten Ibrahim (Abraham) gedacht, der nach muslimischer Überlieferung die göttliche Probe bestanden hatte und bereit war, seinen Sohn Ismael Allah zu opfern. Als Allah seine Bereitschaft und sein Gottvertrauen sah, gebot er ihm Einhalt. Ibrahim und Ismail opferten daraufhin voller Dankbarkeit im Kreis von Freunden und Bedürftigen einen Widder. Die Geschichte wird im Koran in Sure 37,99–113 erzählt, jedoch wird nicht der Name Ismael verwendet, sondern nur der Begriff „Sohn“. Ebenso ist dort auch nicht die Rede vom „Kreis von Freunden und Bedürftigen“. Auch in der der Bibel wird von der Opferung Isaaks erzählt.

Da auch der jüdische Versöhnungstag Jom Kippur am 10. Tag eines Monats in einem Mondkalender stattfindet, kommt es alle 33 Jahre zu der Situation, dass beide Feiertage am selben Kalendertag begangen werden.

Jom Kippur (heuer 27./28. September) ist der höchste jüdische Feiertag, der Versöhnungstag. Zusammen mit dem zehn Tage davor stattfindenden zweitägigen Neujahrsfest Rosch ha-Schana bildet er die Hohen Feiertage des Judentums und den Höhepunkt und Abschluss der zehn Tage der Reue und Umkehr. Jom Kippur wird von einer Mehrheit der Juden, auch nicht religiösen, in mehr oder weniger strikter Form eingehalten.

Es ist bei gläubigen Muslimen üblich, zur Feier des Festes ein Tier zu opfern, wenn sie die (finanzielle oder auch andere) Möglichkeit dazu haben. Das Fleisch des Tieres wird im Familienkreis, zu dem meist auch Verwandte und enge Bekannte (Nachbarn) gehören, verspeist; ein Teil des Fleisches wird traditionell unter den Armen und Hungrigen verteilt. Über den Pflichtencharakter dieses Opfers besteht unter den muslimischen Gelehrten allerdings ein Dissens. Es ist üblich, allen Freunden und Verwandten zum Opferfest die besten Wünsche zu übermitteln und auch ihnen etwas von dem Fleisch zu geben. Manchmal wird auch einfach geopfert, um Gott zu danken.

Nach regionaler Verfügbarkeit werden Schafe, aber auch andere domestizierte Tiere wie Ziegen, Rinder, Kamele in Trockengebieten oder Wasserbüffel wie in Indonesien geschlachtet. Allgemein werden nur Paarhufer – außer dem als unrein geltenden Schwein – rituell geschlachtet, also geschächtet.

Sowohl am ersten Morgen des Opferfests als auch am ersten Morgen des Festes zum Fastenbrechens wird die Moschee besucht, um dort das gemeinsame und besondere Gebet dieses Festtages zu verrichten, welches aus zwei rak’at (= Rumpfbeugung nach vorausgehendem Aufrechtstehen; danach wirft sich der Betende zweimal auf den Teppich: In der Raka sprechen Muslime die Fatiha, die erste Sure des Koran, und lesen eine kurze Koransure) besteht und die Besonderheit hat, dass die Ansprache  – meist durch den Imam – nach dem Gebet erfolgt, und nicht, wie beim Freitagsgebet, vor dem Gebet. Die Teilnahme am Gebet ist für die Sunniten Pflicht; Ausnahmeregelungen gelten für Gläubige, die sich auf der Pilgerfahrt nach Mekka befinden.

Meist schließt sich an den Besuch der Moschee ein Besuch des Friedhofs an, um seiner verstorbenen Verwandten und Bekannten zu gedenken und für sie Koranverse zu lesen und Bittgebete zu sprechen, was aber nicht einer religiösen Praxis  entspricht, sondern sich als Tradition in den Ablauf der Feier in verschiedenen Ländern etabliert hat. Der restliche Tag wird genutzt, um die Verwandtschaft und Bekanntschaft zu besuchen. Dabei werden meist in großer Runde (hoffentlich heuer mit ausreichendem Abstand) diverse Gerichte und Getränke angeboten. Man macht sich gegenseitig und oftmals auch den Bedürftigen Geschenke. Sowohl die Männer als auch die Frauen ziehen sich besonders schöne oder neue Kleidung an. Auch das Haus ist festgemäß vollkommen aufgeräumt und gesäubert. Es hat sich auch eingebürgert, dass während des Opferfestes die Kinder beschenkt werden.

Weil das Opferfest und das Fest des Fastenbrechens unter allen Muslimen unumstritten und in allen islamischen Rechtsschulen verbindlich als die wichtigsten Feste des Islams gelten, wünschen sich viele bei uns lebende Muslime, dass dies als gesetzlich verankerter Feiertag anerkannt würde.

Feiertagordnungsänderung ist aber in Österreich ein recht heikles Thema, wie sich bei dem umstrittenen Karfreitag für protestantische Christen gezeigt hat.

Da aber Abraham unser aller Urvater ist, stünde einem gemeinsamen Feiern doch gar nicht so viel im Weg – oder?

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4 Gedanken zu “Wir alle sind doch Kinder Abrahams?

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