Noch immer, Fragen über Fragen zu Europa

Hinausgehend über Grenzen, Zölle und Wirtschaftsleistung

Warum bin ich glühende Europäerin? Welche Identitätsmerkmale hat Europa für mich? Anfänglich, da war es noch einfacher. Europa war bei seiner Gründung – und noch lange danach, das große Friedensprojekt, unterstützt durch „gemeinsames Wirtschaften – ohne Zölle und Hindernisse. An den Frieden hier haben wir uns gewöhnt – wir wurden nur kurz in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufgeschreckt, als die grausamen, blutigen Kriege im Rahmen des Zerfalls von Jugoslawien tobten, die dann – auch noch mit der Hilfe der USA! – „beigelegt“  wurden. Manche der Konflikte schwelen noch immer.

Ich muss aufpassen, Europa ist nicht gleich Europäische Union. Gerade der Großteil des Balkans ist noch „draußen“, also nicht Teil der EU, die meisten der dortigen Staaten streben aber eine Mitgliedschaft an. Und dann gibt es eine Reihe von europäischen Ländern, die bewusst nicht Teil der EU sein wollen: dazu gehören z.B. die Schweiz, Schweden, Island und neuerdings auch Großbritannien.

Das geographische Europa umfasst (noch? außerhalb der EU) z.B. die Ukraine, Weißrussland, aber noch einen kleinen Teil der Türkei, den bevölkerungsreichsten Teil Russlands, aber auch Länder wie z.B. Kasachstan.  

Aber innerhalb der EU kommt es laufend zu Gruppenbildungen, sind das Spaltungstendenzen? Wie gehen wir mit diesen „Gruppenbildung“ innerhalb der EU um: z.B. die Visegrad-Gruppe, die „genügsamen Vier“ – ist das der Weg in die Auflösung oder eine notwendige Folge der Vielzahl der Mitglieder.

Was eint uns? Ich will mich vielleicht heute auf die EU beschränken, welche gemeinsamen Identitätsmerkmale weisen wir auf. Wir haben es gestern versucht, zwei meiner Enkel und ich, wir sehen uns alle drei als Wiener, Österreicher und Europäer. Was haben wir alle „gemeinsam“, mit dem sich jeder Bürger der EU identifizieren kann. Wir haben vieles durchdekliniert: die griechische Sagenwelt, also die „Europa auf dem Stier“ haben wir gleich verworfen.  Das letzte große einheitliche Reich, das ziemlich umfassend „den Westen“ darstellte war wohl das Römische Reich. Und sehen wir ganz Nordafrika – als den Maghreb als Europa an, wir waren verdutzt. Vielleicht nur das Weströmische Reich? Aber vieles, das heute EU ist, war nicht Teil des Römischen Reiches (z.B. Skandinavien, Irland). Dann haben wir’s mit dem Reich Karls des Großen versucht:  da geht auch wieder nicht, da fehlt z.B. „alles östlich der Sachsen“ und der Norden, England etc. Wir probierten:  das Heilige Römische Reich, aber das bekam den Zusatz „deutscher Nation“, womit wir wieder etwas ausschließen mussten. Das Habsburgerreich umfasst zwar zeitweilig große Teile Europas (und sogar der Welt, das AIEOU zeugt davon) von Spanien, den Niederlanden bis zu Mitteleuropa, das vielleicht ein Vorbild für die EU sein könnte, aber ein Identitätsmerkmale für alle Bewohner selbst nur der EU kann es sicher nicht sein.

Vielleicht standen uns die Nationalstaaten bei unserem Denken im Weg, aber die früheren großen „Häuser“ standen halt auch nur für Teile der heutigen EU. Also versuchten wir „große Männer“ (nicht, dass wir die Frauen vergessen hätten, aber die spielten in der europäischen Geschichte früher noch keine so große Rolle – mit Ausnahmen wie Kaiserin Maria Theresia). Napoleon wurde vorgeschlagen – geht auch nicht, weil definitiv „Nur-Franzose“, kriegerisch und letztlich besiegt und verbannt. Also: keine Krieger, keine Herrscher!

Religion – das schlossen wir aus. Ja, früher nannten wir uns das “Christliche Abendland“, besonders christlich sind wir ja nicht mehr, untereinander, also Katholische, Evangelische und Orthodoxe haben wir auch über die Zeit hin ordentlich gestritten, und außerdem darf nicht vergessen werden, dass wir heute einen erheblichen Anteil an muslimischer Bevölkerung in Europa haben.  

Also suchten wir nach „Ideen“, vielleicht jene der Aufklärung? Das Denken mit den Mitteln der Vernunft von Vorurteilen und Aberglauben zu befreien? Aber wie kann man Denken und Vernunft in ein Identitätsmerkmal umsetzen, das dem Bauern in Sizilien bis zu dem Intellektuellen in Frankreich gleichermaßen bedeutend ist.

Erasmus von Rotterdam fiel uns ein, wurde in den Burgundischen Niederlanden, einem Teil des Heiligen Römischen Reiches, geboren und war Theologe, Priester, Augustiner-Chorherr, Philologe und Autor zahlreicher Bücher; und Namensgeber für ein bedeutendes Erziehungsprojekt der EU, das aus vielen Jugendlichen eben jene glühenden Europäer macht.

Vielleicht eint uns die Vielfalt? (Aber was unterscheidet uns dann von anderen vielfältigen Gruppierungen?) Das derzeit gewählte (seit 2000) Motto der EU ist „In Vielfalt geeint („In varietate concordia“).

Und dazu gibt es noch die zwölf goldenen Sterne auf blauem Grund – die Europafahne: Die Sterne stehen für die Werte Einheit, Solidarität und Harmonie zwischen den Völkern Europas. Die Zahl der Sterne hat nichts mit der Anzahl der Mitgliedsländer zu tun – der Kreis hingegen ist ein Symbol für die Einheit. Die Zahl Zwölf symbolisiert Vollkommenheit und Vollständigkeit. Alle Sternenspitzen zeigen genau nach oben.

Aber warum ich glühende Europäerin bin, das kann ich noch immer nicht beantworten. Ich würde es sehr schätzen, wenn Sie mir dabei helfen wollen. Wofür steht „Europa“ heute für Sie?  Und wofür soll es in Zukunft für uns alle stehen?

Noch immer, Fragen über Fragen zu Europa

Ein Gedanke zu “Noch immer, Fragen über Fragen zu Europa

  1. Kurt Kristinus schreibt:

    Für mich steht der Europa-Gedanke bzw. die EU für Sicherheit. Was allerdings dringend notwendig wäre, ist meiner Meinung nach ein totaler Umbau der EU. Was dazu in erster Linie notwendig wäre fehlt derzeit, das wäre eine unumstrittene Führungspersönlichkeit ob Mann oder Frau, die von allen geachtet und anerkannt wird und welche die Frage stellt, wo es mit der EU hingehen soll. Es gibt m.E. nur zwei Szenarien. Entweder eine EU, in der die Nationalstaaten einen Teil ihrer Souveränität an das größere Gemeinsame abgeben oder die zweite Möglichkeit, die Bildung einer reinen Wirtschaftsgemeinschaft. Jene Staaten, die sich der ersten Möglichkeit anschliessen bilden dann die neue EU mit dem Ziel, das natürlich nur schrittweise zu erreichen sein wird, eines gemiensamen Heeres und vieler anderen Dinge, die anderen Staaten werden nur durch Handelsverträge an die neue EU angebunden können aber auch später der neuen EU beitreten. Man müsste also M.E. als erstes jene Persönlichkeit finden, die alle überzeugen kann.

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