Ribisel-Zeit ist

(Ribiseln sind Johannisbeeren)

Essen Sie auch gerne Ribiseln oder gar Ogroseln (=Stachelbeeren)? Ich mag sie vielleicht deshalb, weil man sie nicht das ganz Jahr bekommen kann, sondern nur zur Zeit ihrer Reife in unseren Landen – also jetzt. Und vorbereiten zum Essen muss man sie auch, man muss sie nämlich rebeln (von ihren Stängeln entfernen).  Ja, und oft sind sie ziemlich sauer.

Kennengelernt habe ich sie im Garten einer meiner Tanten in Pernitz. Dieser Garten war ziemlich voll mit Ribiselstauden, dort wuchsen rote und weiße Sorten.   Warum es die schwarzen nicht gab, das weiß ich nicht, und daher stammt auch vielleicht auch meine Abneigung gegen die schwarzen Ribiseln und Produkte daraus.  

Sobald die Ribiseln reif wurden, wurden wir Kinder ausgeschickte, um Himbeeren zu pflücken, denn, um Ribiselmarmelade zu machen, benötigte man – laut Aussage meiner Tante – unbedingt Himbeeren. Sehr begeistert waren wir meist nicht, denn Himbeeren wuchsen auf „Schlägen“, d.h. auf Berghängen, wo relativ kürzlich Bäume geschlägert worden waren und das Nachsetzen noch nicht begonnen worden war.  Dort wuchsen allerhand Stauden und Büsche, die zum Teil auch dornig waren, und uns die Beine zerkratzen. Man warnte uns vor Schlangen (Kreuzottern und Sandvipern – die nämlich auch diese Schläge lieben sollten). Wir trafen aber keine an. Wir sammelten diese Himbeeren in Häferln, aus denen, wenn man rutschte oder stolperte, die mühsam gesammelten Himbeeren herausfielen …  Volle Häferln leerte man dann in am Rand des Schlages abgestellte Kannen oder Kübel (bei uns Kindern waren es bestenfalls die Kannen). Auf diesen Schlägen war es ziemlich heiß, weil ja auch die Sonne herunterbrannte, eigentlich wären wir viel lieber in den Bach baden gegangen.

Mit den Himbeeren allein war es ja noch nicht getan, auch die Ribisel mussten gepflückt werden., Also stellte man sich einen Schemel unter die Büsche (oder setzte sich gleich auf die Erde) und pflückte. Auch das ist nicht einer Arbeit, die rasche Ergebnisse bringt. Außerdem musste man darauf achten, dass man nur die reifen Früchte pflückte.  Eine Woche oder so später wurde dann noch einmal gepflückt.

Wenn dann endlich genug Obst vorhanden war, ging es ans Einkochen. Die Himbeeren mussten gewaschen werden (um die Würmer auszuschwemmen) und die Ribiseln mussten also gerebelt werden. Manchmal, eher selten, und es war eher meine Mutter als meine Tante, die dafür sorgte, bekamen wir Kinder diese Ribiseln mit Zucker und Rahm zur Belohnung für unsere Arbeit.

Das Einkochen selbst besorgten dann meine Tante oder meine Mutter ohne unser Zutun. Die Gläser mussten heiß ausgewaschen und blitzsauber sein. Meine Tante hatte noch einen Herd, der geheizt werden musste, also musste für die Prozedur ausreichend Holz gescheitelt worden sein (dazu wurde mein Cousin eingesetzt – Holzmachen galt damals als Männerarbeit!), dann wurden Früchte und Zucker gemischt und unter ständigem Rühren „eingekocht“. Das Zeug spritzte, was wir aber nur aus den Schmerzensschreien der Erwachsenen hörten, da wir aus der Küche verbannt waren. Wir Kinder lauerten auf das „Ausschlecken“ der Töpfe. Denn sobald die Marmelade mit Pektin versehen (später war es dann hochprozentiger Alkohol) in die Gläser gefüllt worden war, durften wir die Reste aus den Töpfen kratzen.

Bei der Produktion wurde unterschieden ob Marmelade oder Gelee gemacht werden sollte. Beim Gelee mussten die Früchte mit der „Flotten Lotte“ passiert werden und das, das da dann herauskam wurde auf ein Tuch gelegt, das über einen Topf gespannt war. Da musste der Saft durchtropfen.  Dann wurde eingekocht. Aber da es dabei zu viel nicht verwertbaren Abfall gab, wurde diese Methode nur selten angewendet – ich weiß auch nicht, ob meine Beschreibung dafür stimmt – es war jedenfalls eine beträchtliche „Patzerei“.

Jetzt musste alles abkühlen, bevor dann die durchsichtigen Folien über die Gläser gelegt und festgebunden wurden. Sobald die Marmelade gestockt war, wurden aus einem mir nicht bekannten Grund die Gläser noch einmal umgedreht, bevor sie in der Speis bis zum Winter verschwanden. Allerdings wurden sie regelmäßig kontrolliert, ob die Marmelade nicht schimmelig wurde.  

Eigentlich erst viel später lernte ich Kuchen kennen, die mit frischen Ribiseln und Meringue gemacht wurden.  

Meine Tante hatte auch einige Ogroselstauden. Aber die waren nicht zur Weiterverarbeitung vorgesehen und wir durften die Beeren pflücken, sobald sie reif waren.

Als wir später einen eigenen Garten hatten, legte meine Mutter größten Wert auf das Pflanzen von Ribisel- und Orgroselstauden. Aber entweder war der Boden bei uns nicht sehr gut für diese Stauden (unsere Humusschichte war sehr dünn und trocknete daher im Sommer bei längeren Schönwetterperioden zu sehr aus?). Und da wir halt meist nur an den Wochenenden in Pernitz waren, kamen uns sehr oft die Vögel beim Ernten zuvor, die feststellten, dass halt die Ribiseln unter der Woche schon reif geworden waren. Jedenfalls war die Ausbeute immer äußerst gering, was meine Mutter aber ziemlich enttäuschte. Mit den Ogroseln hatten wir mehr Glück (ich glaube, dass diese den Amseln nicht so gutschmecken).

Jetzt kann ich mir eine Schale Ribiseln im Supermarkt kaufen – sie schmecken halt nicht so gut, wie jene, die direkt im Garten geernteten. Aber sie Abrebeln, ist immer noch eine kontemplative Beschäftigung, während derer ich mich alter Zeiten entsinne.

Ribisel-Zeit ist

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