St. Wolfgang in Coronazeiten

Der Heilige, der See und der Ort

St. Wolfgang – derzeit in den Schlagzeilen – aufgrund Corona-Infektionshäufung. Wer war dieser Wolfgang, nach dem der Ort und der See benannt sind?

Wolfgang von Regensburg (* um 924 in Schwaben; † 31. Oktober 994 in Pupping, Oberösterreich) war geistlicher Lehrer, Missionar und ab 972 Bischof von Regensburg. Er wurde 1052 heiliggesprochen. Anfänglich war er Leiter der Domschule in Trier und wurde dort als Laie Dekan, Chef des Domkapitels. Er bemühte sich im Sinne des heiligen Benedikt um Reformen für eine strengere Lebensordnung der Domkapitulare wie die Abschaffung des Privateigentums. Von Kaiser Otto I. wurde er nach Köln geholt. Dort lehnte er ab, sich zum Bischof weihen zu lassen, und trat 965 in das Benediktiner-Kloster Einsiedeln in der Schweiz ein, wo er 968 im Alter von 43 Jahren die Priesterweihe empfing. 971 ging Wolfgang als Missionar nach Ungarn, wurde jedoch 972 zurückgerufen und gegen Ende des Jahres zum Bischof von Regensburg geweiht. 975 gründete Wolfgang dort eine Domschule mit Chor, aus dem die heutigen Regensburger Domspatzen hervorgingen. (Vielleicht erinnern Sie sich, der kürzlich verstorbene Bruders des Papstes Benedikt XVI. war dort Leiter ebenjener Domspatzen.) Als erster Bischof gab er die Personalunion zwischen Bischofsamt und dem Vorsteheramt (Abbatiat) des zugehörigen Klosters St. Emmeram auf. Wolfgangs Wirken blieb ein Vorbild für eine ganze Reihe von Klöstern. Ab etwa 985 übernahm Wolfgang die Erziehung des bayrischen Herzogssohnes Heinrich, des späteren Kaisers Heinrich II. Als Reichsbischof folgte Wolfgang dem Ruf des Kaisers zu militärischen Auseinandersetzungen, so gegen König Lothar und dem Italienzug von Otto II. Auf einer Reise zu dem zum Bistum gehörenden Ort Pöchlarn starb Wolfgang am 31. Oktober 994 in der Kapelle des heiligen Othmar in Pupping (Oberösterreich) und wurde nach Regensburg überführt. 1052 wurde er kanonisiert.

Hauptverehrungsort des Heiligen ist St. Wolfgang im Salzkammergut am Wolfgangsee – beide nach ihm benannt: Als er 976 in seinem Eigenkloster Kloster Mondsee Zuflucht suchte, soll er von eigener Hand die – erste kleine – Kirche erbaut haben und wundertätig gewesen sein.

Der Wolfgangsee, auch Abersee genannt, liegt zum größten Teil im Nordosten des Bundeslandes Salzburg, ein kleiner Teil gehört zu Oberösterreich, und er ist mit 13 km² einer der größten und bekanntesten Seen in der Region Salzkammergut. Er liegt auf einer Seehöhe von 538 Metern und ist an seiner tiefsten Stelle 114 Meter tief. Der Wolfgangsee wurde aufgrund seiner hohen Wasserqualität von der Europäischen Union zu einem Referenzgewässer ernannt. Unter anderem ist hier der Perlfisch heimisch, der nur in einigen der sehr sauberen Salzkammergutseen und der Slowakei vorkommt. Der See gilt wegen seines meist ganzjährig sehr klaren Wassers auch als vorzügliches Tauchgebiet.

Der Ort St. Wolfgang liegt am Wolfgangsee im Salzkammergut. Wesentlich ist der Hinweis „im Salzkammergut“, denn dieses verteilt sich auf drei Bundesländer (Salzburg, Steiermark und Oberösterreich). Nach der Heiligsprechung Wolfgangs 1052 trugen zahlreiche Wundertaten und Heilungen wesentlich zur Verbreitung und Bedeutung der Volksfrömmigkeit und des Wolfgangkultes bei. Das Stift Mondsee als Eigentümer dieser Region stellte sich in den Dienst der Bekanntmachung und Verbreitung dieses Ritus in und um St. Wolfgang. Die Pilgerkirche gewann durch die Jahrhunderte vor allem durch die künstlerische Einrichtung an Bedeutung. Der 1481 fertiggestellte Flügelaltar Michael Pachers, der Barockaltar von Thomas Schwanthaler 1676 mit den Reliquien des Heiligen Wolfgang sowie der Schmerzensmann und die Kanzel des Barockbildhauers Meinrad Guggenbichler 1706 machen sie zu einem außergewöhnlichen Kunstobjekt.

Aufleben und einen großen Aufschwung für St. Wolfgang brachte die nahegelegene sommerliche Kaiserresidenz in Bad Ischl (1829 bis 1916). Große Anziehung übte der See mit Schifffahrt und Schafbergbahn auf die Gäste aus. 1873 begann mit dem ersten Raddampfer Kaiser Franz Josef das technische Zeitalter auf dem Wolfgangsee. Berühmte Malerpersönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts trugen zur internationalen Bekanntheit des Ortes bei. Am 8. November 1930 hatte das Lustspiel Im weißen Rössl am Wolfgangsee Premiere in Berlin. Dieses für St. Wolfgang zum Welterfolg führende Volksrevuestück zog die Filmgrößen aus aller Welt nach St. Wolfgang. Um 1930 gab es sogar Flugverkehr von Berlin nach St. Wolfgang – die Landung erfolgte vor dem Grand Hotel mit einem Wasserflugzeug. Vielleicht erinnern sich auch noch einige Ältere daran, dass der deutsche Kanzler Kohl seinem Urlaubsort St. Wolfgang lange treu geblieben ist.

Heute ist St Wolfgang ein Corona-Hotspot. Man liest über durchgeführte Tests, über jeweilige Anzahlen von positiv und negativ Getesteten. Getestet wurden Mitarbeiter von Tourismus-Betrieben, Gäste und Einheimische. Von Infektionen betroffen sind sieben Hotels, eine Pizzeria und zwei Bars in St. Wolfgang. Die Behörden gehen davon aus, dass die Infektionen vor allem auf Praktikanten zurückgehen. Aber mit großflächigen Testungen habe man die infizierten Personen schnell gefunden und die Infektionskette durchtrennt. Die Testreihe in St. Wolfgang sei einer der umfangreichsten gewesen, die bisher in einem räumlich so eng begrenzten Gebiet durchgeführt wurden, so äußern sich die zuständigen Behörden. Im Fernsehen sieht man Tester – in den bekannten Schutzanzügen – und nicht die wunderschöne Landschaft dieser Gegend, oder die schmucke Ortschaft, mit ihren blumengeschmückten Balkonen, die alte Wallfahrtskirche, oder das gute alte „Weiße Rössl“.

Vielleicht könnte man, bei Einhaltung aller Corona-Regeln, wie Maskentragen, Abstand halten, Händewaschen, ev. sogar Corona-App verwenden  dort Orts – und auch sonst – den Heiligen Wolfgang um Hilfe anrufen: Er hat schon mithilfe des Wassers aus seiner Quelle bei vielen höchst unterschiedlichen Gebrechen geholfen, unter vielen anderen bei Pestilenz. Na, da ist ja schon ein Präzedenzfall.

Ich wünsche jedenfalls allen Urlaubern am schönen Wolfgangsee, wie jenen im Salzkammergut – ja und natürlich auch sonst wo einen wunderschönen Urlaub, aus dem sie gesund zurückkehren mögen, mit und ohne Hilfe des Heiligen Wolfgangs.    

St. Wolfgang in Coronazeiten

Das hörende Herz

Ein Ratschlag, gegeben vor wahrscheinlich ca. 12000 Jahren!

Das Erste, oder Alte Testament zeigt manchmal eine erstaunliche Aktualität. Die Darstellung der beiden Königsbücher (die ursprünglich ebenfalls nur ein Buch waren) reicht vom Beginn des Königtums Salomos bis zum babylonischen Exil. Das umfasst eine Periode von 4 Jahrhunderten. An verschiedenen Stellen wird wiederum auf ältere, uns nicht erhaltene Geschichtswerke zurückgegriffen.

Dennoch es ist lange her, dass David und ein Sohn Salomon gelebt habe. Davidisch-salomonisches Großreich bezeichnet einen Staat im östlichen Mittelmeerraum in der Zeit des 10. Jahrhunderts v. Chr. Jerusalem im 10. Jahrhundert v. Chr. war das Verwaltungszentrum eines großen Staates sowie ein Ort kultureller Blüte. Das kulturelle Leben am Hof Salomos wird von manchen als „Salomonische Aufklärung“ bezeichnet, und es wird davon ausgegangen, dass Teile des Alten Testaments in diesem Umfeld verfasst wurden. Aus Sicht mancher, waren David und Salomo zwar historische Personen und Herrscher, hatten aber nur regionale Bedeutung. Die Regierungszeit Davids und Salomos in der Bibel wird mit je 40 Jahren angegeben, das entspricht eher einer symbolischen Zahl einer Generation. Diese Zeit wird in der historischen Kategorie der Eisenzeit gesehen.

Ob Salomo als historische Person gelten kann, ist wie bei seinem Vater David umstritten. Wäre ihr Reich wirklich so groß gewesen, sollten sich im Kulturraum von Ägypten bis Mesopotamien deutlich mehr Spuren finden lassen als die 1993 entdeckte Tel-Dan-Inschrift, die ein „Haus Davids“ erwähnt. Auf der anderen Seite lässt bereits der Text der Bibel erkennen, dass der Staat Salomos auf die Hilfe des Königs Hiram von Tyros angewiesen war, ohne den weder der Tempel noch die Seefahrt möglich gewesen wären. Es gibt Indizien sowohl für die historische Existenz von Salomo selbst als auch von Hiram und der Königin von Saba. So lebte um 740 v. Chr. ein König Sa-la-ma/-nu in Moab, ein König Ahiram in Tyrus und eine arabische Königin mit Silbenschreibung Za-bi-be (als Buchstabenschreibung ZBB = Zabba/Sabba). Auch soll diese arabische Königin „Geschenke“ in Form von Tributzahlungen an einen assyrischen König überbracht haben. Inschriften des assyrischen Königs Tiglat-Pilnessar beschreiben dies ausführlich.

Im Talmud, im Koran und anderen späteren Überlieferungen finden sich viele Berichte über Salomo. Im Koran heißt es, dass der König Salomo die Herrschaft über die Dschinn hatte, die für ihn Schätze aus dem Meer beschafften und sogar den Tempel von Quds (d. h. Jerusalem) bauten. Er hatte einen Talisman, auf dem der wahre Name Gottes stand und mit dem er alles beherrschen konnte. Auch soll ihm von Allah die Macht über die Tiere übertragen worden sein, und er soll die Sprache der Vögel gesprochen haben.

Im orientalischen Volksglauben, namentlich in Tausendundeine Nacht, wird Salomo (Sulaiman, Soliman, Süleyman) dargestellt als erster namhafter König, der Allah dient, als Inbegriff der Weisheit, der Menschen, Tieren und Geistern befiehlt und der die Dschinn in Flaschen einsperrt und kurzfristig sogar Iblis, den Teufel selbst, als Aufseher über die Dschinn einsetzt. Er wird dort auch als „Herr der Ifrit“ (Totengeister) bezeichnet. Süleyman war daher ein sehr beliebter Vorname, den auch mehrere Kalifen und Sultane trugen.

Für die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche – und dadurch auch für die Rastafari-Religion Jamaikas – spielt Salomo eine besondere Rolle, da ihnen die alten äthiopischen Kaiser als Nachfahren von Salomo und der Königin von Saba gelten.

Im Mittelalter galt Salomo neben David als Ideal eines christlichen Herrschers. Ersterer stand für den gerechten, Letzterer für den gottgefällig-kriegerischen König. Beispielsweise stellte Karl IV. seine Herrschaft unter das Leitbild der Beiden. Vom Anfang (Rede seiner Gesandten im November 1346 im Papstpalast Avignon) bis zum Ende (Titulierung als zweiter Salomo im Landbuch Kaiser Karls IV., niedergeschrieben 1376) prägte dies seine Amtszeit als römisch-deutscher König. Durch den Tempelbau hat Salomo auch für die Freimaurerei eine besondere symbolische Bedeutung.

Den Text den ich konkret meine, erzählt vom Beginn der Regierungszeit des Königs Salomo. Er hat seinen Halbbruder und Rivalen Adonija und die ehemaligen Widersacher seines Vaters David getötet. Seine Herrschaft ist gefestigt. Nun bringt Salomo Gott in Gideon ein Brandopfer dar und träumt anschließend von einem Gespräch mit Gott.

In jenen Tagen erschien der HERR dem Salomo nachts im Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll! Salomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große Huld erwiesen; denn er lebte vor dir in Treue, in Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld bewahrt und ihm einen Sohn geschenkt, der heute auf seinem Thron sitzt.

Und Salomo sprach: HERR, mein Gott, du hast deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht aus noch ein.  Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann.  Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht! Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren?  Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach.  Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.

Und was für uns heute Bedeutung hat, ist m.E.  der Wunsch Salomos, nach einem „hörenden Herzen“. Es stünde nicht nur den Regierenden an, diesen Wunsch für sich selbst zu berücksichtigen, sondern auch vielen (von uns), im täglichen Umgang mit den „anderen“, die anderen mit dem Herzen zu verstehen. Es bedürfte dann z.B. keine Black-Lives-Matter Bewegung ….

Das hörende Herz

Aspekte des Handelskrieges, den die USA auslöst – diesmal um Gas!

Eine Erpressung

Ich verstehe es, aber ich lehne es vehement ab! Die USA drohen europäischen Firmen mit Konsequenzen, sollten sie sich weiterhin an Northstream-2 beteiligen.

Northstream-2, an deren Finanzierung auch die österreichische OMV beteiligt ist, soll Gas von Russland nach Europa/Deutschland transportieren und ist besonders in Osteuropa umstritten. Befürchtet wird vor allem eine Schwächung alternativer Pipelines und traditioneller Transitländer, etwa der Ukraine. Der US-Außenminister Mike Pompeo hatte kürzlich verkündet, die umstrittene Ostsee-Pipeline falle fortan unter ein „Gesetz“, wohl ein US-Gesetz, das Strafmaßnahmen unter anderem gegen Unternehmen ermöglicht, die Geschäfte mit Russland oder Staaten wie dem Iran und Nordkorea machen.

Es ist eigentlich unfassbar, das sind extraterritoriale Sanktionen, die ganz sicher den WTO Regeln widersprechen. Die Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO) ist eine internationale Organisation mit Sitz in Genf, die sich mit der Regelung von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen beschäftigt. Sie wurde am 15. April 1994 aus dem General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) in der Uruguay-Runde nach siebenjähriger Verhandlungszeit gegründet. Am 1. Januar 1995 nahm sie ihre Arbeit in Genf auf. Die WTO ist neben dem IWF und der Weltbank eine der zentralen internationalen Organisationen, die Handels- und Wirtschaftspolitik mit globaler Reichweite verhandelt. Sie USA sind selbstverständlich Mitglied dieser Organisation.

Allerdings ist zu bemerken, dass im Dezember 2019 die Amtszeit von zwei Schiedsrichtern des zuletzt nur noch drei Personen umfassenden Streitbeilegungsmechanismus der WTO endete, so dass die Organisation in der allgemeinen Wahrnehmung seit diesem Zeitpunkt als handlungsunfähig gilt! Die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump hatten die Neubesetzung der beiden Posten bis zuletzt verhindert!

Eine Aufgabe der WTO ist es, ihre Mitgliedstaaten bei deren Handelspolitik zu beraten und anschließend die Politik der einzelnen Länder miteinander zu koordinieren. Dies geschieht zumeist im Rahmen multilateraler Verhandlungen. Weiterhin ist die WTO bestrebt, durch Zusammenarbeit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank und anderen internationalen Institutionen eine aufeinander abgestimmte Handelspolitik mit der jeweils angestrebten Währungs- und Entwicklungspolitik zu verknüpfen.

Eine weitere Aufgabe der WTO ist eine Streitschlichtung, sie ist im Dispute Settlement Body (DSB) realisiert. Ausführendes Organ ist hierbei der Allgemeine Rat der WTO. Der DSB hat selbst keinerlei Befugnisse zur Durchsetzung der von ihm getroffenen Entscheidungen; daher ist teilweise strittig, inwieweit es sich nicht eher um Lösungsvorschläge und Richtlinien als um Beschlüsse handelt. Demzufolge ist der DSB zunächst eine Instanz mit moralisch-diplomatischer Funktion. Der DSB kann allerdings andere Staaten, die sich durch ein Verhalten geschädigt sehen, dazu autorisieren, auf einen Rechtsbruch mit Handelssanktionen zu reagieren. Mit dem Streitbeilegungsverfahren verfügt die WTO als einzige weltweite internationale Organisation über einen effizienten, internen Streitbeilegungsmechanismus.

Aber hier kommt der US-Präsident Donald Trump ins Spiel, der ja grundsätzlich multinationale Institutionen ablehnt. Die USA erhöhen den Druck auf europäische Firmen, die am Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 beteiligt sind. US-Vertreter hätten in den vergangenen Tagen per Videokonferenz Gespräche mit Auftragnehmern des Projekts geführt um sie auf „die weitreichenden Konsequenzen einer weiteren Mitarbeit an dem Projekt hinzuweisen“. Dabei hätten sich die Firmenvertreter teilweise bis zu zwölf Vertretern der US-Regierung gegenübergesehen. Diese hätten in zwar freundlichem Ton sehr deutlich gemacht, dass sie die Fertigstellung der Pipeline verhindern wollen. Die US-Regierung argumentiert, Europa begebe sich in eine Energie-Abhängigkeit von Russland.

Die USA hatten bereits in der Vergangenheit versucht, eine Fertigstellung von Northstream-2 mit Sanktionen zu verhindern. Ende 2019 von Präsident Donald Trump in Kraft gesetzte Sanktionen richten sich gegen die Betreiber von Verlegeschiffen (sie verlegen Rohre), die am Bau beteiligt sind. Der Bau der Pipeline musste deswegen unterbrochen werden. Russlands Präsident Wladimir Putin zeigte sich aber optimistisch, dass das Projekt Anfang 2021 mit einigen Monaten Verzögerung fertiggestellt werden könne.

Nun, ich bin weiß Gott kein Experte, aber mir kommt dieses Vorgehen wie eine üble Erpressung vor. Beginnt die Ära amerikanischer „Energie-Dominanz“? Die Ära des Erdöls geht allmählich zu Ende. Wichtiger als Öl könnte bald das klimafreundliche Erdgas werden. Fracking machte die USA zum größten Erdgasproduzenten. Diese Energie-Überschüsse werden jetzt auf die Märkte in aller Welt gepumpt. Da kann man doch eine Konkurrenz schon gar nicht brauchen. Mit Investitionen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar in neue Exporthäfen für verflüssigtes Erdgas hat Louisiana in den USA auch industrielle Großinvestoren wie BASF oder Lotte Chemicals aus Korea angezogen. „65 Milliarden US-Dollar wurden hier in den letzten Jahren in die Petrochemie investiert, und zwar ausnahmslos wegen der niedrigen Gaspreise“!

Das Endprodukt Liquified Natural Gas oder „LNG“ genannt, wird in Tankschiffe gepumpt und in alle Welt verschickt. 26 Staaten haben die USA bereits mit ihrem Fracking-Gas per Supertanker beliefert, mehr als 60 Prozent der Transporte gingen bislang nach Asien. Bis Ende 2020 soll sich die Zahl amerikanischer LNG-Terminals im Vergleich zu 2018 auf sechs verdoppeln. Die USA wollen damit zum weltweit drittgrößten Lieferanten von Flüssig-Erdgas hinter Australien und Katar werden.

Der US-Präsident, der das US-Handelsdefizit oft als „unfair“ beklagt, kann darauf verweisen, dass Louisiana allein dank des LNG-Exports einen Handelsüberschuss von über sieben Milliarden US-Dollar mit China erzielt. Trump verspricht eine Ära amerikanischer „Energie-Dominanz“! Und das geht halt nur, wenn die Konkurrenz mit brutalen Mitteln aus dem Weg geräumt wird.

America First – koste es, was es wolle!

Aspekte des Handelskrieges, den die USA auslöst – diesmal um Gas!

Noch eine Restaurantempfehlung:

Rosenbauchs in Ebreichsdorf

Wir waren gestern abends köstlich essen. Auch darüber möchte ich Ihnen berichten. Wir, also alle Hochzeitsgäste, sind nach Ebreichsdorf gefahren. Es ist schon faszinierend, wie sich die Landschaft ändert, wenn man aus dem doch teil engen Piestingtal in den flachen Teil Niederösterreichs kommt, vorbei an Stronachs Aktivitäten (z.B. Racino) , durch einen Windpark, diese Windräder gefallen mir noch immer nicht, obwohl ich weiß, dass wir sie brauchen, aber wenn ich so an die Lassithi Hochebenebene auf Kreta, zurückdenke, dort haben mir die altmodischen Windräder halt doch viel besser gefallen.  

Na jedenfalls lässt sich das „Rosenbauchs“ in Ebreichsdorf leicht finden (zumindest mit dem „Navi“).  Auch genug Parkplätze gibt es dort.  Es war nicht das erste Mal, dass ich hier war. Einmal sind wir – mein Mann, meine Tochter und ich – hier gewesen, nach einer Aufführung im Steinbruch von St. Margarethen. Einmal war ich dann nur mit meinem Mann hier, dabei erinnere ich mich hauptsächlich an die Probleme, die wir hatten, um mit dem Rollstuhl zu einem Tisch zu kommen. Aber gegessen haben wir auch damals hervorragend.

Aber wenn man nicht gerade mit einem Rollstuhl unterwegs ist, bietet das Lokal viele Vorteile. Einerseits im Haus selbst, da gibt es viele unterschiedliche Räumlichkeiten, die man mit einer Tür abschließen kann, wo dann Feste unter Freunden gefeiert werden können (gestern wurden dort – soweit ich das gesehen habe –  zwei Hochzeiten gefeiert, wobei man untereinander nicht in die Quere gekommen ist). Außerdem gibt’s gedeckte Plätze im Freien, wo man eventuell sogar bei Regen „draußen“ sitzen kann. Der Garten ist groß und lauschig, mit altem Baumbestand, in verschiedenen Stilrichtungen.

Die Tische waren alle weiß gedeckt, mit gestärkten Stoffservietten, die Dekorationen waren geschmackvoll. „Überfüllt“ war das Lokal sicher nicht, es ist halt noch immer Corona-Zeit.

Wir waren „zizerlweise“ angekommen. Einige hatten es eilig, und das Auto in der Nähe geparkt, die anderen wollten noch vorher die „Hochzeitsstätte“ etwas aufräumen, vor allem alles „ins Trockene“ bringen, denn es war gar nicht klar, ob es nicht wieder zu regnen beginnen würde. Die Zelte mussten zusammengelegt und für den Rücktransport hergerichtet werden. DANKE! Aber letztendlich waren alle versammelt, und das Brot, Butter und Aufstriche, sowie Chips mit Salami  am Tisch noch nicht alle aufgegessen und das „amuse gueule“ gebracht. Es schmeckte durchaus interessant und machte neugierig, auf was da noch kommen würde. Selbstverständlich konnte man zwischen perlendem und stillem Wasser wählen (kein Krug mit Leitungswasser, den ich sonst so schätze), hausgemachte Limonade wurde gebracht und man konnte jederzeit zwischen rotem und weißem Wein wählen.

Der Vorspeisen gab es gleich mehrere – es war auch eine vegetarische dabei, wobei man eine davon wählen konnte. Ich entschied mich für einen Teller mit unterschiedlichen Fischstücken, mariniert. Damit war ich sehr zufrieden. Auch bei den Hauptspeisen gab es „Vegetarisches“ (Steinpilzrisotto), „Fischiges“ (Saibling), vom Geflügel (Entenbrust), Tafelspitz und Wiener Schnitzel. Bei den meisten Speisen wurde die Herkunft angegeben. Leider konnten wir – natürlich wieder Corona-bedingt – nicht das sonst in der Familie so übliche gegenseitige Kosten zelebrieren. Ich kann nur betonen, dass mein Saibling auf Erdäpfel/Zellerpüree ausgezeichnet war, ein paar kleine Muscheln waren auch dabei. Auch alle anderen waren mit ihren Speisen sehr zufrieden und fanden nichts auszusetzen.

Eigentlich hätten wir ja ein derartiges Nachtmahl nicht gebraucht, wir sind ja schon fast satt ins Lokal gekommen, da wir alle vorher die köstlichen Torten verspeist hatten. Aber wenn man dann davorsitzt, … Naja, selbst bei der Nachspeise schaffte ich es nicht, keine mehr zu nehmen. Ich sah auf der Karte Käse angeboten, Nougatknödel und „Heiße Liebe“ (Sie wissen schon: Vanilleeis, warme Himbeeren und viel Schlagobers). Das Schlagobers habe ich weitgehend „abräumen“ können, aber der Rest schmeckte halt dann doch wieder köstlich.

Der Kaffee war denn wirklich dringend erforderlich, denn die Müdigkeit setzte uns Älteren dann doch zu. Wir waren dann recht schnell in Wien, die Straßen waren weitgehend leer, es gab keinen Stau oder sonstige Hindernisse. Die Jugendlicheren und Jungen blieben dann noch länger (so lange, dass ich noch bitten konnte, meine im Lokal vergessene Regenjacke mitzunehmen, als ich diese Tatsache in Wien festgestellt hatte.

Also wenn Sie sich oder ihrem Partner, Ihren Freunden einmal etwas Gutes tun wollen, dann fahren Sie ins Rosenbauchs, aber bringen Sie einen großen Hunger mit.

Noch eine Restaurantempfehlung:

Eine sehr fröhliche, sehr schöne Hochzeit

in Pandemiezeiten

Wir haben Hochzeit gefeiert. Einer meiner Enkel hat geheiratet – nicht ganz wie geplant, es war eine Pandemie-Hochzeit. Aber dennoch wunderschön.

Geplant waren die „Großclans“ beider Familien z.T. Patchwork-Varianten, und viele, viele Freunde mit Partnern.  Das ging halt gar nicht – und wurde verschoben. Ehefrau und Ehemann sind jetzt – trotz standesamtlicher Hochzeit, noch immer Braut und Bräutigam, bis zur großen kirchlichen Hochzeit – wie ursprünglich geplant, die wann auch immer, ja Sie ahnen es, abhängig von Corona, stattfinden wird.

Gestern, das war die standesamtliche Hochzeit, sie fand im Pernitz statt, in unserem Garten, mit den „eingeschränkten“ Familien, Trauzeugen und Freunde – ohne Partner. Zwanzig waren wir dann doch. Und es musste ohne Umarmungen, abbusseln etc. ablaufen. Ein wenig seltsam, aber dennoch herzlich!

Gnädig war uns das Wetter nicht gerade. Es hat geregnet, es hat gedonnert, es hat geblitzt. Aber von den Brauteltern waren weiße Schirme bereitgestellt werden, der Einheitlichkeit halber – seine eigene hätte ohnedies jeder mitgehabt.

In besagtem Garten gibt es auf der höchsten Ebene dort ein „Lusthaus“, das hatte sich mein Mann schon lange gewünscht, es hat sich zu einem runden Geburtstag materialisiert, und dort, geschützt vor Sonne und Regen, sogar von Wind, (auf der „Windseite“ gibt’s Glas) konnte er ruhig seine Bücher lesen, und abends einen so genannter „Sun-Downer“ trinken.

Dort versammelten sich der Standesbeamte, die Trauzeugen, und letztlich das Brautpaar. Die Eheringe lagen in einer Schüssel, die mit Moos gefüllt war, in der einige Wiesenblumen steckten (von einem Bruder des Bräutigams vorbereitet). Die Gäste saßen unter zwei ausgeborgten Zelten rund um dieses Lusthaus herum. Dort waren Sessel und Bänke aufgestellt und mit Decken belegt. Niemand wurde dort nass, und kalt war’s auch nicht.

Wir waren alle, angeführt vom Bräutigam, durch den Garten über einige mit Girlanden geschmückte Stufen hinaufgezogen. Das Lusthaus war mit weißen Lampions dekoriert, es standen die – in Töpfen mitgebrachten – Blumen an den Rändern des Lusthauses. Die wunderschöne Braut wurde von ihrem Vater als letzte heraufgeführt.

Der Standesbeamte hielt eine sehr launige Ansprache, eine Schwester (sie hat gesungen) und ein Bruder (mit der Gitarre, hat aber auch gesungen) begleiteten die Zeremonie musikalisch. Wie es sich so gehört, waren alle Eltern und Großeltern gehörig gerührt und zückten ihre Taschentücher. Die kleine Nichte des Bräutigams – ein Jahr alt – verfolgte das Geschehen sehr aufmerksam. Der aufgeregte Hund das Brautpaares – geschmückt mit einem Blumenhalsband, das ihm sehr zuwider war – wurde auf Abstand gehalten und gefüttert mit Leckerlis ruhig gehalten.

Ich habe so darüber über allerhand nachgedacht, z.B. an die Hochzeit meiner Tochter, die ebenfalls in Pernitz stattgefunden hat – die kirchlich getraut  wurde damals am Mariahilfer Berg,  mein Mann und seine Tochter sind damals mit einem Oldtimer zur Kirche, die immerhin auf einem Berg liegt, gefahren (ein Auto ist „mitgefahren“, sollte der 0ldtimer doch den Geist aufgeben – er hat nicht.) Im Klostergarte hat nach der Brautmesse die Agape stattgefunden, das Familienessen in einem Gasthaus einer Freundin meiner Kinder. Und abends gab’s dann – hauptsächlich für die Jungen – einen Ball im Pfarrheim von Pernitz. Damals wussten wir alle noch nicht, was eine Pandemie bedeuten könnte.

Ich hab‘ auch an die Geburt des jetzigen aufgeregten, feschen Bräutigams gedacht. Er wurde während eines Studienaufenthaltes seines Vaters, meines Schwiegersohnes, in Arizona, in den USA geboren. Und wir – mein Mann und ich – kamen ein paar Stunden nach seiner Geburt dort an. Es konnte selbstverständlich nicht so geplant werden aber – es ging sich dann so aus.

Nach der Zeremonie setzte der Regen langsam aus. Die Zelte wurden heruntergetragen, einige begaben sich ins Haus, andere bleiben in diesen Zelten – wir haben auf das Glück des Ehepaares angestoßen. Es gab köstliche Torten, Obst, Kaffee und Sekt.  

Hinter unserem Haus gibt es, nur ein paar Schritte von uns entfernt, im Wald einen öffentlichen Spielplatz, der derzeit gerade sehr schön neugestaltet wird. Ich hoffe es wird mir verziehen, aber ich habe daran gedacht, dass meine zukünftigen Urenkel – und das liegt ja doch bei einer Hochzeit nahe – hier einmal spielen werden.

Inzwischen haben sich dann doch im alle wieder in Garten eingefunden (da das Gras sehr ordentlich gemäht war, war’s auch nicht besonders nass) die Geschwister machten wieder Musik, die Bräutigammutter, die für viele der Vorbereitungen gesorgt hatte (ein großes DANKE), hielt eine sehr berührende Rede und das Brautpaar hat im Garten getanzt.  

Jetzt wurde es Zeit, zu dem geplanten Abendessen zu fahren, das fand dann in Ebreichsdorf statt und war gar köstlich.  Hier meldeten sich dann die Trauzeugen zu Wort, „alte (Schul-)Freunde“ des Brautpaares. Die Clans haben sich nur ein wenig zögerlich gemischt.

Das Gelage dauerte, aber wir Oldies (meine Co-Schwiegermutter und ich, also die Großmütter des Bräutigams, beide etwas elegisch, da verwitwet) wurden von meinem Schwiegersohn nach Hause gebracht. Die Bräutigammutter fuhr dann später nach Pernitz zurück, um beim Aufräumen zu helfen. Die Jüngeren feierten weiter – so wie sich das gehört.

Eine sehr fröhliche, sehr schöne Hochzeit

Vom Erstgeburtsrecht zur Realteilung im Erbrecht

Vom Primogenitus und Porphyrogenitus zur Primagenita?

Vieles hat sich zu meinen Lebzeiten geändert. Vieles kann ich besonders als Frau nur begrüßen. Nicht, dass es mich persönlich beträfe. Viele der noch bestehenden Erbmonarchien in Europa haben inzwischen die Bevorzugung des männlichen Geschlechts bei der Erbfolgeregelung aufgehoben. So wird beispielsweise in Schweden seit 1980 und in Belgien seit 1991 das älteste Kind ungeachtet seines Geschlechts Thronfolger.

Nach einem Beschluss der Commonwealth-Staaten vom Oktober 2011 (Perth Agreement) ist auch die rund 300 Jahre alte Regelung der britischen Thronfolge dahingehend geändert worden, dass sich die Reihenfolge nur noch nach der Reihenfolge der Geburt innerhalb der Geschwister richtet und unabhängig ist von deren Geschlecht; weibliche Nachkommen werden also nicht mehr hinter später geborene männliche zurückgereiht. Die gleichberechtigte Thronfolge weiblicher Nachkommen gilt nur für nach dem 28. Oktober 2011 Geborene und führt somit nicht zu einem Aufrücken von Prinzessin Anne und ihrer Nachkommen in der Thronfolge. Demgegenüber halten die Fürstentümer Liechtenstein und Monaco an der patrilinearen Form der Primogenitur fest.

Aber all das betrifft uns „Gemeine“ ja nicht.  Uns betrifft vielleicht das Erbrecht – und da gilt die Realteilung – das heißt, dass der Besitz einer Familie, insbesondere der Landbesitz (früher als Realitäten bezeichnet), unter den Erbberechtigten gleich unabhängig vom Geschlecht aufgeteilt wird. Es gibt aber noch Höfe, bei denen das Anerbenrecht (Erbe geht an einen einzigen Erben) gilt, insbesondere in Tirol, diese Höfe heißen dann Erbhöfe.

Und noch eine Anmerkung: im islamischen Recht gilt noch immer, dass Frauen nur die Hälfte dessen erben, das Männern zusteht – aber auch Muslime in Österreich unterliegen der österreichischen Gesetzgebung.

Das Erstgeburtsrecht, die Primogenitur gilt jedenfalls nicht mehr, und Frauen sind demnach diesbezüglich gleichberechtigt. Das Erstgeborenrecht, bezeichnet die Ordnung der Erbfolge, nach der nur das erstgeborene oder älteste Kind das Erbe und die Rechtsnachfolge einer verstorbenen Person antritt, während mögliche Geschwister unberücksichtigt bleiben.

Da gab es einst – schon in der Bibel beschrieben – und durchbrochen – das Erstgeburtsrecht. Als Esau und Jakob herangewachsen sind, bringt ihn sein Bruder, im Tausch gegen ein Linsengericht, um das Erstgeburtsrecht (Gen 25). Zu einem ernsthaften Konflikt kommt es zwischen den zwei Brüdern aber erst, als Jakob den Älteren, angeregt und aktiv unterstützt durch seine Mutter Rebekka, auch um den Segen des Vaters bringt. Durch Täuschung davon überzeugt, dass der älteste Sohn vor ihm kniet, spricht der altersblinde Vater über Jakob seinen feierlichen Segen aus. Und in der Mosesgeschichte bringt die letzte (und schwerste) biblische Plage die Ägypter um ihre Erstgeborenen.

Im germanischen Rechtsbereich und speziell im mittelalterlichen Deutschland setzte sich das Prinzip der Primogenitur nur allmählich durch. Bei den Karolingern und den Askaniern (mitteldeutsches Uradelsgeschlecht) wurde die Herrschaft unter den lebenden Söhnen aufgeteilt. Heinrich I. von Bayern rechtfertigte seine wiederholten Aufstände gegen die Herrschaft seines Bruders Ottos des Großen geradezu damit, dass Otto zwar der Primogenitus (Erstgeborene) seines Vaters sei, jedoch noch des bloßen Herzogs, während er selbst sein Porphyrogenitus (Purpurgeborene) sei, also sein Kind im höheren Königsamt. Die Kapetinger setzten die Primogenitur in Frankreich konsequent durch, was die Sammlung des Territoriums und die Schaffung des späteren französischen Nationalstaats förderte.

Im alten Adelsrecht galt die Primogenitur vor allem in Königshäusern zur Festlegung der Thronfolge sowie in herrschenden Fürstenhäusern. In der Regel konnten dabei nur älteste Söhne die Erbfolge antreten; Töchter waren entweder ganz ausgeschlossen (nach dem alten fränkischen Recht Lex Salica) oder wurden ihren Brüdern gegenüber zurückgesetzt. Dies war vor allem dadurch begründet, dass nach der Heirat einer Tochter ihre Kinder der Familie ihres Ehemannes zugerechnet, seinen Familiennamen tragen und seine Stammlinie fortsetzen würden, nicht aber die Linie ihrer Mutter und deren Vaters. Gab es keinen männlichen Nachkommen, regelten familieneigene Hausgesetze die Erb- und Rechtsnachfolge (z.B. im Fall der Maria Theresia).

 Die Goldene Bulle von 1356 verfügte staatsrechtlich die Primogenitur für die weltlichen Kurfürstentümer des Heiligen Römischen Reiches und verschaffte ihr somit mehr Bedeutung.

In Erbmonarchien waren die patrilineare Primogenitur am häufigsten, Töchter wurden von der Thronfolge ausgeschlossen oder Söhne bevorzugt.

Die Primogenitur sicherte den ungeteilten Bestand eines Erbes, verhindert aber auch, dass landwirtschaftliches Eigentum immer weiter zersplittert wird. Die Primogenitur ließ die Geschwister des Erben oft ohne Versorgung aus der Erbmasse. Dem wurde teilweise abgeholfen durch Zuteilung von einkommenssichernden Kirchenämtern (Pfründen) an die jüngeren Brüder. Manche andere zogen aus um neue Ländereien zu erobern (Kreuzzüge). Auch militärische Karrieren im Rahmen von Söldnerheeren standen jüngeren Brüdern offen (Hessen verkaufte sogar seine Söldner im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg an die englischen Streitkräfte). Indem die jüngeren Brüder Kirchenämter übernahmen, fielen sie als Zeuger legitimer, erbberechtigter Kinder aus. Sofern also der Erstgeborene bei der Fortpflanzung „versagte“, drohte das Familiengeschlecht auszusterben.

Zum Glück sind das nur mehr historisch relevante und vielleicht interessante Tatsachen und betreffen unser tägliches Leben kaum.

Vom Erstgeburtsrecht zur Realteilung im Erbrecht

Wieder einmal: Christa Ärgernisgreislerei

Zur Pleite der Commerzialbank Mattersburg

Ich habe lange in einer Bank gearbeitet, ich habe endlos für Programme gesorgt, die alles nur erdenklich Mögliche an die Nationalbank, Finanzmarktaufsicht, jetzt bereits schon an die EZB berichtet wird, Tonnen Papier wurden mit Analysen bedeckt… Ich gehe davon aus, dass alle Banken diese Informationen halt später mit Datenträgern und jetzt wahrscheinlich direkt über das Netz weiterhin liefern müssen und die Inhalte der Informationen sind möglicherweise noch umfangreicher geworden … Und dennoch konnte niemand entdecken, beginnend mit dem Aufsichtsrat, dem Wirtschaftsprüfern, der Nationalbank, der Finanzmarktaufsicht und der EZB, wie da schamlos gemogelt wurde? Es wurden angeblich Saldenbelege gefälscht, und so hunderte Millionen Euro Guthaben erfunden.  Es wurden auf Briefpapier der anderen Banken Saldenbelege imitiert. So einfach ist das?

Jetzt bekommt jeder seine Einlagen – bis zu 100 000 EUR zurück, das kommt aus der Einlagensicherung. Zum Glück gibt es diese.   Aber auch dieser Fonds muss von irgendwoher gespeist werden.

Auswirkungen eines möglichen harten Brexits

Großbritannien hat endgültig ausgeschlossen, dass die Verhandlungen mit der EU zu den Beziehungen nach dem Brexit in eine Verlängerung gehen. Großbritannien werde „am 1. Januar 2021 die Kontrolle zurückerlangen“ und seine „politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit wiedergewinnen“ heißt es dort. Jetzt, wo es so aussieht, als ob ein harter Brexit immer wahrscheinlicher wird, sollte innerhalb der EU, aber auch in den Noch-Mitgliedsstaaten umgehend geklärt werden, welche Auswirkungen das haben wird und was dagegen unternommen werden wird. (Um die Briten mache ich mir weniger Sorgen, die haben es ja so gewollt – oder?).

Es gibt eine Reihe von Unterlagen aus der EU, wie die Mitgliedsländer sich auf einen harten Brexit vorbereiten können, welche Legislativmaßnahmen und andere Rechtsakte zur Gewährleistung der Funktionsfähigkeit des Rechtsrahmens der EU27 nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs erforderlich sein werden, sowie „EU27 Member States measures on residence rights of legally residing UK nationals and social security entitlements related to the UK in case of no deal“.

Wie es derzeit scheint, wird es also kein Handelsabkommen mit Großbritannien geben? In vier Verhandlungsrunden gab es bisher keine wesentlichen Fortschritte. Die EU hat Großbritannien ein Handelsabkommen ohne Zölle und Einfuhrquoten angeboten. Es besteht derzeit eine britische Weigerung, Klauseln für fairen Wettbewerb und ein ausgeglichenes Fischereiabkommen zu akzeptieren! Wird es also ein harter wirtschaftlicher Bruch mit Zöllen und Handelshemmnissen? Die EU verlangt gleich hohe Umwelt- und Sozialstandards, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Großbritannien will solche Vorgaben jedoch nicht akzeptieren. Hoch umstritten ist auch der weitere Zugang für EU-Fischer zu britischen Fanggründen. Dabei geht es insbesondere um die Fanginteressen von Mitgliedstaaten wie Frankreich, Dänemark, Spanien oder Belgien. Für die Brexit-Hardliner in Großbritannien hat die Frage aber hohen Symbolwert. Sie wollen die volle Kontrolle über ihre Fischgründe zurück. London will deshalb jährlich Quoten für hunderte Fischarten neu aushandeln. Dies lehnt die EU als nicht praktikabel ab.

Um die Post-Brexit-Gespräche aus der Sackgasse zu holen, ist eine Konferenz der EU-Spitzen mit dem britischen Premierminister Boris Johnson geplant. An ihr nehmen auf EU-Seite die Kommissionschefin, der Ratspräsident, der Parlamentspräsident sowie Chefunterhändler teil.

Das EU-Parlament, das einem Handelsabkommen zustimmen müsste, will den Druck nun auf Johnson erhöhen. Die Ausschüsse für Außenbeziehungen und Handel verabschiedeten dazu am Freitag einen Beschluss zu den Post-Brexit-Gesprächen.

Ein komplettes Scheitern der Verhandlungen wird in Brüssel und in vielen EU-Hauptstädten nicht mehr ausgeschlossen. Die Bank von England forderte britische Finanzinstitute Anfang Juni auf, sich auf die Möglichkeit eines Scheiterns vorzubereiten. Dann käme für die EU und Großbritannien zum 1. Januar 2021 zu den wirtschaftlichen Verwerfungen der Corona-Krise ein weiteres großes Problem hinzu: Im Handel zwischen beiden Seiten gingen wieder die Zollschranken hoch, der Austausch von Gütern und Dienstleistungen würde teurer und zeitaufwendiger, der Personenverkehr stark eingeschränkt.

Der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, verweist darauf, dass zuletzt 45 Prozent der britischen Exporte in die EU gegangen seien. Umgekehrt seien es nur gut sechs Prozent gewesen. Dennoch wäre ein Scheitern dennoch „ein Desaster für die Wirtschaft auf beiden Seiten des Kanals“.

Die britische Regierung geht angeblich davon aus, dass es keine Einigung geben werde, obwohl es weiterhin möglich sei, ein „grundsätzliches“ Abkommen zu erzielen – falls die EU im Herbst nachgibt. Die britische Regierung meint weiters, dass sie nach dem Vollzug des Brexits am 1. Jänner 2021 mit Europa auf Basis und zu Bedingungen der Welthandelsorganisation handeln wird.

Werden die Briten ihre ausstehenden Schulden bei der EU bezahlen? Kann dieses Geld bei einem Hard-Brexit überhaupt irgendwo eingeklagt werden? Somit könnte es eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland geben.  Die Iren bleiben ja in der EU und werden sehr hart durch diese Grenzziehung betroffen sein? Die Schotten wollten die EU nicht verlassen, aber als Teil Großbritanniens können sie auch nicht Mitglied bleiben, sollte ihnen und wie könnte ihnen geholfen werden?  Gibraltar wird eine harte Grenze zu Spanien haben, dort aber arbeiten viele Spanier und pendeln – mit Grenzkotrollen wird das aber ziemlich problematisch. Und weiters – was wird aus dem Erasmus Studenten, in der Rest-EU und in Großbritannien? Wie wird die EUROPOL mit den Briten in Zukunft zusammenarbeiten?  Etc., etc., etc.

Man hört und liest viel über Corona aber nur wenig über derartige Vorbereitungen, die uns letztendlich doch alle betreffen werden?

Wieder einmal: Christa Ärgernisgreislerei

Wie man so schön sagt:

Sie kommt unter die Haube

In unserer Familie findet demnächst eine Hochzeit statt – halt in reduzierter Form – Sie wissen schon: Corona. Und, so sagt man, die Braut komme nun unter die Haube. Kommt jemand „unter die Haube“, heiratet er oder sie. Die Redewendung bezieht sich auf eine alte Tradition, nach der verheiratete Frauen ihr Haar mit einer Haube verdeckten. Das war allerdings nur bis etwa 1800 üblich.

Die Haarpracht einer Frau galt (und gilt noch?) als aufreizend – deswegen musste sie nach der Heirat geflochten unter einer Haube „versteckt“ werden, angeblich nach germanischem Brauch. Deshalb durften nur junge Damen ihre Haare offen tragen, verheiratete Frauen mussten sie verdecken. Und das taten sie, mit allen möglichen Formen, Stoffen und Farben über Jahrhunderte hinweg. Je nach Zeit und Gegend gab es viele verschiedene Modelle, etwa Schleierhauben oder Turbane. Im Mittelalter dann, wurde aus der Hauben-Tradition – die übrigens schon die alten Römer und Griechen kannten – eine regelrechte Mode. Man nähte und bestickte sie kunstvoll und passend zu den einzelnen Trachten und je nach gesellschaftlichem Stand. Manche waren aus schlichter Baumwolle, andere sogar mit Goldfäden verziert. Die Haube war ab der Hochzeit ein fester Bestandteil der weiblichen Kleider und signalisierte „geordnete Zustände“, Wohlanständigkeit und Würde. Eine Frau ohne Haube war sozusagen „noch zu haben“ und galt als „loses Frauenzimmer“. Sprach man damals zum Beispiel von einem Mann, der den „Hauben nachlief“, dann meinte man, dass er frecherweise verheiratete Frauen umgarnte.

Wer von uns dächte nicht umgehend an das Kopftuch der Muslima. Das hat mit dem Ehestand nichts zu tun, und wird ab der Pubertät getragen. Aber in beiden Kulturen galt bzw. gilt die Haarpracht einer Frau als aufreizend (für Männer)!

Der nicht mehr ganz so allgegenwärtige Hut

Vor noch nicht so langer Zeit war der Hut als Teil der Alltagsgarderobe nicht wegzudenken. Man ging schlicht nicht aus dem Haus ohne ihn. Aber der Hut ist heute noch in vielen Redensarten präsent: „Hut ab“ drückt noch allemal Bewunderung aus. Wer „den Hut nimmt“, wird entlassen oder tritt zurück. Wenn etwas „über die Hutschnur geht“, dann geht das einfach zu weit. Das kommt angeblich daher, dass das Hutband als Maß zur Kontrolle der Dicke von Wasserleitungen in Brunnen benutzt worden sei – der Strahl durfte ein bestimmtes Maß nicht überschreiten. „Alles unter einen Hut zu bringen“ bedeutet zu vermitteln, einen Konsens herzustellen, unterschiedliche Tätigkeiten miteinander vereinbaren. „Das kannst du dir an den Hut stecken“ ist eine ganz deutliche Abfuhr: Vergiss es, das kommt nicht in Frage. Früher wurden Hüte oft geschmückt, gern auch mit weniger wertvollen Kleinigkeiten. Wenn jemanden „der Hut hoch geht“, dann ist man empört, wütend und verliert die Geduld.  Wie andere Kleidungsstücke auch unterliegt der Hut den Gesetzen von Trends und Modeströmungen. Alte Hüte, die aus der Mode gekommen sind, wirken fade und langweilig, daher „das ist ein alter Hut“ bezeichnet etwas schon lange vorhanden Gewesenes.

Die Hundstage

Aber unabhängig von den Kopfbedeckungen für Frauen und Männer sprechen wir jetzt häufig über die heuer fehlenden Hundstage. Sie treten in der Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August auf. Der Begriff Hundstage stand ursprünglich in Verbindung mit dem heliakischen (Oberbegriff der Astronomie und bedeutet „zur aufsteigenden Sonne gehörend“) Aufgang des Sirius, was heutzutage allerdings nicht mehr zutrifft. Die scheinbare Helligkeit der Himmelskörper und die jeweilige Dämmerungsdauer bestimmen, an welchem Tag ein im Osten aufgehender Himmelskörper erstmals beziehungsweise ein im Westen untergehender Himmelskörper letztmals mit bloßem Auge in der Morgendämmerung erkennbar ist.

Besonders wichtig war der heliakische Aufgang des Sirius im Alten Ägypten als Bringer der Nilflut. Beide Ereignisse fielen ab etwa 2000 v. Chr. zusammen. Für die Ägypter begann mit der Nilflut die für den Anbau und die Aussaat wichtige Bewässerung und Versorgung mit dem Nilschlamm. Mit dem heliakischen Sirius-Aufgang war zudem das Neujahrsfest gekoppelt. In Sumer, Assyrien und Babylonien übernahmen einige Sterne mit ihrem heliakischen Aufgang wichtige Funktionen als Signalgeber für den landwirtschaftlichen Kalender.

Die Eigenbewegung des Sternbildes Canis Major und die Präzession (Zyklus der Präzession, auch Großes Jahr oder Weltjahr) wird die Präzessionsperiode der Erdachse von etwa 25.700 bis 25.800 Jahren bezeichnet. In diesem Zeitraum präzediert die Erdachse, die schräg zur Ebene der Ekliptik steht, einmal um die Achse durch den Erdmittelpunkt, die senkrecht auf der Ekliptik steht) der Erde sind dafür verantwortlich, dass sich die Zeit der Hundstage um etwa vier Wochen verlagert hat. In unseren Breiten kann der heliakische Aufgang des Sirius erst frühestens ab dem 30. August beobachtet werden und ist damit ein Zeichen für den nahenden Herbstanfang. Entsprechend der alten Tradition werden aber immer noch die heißesten Wochen des Jahres als „Hundstage“ bezeichnet.

Ich hab‘ gar nicht gewusst, wie kompliziert das mit den Hundstagen ist …

Wie man so schön sagt:

Sie kommt unter die Haube

In unserer Familie findet demnächst eine Hochzeit statt – halt in reduzierter Form – Sie wissen schon: Corona. Und, so sagt man, die Braut komme nun unter die Haube. Kommt jemand „unter die Haube“, heiratet er oder sie. Die Redewendung bezieht sich auf eine alte Tradition, nach der verheiratete Frauen ihr Haar mit einer Haube verdeckten. Das war allerdings nur bis etwa 1800 üblich.

Die Haarpracht einer Frau galt (und gilt noch?) als aufreizend – deswegen musste sie nach der Heirat geflochten unter einer Haube „versteckt“ werden, angeblich nach germanischem Brauch. Deshalb durften nur junge Damen ihre Haare offen tragen, verheiratete Frauen mussten sie verdecken. Und das taten sie, mit allen möglichen Formen, Stoffen und Farben über Jahrhunderte hinweg. Je nach Zeit und Gegend gab es viele verschiedene Modelle, etwa Schleierhauben oder Turbane. Im Mittelalter dann, wurde aus der Hauben-Tradition – die übrigens schon die alten Römer und Griechen kannten – eine regelrechte Mode. Man nähte und bestickte sie kunstvoll und passend zu den einzelnen Trachten und je nach gesellschaftlichem Stand. Manche waren aus schlichter Baumwolle, andere sogar mit Goldfäden verziert. Die Haube war ab der Hochzeit ein fester Bestandteil der weiblichen Kleider und signalisierte „geordnete Zustände“, Wohlanständigkeit und Würde. Eine Frau ohne Haube war sozusagen „noch zu haben“ und galt als „loses Frauenzimmer“. Sprach man damals zum Beispiel von einem Mann, der den „Hauben nachlief“, dann meinte man, dass er frecherweise verheiratete Frauen umgarnte.

Wer von uns dächte nicht umgehend an das Kopftuch der Muslima. Das hat mit dem Ehestand nichts zu tun, und wird ab der Pubertät getragen. Aber in beiden Kulturen galt bzw. gilt die Haarpracht einer Frau als aufreizend (für Männer)!

Der nicht mehr ganz so allgegenwärtige Hut

Vor noch nicht so langer Zeit war der Hut als Teil der Alltagsgarderobe nicht wegzudenken. Man ging schlicht nicht aus dem Haus ohne ihn. Aber der Hut ist heute noch in vielen Redensarten präsent: „Hut ab“ drückt noch allemal Bewunderung aus. Wer „den Hut nimmt“, wird entlassen oder tritt zurück. Wenn etwas „über die Hutschnur geht“, dann geht das einfach zu weit. Das kommt angeblich daher, dass das Hutband als Maß zur Kontrolle der Dicke von Wasserleitungen in Brunnen benutzt worden sei – der Strahl durfte ein bestimmtes Maß nicht überschreiten. „Alles unter einen Hut zu bringen“ bedeutet zu vermitteln, einen Konsens herzustellen, unterschiedliche Tätigkeiten miteinander vereinbaren. „Das kannst du dir an den Hut stecken“ ist eine ganz deutliche Abfuhr: Vergiss es, das kommt nicht in Frage. Früher wurden Hüte oft geschmückt, gern auch mit weniger wertvollen Kleinigkeiten. Wenn jemanden „der Hut hoch geht“, dann ist man empört, wütend und verliert die Geduld.  Wie andere Kleidungsstücke auch unterliegt der Hut den Gesetzen von Trends und Modeströmungen. Alte Hüte, die aus der Mode gekommen sind, wirken fade und langweilig, daher „das ist ein alter Hut“ bezeichnet etwas schon lange vorhanden Gewesenes.

Die Hundstage

Aber unabhängig von den Kopfbedeckungen für Frauen und Männer sprechen wir jetzt häufig über die heuer fehlenden Hundstage. Sie treten in der Zeit vom 23. Juli bis zum 23. August auf. Der Begriff Hundstage stand ursprünglich in Verbindung mit dem heliakischen (Oberbegriff der Astronomie und bedeutet „zur aufsteigenden Sonne gehörend“) Aufgang des Sirius, was heutzutage allerdings nicht mehr zutrifft. Die scheinbare Helligkeit der Himmelskörper und die jeweilige Dämmerungsdauer bestimmen, an welchem Tag ein im Osten aufgehender Himmelskörper erstmals beziehungsweise ein im Westen untergehender Himmelskörper letztmals mit bloßem Auge in der Morgendämmerung erkennbar ist.

Besonders wichtig war der heliakische Aufgang des Sirius im Alten Ägypten als Bringer der Nilflut. Beide Ereignisse fielen ab etwa 2000 v. Chr. zusammen. Für die Ägypter begann mit der Nilflut die für den Anbau und die Aussaat wichtige Bewässerung und Versorgung mit dem Nilschlamm. Mit dem heliakischen Sirius-Aufgang war zudem das Neujahrsfest gekoppelt. In Sumer, Assyrien und Babylonien übernahmen einige Sterne mit ihrem heliakischen Aufgang wichtige Funktionen als Signalgeber für den landwirtschaftlichen Kalender.

Die Eigenbewegung des Sternbildes Canis Major und die Präzession (Zyklus der Präzession, auch Großes Jahr oder Weltjahr) wird die Präzessionsperiode der Erdachse von etwa 25.700 bis 25.800 Jahren bezeichnet. In diesem Zeitraum präzediert die Erdachse, die schräg zur Ebene der Ekliptik steht, einmal um die Achse durch den Erdmittelpunkt, die senkrecht auf der Ekliptik steht) der Erde sind dafür verantwortlich, dass sich die Zeit der Hundstage um etwa vier Wochen verlagert hat. In unseren Breiten kann der heliakische Aufgang des Sirius erst frühestens ab dem 30. August beobachtet werden und ist damit ein Zeichen für den nahenden Herbstanfang. Entsprechend der alten Tradition werden aber immer noch die heißesten Wochen des Jahres als „Hundstage“ bezeichnet.

Ich hab‘ gar nicht gewusst, wie kompliziert das mit den Hundstagen ist …

Wie man so schön sagt:

Einmal Neuseeland und zurück: warum mir die Maori fehlten

Gedanken anlässlich eines Reisefilms

Reisen kann man in auf verschiedenen Art. Derzeit ist der Radius zwar etwas beschränkt, man kann noch nicht überall hin- und von überall zurückfliegen, aber man kann z.B. einen Film ansehen, den eine liebe Freundin im Jahr 2004 gedreht hat, während sie Neuseeland besucht hat. Von meiner „Reisefreundin“ haben ja manche von Ihnen, die meinen Blog regelmäßig lesen, gehört. Wir sind gemeinsam zur Schule gegangen, sie ist in ihrem Leben viel gereist und hat das alles vorbildlich dokumentiert – durch Filme, die sie gedreht, hinterher bearbeitet, besprochen und mit Musik unterlegt hat, aber auch durch Tagebuchaufzeichnungen, alle ordentlich abgelegt, damit man jederzeit Zugriff darauf hat, wenn doch Fragen zum Film kommen.  Wir vereinbaren immer im Voraus, welchen Film wir ansehen, ich darf wählen. Und ich wähle Länder, in die ich nicht mehr kommen werde, weil sie Kriegsgebiet geworden sind, weil sie zu „gescheiterten Staaten“ geworden sind, oder weil ich schon zu alt für sehr weite, beschwerliche Reisen bin.

Heute haben wir den Reisefilm Neuseeland angesehen. Mein Mann hat Neuseeland einmal im Rahmen seiner journalistischen Tätigkeit besucht, daher stand das Land für eine gemeinsame Reise nicht hoch auf seiner Prioritätenliste. Und für mich war es auch nicht unbedingt ein „Wunschziel“, erstens weil es dort keine Ausgrabungen oder sonstige historische Monumente gibt, und weil auch viele unwissende Leute meinten, dort sähe es ohnedies aus wie bei uns. Weit gefehlt!

Was mir an diesem filmischen Reisebericht besonders aufgefallen ist, dass es zwar Häuser mit interessanter Schnitzarbeit, Boote mit faszinierenden Dekorationen, Werkzeuge etc.  der Maori (in Museen) gibt, dass ich aber „im täglichen Leben“ dort keine Maori gesehen habe, außer bei einem „Kriegstanz“, der für Touristen aufgeführt wurde.

Neuseeland war eine der letzten Gegenden der Erde, die von Menschen besiedelt wurden. Als wahrscheinlich wird angenommen, dass Neuseeland in mehreren Wellen besiedelt wurde, ausgehend von Ost-Polynesien zwischen 800 und 1300 n. Chr. Erste europäische Erforscher wie z.B. Kapitän James Cook, dessen erster Besuch 1769 stattfand, beschrieben Begegnungen mit Maori als ein grimmiges und kämpferisches Kriegervolk. Ab den 1780er Jahren trafen Maori dann auf europäische Robben- und Walfänger, manche heuerten auf deren Schiffen an. Zunehmenden Einfluss auf die Maori hatten zu dieser Zeit auch Flüchtlinge aus der Sträflingskolonie Australien.

Aber die Europäer brachten auch Krankheiten mit, die für die Maori zum Teil verheerende Auswirkungen hatten. Schätzt man die Population der Maori im 18. Jahrhundert noch auf 220.000 bis 250.000, geht man für 1896 nur noch von etwa 40.000 Ureinwohnern aus. Krankheiten wie Tuberkulose, Masern, Typhus und Influenza konnte sich unter ihnen ungehindert ausbreiten, da ihr Immunsystem darauf nicht vorbereitet war. Aber auch der Erwerb und Gebrauch von Schusswaffen, mitgebracht durch die Europäer und als Gegenleistung für neuseeländischen Flachs an die Maori verkauft, hatte bei Stammesstreitigkeiten gravierende Auswirkungen.

Der Vertrag von Waitangi, der im Jahre 1840 unterzeichnet wurde, besagte, dass die Maori-Stämme ungetrübten Besitz von Land, Wäldern, Fischgründen etc. haben sollten. Im Verlauf der Jahre bis 1872 kam es zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen als Folge von Unklarheiten dieses Vertrags. Heute regelt das Waitangi Tribunal Unstimmigkeiten.

Auch wenn in erheblichem Umfang Maori und Europäer heirateten und sich also durchmischten, behielten doch viele ihre kulturelle Identität. Es gibt deshalb zahlreiche Möglichkeiten der Definition, wer Maori ist und wer nicht, daher gibt es keine eindeutig homogene Gruppierung namens Maori. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts gab es erfolgreiche Maori-Politiker die das Ziel verfolgten, ihr Volk wiederzubeleben. Dies zielte nicht auf eine Abgrenzung, sondern durchaus auf die Übernahme westlichen Wissens und Werte wie in der Medizin oder Ausbildung, aber auf der anderen Seite die unbedingte Förderung der traditionellen Kultur wie der Künste. Seit den 1960er Jahren erlebte die Kultur der Maori einen umfassenden Aufschwung. Die Regierung erkannte die Maori als politische Kraft an. Im Juni 2008 einigten sich die Regierung Neuseelands und ein Maori-Kollektiv aus sieben Stämmen nach über 20 Jahren Verhandlungszeit auf eine umfassende Entschädigung für die Ureinwohner. Dem Kollektiv, das rund 100.000 Maori im Zentrum des Landes repräsentiert, wurden 176.000 Hektar kommerziell genutzter Waldfläche und die Einnahmen aus deren Bewirtschaftung zugesprochen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging in vielen Gegenden Neuseelands die Sprache der Maori als Alltagssprache verloren. Aber seit den 1970er Jahren unterrichten deshalb viele Schulen die Kultur und Sprache der Maori, und in manchen Kindergärten wird mit den Kindern ausschließlich Maori gesprochen wird.

Kunst fand in der Gesellschaft der Maori in Form von mündlicher Literatur und Redekunst, Dichtung über Gesang, in verschiedenen Darbietungen von Musik und Tanz, in der Weberei, in der Holzschnitzerei und in der Herstellung von Skulpturen aus Holz und Stein ihren Ausdruck. Auch die Tätowierungen des Körpers, bevorzugt des Gesichtes, waren eine Kunstform, in der sozialer Rang, Status der Geburt, Heirat, Autorität und persönliches Zeichen dargestellt wurden. Eine der bekanntesten Traditionen der Maori ist ein Kriegstanz, der heutzutage auf Festen und zur Begrüßung von Gästen zelebriert und gerne auch vor Touristen aufgeführt wird.

Die mehr als 565.000 Menschen, die sich als Maori identifizieren, machten 2006 14,6 % der neuseeländischen Bevölkerung aus. Als Maori gilt, wer sich mit der Kultur der Maori identifiziert, unabhängig von Vorfahren oder deren Anzahl. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen der Maori liegt deutlich unter demjenigen Gesamt-Neuseelands, in der sozialen Unterschicht sind die Maori überproportional vertreten und 39,5 % aller Maori über 15 Jahren haben keinen Schulabschluss im Vergleich zu 25 % der neuseeländischen Gesamtbevölkerung. Die Lebenserwartung ist weiterhin deutlich geringer als bei Nicht-Maori.

Ja, was man so alles lernen kann, auf einer fiktiven Reise durchdieses interessante, abwechslungsreiche gar nicht an Österreich erinnernde Insel-Land.

Einmal Neuseeland und zurück: warum mir die Maori fehlten

Kurzurlaub in Mauerbach

Hochsommer ist’s! Es ist ein Sommer wie damals (bisher, wir wollen’s ja nicht verschreien), wechselhaft, mit Regen, Gewittern, und nur kurzen “Hitze“-Perioden, die aber noch nicht an der 36° früherer Jahre heranreichen.  Warum, wieso? Manche sagen, es käme daher, dass heuer im Frühjahr weniger geflogen und Autogefahren wurde? Kann ich mir zwar nicht vorstellen – aber diese Ursachen-Wirkung-Vorstellung gefiele mir dennoch recht gut. Und viele sind nun doch auf Urlaub, schicken Bilder mit Wäldern, Seen und auch dem azur- bzw. türkisblauem Meer. Manche – wenige schicken noch Ansichtskarten. Ich hab‘ manchmal das Gefühl ganz allein in Wien zu sein.

Aber es gibt sie dennoch, die „feriengleichen“ Lichtblicke. Ich war gestern in Mauerbach. Dieser Ort liegt im Wienerwald, 80% der Fläche der Marktgemeinde sind bewaldet. Durch das Gemeindegebiet fließt der gleichnamige Mauerbach. Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde der Ort im Gegensatz zum nahen Purkersdorf vorerst nicht Groß-Wien angeschlossen, sondern dem Landkreis Sankt Pölten zugeteilt.

Schon im Biedermeier wurden in einem Wanderführer aus dem Jahr 1835 die damals belieben Spaziergänge erwähnt: „Mauerbach ist ein Mittelpunkt der reizendsten Ausflüge, die sich namentlich für den Hochsommer eignen, da man immer in Wäldern bleibt. Übrigens müssen die Damen erinnert werden: bei einer Fahrt nach Mauerbach nie den Mantel zu vergessen. Abgesehen von Gewitterregen, deren Annäherung man in dem beschränkten Gesichtskreise des Thales nicht so bald wahrnimmt, tritt daselbst nach Sonnenuntergang immer eine bedeutende Kühle ein, die man in anderen Gegenden um Wien nicht in dem Grade findet, und man hat eine Stunde zu fahren, ehe man in Mariabrunn das Freie erreicht.“ Trifft alles auch heute zu!

Vielen von Ihnen ist wahrscheinlich die Kartause Mauerbach ein Begriff. Diese wurde im Jahr 1314 durch Friedrich den Schönen gestiftet. 1342 wurde höchstwahrscheinlich die Kartause Prag mit Mönchen aus Mauerbach besiedelt. Im Spätmittelalter erlitt das Kloster wiederholte Plünderungen, etwa in der Zeit 1483 bis 1486 und dann 1529 beim Türkeneinfall eine regelrechte Verwüstung mit sieben Toten. Um 1550 lebten nur vier Mönche im Kloster. Unter Prior Georg Fasel (1616–1631), den Kardinal Melchior Khlesl aus der Kartause Prüll bei Regensburg berufen hatte, begann eine Erneuerungsphase für das Kloster. Die intensive Bautätigkeit brachte unter anderem den Kaisertrakt. Im 18. Jahrhundert war das Kloster in disziplinärer und finanzieller Hinsicht gesund. 1782 wurde das Kloster von Kaiser Joseph II. im Zuge der Josephinischen Reformen aufgehoben und die Kartause ab 1784 als Versorgungshaus der Gemeinde Wien für bis zu 700 alte und unheilbar Kranke verwendet. Von 1944 bis 1945 diente der Ort als Zivilistenhospital. Danach war die Kartause schutzlos der Erosion ausgesetzt und Herberge für Obdachlose. 1962 wurde die Republik Österreich Eigentümer der Kartause, die von 1968 bis 1971 eine Restaurierung durchführte. Ab 1984 begann die behutsame Sanierung durch das Bundesdenkmalamt, die dort seither auch ihre Restaurierwerkstätten Baudenkmalpflege (ursprünglich Abteilung für historische Handwerkstechnik) unterhält. Von 1966 bis 1994 war die Kartause Depot von Restitutionsgütern, die in der NS-Zeit jüdischen Personen entwendet wurden und vom Staat Österreich als „herrenloses“ Kunstgut eingestuft wurden.

Vieles gibt es hier zu bestaunen, Das Klostergebäude mit seinem Kreuzgang, die barocke Klosterkirche und deren Kreuzganglettner, der Prälatenhof lag in der Klosterzeit außerhalb der Klausur und wurde vom Kaisertrakt, dem Gästetrakt und der Prälatur umschlossen.

Aber für mich aber bietet Mauerbach mehr: hier lebt und wohnt eine sehr liebe Freundin (eigentlich Verwandte) von mir. Sie hat mich gestern eingeladen. Wir haben den Nachmittag bzw. Abend weitgehend auf ihrer Terrasse verbracht – im Schatten einer Laube, umgeben von heimischen und exotischen Pflanzen, zum Teil blühend. Bei uns wurden ja aufgrund des Klimawandels   diverse mediterrane Pflanzen heimisch, sie überwintern sogar schon draußen! Ein Brunnen plätscherte lieblich.  Zwei Mal mussten wir ins Innere flüchten, das erste Mal war es in kurzes, aber recht heftiges Gewitter, mit Blitzen und heftigen Donnern, das rasch gekommen war, sich aber ebenso rasch wieder verzogen hatte. Wir konnten wieder zurück in „unsere“ Laube, mit dem Blick – nur ins Grüne, in den Wiener Wald. Noch ein zweites Mal regnete es sanft, aber dafür wurden wir mit einem traumhaften Sonnenuntergang, mit Canaletto-Licht, und einem farbenprächtigen Regenboten belohnt.

Dass wir nicht nur dort gesessen sind, nehmen Sie ja wohl schon gar nicht an! Wir haben köstlich gegessen – DANKE – von der Jause über ein Nachtmahl mit meinen Leibspeisen, Jakobsmuscheln auf Salat, und frisch gemachten Marillenknödeln (mit Topfenteig!)

Wir haben viel geredet und viel gelacht.

Auch in der Wiener Umgebung kann man wunderbar (Kurz-)Urlaub machen.

Kurzurlaub in Mauerbach