Nobody is perfect

Aber manche sind’s doch

Und die beneide ich glühend. Aber dazu muss ich ausholen. Ich war gestern bei alten Freunden zum Essen und Trinken eingeladen.

Ich weiß, dass die Hausfrau eine der besten Köchinnen ist, die ich kenne. Und sie hat mich auch diesmal nicht enttäuscht.  Nämlich, nicht nur, dass sie hervorragend kochen kann, sie merkt sich auch, welche Gerichte ihre Gäste besonders schätzen. Also, ja, jeder bemüht sich, die Wohnung ordentlich aufzuräumen, wenn Gäste kommen. Hier war selbstverständlich alles picobello. Die Hausfrau selbst gar nicht abgestrudelt oder rot im Gesicht, nein sie war besonders hübsch gekleidet, ordentlich geschminkt und komplett gelassen, rannte nicht zwischendurch in die Küche, um nachzusehen, ob nichts anbrannte. Vielleich soll ich noch über die Speisefolgen referieren. Es gab ein Gazpacho (Rezept von der spanischen Großmutter eines Freundes), himmlisch! Und dann Steinpilze (die waren am Morgen auf einem relativ weit entfernten Markt gekauft worden) sautiert mit Petersilie, zuletzt einen Eiskaffee.

Und der Tisch war perfekt gedeckt. Nicht nur ein blütenweißes Tischtuch, auch gestärkte Stoffservietten fanden sich da, mit hübschen Serviettenringen.  Das wunderhübsche Augartenservice – Wiener Rose – und das glänzend geputzte Silberbesteck. Die Gläser – so nehme ich an, waren von Riedel. Natürlich zum Willkommen gab’s eine Rose-Sekt (?), und zu jedem Gang den passenden Wein. Ich war sehr vorsichtig mit dem Alkohol, denn bei der Hitze vertrag ich Alkohol eher gar nicht, ich werde müde und es geht mir dann nicht gar so gut.

Also nach jeden Gang wurde nicht nur das Geschirr, sondern auch das jeweilige Zubehör vom Tisch geräumt. Ja, und ob Sie’s glauben oder nicht, ich fühlte mich trotz der Perfektion pudelwohl.

So etwas gelänge mir nie. Ich koche zwar sehr gerne, zur Not auch für mich allein, aber dann vergeht mir die Lust, alles hübsch zu arrangieren, ich lege nur Wert darauf, dass es gut schmeckt. Und die Rezepte dieser Hausfrau gelingen sogar mir immer. Mein Haushalt läuft irgendwie anders ab, Wäsche wird nicht gestärkt, das Tafelsilber nur sehr zuweilen geputzt.

Ich bin wahrscheinlich für diese Perfektion viel zu ungeduldig. Mit fallen zwischenzeitlich immer wieder Dinge ein, die ich tun sollte – oder möchte. (Dazu gehört bei mir selbstverständlich das Schreiben). Ja, vielleicht bin ich auch beim Schreiben zu ungeduldig, sobald der Text steht, wird er zwar doch eher sorgfältig durchgelesen und „“gespellcheckt oder spellgecheckt“. Aber dann wird er gepostet. Kein weiteres Setzenlassen, Darüber-Nachdenken etc. ja, natürlich finden dann verschiedenen Menschen Fehler, die mich mehr oder minder öffentlich bzw.  nicht immer besonders diskret darauf aufmerksam machen. Mir hat schon immer Multitasking gefallen, obwohl es eigentlich bei mir nicht wirklich funktioniert.

Aber heute habe ich im Radio, na nicht ordentlich erlauscht, aber hier und da ein paar Brocken aufgeschnappt. Joji Hattori – Geiger, Dirigent und Wirt – hat gesprochen unter „Gedanken – Japan 1945 bis heute“. Ich gehe oft an seinem Restaurant vorbei, es hat seinen Sitz in der Krugerstraße und sein Schanigarten hat die hübscheste Pflanzenumgrenzung (Japanischer Ahorn – glaube ich) der Umgebung. Aber er erläuterte etwas, das ich faszinierend fand: Es gibt Menschen mit einer ausgeprägten Begabung, und auf diesem Gebiet sind sie absolute Spitze. Dann gibt es aber Menschen, die verschiedene Begabungen haben, bei ihm war es die Musik, die Anthropologie, und eigentlich noch vieles mehr. So lebt er heute zwei Kulturen, die japanische und die österreichische, er dirigiert, aber er betreibt auch ein Japanisches Restaurant. Fazit: Man kann auf mehr als einem Gebiet gut sein. Und er meinte, er versuche, den Menschen Glück zu bereiten, mit beidem. (Ich werde es demnächst ausprobieren, nämlich das Restaurant, es schien mir bisher sehr elitär – daher teuer – aber jetzt interessiert es mich – werde ich Glück empfinden?) Die verwendeten Ausdrücke waren für mich etwas fremd – ich würde nämlich nicht sagen, „Glück zu bringen“, ich hätte vielleicht stattdessen gesagt, Freude bringen.

Ich glaub zwar, dass es in meinem Fall nicht eine Frage der Mehrfachbegabung ist, so vermessen möchte ich gar nicht sein, ich fürchte, es ist eher meine Ungeduld, da halt letztlich zu einer imperfekten Hudelei führt. Naja, vielleicht ist es auch Neugierde, die zu meiner Ungeduld führt „…  doch möcht‘ ich alles wissen (aber das hat ja schon jemand anderer gesagt).

Es gibt jetzt mehrere Möglichkeiten: entweder nehme ich mich zusammen und zügle meine Ungeduld, hudle weniger oder ich tu so weiter, wie bisher und lebe aber damit recht gemütlich (nur Sie haben dann mehr Gelegenheit Fehler in meinen Texten zu finden). Wenn mir demnächst sehr fad wird (kommt nur in wirklich Ausnahmen vor), mache ich mich ans Silberputzen.

Nobody is perfect

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